Täschnerleder / Lederwarenleder für Taschen
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Täschnerleder für Taschen und Rucksäcke ist sorgfältig ausgewähltes, strapazierfähiges Rindsleder mit einer Stärke von meist 1,5 mm bis 2,5 mm, das der Konstruktion die nötige Steifigkeit verleiht und gleichzeitig die Flexibilität beibehält, die für die Formgebung und das Umschlagen der Kanten unerlässlich ist.
Das Entwerfen und Nähen größerer Lederwaren wie Reisetaschen, City-Rucksäcke, Aktentaschen oder geräumige Messenger-Bags ist für jeden Handwerker eine echte Prüfung für Können und Geduld. Es erfordert nicht nur Präzision, sondern vor allem ein tiefes Verständnis für das Material. Das Nähen einer Tasche gleicht dem Bau einer Hängebrücke. Die Hauptpfeiler (also der Korpus und der Boden) müssen absolut stabil und unbiegsam sein, während die Tragseile (Gurte, Seiteneinsätze) die richtige Flexibilität benötigen, damit die gesamte Konstruktion unter Belastung arbeiten kann, anstatt bei der ersten stärkeren Spannung zu reißen. Genau deshalb ist die Wahl der richtigen Lederhaut die wichtigste Entscheidung, die man vor dem ersten Schnitt trifft.
Materialanforderungen – was muss Täschnerleder aushalten?
Wenn man Hundezubehör aus Leder oder Gürtel fertigt, konzentriert man sich auf maximale Zugfestigkeit in einer Ebene. Andererseits muss Leder für Geldbörsen dünn und leicht zu falten sein. Taschen und Rucksäcke vereinen all diese Anforderungen in einem einzigen Projekt. Echtleder, das für solche Produkte bestimmt ist, muss das Gewicht von Laptops, Büchern oder Werkzeugen tragen, seine Form auch nach vielen Monaten intensiver Nutzung behalten und sich gleichzeitig an Falten und Nähten gut verarbeiten lassen.
Bei der Materialauswahl muss man auf die Stärke und die Gerbart achten. Rindsleder ist der absolute Standard in dieser Kategorie. Seine Faserstruktur sorgt für eine optimale Festigkeit. In unserem Sortiment finden sich ganze Häute und größere Formate, die es ermöglichen, lange Tragegurte und breite Hauptpaneele problemlos zuzuschneiden, ohne das Material stückeln zu müssen.
Optimale Lederstärken für Taschen- und Gepäckprojekte
Im Täschnerhandwerk gibt es nicht die eine, perfekte Stärke für alles, aber der Bereich von 1,5 mm bis 2,5 mm ist der goldene Mittelweg für Taschen und Rucksäcke.
- Stärke 1,5 mm - 1,8 mm: Dies ist eine hervorragende Wahl für Seiteneinsätze (sogenannte Gussets), Innentaschen, Klappen sowie für „gewendete“ Projekte (bei denen die Tasche auf links genäht und dann auf rechts gedreht wird). Diese Stärke eignet sich hervorragend für weiche Beuteltaschen und Damenhandtaschen. In diesem Bereich bewährt sich Crazy Horse Leder exzellent.
- Stärke 2,0 mm - 2,5 mm: Dies ist das Fundament für Mappen, steife Aktentaschen, klassische Rucksäcke und Reisetaschen. Ein solches Material behält die Form, fällt nicht unter seinem eigenen Gewicht zusammen und ermöglicht eine solide Befestigung von Beschlägen (Nieten, Bodennägel, Schlösser). Vollnarbiges Rindsleder in dieser Stärke ist ein Garant dafür, dass das Produkt Jahrzehnte überdauert.
Oft kombiniert man in einem Projekt zwei Stärken – die dickere wird für den Korpus und den Boden verwendet, die dünnere für die Seiten und Details. Wenn man den Boden aussteifen möchte, kann man jederzeit eine zusätzliche Lederschicht einkleben oder einen Umschlag verwenden, der die Kante verstärkt.
Pflanzlich gegerbtes Leder oder Crazy Horse?
Die Wahl des Finishs bestimmt nicht nur die Optik, sondern auch die Art und Weise, wie man mit dem Material arbeitet.
Pflanzlich gegerbtes Leder (Veg-Tan) ist der absolute Klassiker. Es hat einen festeren Griff, lässt sich hervorragend nassformen (man denke daran, dass das gesamte Leder geformt wird, um ihm die gewünschte Gestalt zu geben, z. B. für gewölbte Taschen) und ermöglicht ein problemloses Punzieren. Das Wichtigste ist jedoch, dass die pflanzliche Gerbung dafür sorgt, dass das Material mit der Zeit wunderschön nachdunkelt. Diese natürliche Patina, die durch Sonneneinstrahlung und tägliche Berührung entsteht, verleiht der Tasche einen einzigartigen, edlen Charakter. Veg-Tan-Leder nehmen eindringende Lederfarben hervorragend auf, was einem die volle Kontrolle über die endgültige Farbgebung gibt.
Hingegen ist Crazy Horse Leder ein Material mit einer völlig anderen Seele. Es wird bereits in der Gerberei mit speziellen Wachsen und Ölen imprägniert. Sein charakteristisches Merkmal ist der „Pull-up“-Effekt – beim Biegen oder Drücken von unten hellt das Leder an den belasteten Stellen auf und erzeugt so einen unglaublichen, rustikalen Look. Es ist weicher und geschmeidiger als unbehandeltes Veg-Tan der gleichen Stärke. Es verzeiht viele Fehler, und kleine Kratzer, die während des Gebrauchs entstehen, lassen sich leicht durch Reiben mit einem Tuch oder der Handfläche entfernen. Man sollte jedoch bedenken, dass derart gefinishte Leder keine Farben mehr annehmen – sie kommen bereits mit ihrer endgültigen, wunderschönen Farbe aus der Gerberei.
Unverzichtbare Lederwerkzeuge für große Projekte
Der Bau einer Tasche erfordert eine gut ausgestattete Werkstatt. Grundlegende Lederwerkzeuge müssen hier absolut zuverlässig sein, da man meterweise Schnitte und tausende von Stichen ausführen wird.
- Schneiden: Vergiss kleine Scheren. Zum Schneiden langer, gerader Linien für den Korpus oder die Tragegurte eignen sich am besten solide Cuttermesser mit Abbrechklinge oder japanische Schärfmesser. Wenn sie an einem schweren Lineal geführt werden, sorgen sie für eine perfekt gerade Kante.
- Kantenbearbeitung: Bevor man die Elemente verbindet, sollte man sich um die Details kümmern. Ein Edge Beveler (Kantenzieher) ist ein absolut unverzichtbares Werkzeug, um die scharfen Lederkanten zu brechen. Dadurch erhalten die Ränder von Riemen und Klappen ein abgerundetes, professionelles Profil, und das spätere Kantenpolieren wird erheblich erleichtert.
- Nahtlinien markieren: Bei langen Strecken entsteht leicht eine schiefe Naht. Ein Groover (Nahtversenker) dient dazu, eine gleichmäßige Rille entlang der Kante zu ziehen. Dadurch versinken die Fäden unterhalb der Narbenseite des Leders, was sie vor dem Durchscheuern beim Tragen der Tasche schützt.
- Löcher für die Naht stanzen: Damit die Handnaht von beiden Seiten perfekt aussieht, sind scharfe Locheisen / Prickeisen unerlässlich. Bei langen Taschennähten lohnt es sich, in Locheisen mit mehr Zähnen (z. B. 6 oder 10) zu investieren, was die Arbeit drastisch beschleunigt und dabei hilft, eine gerade Linie zu halten.
- Nähen: Man benötigt stumpfe Sattlernadeln und starke Fäden. Bei Taschen und Rucksäcken bewähren sich Polyestergarne mit einer Stärke von 0,8 mm oder 1,0 mm definitiv am besten. Sie sind extrem reißfest und witterungsbeständig. Wenn man lieber mit der Maschine näht, sollte man sicherstellen, dass die Nähmaschine für schwere Sattlerarbeiten (mit Dreifachtransport) ausgelegt ist und in der Lage ist, mehrere Materialschichten mit einer Gesamtdicke von bis zu 6,0 mm - 8,0 mm zu durchdringen.
Lederchemie – Färben und Finishen
Wenn man mit rohem, pflanzlich gegerbtem Leder arbeitet, ist der Färbeprozess der Moment, in dem die Tasche zum Leben erwacht. Für große Flächen verwendet man am besten bewährte Lösungen. Lederfarbe der Marke Fiebing's ist ein professionelles Produkt, das tief in die Lederstruktur eindringen kann und für eine dauerhafte sowie gleichmäßige Färbung sorgt. Beim Auftragen der Farbe auf die großen Flächen des Taschenkorpus sollte man ein Stück Schafswolle (Wool Dauber) oder einen speziellen Applikator verwenden und den Farbstoff mit fließenden, kreisenden Bewegungen einarbeiten.
Nach dem Färben und Trocknen muss das Leder versiegelt werden. Ein Leder-Finish (z. B. Fiebing's Resolene oder Carnauba Creme), das auf die Narbenseite aufgetragen wird, schützt die Farbe vor Abrieb und bewahrt die Tasche vor Feuchtigkeit.
Der letzte Schliff ist die Kantenversiegelung. Eine rohe Kante an einer Taschenklappe oder einem Griff sieht unästhetisch aus. Nach der Verwendung des Edge Bevelers trägt man ein wenig Tokonole auf die Kante auf. Danach kommt der Kantenpolierer aus Holz (Wood Slicker) zum Einsatz. Kräftiges Reiben der Kante erzeugt Reibungswärme, die die Fasern verbindet und eine glatte, glänzende Oberfläche schafft. Eine richtig ausgeführte Kantenpolitur macht den Rand glatt wie Glas und widerstandsfähig gegen Ausfransen.
Übersicht der Materialien in unserem Sortiment
In unserer Kollektion haben wir Lederwarenleder zusammengestellt, das perfekt auf die Bedürfnisse von Machern von Taschen, Aktentaschen und Rucksäcken abgestimmt ist. Man findet hier sowohl klassische Brauntöne als auch mutigere Farben.
Für Liebhaber klassischer Eleganz und steifer Formen empfehlen wir vollnarbige Rindsleder in den Stärken 2,0 - 2,5 mm. Dies ist ein hervorragendes Material für Aktentaschen und formstabile City-Bags:
- Vollnarbiges Rindsleder schwarz 2.0 - 2.5 mm – ein absoluter Klassiker, ideal für elegante Projekte.
- Vollnarbiges Rindsleder schokoladenbraun 2.0 - 2.5 mm und Vollnarbiges Rindsleder dunkelbraun 2.0 - 2.5 mm – tiefe, satte Farbtöne, die hervorragend zu Messingbeschlägen passen.
- Vollnarbiges Rindsleder cognac 2.0 - 2.5 mm und hellbraun 2.0 - 2.5 mm – wärmere Töne, ideal für Reisetaschen im Weekender-Stil.
Für Handwerker, die ein Material suchen, das direkt nach dem Nähen aussieht wie ein Stück mit Seele und Geschichte, haben wir eine breite Palette an Crazy Horse Ledern (Stärke 1,5 mm - 1,8 mm, Formate A4/A3, ideal für kleinere Rucksäcke, Bauchtaschen oder Einsätze) vorbereitet:
- Klassische Nuancen: Crazy Horse Leder - Braun und Camel.
- Mutigere Farben: Türkis, Petrol, Lime oder Claret Red.
Ergänzt wird das Angebot durch werkseitig durchgefärbte, pflanzlich gegerbte Leder in einer Stärke von 2,0 - 2,5 mm (z. B. Foresta, Bordeaux und auch Weiß), die die Festigkeit von Veg-Tan mit einer fertigen, dauerhaften Farbe kombinieren.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Täschnerleder für Taschen und Rucksäcke
1. Ist ein Leder mit einer Stärke von 2,5 mm nicht zu schwer für einen Rucksack? Dickes Rindsleder hat natürlich sein Gewicht, bietet aber die nötige Stabilität. Wenn man das Gewicht reduzieren möchte, verwendet man die Stärke 2,0 - 2,5 mm nur für den Boden, den Rücken und die Tragegurte und setzt für die Seiten und die Front ein leichteres Material von etwa 1,5 mm ein.
2. Welches Garn sollte man für das Nähen einer Reisetasche verwenden? Für Produkte, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, sollte man ausschließlich Polyestergarne verwenden. Sie sind abriebfest, verrotten nicht bei Feuchtigkeit und halten die Handnaht perfekt zusammen. Eine Stärke von 0,8 mm oder 1,0 mm ist hierbei optimal.
3. Färbt gefinishtes Crazy Horse Leder auf die Kleidung ab? Ein richtig aufbereitetes Leder sollte von der Narbenseite her nicht abfärben. Wenn man jedoch Bedenken hinsichtlich eines Wachstransfers auf helle Kleidung hat, sollte man sicherstellen, dass die Fleischseite (die Rückseite des Leders) entsprechend geglättet und versiegelt ist, oder man näht ein Innenfutter in die Tasche ein.
4. Womit bricht man die Kanten an langen Schulterriemen? Für diesen Zweck ist ein Edge Beveler (Kantenzieher) unverzichtbar. Dieses Werkzeug nimmt überschüssiges Material fließend von der Kante ab und erzeugt ein abgerundetes Profil, das sich angenehm anfühlt und beim Tragen einer schweren Tasche nicht in die Schulter einschneidet.
5. Wie erhält man perfekt gerade Nahtlinien an langen Korpuselementen? Der Schlüssel liegt in der Verwendung eines Groovers (Nahtversenkers) zum Ziehen einer Führungslinie und dem anschließenden gleichmäßigen Ansetzen der Locheisen. Halte das Locheisen immer absolut senkrecht und setze den ersten Zahn des Werkzeugs in das zuletzt gestanzte Loch – das garantiert die Beibehaltung eines perfekten Rhythmus und einer geraden Linie über eine Distanz von vielen Zentimetern.
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Wenn man Materialien für andere Lederprojekte sucht, sollte man unbedingt unsere weiteren Kategorien durchstöbern. Für kleinere Accessoires eignet sich Leder für Etuis und Futterale sowie Leder für Notizbücher und Einbände hervorragend. Plant man hingegen, einen Schultergurt aus dem dicksten Material zu nähen, empfiehlt sich ein Besuch in der Rubrik Leder für Hosengürtel.
Wir laden auch dazu ein, das Wissen in unserem Lederlexikon zu vertiefen, wo wir unter anderem erklären, was vollnarbiges Rindsleder ist, was cognacfarbenes Leder ausmacht und wie sich schwarzes Leder in der Praxis beim täglichen Gebrauch verhält.











