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Welches Leder für Einfassungen? Dicke, Art und Auswahl
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Welches Leder für Einfassungen? Dicke, Art und Auswahl

Für Einfassungen und Bezüge eignet sich am besten ein flexibles Leder mit einer Stärke von 0,8 mm bis 1,2 mm. Die Wahl genau dieses Stärkebereichs ergibt sich aus der Mechanik des Materials beim Falten und Formen. Der Begriff „Einfassung“ umfasst im Täschnerhandwerk ein breites Spektrum an Tätigkeiten: von der Versäuberung offener Taschenkanten mit einem Lederkeder über das Umwickeln von Griffen an Aktentaschen bis hin zur Restaurierung von Autolenkrädern. In jedem dieser Fälle muss das Material eng am Untergrund anliegen, sich gut dehnen lassen und darf an den Falzen keine unästhetischen Verdickungen bilden. Die Verwendung eines falschen, zu steifen Lederstücks ruiniert die Proportionen des Projekts und erschwert eine gleichmäßige Nahtführung drastisch. Die Wahl der richtigen Lederhaut ist das Fundament, von dem nicht nur die Optik, sondern auch die Langlebigkeit des fertigen Endprodukts abhängt.

Welche Lederstärke für Einfassungen und Bezüge

Die Materialstärke ist ein Schlüsselparameter bei der Planung von Einfassungen. Der optimale Bereich liegt zwischen 0,8 mm und 1,2 mm, die genaue Wahl hängt jedoch von den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Elements ab. Man darf die einfache Mathematik der Lederverarbeitung nicht vergessen: Das als Keder an der Kante verwendete Leder wird in der Mitte gefaltet. Wenn du einen 1,0 mm starken Riemen verwendest, um die Kante einer Tasche aus 2,0 mm starkem Leder einzufassen, beträgt die Gesamtdicke dieser „Sandwich“-Konstruktion 4,0 mm. Das ist eine Stärke, die du problemlos mit einem Nahteisen mit 4 mm oder 5 mm Zahnabstand durchschlagen kannst, wobei die Ästhetik der Handnaht erhalten bleibt.

Dünnere Leder im Bereich von 0,5 mm bis 0,7 mm sind aufgrund ihrer großen Weichheit und leichten Formbarkeit oft verlockend. Leider bergen sie in den Händen eines Anfängers ein erhebliches Risiko. Beim festen Anziehen des Garns (insbesondere bei dünnen, reißfesten gewachsten Polyestergarnen wie Slam) kann die Narbenseite sehr leicht durchschnitten werden. Dünnes Material hat zudem eine geringere Abriebfestigkeit, was es für Stellen disqualifiziert, die ständigem Handkontakt ausgesetzt sind, wie Taschengriffe oder Lenkräder.

Andererseits verursacht Material mit einer Stärke von über 1,5 mm enorme konstruktive Probleme. Stell dir vor, du versuchst, dicke Pappe in der Mitte zu falten – genau so verhält sich zu dickes Leder an der Kante. Es wird Widerstand leisten, zurückfedern und sich an den Rundungen ablösen. Um die Kante mit einem solchen Material richtig zu versäubern, ist ein radikales Ausschärfen der Kanten (Skiving) erforderlich, was viel Übung im Umgang mit dem Halbmondmesser oder dem französischen Schärfmesser erfordert. Für einen fortgeschrittenen Handwerker ist das Ausschärfen eines Lederriemens von 1,5 mm auf 0,8 mm an den Rändern reine Routine, aber für jemanden, der seine ersten Schritte macht, ist es der direkte Weg, das Material zu ruinieren. Ziele daher zu Beginn auf fertige Stärken von etwa 1,0 mm ab.

Welche Gerbungsart — pflanzlich vs. chromgegerbt

Die Frage der Gerbung teilt Projekte im Bereich der Einfassungen in zwei völlig unterschiedliche Kategorien. Sowohl pflanzlich gegerbtes Leder als auch Nappaleder finden hier ihre Anwendung, aber ihre Eigenschaften erfordern völlig andere Arbeitstechniken.

Nappaleder ist eine häufige Wahl für das Beziehen von Lenkrädern, Schaltknäufen und die Herstellung von Paspeln in weichen Beuteltaschen. Der Gerbprozess macht das Material sehr weich, dehnbar und widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit und Schweiß. Diese Flexibilität ermöglicht ein perfektes Spannen des Leders über komplexe, dreidimensionale Kurven. Du musst jedoch die wesentlichen Einschränkungen von Nappaleder beachten. Dieses Material lässt sich an den Kanten nicht mit einem Holzslicker und dem Mittel Tokonole glätten. Die Kanten von Nappaleder bleiben immer faserig. Deshalb wendet man bei der Herstellung von Einfassungen aus diesem Material die Technik des Einschlagens der Kanten nach innen an (sogenannte umgebugte Kanten), um den offenen Schnitt zu verbergen, oder man streicht sie mit einer dicken Kantenfarbe. Nappaleder lässt sich zudem in der heimischen Werkstatt nicht mit Lederfarbe wie Fiebing's Pro Dye umfärben — man kauft es bereits in der gewünschten Endfarbe.

Pflanzlich gegerbtes Leder ist die Domäne der klassischen, formstabilen Lederverarbeitung. Es eignet sich hervorragend für die Kanteneinfassung bei Aktentaschen, Necessaires und versteiften Dokumentenmappen. Sein großer Vorteil ist die Möglichkeit der Nassformung. Wenn du eine Einfassung um eine scharfe Kurve führen musst, reicht es aus, den pflanzlich gegerbten Lederstreifen leicht mit Wasser zu befeuchten, ihn an der Kante anzulegen und zu warten, bis er getrocknet ist. Das Material merkt sich die ihm verliehene Form. Darüber hinaus kannst du die offenen Kanten einer solchen Einfassung ästhetisch versäubern. Es genügt, die Ränder mit einem Kantenhobel (in der Größe #0 oder #1) leicht zu brechen, anschließend Tokonole aufzutragen und zu polieren. Naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Leder kannst du nach Belieben mit alkohol- oder wasserbasierten Lederfarben färben. Denke jedoch daran: Wenn du pflanzlich gegerbtes Leder kaufst, das bereits farblich gefinisht ist (z. B. mit einer Wachs- oder Lackschicht auf der Narbenseite), nimmt es keine zusätzlichen Farben mehr an – dir bleibt dann nur noch die Arbeit an der Kantenversäuberung.

Worauf man achten sollte

Der Prozess des Einfassens erfordert Präzision und die Berücksichtigung einiger Details, die sich direkt auf die Qualität der Arbeit auswirken. Bevor du mit dem Zuschneiden und Nähen beginnst, solltest du die folgenden Aspekte analysieren.

Erstens: Prüfe die Dehnrichtung des Materials. Echtes Leder ist nicht homogen. Es dehnt sich quer zur Rückenlinie des Tieres deutlich stärker als in Längsrichtung. Wenn du einen langen Streifen für einen Keder oder einen Lenkradbezug zuschneidest, musst du entscheiden, ob du ein Material benötigst, das sich leicht dehnen lässt (dann schneide quer), oder eines, das formstabil bleibt (schneide entlang des Rückens). Ein Fehler in dieser Phase führt dazu, dass sich die Einfassung auf geraden Strecken kräuselt oder an den Rundungen nicht nachgibt.

Zweitens: Die Vorbereitung der Kanten. Selbst bei dünnem Leder von 0,8 mm entsteht durch das Falten an der Kante eine doppelte Schicht. Um ein klobiges Aussehen zu vermeiden, schärfen Handwerker nur die Ränder des Streifens von der Fleischseite her aus. Dadurch behält die Mitte der Einfassung, die sich um die Hauptkante legt, ihre volle Stärke und Reißfestigkeit, während die Ränder, durch die die Sattlernaht verläuft, nahtlos in die Narbenseite des Hauptelements übergehen. Für diese Aufgabe ist ein scharfes Schärfmesser oder ein präzises Halbmondmesser unerlässlich.

Drittens: Die Wahl der Montagechemie. Das Leder an Einfassungen arbeitet ständig. Die Verwendung eines harten, kristallisierenden Klebstoffs führt dazu, dass du beim ersten stärkeren Biegen der Tasche das Knacken der brechenden Klebenaht hörst. Verwende zum Einkleben von Kedern und zum Unterkleben von Bezügen ausschließlich flexiblen Lederkleber. Trage eine sehr dünne Schicht auf beide Flächen auf, warte, bis das Lösungsmittel verdunstet ist, und drücke sie fest zusammen.

Viertens: Der Zahnabstand der Nahteisen und die Wahl des Garns. Einfassungen erfordern aufgrund ihrer Feinheit subtilere Lederwerkzeuge. Nahteisen mit einem Zahnabstand von 3 mm oder 4 mm sind bei dieser Art von Arbeit der Standard. Ein zu breiter Abstand (z. B. 6 mm) führt dazu, dass das dünne Leder der Einfassung zwischen den einzelnen Löchern absteht. Wähle für eine dichte Naht ein entsprechend dünnes Garn – ein gewachstes Polyestergarn mit einer Stärke von 0,6 mm ist genau richtig. Es sorgt für starken Halt, ohne den schmalen Lederstreifen optisch zu erdrücken.

Empfohlenes Leder aus unserem Sortiment

Bei der Auswahl des Materials für Einfassungen aus dem Sortiment unseres Shops lohnt es sich, sich an den spezifischen Anforderungen des geplanten Produkts zu orientieren. Wir bieten verschiedene Varianten an, die den Ansprüchen sowohl weicher als auch formstabiler Konstruktionen gerecht werden.

Für klassische, steife Einfassungen in Projekten aus pflanzlich gegerbtem Leder eignet sich ein dünnes Rindblankleder mit einer Stärke von etwa 1,0 mm sehr gut. Es ist ein festes Leder, das nach der Nassformung gut seine Form behält und eine glatte Kantenversäuberung ermöglicht. Wenn du das Färben planst, wähle ein naturbelassenes Blankleder, das Pigmente hervorragend annimmt.

Wenn du nach einem Material mit außergewöhnlicher Ästhetik suchst, bewährt sich unser Flaggschiff, das Leder Maya, in den dünneren Varianten ebenfalls hervorragend als Abschlusselement. Es verfügt über eine bereits gefinishte, matte Narbenseite mit einem charakteristischen Vintage-Abrieb. Denke daran, dass dies ein durchgefärbtes, fertiges Leder ist – trage keine Lederfarbe auf seine Oberfläche auf, sondern konzentriere dich ausschließlich auf die Versäuberung der Kanten und der Fleischseite. Aufgrund seiner etwas höheren Steifigkeit kann es bei schmalen Kedern erforderlich sein, die Ränder leicht auszuschärfen.

Für das Beziehen von Lenkrädern, Schaltknäufen und weichen Taschen empfehlen wir dünnes Nappaleder, zum Beispiel Kalbs- oder Ziegenleder mit einer Stärke von 0,8–1,0 mm. Sie haben eine sehr feine, elegante Narbenstruktur, sind extrem plastisch und widerstandsfähig gegen tägliche Reibung. Ihre Dehnbarkeit verzeiht viele Fehler beim Spannen des Materials über komplexe Formen, was sie zu einer sehr guten Wahl für alle macht, die Polster- und Täschnertechniken erlernen.

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Um dein Wissen über die Arbeit mit dünnen Materialien und die Kantenversäuberung zu erweitern, schau dir unsere anderen Beiträge an:

  • Täschner-Lexikon: Lederstärke und ihre Bedeutung
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