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Welches Leder für Stühle? Rindsleder und Vollnarbenleder im Vergleich
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Welches Leder für Stühle? Rindsleder und Vollnarbenleder im Vergleich

Die Wahl des richtigen Leders für Stühle hängt maßgeblich von der Konstruktion des Möbelstücks ab — in der Regel kommt hierfür Rindsleder mit einer Stärke von 1,0 mm bis 4,0 mm zum Einsatz. Wenn Sie eine klassische Polsterung für einen weichen Sitz mit Schaumstoff planen, benötigen Sie ein flexibles Material, das sich geschmeidig um die Kanten legen lässt. Bei Stühlen mit Rahmenkonstruktion hingegen, bei denen das Leder selbst als tragende Sitzfläche fungiert und zwischen Holz- oder Metallelementen gespannt ist, müssen Sie auf festes, dickes Blankleder zurückgreifen. Die Wahl der passenden Lederhaut ist hierbei das absolute Fundament. Ein Fehler in dieser Phase rächt sich schnell: Zu dünnes Leder auf einem offenen Rahmen reißt unter dem Gewicht des Nutzers, während der Versuch, einen dicken Croupon ästhetisch um die Ecken eines Esszimmerhockers zu falten, ein von vornherein verlorener Kampf ist.

Welche Lederstärke für Stühle?

Die Lederstärke müssen Sie exakt auf die Funktion abstimmen, die das Material im fertigen Möbelstück übernehmen soll. In der Lederverarbeitung und Möbelpolsterei unterscheiden wir bei Stühlen zwischen zwei völlig verschiedenen Ansätzen, die die Eigenschaften des Rohmaterials diktieren.

Das erste Szenario betrifft klassische Polsterstühle, bei denen das Leder über eine Holzplatte gezogen wird, die mit Polyurethanschaum oder Polstergurten versehen ist. In diesem Fall liegt der optimale Stärkenbereich zwischen 1,0 mm und 1,5 mm. Ein solches Leder besitzt die nötige Flexibilität, um dem Zug nachzugeben und sich gleichmäßig an die Rundungen der Sitzfläche anzupassen. Stellen Sie sich vor, Sie ziehen dicke Pappe über einen Laib Brot — genau so verhält sich 3,0 mm starkes Leder auf einem weichen Polsterschaum. Es wird abstehen, und an den Ecken entstehen dicke, harte Falten, die Sie weder mit dem Polstertacker durchdringen noch unter einer Abdeckung verstecken können. Leder mit einer Stärke von 1,2 mm ermöglicht hingegen präzise, flache Falzlegungen an den Ecken. Für einen angehenden Handwerker, der Esszimmerstühle restauriert, ist ein Material um 1,2–1,4 mm in der Verarbeitung berechenbar und verzeiht kleine Fehler beim Spannen.

Das zweite Szenario umfasst Strukturstühle, wie die beliebten „Safari“-Sessel, spanische Stühle oder Butterfly-Sessel. Hier liegt das Leder auf keinerlei Unterbau auf — es ist frei gespannt und muss das gesamte Gewicht eines Erwachsenen tragen. Für solche Projekte benötigen Sie Leder in einer Stärke von 3,0 mm bis 4,0 mm. Die Verwendung eines dünneren Materials, beispielsweise 2,0 mm, mag anfangs gut aussehen, doch nach wenigen Wochen der Nutzung werden die Fasern dauerhaft überdehnt. Die Sitzfläche sinkt ein und bildet eine unästhetische, unbequeme Mulde. Ein 3,5 mm dickes Leder aus dem dichten Kernstück (Croupon) des Rinderrückens bietet die nötige Tragfähigkeit und behält über Jahre hinweg seine flache Form.

Welche Gerbart ist die richtige?

Die Entscheidung zwischen pflanzlich gegerbtem und chromgegerbtem Leder hängt direkt davon ab, welche Art von Stuhl Sie bauen oder restaurieren. Beide Methoden bringen ein völlig unterschiedliches Endmaterial hervor.

Chromgegerbtes Leder ist der Standard in der Möbelindustrie bei weichen Polsterungen. Der chemische Prozess mit Chromsalzen macht das Material weich, hitzebeständig und hochelastisch. Zudem sind Möbelleder meist werkseitig gefinisht — sie sind bereits mit einer Lederfarbe und einer Schutzschicht versehen. Dadurch sind sie schmutzabweisend, was bei Esszimmerstühlen von entscheidender Bedeutung ist. Sie müssen jedoch die strengen Regeln bei der Arbeit mit Chromleder beachten. Dieses Leder nimmt weder Lederfarbe noch Wachse auf. Wenn Sie ein fertiges Leder im Farbton Cognac kaufen, können Sie dessen Nuance nicht mehr verändern. Die Kanten von chromgegerbtem Leder lassen sich nur sehr schwer bearbeiten — Sie können sie nicht mit Tokonole und einem Kantenpolierholz (Wood Slicker) glatt polieren. Bei Polsterstühlen spielt dies jedoch keine Rolle, da die Ränder des Materials ohnehin umgeschlagen und auf der Unterseite festgetackert werden.

Völlig anders stellt sich die Situation bei Strukturstühlen mit sichtbaren Kanten dar. In diesem Fall müssen Sie pflanzlich gegerbtes Leder (Veg-Tan) verwenden. Nur dieses weist die nötige Steifigkeit und Faserdichte auf, um hohe mechanische Belastungen zu tragen. Die natürlichen pflanzlichen Gerbstoffe sorgen dafür, dass das Leder kompakt ist und sich hervorragend nass formen lässt. Wenn Sie ein naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Blankleder wählen, können Sie es mit alkoholbasierten Lederfarben wie Fiebing's Pro Dye selbst färben. Bedenken Sie jedoch, dass pflanzlich gegerbtes Leder unter Sonneneinstrahlung natürlich nachdunkelt und mit der Zeit eine wunderschöne Patina entwickelt.

Wenn Sie die Rückenlehne des Stuhls mit Initialen oder geometrischen Mustern verzieren möchten, lassen sich Punzierungen und Prägungen ausschließlich auf pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Stärke von mindestens 2,0 mm umsetzen. Chromleder federt nach dem Schlag mit dem Punziereisen sofort in seine ursprüngliche Form zurück. Bei der Verarbeitung von dickem, pflanzlich gegerbtem Leder für Sitzflächen müssen Sie besonders auf die Kantenbearbeitung achten, da diese in Kontakt mit Körper oder Kleidung kommen. Verwenden Sie einen Kantenhobel (Edge Beveler, Größe #2 oder #3 ist ideal für 3,0 mm Stärke), um die scharfen Ecken zu brechen, und versiegeln Sie die Kante anschließend mit Tokonole.

Worauf Sie besonders achten sollten

Die Arbeit an Stühlen erfordert unabhängig vom Typ die Beachtung einiger technischer Details, noch bevor Sie mit dem Zuschnitt des Materials beginnen.

1. Die Wahl des richtigen Hautbereichs. Stühle erfordern große, gleichmäßige Materialstücke. Die Flanken und Bäuche (die untersten Partien der Tierhaut) sind locker in der Struktur und stark dehnbar. Diese für eine Sitzfläche zu verwenden, ist ein gravierender Fehler — das Material würde sich rasch verformen. Wählen Sie für den Zuschnitt der tragenden Hauptelemente stets den Croupon (Kernstück) oder den Hals, da dort die Fasern am dichtesten sind.

2. Die Dehnungsrichtung. Echtleder ist kein isotropes Material. Es dehnt sich quer zur Wirbelsäule des Tieres stärker als parallel dazu. Wenn Sie Trageriemen oder die Hauptsitzfläche für einen Safari-Stuhl zuschneiden, positionieren Sie die Schablone so, dass die stärksten Zugkräfte entlang der Wirbelsäulenlinie wirken. Dies minimiert das Risiko eines späteren Durchhängens des Materials.

3. Werkzeuge für den Zuschnitt. Das Schneiden von dickem, pflanzlich gegerbtem Leder (über 3,0 mm) auf langen, geraden Strecken erfordert ein scharfes Werkzeug und eine ruhige Hand. Hierfür eignet sich ein traditionelles Halbmondmesser (Round Knife) oder ein sehr robustes Cuttermesser. Dünnes Polsterleder (1,2 mm) lässt sich besser mit einer guten Schneiderschere oder einem Rollschneider zuschneiden, da so verhindert wird, dass sich das flexible Material verzieht.

4. Garne und Nähte. Falls die Konstruktion des Stuhls das Verbinden von Elementen erfordert (z. B. das Zusammennähen von Riemen oder die Befestigung der Lehne am Rahmen), verwenden Sie ausschließlich reißfestes Polyestergarn. Baumwolle würde durch die ständige Spannung schnell durchscheuern. Ein dickeres Vinymo MBT Garn oder das gewachste Flechtgarn Slam eignen sich hervorragend. Verwenden Sie für dickes, pflanzlich gegerbtes Leder Nahteisen mit einem weiten Zinkenabstand, z. B. 5 mm oder 6 mm. Eine engere Naht (z. B. 3 mm) schwächt das Material und verwandelt es in ein perforiertes Band, das unter Belastung reißen kann. Wenden Sie stets die klassische Sattlernaht mit zwei Ledernadeln an — im Gegensatz zur Maschinennaht ribbelt diese nicht komplett auf, falls einmal ein Stich reißen sollte.

5. Oberflächenversiegelung. Chromgegerbtes Möbelleder besitzt in der Regel bereits eine Schutzschicht. Wenn Sie jedoch einen Stuhl aus naturbelassenem, pflanzlich gegerbtem Leder fertigen, müssen Sie nach dem eventuellen Färben die Poren des Materials schließen. Verwenden Sie ein geeignetes Finish (z. B. auf Acrylbasis) und imprägnieren Sie die Oberfläche anschließend mit Wachs oder Fett, um das Möbelstück vor versehentlich verschüttetem Wasser oder Kaffee zu schützen. Denken Sie daran, dass Tokonole ausschließlich für die Kantenbearbeitung sowie für die Fleischseite (die Unterseite des Leders) gedacht ist — tragen Sie es zur Imprägnierung niemals auf die gesamte Narbenseite auf.

Empfohlene Leder aus unserem Sortiment

Wenn Sie das Material für Ihr Projekt auswählen, stimmen Sie es auf die zuvor besprochenen Techniken ab. In unserem Sortiment finden Sie Rohmaterialien, die den unterschiedlichsten Anforderungen aus Tischlerei und Polsterei gerecht werden.

  • Chromgegerbtes Polsterleder (1,0 – 1,2 mm). Dies ist die optimale Wahl für die Restaurierung klassischer Esszimmerstühle mit weicher Polsterung. Sie sind sofort einsatzbereit, besitzen eine gleichmäßige Farbgebung und ein Finish, das gegen alltägliche Verschmutzungen resistent ist. Ihre Flexibilität erleichtert das Spannen des Materials über das Gestell.
  • Pflanzlich gegerbtes Rindsblankleder (3,0 – 3,5 mm). Ein bewährtes Material für den Bau von Strukturstühlen, Safari-Sesseln und Hängesitzen. Das naturbelassene Blankleder gibt Ihnen die volle Kontrolle über die finale Optik — Sie können es färben, punzieren und die Kanten perfekt bearbeiten.
  • Leder mit Anilin-Finish. Wenn Sie Wert auf eine besonders natürliche Optik Ihres Stuhls legen, bei der feine Naturmerkmale der Narbenseite sichtbar bleiben, verleihen Anilinleder (durchgefärbt, ohne dicke Deckschicht) Ihren Möbeln einen luxuriösen, leicht rustikalen Charakter.

Verwandte Artikel

Bevor Sie mit dem Zuschnitt und der Montage beginnen, werfen Sie einen Blick auf unsere weiteren Beiträge, die Ihnen helfen, Fehler in der Werkstatt zu vermeiden:

  • Lexikon der Lederverarbeitung: Chromgegerbtes vs. pflanzlich gegerbtes Leder — Unterschiede in der Praxis
  • Wie man Kanten bei dickem, pflanzlich gegerbtem Leder richtig bearbeitet
  • Die Wahl der richtigen Nahteisen und Garne für schwere Lederprojekte
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