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Lederbänder und Riemen aus Leder – Arten, Stärken und Anwendungen
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Lederbänder und Riemen aus Leder – Arten, Stärken und Anwendungen

Die Arbeit mit Lederbändern ist eine der ältesten und äußerst lohnendsten Techniken zur Verbindung und Verzierung von Lederwaren. Wenn du Nadel und Faden beiseitelegst und ein Lederband in die Hand nimmst, betrittst du die Welt des traditionellen Handwerks, in der die Naht zum zentralen dekorativen Element wird. Das Verständnis dafür, wie sich ein schmaler Lederstreifen unter ständiger Spannung verhält, erfordert jedoch Fachwissen. Ein Lederband ist nicht einfach nur eine Schnur. Es ist ein vollwertiges Stück Leder mit einer Narbenseite, einer Fleischseite, einer bestimmten Faserrichtung und einer spezifischen Dehnungstoleranz. Als angehender Feintäschner oder Sattler musst du wissen, dass die falsche Wahl des Lederbandes für ein Projekt unweigerlich dazu führt, dass es beim Festziehen reißt oder die Kanten deiner Geldbörse unästhetisch verformt werden. Dieser Leitfaden führt dich durch alle technischen Aspekte der Arbeit mit Lederbändern, von der Auswahl des Rohmaterials über die Abstimmung der Maße bis hin zu fortgeschrittenen Flecht- und Kantenbearbeitungstechniken.

Kurz gefasst:

  • Lederbänder aus pflanzlich gegerbtem Leder sind robust, formstabil und ermöglichen eine Kantenbearbeitung; chromgegerbte Bänder sind weich und flexibel, lassen sich aber nicht polieren.
  • Dicke und Breite des Lederbandes müssen exakt auf die Lochgröße und die Dimensionen des Projekts abgestimmt sein (der Standard für Geldbörsen liegt bei 3 mm Breite und 1,5 mm Dicke).
  • Werksseitig gefärbte Lederbänder werden nicht mit zusätzlicher Lederfarbe behandelt; man kann lediglich ihre Kanten und die Fleischseite versiegeln.
  • Für die Kantenflechtung mit Lederbändern verwendet man spezielle Ledernadeln mit Gewinde oder Klemmblechen, und die Löcher werden mit Schlitzschlageisen, nicht mit runden Locheisen, gestanzt.
  • Bevor die Flechtung fest angezogen wird, erfordert pflanzlich gegerbtes Leder eine leichte Befeuchtung, was ein Brechen der Fasern verhindert.

Inhaltsverzeichnis

1. Was genau ist ein Flechtband und wie wird es hergestellt?

2. Pflanzlich gegerbtes Leder vs. Chromleder im Kontext von Lederbändern

3. Die Wahl der richtigen Dicke und Breite des Lederbandes für dein Projekt

4. Flaches Lederband vs. Lederschnur rund – Konstruktionsunterschiede

5. Unerlässliches Lederwerkzeug für die Arbeit mit Lederbändern

6. Flechttechniken und die Vorbereitung des Lederbandes

7. Kantenbearbeitung und Lederpflege der Bänder

8. Die häufigsten Anfängerfehler bei der Arbeit mit Lederbändern

9. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

10. Wie fange ich an?

Was genau ist ein Flechtband und wie wird es hergestellt?

Ein Flechtband ist im technischen Sinne nichts anderes als ein sehr schmaler, langer Lederstreifen, der aus einer größeren Haut geschnitten wurde. Stell dir das Lederband wie einen winzigen Trageriemen vor – obwohl es nur 3 mm breit ist, besteht es dennoch aus einer Narbenseite (der glatten Oberseite) und einer Fleischseite (der faserigen Unterseite). Diese Unterscheidung ist fundamental, denn während des Flechtens musst du ständig kontrollieren, welche Seite des Bandes nach außen sichtbar bleibt. Ein Verdrehen des Bandes im Loch, sodass die Fleischseite nach oben zeigt, ist einer der häufigsten ästhetischen Fehler.

Um ein Lederband von mehreren Metern Länge ohne jegliche Verbindungsstellen zu erhalten, wird es nicht einfach längs aus einem rechteckigen Stück Leder geschnitten. Stattdessen wendet man die Technik des Spiralschnitts an. Aus einem Stück Leder wird ein perfekter Kreis geschnitten, dann wird die Kante mit einem speziellen Messer eingeschnitten und spiralförmig bis zur Mitte durchtrennt. Auf diese Weise lassen sich aus einem Lederstück von 15 cm Durchmesser viele Meter eines durchgehenden Bandes gewinnen. Man sollte jedoch bedenken, dass die Fasern im Leder in bestimmten Richtungen verlaufen. Durch den Spiralschnitt durchtrennt das Band auf seiner Länge diese natürlichen Spannungslinien mehrfach. Aus diesem Grund sind Lederbänder, die aus dem Croupon (dem festesten Teil der Haut) geschnitten werden, wesentlich reißfester als solche aus den Flanken, die eine lockere Struktur aufweisen und sich unter dem Zug der Ledernadel unvorhersehbar dehnen.

Wenn du fertige Lederbänder kaufst, erhältst du in der Regel ein maschinell geschnittenes Produkt mit absolut präzisen Abmessungen. Das manuelle Schneiden von Lederbändern ist eine großartige Fertigkeit, erfordert jedoch viel Übung und eine perfekte Vorbereitung des Leders. Das Leder muss auf der gesamten Fläche des Kreises eine gleichmäßige Dicke aufweisen. Wenn das Leder an einer Stelle 1,5 mm und an einer anderen 2,5 mm dick ist, weist dein Band Verdickungen auf, die beim Durchziehen in den Löchern stecken bleiben.

Pflanzlich gegerbtes Leder vs. Chromleder im Kontext von Lederbändern

Die Wahl der Gerbart des Leders, aus dem das Band gefertigt ist, bestimmt deine gesamte weitere Arbeit. Pflanzlich gegerbtes Leder ist der Standard, wenn du an klassische Kantenflechtungen denkst. Pflanzlich gegerbtes Leder hat eine dichte Faserstruktur. Es ist anfangs steif, wird aber nach leichtem Anfeuchten mit Wasser formbar. Dies ermöglicht ein festes Anziehen der Flechtung, die nach dem Trocknen ihre Form beibehält und eine harte, panzerartige Kante an einer Geldbörse oder Messerscheide bildet. Darüber hinaus bieten nur pflanzlich gegerbte Lederbänder die Möglichkeit der Kantenbearbeitung. Du kannst auf ihre Kanten ein Mittel wie Tokonole auftragen und sie polieren, um eine spiegelglatte Oberfläche zu erzielen.

Lederbänder aus chromgegerbtem Leder haben hingegen völlig andere Eigenschaften. Sie sind weich, fließend und extrem dehnbar. Sie eignen sich hervorragend für Bekleidungsprojekte, zum Binden von Beuteln, zur Herstellung von Fransen an Boho-Taschen oder als Schmuckbänder für den Hals. Für feste Kantenflechtungen sind sie jedoch ungeeignet. Chromleder gibt unter starkem Zug einfach nach, dehnt sich und lockert sich mit der Zeit. Denke auch an eine Grundregel der Lederchemie: Die Kanten von Chromleder lassen sich nicht durch Reibung und Präparate wie Tokonole glätten. Seine Fasern lassen sich nicht dauerhaft verdichten.

Eine besondere Kategorie bilden werksseitig veredelte und gefärbte Lederbänder. Wenn du ein Band kaufst, das bereits eine Farbe hat (z. B. tiefes Schwarz oder Rot) und dessen Narbenseite gefinisht ist, musst du es als geschlossenes Produkt betrachten. Gefärbte und bereits versiegelte Leder nehmen keine zusätzliche Lederfarbe (z. B. aus der Linie Fiebing's Pro Dye) oder eindringende Wachse auf. Der Versuch, ein solches Band zu färben, endet damit, dass sich der Farbstoff auf der Oberfläche absetzt und die Hände abfärbt, anstatt in die Struktur einzudringen. Bei solchen Bändern kannst du lediglich an deren Kanten arbeiten (sofern es sich um pflanzlich gegerbtes Leder handelt) oder die Fleischseite versiegeln.

Die Wahl der richtigen Dicke und Breite des Lederbandes für dein Projekt

Die Abmessungen eines Lederbandes umfassen zwei Schlüsselparameter: Breite und Dicke. Während wir bei Garnen meist von einem Maß sprechen (z. B. Fadenstärke 0,8 mm), erfordert ein flaches Lederband die genaue Abstimmung beider Werte. Ein zu breites Band passt nicht durch die Löcher, und ein zu dickes erzeugt eine klobige, abstehende Flechtung, die sich in der Tasche schnell durchscheuert.

Die Standarddicke von Leder für Flechtbänder liegt bei 1,5 mm bis maximal 2 mm. Dickere Bänder (z. B. 2,5 mm oder 3 mm) lassen sich sehr schwer festziehen und werden ausschließlich bei schwerem Reitsportzubehör oder großen Motorradtaschen verwendet. Bänder, die dünner als 1 mm sind, neigen wiederum dazu, beim festen Anziehen der Flechtung zu reißen.

Die Breite des Lederbandes wählen wir basierend auf der Größe des Projekts:

  • Breite 2 mm: Reserviert für sehr feine Lederwaren. Kleine Geldbörsen, Kartenetuis, Uhrenarmbänder. Erfordert eng gesetzte Löcher und hohe Präzision, um das zarte Band nicht zu zerreißen.
  • Breite 3 mm: Dies ist der anerkannte Standard und das universellste Maß in der Lederverarbeitung. Ein Band mit einer Breite von 3 mm und einer Dicke von 1,5 mm legt sich hervorragend in der klassischen mexikanischen Flechtung um die Kanten von Herren- und Damenportemonnaies. Es erzeugt ein klares Muster, ohne das gesamte Werkstück zu dominieren.
  • Breite 5 mm und mehr: Wird bei großen Projekten wie Jagdtaschen, Sätteln, Scheiden für große Messer oder Köchern verwendet. Diese Breite erfordert entsprechend große Schlitze und eine solide Dicke des Basisleders selbst, damit die Flechtung die Kante des Werkstücks nicht verzieht.

Das Verhältnis von Breite zu Dicke ist enorm wichtig. Das Band muss deutlich breiter als dick sein, damit es stabil und flach auf der Kante aufliegt. Wenn du ein Band mit einer Breite von 3 mm und einer Dicke von stolzen 2,5 mm verwendest, neigt es dazu, sich beim Flechten ständig auf die Seite zu drehen, was das Erscheinungsbild der Naht ruiniert. Wenn du nach geeigneten Materialien für deine Projekte suchst, lohnt es sich, auf spezielle Lederbänder zum Nähen von Leder zu achten, die strenge Maßvorgaben einhalten.

Flaches Lederband vs. Lederschnur rund – Konstruktionsunterschiede

Die meisten Techniken zur Kantenverbindung basieren auf flachen Lederbändern, über die wir bisher gesprochen haben. Sie haben einen rechteckigen Querschnitt, wodurch sie sich glatt an die zu verbindenden Lederschichten anlegen und geometrische Muster bilden können. Es gibt jedoch eine zweite, ebenso wichtige Kategorie: die Lederschnur rund.

Eine Lederschnur rund entsteht meistens, indem man ein dickes Lederband mit quadratischem Querschnitt durch spezielle Schneid- oder Walzmatrizen zieht, die seine scharfen Kanten abtragen und einen Zylinder formen. Bei pflanzlich gegerbtem Leder wird eine solche Schnur anschließend kräftig gerollt und poliert, was ihre Struktur von allen Seiten verschließt. Das bedeutet, dass die Lederschnur rund keine klar definierte Narben- oder Fleischseite aufweist – ihre gesamte Oberfläche ist glatt.

Der Anwendungsbereich runder Lederschnüre ist ein völlig anderer. Sie werden nicht für komplexe Kantenflechtungen verwendet, da sie aufgrund ihrer Form die Kanten nicht dicht abdecken und zu große Wulste bilden. Eine Lederschnur rund in der Dicke von 2 mm oder 3 mm wird als kräftiger Kordelzug in Beuteln und Rucksäcken eingesetzt (wo sie reibungslos durch Messingösen gleiten muss), für die Schmuckherstellung sowie als Kern für die Gestaltung von Taschengriffen. Eine ins Innere des Griffs eingenähte Lederschnur rund verleiht ihm eine perfekt zylindrische Form und enorme Widerstandsfähigkeit.

Bei der Arbeit mit einer runden Lederschnur musst du bedenken, dass sich ihre Knoten anders verhalten. Aufgrund des runden Querschnitts und der geglätteten Oberfläche kann sich ein gewöhnlicher Knoten leicht lösen. Dies erfordert die Verwendung spezieller Sattlerknoten oder die Fixierung der Enden mit Metallklemmen und Nieten.

Unerlässliches Lederwerkzeug für die Arbeit mit Lederbändern

Die Arbeit mit Lederbändern zwingt dich dazu, dein grundlegendes Lederwerkzeug anzupassen. Traditionelle Diamant- oder französische Schlageisen, die du für Handnähte mit Garn verwendest, sind hier völlig nutzlos. Die Löcher für ein Lederband müssen eine andere Form und Größe haben.

Das grundlegende Werkzeug sind Schlitzschlageisen. Sie stanzen flache, rechteckige Löcher, die in einer Linie mit der Lederkante oder in einem leichten Winkel angeordnet sind. Der Zinkenabstand wird an die Breite des Lederbandes angepasst. Für ein 3 mm breites Band verwendet man meistens Schlageisen mit einem Abstand von 4 mm oder 5 mm zwischen den Lochmitten. Ein zu enger Abstand führt dazu, dass das breite Band unkontrolliert überlappt, während ein zu weiter Abstand unschöne Lücken lässt, durch die die rohe Kante durchscheint. Eine Alternative zu Schlitzschlageisen sind Rundlocheisen mit einem Durchmesser von 2 mm oder 3 mm, aber Schlitze sorgen in der Regel für eine sauberere Optik der Flechtung, da das Band sie vollständig ausfüllt und an den Seiten keinen Leerraum hinterlässt.

Ein weiteres Schlüsselelement ist die Ledernadel für Flechtbänder. Sie hat kein traditionelles Nadelöhr, durch das du den Faden ziehst. Stattdessen verfügt sie über eine Gewindehülse am stumpfen Ende (oder flache Klemmbleche mit Zähnchen). Um das Band in einer Nadel mit Gewinde zu befestigen, musst du zuerst sein Ende (auf der Fleischseite) mit einem Messer ausschärfen und es dann fest in das Gewinde der Nadel eindrehen. Dieses Befestigungssystem sorgt dafür, dass die Verbindung zwischen Nadel und Band nicht dicker ist als das Band selbst, was ein reibungsloses Gleiten durch enge Löcher im Leder ermöglicht.

Zum Öffnen und Ausrichten der Schlitze vor dem Durchstechen mit der Nadel ist auch eine Sattlerahle mit flacher Spitze oder ein spezielles Vorstecher-Werkzeug nützlich. Man benutzt es, um das Loch sanft zu weiten, wenn man das Band ein zweites oder drittes Mal durch dieselbe Stelle fädeln muss, was bei fortgeschrittenen Mustern sehr üblich ist.

Flechttechniken und die Vorbereitung des Lederbandes

Bevor du die erste Nadel in das Material einführst, muss das Lederband richtig vorbereitet werden. Ein rohes Band aus pflanzlich gegerbtem Leder, frisch von der Spule abgerollt, hat scharfe Kanten und ist trocken. Wenn du sofort beginnst, es stramm zu flechten, führt die Reibung an den Lochkanten dazu, dass die Narbenseite abgerieben wird, und das Band selbst kann reißen.

Der erste Schritt ist das sanfte Anfasen der Kanten des Bandes. Wenn du ein 2 mm dickes Band hast, verwende einen Kantenhobel in der Größe #0, um eine mikroskopische Schicht von den Ecken abzutragen. Dies verringert den Widerstand beim Durchziehen. Der zweite, absolut entscheidende Schritt ist das Anfeuchten. Pflanzlich gegerbtes Leder sollte leicht mit einem feuchten Schwamm abgerieben werden. Nicht in Wasser einweichen, sondern nur oberflächlich befeuchten. Das Leder wird dadurch geschmeidig und lässt sich gut biegen.

Es gibt viele Flechttechniken, aber zwei davon bilden die Grundlage:

1. Einfache Umflechtung: Die einfachste Methode, bei der das Band die Kante umwickelt und jedes Loch einmal passiert. Sie erzeugt ein dezentes, geripptes Muster. Ideal für dünne 2-mm-Bänder und unauffällige Abschlüsse.

2. Mexikanische Flechtung: Der König der Kantenflechtungen. Das Lederband verflicht sich ineinander und erzeugt ein dickes, erhabenes Muster, das an einen geflochtenen Korb erinnert. Diese Flechtung verdeckt die Lederkante vollständig und bietet einen massiven mechanischen Schutz. Sie erfordert jedoch ein Band mit präzisen Maßen (meist 3 mm Breite) und verbraucht sehr viel Material – für das Umflechten einer 10 cm langen Kante benötigst du oft mehr als 60-70 cm Band.

Während des Flechtens musst du auf die Zugspannung achten. Jeder Zug muss mit identischer Kraft erfolgen. Ein zu lockerer Zug hinterlässt Lücken, und ein zu fester Zug (besonders bei nassem pflanzlich gegerbtem Leder) führt zu einer Verengung des Bandes an dieser Stelle, was den Rhythmus des Musters zerstört. Wenn dein Lederband zu Ende geht, musst du es verlängern. In der Lederverarbeitung werden keine Knoten gebunden. Du musst das Ende des alten Bandes auf der Narbenseite und den Anfang des neuen Bandes auf der Fleischseite über eine Länge von etwa 15 mm ausschärfen. Anschließend werden sie mit einer dünnen Schicht Lederkleber verklebt, wodurch eine Verbindung entsteht, die so dick ist wie ein einzelnes Band und sich unsichtbar im Inneren der Flechtung verbirgt.

Kantenbearbeitung und Lederpflege der Bänder

Wenn du die Flechtung beendet hast, ist deine Arbeit noch nicht getan. Eine Flechtung aus pflanzlich gegerbtem Leder erfordert ein Finish und Schutz. Das rohe Band würde Schmutz und Feuchtigkeit von den Händen aufsaugen, was schnell zu seinem Nachdunkeln und Austrocknen führt.

Für das Finish von pflanzlich gegerbten Lederbändern wird das Präparat Tokonole verwendet. Denke jedoch daran, dass Tokonole ein Mittel zur Bearbeitung von Kanten und der Fleischseite ist, und keine Imprägnierung oder Wachs für die gesamte Narbenseite. Bei einer Flechtung wird es sehr sparsam aufgetragen. Du kannst ein wenig Tokonole auf den Finger geben und es sanft in die Seiten des Bandes einreiben, dort wo es sich an der Kante des Werkstücks kreuzt. Anschließend reibst du mit einem Stück sauberem Leinen oder weicher Baumwolle kräftig über die gesamte Kante. Die Reibung erzeugt Wärme, die die Bindemittel im Präparat aktiviert, die Fasern an den Rändern des Bandes glättet und der Flechtung ein kompaktes, glänzendes Aussehen verleiht. Verwende hier keinen Kantenpolierer aus Holz, da seine harten Kanten das kunstvoll gelegte Flechtmuster zerdrücken könnten.

Wenn du die Farbe des rohen pflanzlich gegerbten Bandes ändern möchtest, musst du dies vor Beginn des Flechtens tun. Das Band wird mit Lederfarbe auf Alkohol- (z. B. aus der Serie Fiebing's Pro Dye) oder Wasserbasis gefärbt, indem man es durch einen getränkten Schwamm zieht. Denke daran, dass das Färben das Leder austrocknet. Nachdem die Farbe getrocknet ist, muss das Band gefettet werden (z. B. mit Klauenöl), da es sonst brüchig wird. Wie bereits erwähnt, machen wir um werksseitig gefärbte und versiegelte Leder einen großen Bogen, was Farben betrifft – sie nehmen keine Pigmente auf.

Für die spätere Lederpflege der fertigen Flechtung verwendet man spezielle Lederbalsame und -wachse. Diese trägt man mit einer weichen Rosshaarbürste auf, die in die Zwischenräume der Bandverflechtungen vordringen kann, den Staub von dort entfernt und das Leder angemessen fettet.

Die häufigsten Anfängerfehler bei der Arbeit mit Lederbändern

Die Arbeit mit Lederbändern deckt jeden Mangel an Geduld gnadenlos auf. Der häufigste Fehler, der stundenlange Arbeit zunichtemacht, ist das sogenannte "Trockenarbeiten". Der Versuch, eine komplexe mexikanische Flechtung mit einem trockenen, harten, 2 mm dicken pflanzlich gegerbten Band festzuziehen, endet mit dem Verbrennen der Fasern. Die Reibung im Inneren des engen Lochs erzeugt eine Temperatur, die das Band im Bruchteil einer Sekunde schwächt und zum Reißen bringt. Feuchte pflanzlich gegerbtes Leder vor der Arbeit immer leicht an.

Der zweite verbreitete Fehler ist die falsche Wahl der Schneid- und Stanzwerkzeuge. Die Verwendung von Diamant-Schlageisen für ein flaches, 3 mm breites Lederband ist eine häufige Ursache für Misserfolge. Das rautenförmige Loch zwingt das flache Band dazu, sich beim Passieren des Basisleders zu einem Röhrchen zusammenzurollen. Beim Austreten auf der Außenseite ist das Band zerknittert und weigert sich, flach auf der Kante aufzuliegen. Verwende immer Schlitzschlageisen mit der entsprechenden Zinkenbreite.

Die dritte Todsünde ist die mangelnde Kontrolle über das Verdrehen des Bandes. Wenn du ein meterlanges Band durch ein Loch ziehst, hat es die natürliche Tendenz, sich um die eigene Achse zu drehen. Wenn du es nicht mit den Fingern begradigst, bevor du die Schlaufe endgültig festziehst, flechtest du die Fleischseite auf die Narbenseite. Es entsteht dann eine raue, matte Stelle inmitten der glänzenden Flechtung. Die Korrektur dieses Fehlers erfordert das Lockern der gesamten Naht, was bei Anfängern oft mit einer Beschädigung der Narbenseite des Leders endet.

Der letzte Punkt ist das Ignorieren des Ausschärfens der Enden beim Verbinden von Bändern. Das Zusammennähen oder Knoten von zwei Bändern in der Mitte der Flechtung erzeugt eine riesige Beule, die unmöglich zu verstecken ist. Das Erlernen des präzisen Ausschärfens der Banddicke von 1,5 mm auf null über eine Strecke von einigen Millimetern ist eine Grundvoraussetzung, ohne die du kein großes Projekt abschließen kannst.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich ein Band aus Spaltleder für die Kantenflechtung einer Geldbörse verwenden?

Nein. Spaltleder ist meistens chromgegerbtes Leder, das zu weich ist, um eine feste Kante zu halten. Es wird sich schnell durchscheuern und dehnen, und eine Kantenbearbeitung mit dem Präparat Tokonole wird unmöglich sein.

Wie viel Lederband benötige ich zum Umflechten eines Projekts?

Das hängt von der Flechtart ab. Für eine einfache Umflechtung benötigst du ein Band, das etwa 3- bis 4-mal so lang ist wie die Kante. Bei der dichten mexikanischen Flechtung musst du von einem Verbrauch ausgehen, der dem 7- bis 8-fachen der zu umflechtenden Kantenlänge entspricht.

Warum reißt mein Lederband beim Durchziehen durch die Nadel?

Wahrscheinlich sind die Löcher im Verhältnis zur Dicke des Bandes zu klein (z. B. versuchst du, ein 2-mm-Band durch einen engen Schlitz zu ziehen), das Band ist ausgetrocknet oder du ziehst im falschen Winkel. Denke an das leichte Anfeuchten von pflanzlich gegerbtem Leder und an die Verwendung einer Sattlerahle zum Weiten der Schlitze.

Wird für Lederbänder Wachs verwendet, so wie für Garn?

Hartes Bienenwachs wird nicht auf die gleiche Weise verwendet wie bei Nähgarn (wo man den Faden durch einen Wachsblock zieht). Ein pflanzlich gegerbtes Lederband kann sanft mit Lederbalsam oder Klauenöl gefettet werden, um seine Gleitfähigkeit zu verbessern, aber ein Überschuss an Wachs würde die Löcher verstopfen und das Aussehen der Narbenseite ruinieren.

Wie fange ich an?

Wenn dies dein erster Kontakt mit Kantenflechtungen ist, stürze dich nicht gleich auf das Umflechten einer komplizierten Geldbörse mit vielen Lederschichten. Beginne mit einem einfachen Projekt, zum Beispiel einem ledernen Untersetzer oder einer simplen Messerscheide, die aus zwei Lederschichten von jeweils 1,5 mm Dicke besteht.

1. Wähle das Lederband: Kaufe ein flaches Lederband aus pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Breite von 3 mm. Dies ist die fehlerverzeihendste Größe für Anfänger.

2. Bereite das Werkzeug vor: Besorge dir ein Schlitzschlageisen (4 mm Zinkenabstand) und eine Ledernadel für Flechtbänder mit Gewinde.

3. Trockenübung: Bevor du mit dem eigentlichen Projekt beginnst, nimm ein Reststück Leder, stanze eine Reihe von Löchern und übe die einfache Umflechtung. Lerne, das Band in die Nadel einzudrehen (denke an das Ausschärfen des Endes mit dem Messer!).

4. Kontrolle der Spannung: Konzentriere dich darauf, dass jeder Zug die gleiche Kraft hat. Beobachte, wie sich das Band auf der Kante ablegt, und achte darauf, dass die Fleischseite immer nach innen zeigt.

5. Finish: Trage nach Abschluss der Übung ein wenig Tokonole auf die Seiten der Flechtung auf und reibe sie mit einem Leinentuch ab. Du wirst sehen, wie sich die rohe Kante des Bandes in eine glatte, professionelle Linie verwandelt.

Mit jedem weiteren Meter Lederband werden deine Bewegungen flüssiger und die Spannung der Flechtung gleichmäßiger. Die Arbeit mit Lederbändern ist eine hervorragende Möglichkeit, deinen Werken einen einzigartigen, handwerklichen Charakter zu verleihen, der echte Handarbeit von der Massenproduktion abhebt.

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