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Echtleder vs. veganes Leder (Kunstleder)? Ein Vergleich
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Echtleder vs. veganes Leder (Kunstleder)? Ein Vergleich

Der Begriff „Kunstleder“ stiftet bei Anfängern im Lederhandwerk regelmäßig für Verwirrung, was häufig an der irreführenden Terminologie der Bekleidungsindustrie liegt. Aus der Perspektive einer Sattlerei oder Feintäschnerei ist der Unterschied zwischen diesen Materialien jedoch fundamental und lässt sich auf ihren physikalischen Aufbau reduzieren. Echtleder ist ein entsprechend gegerbter tierischer Rohstoff mit einer äußerst komplexen, dreidimensionalen Faserstruktur. Kunstleder hingegen ist ein synthetisches Material, bei dem eine Kunststoffschicht einen textilen Träger überzieht. Dieser Artikel erklärt, wie sich beide Materialien auf der Werkbank verhalten, wie sie auf Werkzeuge, Chemikalien und Garne reagieren und welches davon sich am besten für dein nächstes Projekt eignet.

Vergleichstabelle: Echtleder vs. Kunstleder (PU)

Merkmal Echtleder (pflanzlich gegerbtes Leder / chromgegerbtes Leder) Kunstleder (PU / veganes Leder)
Materialaufbau Dichtes, unregelmäßiges Netzwerk natürlicher Proteinfasern durch die gesamte Dicke. Trägergewebe (Polyester, Baumwolle), das mit einer Polyurethan- oder PVC-Schicht überzogen ist.
Langlebigkeit und Alterung Sehr hoch. Entwickelt mit der Zeit eine Patina, wird weicher und passt sich dem Träger an. Niedrig bis mittel. Der Kunststoff reißt mit der Zeit, blättert ab und bröckelt an den Knickstellen.
Kantenbearbeitung Polieren möglich (pflanzlich gegerbtes Leder) oder mit Kantenfarbe streichen (chromgegerbtes Leder). Erfordert das Umschlagen der Kanten oder das Auftragen einer dicken Farbschicht, um das Gewebe zu verdecken.
Punzieren und Prägen Möglich bei pflanzlich gegerbtem Leder (ab 2 mm Dicke). Nicht möglich. Der Druck des Punziereisens oder Stempels beschädigt die Polyurethanbeschichtung dauerhaft.
Färben der Narbenseite Möglich bei naturbelassenem, pflanzlich gegerbtem Leder mit eindringender Lederfarbe. Nicht möglich. Die Oberfläche besteht aus Kunststoff, der keine Farbstoffe aufnimmt.
Arbeiten mit Sattlerahle und Locheisen Die Fasern schließen sich um das Garn, die Handnaht ist extrem belastbar. Die Löcher schwächen den textilen Träger, das Material kann bei starker Fadenspannung ausreißen.
Kantenbrechen (Kantenhobel) Reibungsloser Schnitt, das Werkzeug trägt einen gleichmäßigen Materialstreifen ab. Schwierig. Das Werkzeug reißt oft das Trägergewebe unter der Kunststoffschicht auf.
Atmungsaktivität Luftdurchlässig und nimmt Feuchtigkeit auf (insbesondere bei pflanzlicher Gerbung). Blockiert die Luftzirkulation komplett und bildet eine Barriere für Feuchtigkeit.

Echtleder – wann sollte man es wählen?

Echtleder ist das Material, um das sich das gesamte traditionelle Lederhandwerk dreht. Seine wichtigste Eigenschaft ist die strukturelle Homogenität. Wenn du mit einem Halbmondmesser ein Stück Rindsleder zuschneidest, siehst du an der Kante genau dasselbe Material, aus dem auch die Narben- und Fleischseite besteht – ein dichtes Netzwerk aus Kollagenfasern. Dieser Aufbau gleicht einem verworrenen, dreidimensionalen Labyrinth, das dem Leder eine extrem hohe Reiß- und Zugfestigkeit verleiht. Die Arbeit mit Echtleder erfordert jedoch die Unterscheidung seiner zwei Hauptarten, da diese maßgeblich bestimmen, welche Techniken du anwenden kannst.

Wenn du dich für pflanzlich gegerbtes Leder (sogenanntes Blankleder / Juchtenleder) entscheidest, eröffnet sich dir das gesamte Spektrum handwerklicher Techniken. Nur bei pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Dicke von mindestens 2 mm kannst du ein Kurvenmesser (Swivel Knife) und Punziereisen verwenden, um dreidimensionale Reliefs zu erschaffen. Naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Leder kannst du mit alkoholbasierter Lederfarbe (z. B. der Marke Fiebing's) färben, da die offenen Poren die Pigmente tief aufnehmen. Besonders wichtig für Anfänger: Die Kanten von pflanzlich gegerbtem Leder lassen sich problemlos bearbeiten. Es reicht aus, die scharfen Ecken mit einem Kantenhobel (meist in Größe #1 oder #2) zu brechen, Tokonole aufzutragen und mit einem Kantenglätter aus Holz (Wood Slicker) darüber zu reiben. Durch die Reibung und die Chemie verbinden sich die losen Fasern zu einer glatten, glasigen Oberfläche.

Völlig anders gestaltet sich die Arbeit mit chromgegerbtem Leder oder bereits in der Gerberei gefinishten Ledern (wie etwa dem durchgefärbten Flaggschiff-Leder unseres Shops, Maya). Chromgegerbte Leder sind in der Regel weicher und wasserabweisender, was sie ideal für Taschen oder leichte Geldbörsen mit einer Dicke von 1,2 mm bis 1,5 mm macht. Du musst dir jedoch einige eiserne Regeln merken: Chromgegerbtes Leder wird nicht punziert, da es die Form nach dem Stempelschlag nicht beibehält. Bereits gefärbte und gefinishte Leder werden nicht mit zusätzlicher Lederfarbe überstrichen, da die Farbpigmente das werksseitige Finish nicht durchdringen können. Die Kanten von chromgegerbtem Leder lassen sich auch nicht mit Tokonole polieren – aufgrund der unterschiedlichen Reaktion der Gerbstoffe ist das schlichtweg unmöglich. Solche Kanten müssen begradigt und mit einer speziellen Kantenfarbe versiegelt werden.

Szenario für Anfänger: Du planst, deinen ersten Ledergürtel zu nähen. Du wählst einen naturbelassenen, pflanzlich gegerbten Croupon mit einer Dicke von 3,5 mm. Du schneidest den Riemen ab und rundest die Kanten mit einem Kantenhobel #2 ab. Anschließend färbst du die Narbenseite mit Fiebing's Pro Dye in einem tiefen Braunton. Nach dem Trocknen trägst du Tokonole auf die Kanten und die Fleischseite auf und polierst sie glatt. Du verwendest Schlageisen mit einem Zinkenabstand von 5 mm und nähst die Befestigung der Gürtelschnalle mit starkem Vinymo MBT Polyestergarn im Sattlerstich fest. Das Leder leistet einen angenehmen Widerstand, und das Garn bettet sich tief in das Material ein. Du erschaffst ein Produkt, das Jahre überdauern wird.

Häufige Fehler bei der Arbeit mit Echtleder:

  • Der Versuch, dünnes Leder zu punzieren: Das Schlagen mit Punziereisen auf pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Dicke von 1 mm führt meist zum Durchschneiden oder zu einer drastischen Schwächung des Materials. Verwende zum Punzieren immer Material ab einer Dicke von mindestens 2 mm.
  • Der Versuch, die Kanten von chromgegerbtem Leder zu polieren: Das Auftragen von Tokonole auf die Kante von weichem, chromgegerbtem Leder und das Reiben mit einem Holzpolierer führt lediglich zum Ausfransen der Kante. Verwende hierfür stets Kantenfarbe.
  • Auftragen von Lederfarbe auf gefinishtes Leder: Der Versuch, die Farbe eines fertigen, gewachsten Leders mit alkoholbasierter Lederfarbe zu ändern, ist ein Fehler. Die Farbe wird abperlen oder eine schmutzige, klebrige Schicht auf der Oberfläche hinterlassen.

Kunstleder (veganes Leder) – wann sollte man es wählen?

Um die häufig in Suchmaschinen eingegebene Frage „Was ist Kunstleder“ zu beantworten, muss man unter seine Oberfläche schauen. Kunstleder, allgemein bekannt als PU-Leder (Polyurethan), ist in Wirklichkeit ein Verbundmaterial. Es besteht aus einer Basis, meist einem gewebten Polyester- oder Baumwollnetz, auf das eine dünne Schicht aus weichgemachtem Polyurethan oder PVC aufgetragen wird. Die obere Kunststoffschicht wird in Pressen geprägt, um die natürliche Narbung zu imitieren. In den letzten Jahren gewinnt auch „veganes Leder“ (z. B. aus Äpfeln, Kakteen oder Pilzen) an Beliebtheit. Obwohl das völlig natürlich klingt, sollte man wissen, dass pulverisierte Pflanzenreste dort lediglich als Füllstoff dienen. Das Bindemittel, das das Material zusammenhält, sind weiterhin synthetische Polymere und Harze, die auf einen textilen Träger aufgetragen werden.

Aus der Perspektive der Werkbank ist PU-Leder für den traditionellen Feintäschner oder Sattler ein äußerst problematisches Material. Das liegt daran, dass traditionelle Lederwerkzeuge für die Arbeit mit massivem Vollmaterial entwickelt wurden. Wenn du versuchst, Locheisen (z. B. mit einem Zinkenabstand von 4 mm) auf Kunstleder anzuwenden, zerschneiden die Zinken die Fasern der textilen Basis. Wenn du das Projekt anschließend mit einem starken, gewachsten Slam-Garn nähst, kann die Spannung des Sattlerstichs das geschwächte künstliche Material schlichtweg zerreißen.

Eine große Herausforderung bei der Arbeit mit PU-Leder sind die Kanten. Nach dem Zuschneiden des Materials sieht man deutlich zwei Schichten: Kunststoff oben und ausfransenden Stoff unten. Der Einsatz eines Kantenhobels führt oft dazu, dass die Fäden des Trägergewebes herausgezogen werden. Die Bearbeitung einer solchen Kante ist extrem schwierig. Das Mittel Tokonole kann nicht verwendet werden, da es hier keine natürlichen Fasern gibt, die sich glätten ließen. Es bleiben zwei Möglichkeiten: Die Produkte so zu entwerfen, dass alle Kanten umgeschlagen und nach innen vernäht werden (was dünnes Material, das sogenannte Ausschärfen der Kanten und die Verwendung einer Nähmaschine erfordert), oder das Auftragen sehr dicker, mehrfacher Schichten zähflüssiger Kantenfarbe, um die Gewebestruktur zu kaschieren.

Dennoch hat Kunstleder in spezifischen Bereichen durchaus seine Daseinsberechtigung. Es bewährt sich in der günstigen Polsterei, wo das Material über ein Gestell gespannt und mit Polsterklammern getackert, anstatt von Hand genäht zu werden. Es ist auch in der Produktion von Budget-Handtaschen weit verbreitet, wo der Fertigungsprozess auf dem Umschlagen von Kanten, dem Kleben und dem schnellen maschinellen Nähen mit dünnen Garnen basiert, die keine hohen punktuellen Spannungen erzeugen.

Anwendungsszenario: Du nähst maschinell eine einfache, weiche Beuteltasche. Langlebigkeit steht nicht im Vordergrund, und der Entwurf sieht vor, dass alle Nähte im Inneren verborgen sind (sogenannte verstürzte Nähte). Du wählst weiches PU-Leder. Du schneidest die Einzelteile zu, legst sie rechts auf rechts aufeinander, nähst sie mit der Ledernähmaschine zusammen und wendest die Tasche anschließend auf die rechte Seite. Die Kanten sind unsichtbar, sodass du dir um deren Kantenbearbeitung keine Gedanken machen musst.

Häufige Fehler bei der Arbeit mit PU-Leder:

  • Starkes Festziehen des Sattlerstichs: Führt zum sofortigen Ausreißen der Löcher und zur Zerstörung des Bauteils. Kunstleder muss mit viel Gefühl genäht werden, am besten unter Verwendung dünnerer Garne.
  • Der Versuch einer Heiß- oder Kaltprägung: Die Kunststoffbeschichtung reißt unter Druck und schmilzt unter Hitzeeinwirkung, was den Stempel ruiniert.
  • Die Erwartung einer Patina: PU-Leder altert nicht in Würde. Anstatt eine tiefe Farbe zu entwickeln, beginnt die obere Schicht nach einigen Jahren (oder noch schneller) abzublättern und löst sich in Fetzen vom textilen Träger.

Fazit: Was solltest du für deine Werkstatt wählen?

Die Entscheidung zwischen Echtleder und Kunstleder bestimmt nicht nur das Aussehen des Endprodukts, sondern vor allem die Arbeitstechniken, die du anwenden musst. Im Folgenden findest du konkrete Empfehlungen, zugeschnitten auf beliebte handwerkliche Projekte.

  • Für einen Ledergürtel: Wähle ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Dicke von 3 mm bis 4 mm. Ein Gürtel steht unter enormer Belastung und die Gürtelschnalle zieht stark an den Löchern. Kunstleder wird an dieser Stelle sehr schnell einreißen, während naturbelassenes Blankleder jahrelanges, tägliches Tragen unbeschadet übersteht.
  • Für eine klassische, handgenähte Geldbörse: Wähle Echtleder (pflanzlich oder chromgegerbt) mit einer Dicke von 1,2 mm bis 1,5 mm. Eine Geldbörse hat viele offene Kanten, die du bei Echtleder mit Tokonole oder Kantenfarbe ästhetisch versiegeln kannst. Bei PU-Leder würden die offenen Kanten ausfransen und den gesamten optischen Eindruck ruinieren.
  • Zum Erlernen des Punzierens (Tooling): Die einzige Wahl ist naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Leder ab 2 mm Dicke. Kein anderes Material nimmt den Abdruck des Punziereisens und den Schnitt des Kurvenmessers so perfekt auf und behält ihn dauerhaft bei.
  • Für Übungen an der Nähmaschine oder das Erlernen von verstürzten Konstruktionen: In diesem speziellen Fall kann Kunstleder als günstiges Übungsmaterial dienen. Es ermöglicht dir, das Schnittmuster und die Reihenfolge des Zusammennähens der Teile zu testen, bevor du teureres Echtleder mit ähnlicher Weichheit verwendest. Denke jedoch daran, dass ein Prototyp aus PU im täglichen Gebrauch nicht lange halten wird.

Für den traditionellen Handwerker, der seine Arbeit auf den Handschnitt, das Nähen im Sattlerstich und die präzise Detailverarbeitung stützt, bleibt Echtleder ein überaus geschätztes Material. Seine mechanischen Eigenschaften und die Reaktion auf spezielle Lederchemie ermöglichen es, Produkte in einer Qualität zu fertigen, die mit synthetischen Alternativen kaum zu erreichen ist.

Produkte in unserem Shop

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