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Leder für Jacken: Stärke, Art und Auswahl
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Leder für Jacken: Stärke, Art und Auswahl

Für Jacken eignet sich weiches, chromgegerbtes Bekleidungsleder (Nappaleder) mit einer Stärke von 0,8 mm bis 1,2 mm ideal. Lederbekleidung muss – im Gegensatz zu starren Messerscheiden (Leder für Messerscheiden) oder Hosen-Ledergürteln – mit dem Körper mitgehen, jede Bewegung mitmachen und locker fallen. Ein Material mit diesen Parametern bietet die perfekte Balance zwischen Abriebfestigkeit und der für einen hohen Tragekomfort nötigen Flexibilität. Bei Bekleidung und Accessoires wie Handschuhen muss das Rohmaterial zudem sehr witterungsbeständig sein und darf keine aufwendige Lederpflege erfordern. Wählt man eine Lederhaut in der falschen Stärke oder mit der falschen Gerbart, entsteht statt eines bequemen Kleidungsstücks eine Rüstung, in der man die Arme nicht mehr anwinkeln kann.

Welche Lederstärke für Jacken und Handschuhe?

Die Lederstärke bestimmt direkt den Verwendungszweck der Kleidung, ihr Gewicht und wie sie am Körper fällt (der sogenannte Griff). In der Bekleidungs-Sattlerei arbeiten wir im Zehntel-Millimeter-Bereich, und jedes Zehntel macht einen gewaltigen Unterschied im Verhalten des Materials. Der optimale Bereich für eine klassische City-Jacke, eine Bikerjacke oder einen Blouson liegt zwischen 0,8 mm und 1,2 mm. Leder mit einer Stärke von 1,0 mm ist hierbei der goldene Mittelweg. Es bietet ausreichend Substanz, um das Gewicht von Metallreißverschlüssen, Druckknöpfen und Futterstoff zu tragen, ohne dabei schwer auf den Schultern zu lasten.

Wenn du vorhast, eine schwere Motorradjacke zu nähen, die vor Wind und möglichen Schürfwunden auf dem Asphalt schützen soll, solltest du nach einem Material an der oberen Grenze dieses Bereichs suchen, also etwa 1,2 mm, in extremen Fällen sogar 1,4 mm. Ein dickeres Rindsleder erfordert jedoch leistungsstarke Nähmaschinen und muss entsprechend eingetragen (weichgemacht) werden. Der Versuch, Kleidung aus 2,0 mm starkem Material zu fertigen, ist ein häufiger Anfängerfehler. Solches Täschnerleder ist großartig für leichte Taschen, aber am Körper verhält es sich wie eine starre Röhre – die Nähte unter den Achseln werden scheuern und der Kragen wird nicht flach aufliegen.

Völlig andere Regeln gelten für das Nähen von Handschuhen. Die Hände verlangen nach maximaler Bewegungsfreiheit und Präzision, weshalb das Handschuhleder extrem dünn und flexibel sein muss. Hier bewähren sich Stärken von 0,5 mm bis maximal 0,8 mm. Ein dickeres Material führt dazu, dass du die Finger nicht mehr beugen kannst, und die Nähte zwischen den Fingern (die sogenannten Schichtel) werden zu wulstig und unbequem. Für Handschuhe wählt man am häufigsten Schaf-, Lamm- oder dünnes Ziegenleder, die von Natur aus eine sehr feine Faserstruktur aufweisen.

Für einen beginnenden Handwerker kann die Arbeit mit sehr dünnem Leder (unter 0,8 mm) eine Herausforderung sein, da sich dieses Material beim Nähen leicht dehnt. Im Gegenzug erfordern dickere Leder (über 1,2 mm) das Ausschärfen der Kanten an den Umschlägen und Nähten, um Verdickungen zu vermeiden, welche die Ästhetik des Kleidungsstücks ruinieren würden.

Welche Gerbart – pflanzliche vs. Chromgerbung?

In der Welt der Lederbekleidung ist die Chromgerbung der unangefochtene König. Dieser Prozess, bei dem Chromsalze zum Einsatz kommen, macht das Leder unglaublich weich, geschmeidig und widerstandsfähig gegen Wasser sowie hohe Temperaturen. Die Fasern von chromgegerbtem Leder sind lockerer, was dem Material erlaubt, natürlich zu fallen und sich der Körperform anzupassen. Darüber hinaus wird Bekleidungsleder bereits in der Gerberei gefärbt und gefinisht. Du erhältst ein fertiges Produkt in der gewünschten Farbe, oft schon mit einer aufgetragenen Schutzschicht. Beachte jedoch eine Grundregel: Chromgegerbte und werkseitig gefinishte Leder nehmen keine zusätzlichen Lederfarben oder Wachse mehr auf. Versuche nicht, die Farbe einer fertigen Jacke mit einer Lederfarbe wie Fiebing's Pro Dye zu verändern – der Farbstoff dringt nicht in die Struktur ein, sondern verschmiert lediglich die Oberfläche und wird auf die darunterliegende Kleidung abfärben.

Pflanzlich gegerbtes Leder, auch wenn es von Sattlern für Ledergürtel, Geldbörsen oder Holster geliebt wird, kommt bei der Herstellung von Kleidung nur sehr selten zum Einsatz. Die pflanzliche Gerbung erzeugt ein kompaktes, steifes Material, das unter dem Einfluss von Feuchtigkeit zu Verformungen neigt. Stell dir eine Jacke vor, die nach dem Regen trocknet und hart wie ein Brett wird – genau das würde ein normales, pflanzlich gegerbtes Leder tun. Zudem dunkelt pflanzlich gegerbtes Leder in der Sonne nach, was bei einer täglich getragenen Jacke zu einer ungleichmäßigen Patina führen könnte.

Es ist erwähnenswert, dass bei Bekleidung keine Kantenbearbeitungstechniken angewendet werden, wie man sie aus der Feintäschnerei kennt. Wir verwenden hier kein Tokonole, glätten die Ränder nicht mit einem Kantenpolierer aus Holz und brechen sie auch nicht mit einem Kantenhobel. Die Kanten bei Jacken und Handschuhen werden immer nach innen umgeschlagen, mit Futter unterlegt oder eingefasst. Chromgegerbtes Leder hat im Querschnitt eine lockere Faserstruktur, weshalb der Versuch, es mit chemischen Hilfsmitteln glatt zu polieren, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Ähnlich verhält es sich mit dem Punzieren – wenn du von einer Jacke mit einem geprägten Muster auf dem Rücken träumst, musst du wissen, dass chromgegerbtes Leder keine Prägungen annimmt und hält. Jegliche Verzierungen auf der Kleidung werden durch Ziernähte, Steppungen oder das Aufnähen zusätzlicher Elemente (Applikationen) realisiert.

Worauf ist zu achten?

Die Auswahl einer konkreten Lederhaut für Bekleidung ist ein Prozess, der die Berücksichtigung einiger technischer Aspekte erfordert.

1. Art des tierischen Rohmaterials. Die Herkunft des Leders hat einen enormen Einfluss auf die Textur und das Gewicht der Jacke. Schaf- und Lammleder sind am leichtesten und weichsten, ideal für elegante Frühlingsjacken und Handschuhe. Ziegenleder weist eine charakteristische, feine Narbung auf, ist extrem zugfest und altert hervorragend. Rinds- und Kalbsleder wiederum sind schwerer, dicker und widerstandsfähiger gegen mechanische Beschädigungen, weshalb sie den Standard in der Produktion von Motorradjacken und schweren Mänteln bilden.

2. Ausbeute und Größe der Haut. Eine Jacke erfordert große, gleichmäßige Materialstücke, besonders für das Rückenpanel und die Ärmel. Bekleidungsleder wird in ganzen Häuten gekauft. Achte auf die Größe des Leders – für das Nähen einer Herrenjacke benötigst du in der Regel zwischen 3 und 5 Quadratmetern Material (je nach Größe und Schnitt), was oft den Kauf mehrerer Häute bedeutet. Stelle sicher, dass diese aus derselben Produktionscharge stammen, um Farbunterschiede zu vermeiden.

3. Makel und Narbenfehler. Bei der Bekleidungsherstellung ist es sehr schwierig, natürliche Lederfehler zu kaschieren. Narben, Insektenstiche oder Abschürfungen auf der Narbenseite werden auf den großen Panels der Jacke sichtbar sein. Während man bei kleinen Projekten (wie Geldbörsen) solche Stellen umgehen kann, benötigst du beim Zuschneiden des Jackenrückens eine makellose Oberfläche. Plane beim Kauf immer eine Reserve von etwa 15-20 % für Verschnitt und das Umgehen von Fehlern ein.

4. Lederwerkzeug und Nähgarne. Das Nähen von dünnen, chromgegerbten Ledern erfordert die richtige Herangehensweise. Wenn du von Hand nähst, wähle Locheisen mit einem geringeren Zinkenabstand, z. B. 3 mm oder 4 mm, die eine dichte, elegante Naht erzeugen. Verzichte auf dicke, gewachste Polyestergarne zugunsten dünnerer Varianten, welche die empfindliche Narbenseite nicht einschneiden. Verwende beim maschinellen Nähen spezielle Ledernadeln mit Schneidspitze, um zu verhindern, dass sich das Material an den Nähten kräuselt.

Empfohlene Leder aus unserem Sortiment

In unserem Sortiment findest du Materialien, die du erfolgreich für Bekleidungsprojekte einsetzen kannst. Auch wenn das Angebot je nach Lieferungen aus den Gerbereien variiert, lohnt es sich, auf einige feste Kategorien zu achten, die sich in Schneider- und Sattlerwerkstätten bewährt haben.

  • Schaf- und Lamm-Bekleidungsleder. Das ist der absolute Klassiker, wenn du planst, eine leichte Jacke, einen eleganten Mantel oder Handschuhe zu nähen. Sie haben eine Stärke im Bereich von 0,6-0,9 mm, sind extrem weich im Griff und in einer breiten Palette an fertigen Farben erhältlich. Ihre Narbenseite ist glatt und fühlt sich angenehm an.
  • Weiche Rindsleder (gewalkt). Für alle, die ein Material für schwerere Kleidung suchen, z. B. Fliegerjacken oder Motorradbekleidung. Diese Leder mit einer Stärke von 1,0-1,2 mm wurden einem Walkprozess im Fass unterzogen, was ihre Fasern gelockert hat. Dadurch bleiben sie trotz ihres Gewichts und ihrer Dicke flexibel und passen sich der Figur gut an.
  • Dünne Ziegenleder. Der perfekte Kompromiss zwischen Leichtigkeit und Strapazierfähigkeit. Ziegenleder mit einer Stärke von 0,7-0,9 mm hat eine dichte Struktur, die den täglichen Gebrauch hervorragend übersteht. Seine natürliche, feine Narbung verleiht der Kleidung einen einzigartigen, handwerklichen Charakter. Dies ist auch die häufigste Wahl für Hersteller von hochwertigen, ungefütterten Handschuhen.

Richte dich bei der Materialwahl immer nach dem Verwendungszweck. Wenn du Zweifel bezüglich des Griffs oder der genauen Stärke einer bestimmten Haut hast, kläre die Parameter vor dem Zuschnitt ab, um sicherzustellen, dass sich das Leder an der Maschine genau so verhält, wie du es erwartest.

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