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Welches Leder für die Trommel? Vollnarbenleder & pflanzlich gegerbtes Leder
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Welches Leder für die Trommel? Vollnarbenleder & pflanzlich gegerbtes Leder

Für eine Trommel eignet sich Rohhaut (sogenanntes Pergament) oder dünnes, pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von 0,8 mm bis 1,5 mm hervorragend. Die Konstruktion eines Perkussionsinstruments basiert auf einem grundlegenden physikalischen Phänomen: der enormen Spannung der Membran über einen starren Rahmen. Das Material muss den Prozess des Einweichens, des Aufziehens unter großem Kraftaufwand und des anschließenden drastischen Schrumpfens beim Trocknen überstehen. Nur die offenen Fasern von pflanzlich gegerbtem Leder oder Rohhaut können sich in dieser neuen, gespannten Position verriegeln und eine harte, resonierende Oberfläche bilden. Eine falsche Wahl des Rohmaterials führt dazu, dass man anstelle eines Instruments ein dumpfes, unspielbares Objekt erhält.

Welche Lederstärke für eine Trommel?

Die Stärke der Membran bestimmt direkt die Tonhöhe, die Ausklingzeit (Sustain) und die Kraft, die man aufwenden muss, um sie zu spannen. Der optimale Bereich liegt zwischen 0,5 mm und 2,0 mm, aber das genaue Maß wählt man strikt nach Typ und Durchmesser des zu bauenden Instruments.

Für kleine Instrumente wie Tamburine oder kleine Handtrommeln mit einem Durchmesser von bis zu 25 cm sollte man den Bereich von 0,5 mm bis 0,8 mm anpeilen. Ein so dünnes Material reagiert auf die leichtesten Fingerschläge. Es gerät schnell in Schwingung und erzeugt einen hohen, hellen Klang. Die Verwendung eines dickeren Leders auf einem derart kleinen Rahmen würde die Akustik komplett abwürgen.

Klassische Rahmentrommeln und Schamanentrommeln mit einem Durchmesser von 35 bis 50 cm erfordern einen goldenen Mittelweg. Hier sollte man unbedingt nach Leder mit einer Stärke von 1,0 mm bis 1,2 mm suchen. Diese Dicke hat ausreichend Masse, um eine tiefe Bassresonanz zu erzeugen, bleibt aber gleichzeitig so flexibel, dass man sie problemlos von Hand oder mithilfe von Lederriemen spannen kann. Für Anfänger im Trommelbau ist ein 1,0 mm starkes Leder sehr fehlerverzeihend. Es verzeiht kleine Fehler bei der gleichmäßigen Kraftverteilung während des Schnürens und reißt selten an den Rahmenkanten.

Große Basstrommeln, Djemben oder Congas stellen eine völlig andere Belastungskategorie dar. Hier wird mit großer Kraft geschlagen, oft mit den ganzen Händen oder harten Schlägeln. Die erforderliche Stärke beträgt mindestens 1,5 mm, bei mächtigen Standinstrumenten nicht selten sogar 2,0 mm. Das Spannen einer so dicken Haut erfordert bereits spezielle Techniken, den Einsatz von Seilsystemen oder metallischen Spannreifen mit Schrauben. Das manuelle Aufziehen eines nassen, 2,0 mm dicken Leders auf einen Holzrahmen ist für eine einzelne Person physisch unmöglich. Ein häufiger Fehler von Neulingen ist der Kauf von zu dickem Leder in dem Glauben, die Trommel würde dadurch langlebiger. Ja, sie wird unzerstörbar sein, aber ihr Klang wird flach und gedämpft.

Welche Gerbart?

Im Instrumentenbau ist pflanzlich gegerbtes Leder die richtige Wahl aus dem Sortiment für die Lederverarbeitung. Dies liegt an seiner spezifischen Reaktion auf Wasser. Pflanzlich gegerbtes Leder hat eine offene Porenstruktur. Wenn man es für ein paar Stunden in lauwarmes Wasser taucht, lockern sich die Kollagenfasern und die gesamte Haut wird weich und formbar wie Teig. In diesem Zustand zieht man sie über den Holzrahmen. Die wahre Magie geschieht während des Trocknens. Das Wasser verdunstet, und die pflanzlichen Gerbstoffe bewirken, dass die Fasern schrumpfen und sich zusammenziehen. Das Leder erstarrt und bildet eine straff wie eine Saite gespannte, harte Membran. Der Klang einer Trommel aus pflanzlich gegerbtem Leder ist warm und hat einen kurzen, angenehmen Nachhall.

Chromgegerbtes Leder ist das absolute Gegenteil von dem, was man braucht. Chromsalze verändern die Fasern dauerhaft und chemisch, wodurch sie dauerelastisch und schrumpfresistent werden. In Wasser eingeweichtes Chromleder verändert seine mechanischen Eigenschaften nicht drastisch. Versucht man, es über einen Rahmen zu spannen, dehnt es sich endlos. Selbst wenn es gelingt, es zu befestigen, bleibt es nach dem Trocknen weich und schlaff. Ein Schlag auf gespanntes Chromleder klingt genau wie ein Schlag mit der Hand auf nassen Karton – der Ton ist dumpf, tot und verstummt sofort. Außerdem behält Chromleder unter Belastung absolut nicht seine Form, sodass die Membran nach ein paar Schlägen einfach durchhängen würde.

Erwähnenswert ist auch die Rohhaut (Pergament), die technisch gesehen gar nicht gegerbt, sondern lediglich enthaart und getrocknet wird. Dies ist ein historisches und akustisch hervorragendes Material für den Trommelbau. Sie lässt sich extrem stark spannen und ihr Klang ist laut und durchdringend. In Standard-Sattlereien arbeiten wir jedoch häufiger mit dünnem, pflanzlich gegerbtem Leder, das eine hervorragende, leichter zu verarbeitende Alternative darstellt und dem Instrument eine etwas dunklere, bassigere Klangfarbe verleiht.

Worauf man achten sollte

Der Prozess des Trommelbaus verzeiht keine Materialfehler. Die Spannung des trocknenden Leders ist enorm und deckt mühelos jede Schwachstelle der gewählten Haut auf. Bevor man beginnt, den Kreis auszuschneiden, sollte man einige Schlüsselaspekte analysieren.

Die Tierart ist von enormer Bedeutung für die Akustik. Der Goldstandard im Bau von Handtrommeln ist Ziegenleder. Es hat eine sehr dichte Struktur, ist von Natur aus dünn und dabei extrem zugfest. Es liefert einen hellen, resonierenden Klang. Kalbsleder ist eine weitere hervorragende Wahl. Es ist etwas weicher als Ziegenleder, was zu einem wärmeren, bassigeren Klang führt. Rindsleder (von ausgewachsenen Rindern) eignet sich ausschließlich für sehr große, mit Schlägeln gespielte Trommeln. Es ist dick, dicht und erfordert eine enorme Spannung.

Die Selektion der Haut im Hinblick auf Makel ist ein kritischer Schritt. Bei der Herstellung von Lederwaren ist ein kleiner Kratzer oder eine Narbe auf der Narbenseite nur ein optischer Fehler. Im Falle einer Trommel ist es eine tickende Zeitbombe. Narben von Insektenstichen, Kratzern oder Hautkrankheiten sind Stellen, an denen die Faserstruktur unterbrochen und schwächer ist. Beim Trocknen und Schrumpfen auf dem Rahmen konzentrieren sich die Spannungen an den schwächsten Punkten. Ein Leder mit sichtbaren Fehlern wird fast sicher an diesen Stellen reißen und die gesamte Arbeit zunichtemachen. Man sollte nach Stücken mit einer makellos gleichmäßigen Narbenseite suchen.

Die Vorbereitung der Löcher für die Riemen erfordert das richtige Lederwerkzeug. Man sollte niemals Nahtlocheisen (weder rautenförmige noch französische) verwenden, um Löcher für die Schnürung einer Trommel zu schlagen. Die scharfen Ecken solcher Einschnitte wirken wie Mikroschnitte in einer Folie – unter Spannung reißt das Leder entlang der Schnittlinie auf. Verwenden Sie ausschließlich runde Locheisen oder eine Lochzange. Ein rundes Loch verteilt die Zugkräfte, die auf den Riemen wirken, gleichmäßig und minimiert so das Risiko eines Risses.

Die Luftfeuchtigkeit ist der natürliche Feind jeder Trommel aus Echtleder. Pflanzlich gegerbtes Leder ist hygroskopisch. An trockenen, sonnigen Tagen spannt sich die Membran stärker und erhöht die Stimmung des Instruments. An regnerischen, feuchten Abenden nimmt das Leder Feuchtigkeit aus der Luft auf, entspannt sich, und der Klang wird tief und gedämpft. Aus diesem Grund trägt man auf die Narbenseite der Trommel weder Wachse noch Acrylfarben auf, da diese die Resonanz abtöten würden. Die einzige Stelle, an der Chemie zum Einsatz kommt, ist die Kantenverarbeitung. Die Fleischseite (Innenseite) kann an der Stelle, wo sie auf der Holzkante des Rahmens aufliegt, sanft mit Tokonole geglättet werden. Dies verhindert das Ausfransen der Fasern und reduziert ein unerwünschtes Schnarren des Leders auf dem Holz.

Empfohlene Leder aus unserem Angebot

Wenn Sie das Material für Ihr Instrument aus unserem Sortiment auswählen, konzentrieren Sie sich auf dünne Leder mit einer homogenen Struktur. Die folgenden Rohmaterialien eignen sich hervorragend für die Nassformung auf Holzrahmen.

  • Dünnes, pflanzlich gegerbtes Ziegenleder. Dies ist eine ausgezeichnete Wahl für mittelgroße Schamanen- und Rahmentrommeln. Suchen Sie nach Häuten mit einer Stärke von etwa 1,0 mm. Ziegenleder bietet die perfekte Balance zwischen Strapazierfähigkeit und einer sensationellen akustischen Ansprache.
  • Pflanzlich gegerbte Kalbshälse. Kalbsleder mit einer Stärke von 1,0-1,2 mm ist eine tolle Alternative, wenn Ihnen eine sehr glatte Narbenseite und ein etwas wärmerer, tieferer Klang wichtig sind. Die Halspartien weisen eine dichte Struktur auf, die gleichmäßiges Spannen gut verträgt.
  • Rindsblankleder (1,5 mm). Ausschließlich für Erbauer großer Basstrommeln reserviert. Es erfordert einen massiven Rahmen (oft aus hartem Eichen- oder Eschenholz), da die Kraft des schrumpfenden Rindsleders schwache Sperrholzrahmen zerdrücken kann.

Achten Sie beim Durchstöbern der verfügbaren Häute immer auf die angegebene Stärke in Millimetern sowie auf das Fehlen von tiefen Beschädigungen der Narbenseite im zentralen Bereich der Haut, der zur Schlagzone wird.

Verwandte Themen

Das Verständnis für die Mechanik des Leders ist die halbe Miete. Um Ihr Wissen vor dem Bau eines Instruments zu erweitern, schauen Sie sich unsere anderen Beiträge an:

  • Nassformen von Leder – Prinzipien und Techniken
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