Eine Öse ist ein zweiteiliger Beschlag, dessen wichtigste mechanische Funktion darin besteht, die Lochkanten im Leder vor dem Ausreißen und Durchscheuern zu schützen, wenn ein Sattlerriemen, eine Schnur oder ein Band hindurchgeführt wird. Das Belassen einer rohen Kante, insbesondere an Stellen, die Reibung und Zugbelastungen ausgesetzt sind, ist der direkte Weg zur Zerstörung des Materials. Diese Beschläge verteilen die Belastung auf eine größere Fläche und erfüllen gleichzeitig eine ästhetische Funktion. Für angehende Lederhandwerker kann die enorme Vielfalt an Varianten, Durchmessern und Materialien geradezu überwältigend sein. Ein falsch gewählter Beschlag ruiniert das Projekt, und eine unsachgemäße Montage führt dazu, dass er schon bei der ersten Benutzung ausreißt. Dieser Leitfaden führt Sie durch die Mechanik von Ösen, die Regeln der Größenauswahl und die Techniken des Setzens – ganz gleich, ob Sie pflanzlich gegerbtes Leder oder chromgegerbtes Leder verarbeiten.
Auf einen Blick:
- Ösen bestehen aus zwei Elementen: dem Hauptteil mit Schaft und der Gegenscheibe.
- Die Größe einer Öse wird durch ihren Innendurchmesser bestimmt (von 4 mm bis 20 mm).
- Die Schaftlänge muss 1,5 mm bis 2 mm größer sein als die Gesamtdicke der Lederschichten.
- Der Abstand des Lochs zur Materialkante sollte mindestens dem Durchmesser der Öse entsprechen, um ein Ausreißen zu verhindern.
- Für die Montage sind ein passendes Locheisen, ein Amboss sowie ein Einschlagstempel mit einem dem Beschlagdurchmesser entsprechenden Profil unerlässlich.
Inhaltsverzeichnis
- Anatomie und Mechanik der Öse
- Materialien und ihr Einfluss auf die Haltbarkeit des Projekts
- Übersicht der Ösengrößen (4–20 mm) und ihre Anwendung
- So passen Sie die Schaftlänge an die Lederdicke an
- Ränder und sicherer Abstand zur Kante
- Unverzichtbare Lederwerkzeuge für das Setzen
- Schritt für Schritt: Die korrekte Montage der Öse
- Fehlerbehebung: Warum reißt die Öse oder dreht sich?
- Ösen und Lederarten: Pflanzlich gegerbtes Leder vs. chromgegerbtes Leder
- Häufig gestellte Fragen
- Wie man anfängt
Anatomie und Mechanik der Öse
Um den Montageprozess vollständig zu kontrollieren, müssen Sie verstehen, wie sich die Öse unter dem Schlag eines Hammers oder dem Druck einer Spindelpresse verhält. Eine Standardöse besteht aus zwei separaten Elementen. Das erste ist das Hauptteil, welches über einen profilierten, dekorativen Kragen (sichtbar auf der Narbenseite) und einen röhrenförmigen Schaft verfügt, der durch das Loch im Material geführt wird. Das zweite Element ist die Gegenscheibe – ein flacher oder leicht gewölbter Ring, der von der Fleischseite her auf den Schaft aufgesetzt wird.
Die Mechanik des Vernietens basiert auf der plastischen Verformung von Metall. Wenn Sie auf den Einschlagstempel schlagen, dringt dessen profilierte Spitze in das Innere des Schafts ein und beginnt, dessen Wände nach außen zu drücken. Das Metall wölbt sich auf und rollt sich eng um die Kanten der Gegenscheibe. Das Leder wird zwischen dem oberen Kragen und der neu gebildeten Bördelung, die auf der Scheibe aufliegt, eingeklemmt. Die Anpresskraft fixiert das Material und verhindert jegliche Bewegung des Beschlags.
Das Weglassen der Gegenscheibe ist ein häufiger Fehler von Anfängern, die die billigsten einteiligen Beschläge kaufen. Eine Öse ohne Scheibe rollt sich direkt auf dem Leder ab. Bei festem, 3 mm dickem pflanzlich gegerbtem Leder kann das eine Weile gut gehen. Verwenden Sie jedoch einen einteiligen Beschlag auf weichem, chromgegerbtem Leder, wird das umgebogene Metall die Fasern schnell durchschneiden, und die Öse reißt unter Belastung aus. Die Gegenscheibe verteilt die Druckkraft auf eine viel größere Fläche der Fleischseite und schützt so die Lederstruktur vor mechanischen Beschädigungen.
Materialien und ihr Einfluss auf die Haltbarkeit des Projekts
Die Wahl der Legierung, aus der die Öse gefertigt ist, bestimmt nicht nur ihre Optik, sondern vor allem die Korrosionsbeständigkeit und die Leichtigkeit der Montage. Auf dem Markt finden Sie Beschläge aus drei Hauptmaterialien, von denen sich jedes beim Einschlagen anders verhält.
Stahlösen sind die beliebteste und budgetfreundlichste Option. Stahl ist relativ hart, aber anfällig für Rost. Um dies zu verhindern, überziehen die Hersteller sie mit galvanischen Beschichtungen (Nickel, Messing, Oxid). Das Problem tritt beim Einschlagen auf. Ein kräftiger Schlag mit dem Einschlagwerkzeug verursacht oft Mikrorisse in der Beschichtung des umgebördelten Schafts. Wenn das Projekt Feuchtigkeit ausgesetzt ist (z. B. ein Wanderrucksack oder ein Hundehalsband), bildet sich an den Rissen schnell Rost, der mit der Zeit das Leder verschmutzt. Stahlbeschläge erfordern mäßigen Krafteinsatz und exakt passende Lederwerkzeuge, um das Risiko einer Beschädigung der Schutzschicht zu minimieren.
Messingösen sind der Standard in der professionellen Lederverarbeitung. Messing ist eine Legierung aus Kupfer und Zink, was es absolut rostfrei macht. Es ist zudem wesentlich plastischer als Stahl. Beim Einschlagen rollt sich der Messingschaft sanft und gleichmäßig über die Gegenscheibe und reißt seltener an den Rändern. Rohes Messing entwickelt mit der Zeit eine wunderschöne Patina, die hervorragend zu natürlichem, pflanzlich gegerbtem Leder passt. Man sollte jedoch bedenken, dass Messing weich ist. Bei sehr dünnen Ledern (z. B. 1 mm) und einem zu harten Schlag kann man es leicht plattdrücken oder den oberen Kragen verformen.
Edelstahlösen sind die Lösung für spezielle Aufgaben wie die Sattlerei, Segelausrüstung oder dicke Motorradgürtel. Edelstahl rostet nicht, ist extrem strapazierfähig und reagiert nicht mit Gerbstoffen. Sein Hauptnachteil ist die enorme Härte. Das Setzen von Edelstahlösen mit einem Hand-Einschlagstempel und Hammer ist sehr schwierig und endet oft in einer schiefen Verankerung. Für die Arbeit mit diesem Material wird dringend die Verwendung einer soliden Spindelpresse empfohlen, die einen gleichmäßigen, kraftvollen vertikalen Druck gewährleistet.
Übersicht der Ösengrößen (4–20 mm) und ihre Anwendung
Die Größe einer Öse wird IMMER als ihr Innendurchmesser (die lichte Weite des Lochs nach dem Einschlagen) angegeben. Es handelt sich nicht um den Außendurchmesser des Kragens. Das Verständnis der einzelnen Größenbereiche ermöglicht die richtige Auswahl von Ösen für die jeweilige Anwendung.
Kleine Ösen (4 mm – 6 mm) werden in der Feintäschnerei verwendet. Die Größe 4 mm ist der Standard für Schnürsenkellöcher in Schuhen, kleine Schlüsselanhänger oder Belüftungslöcher in dünnen Geldbörsen. Eine 5 mm Öse eignet sich hervorragend für Uhrarmbänder aus Täschnerleder mit dickerer Konstruktion sowie als Führung für dünne Sattlerriemen in kleinen Handtaschen. In diesem Bereich arbeiten wir normalerweise mit Lederdicken von 1,2 mm bis 2 mm. Eine zu große Öse an einem kleinen Element stört die visuellen Proportionen und schwächt die Struktur eines schmalen Riemens.
Mittlere Ösen (8 mm – 10 mm) sind die absolute Basis bei der Herstellung von Taschen, Rucksäcken und breiten Gürteln. Die Größe 8 mm eignet sich perfekt zum Durchziehen eines standardmäßigen Sattlerriemens bei Beuteltaschen (Bucket Bags). Die lichte Weite ermöglicht ein reibungsloses Gleiten des Riemens ohne übermäßige Reibung. Die Größe 10 mm wird oft in Trageriemen verwendet, bei denen der Dorn einer massiven Schnalle durch das Loch geführt wird, oder als Befestigungspunkte für Karabinerhaken. Sie erfordern eine solide Verankerung in Leder mit einer Dicke von mindestens 2,5 mm oder an Stellen, die speziell mit einer zusätzlichen Materialschicht verstärkt wurden.
Große Ösen (12 mm – 20 mm) fallen in den Bereich der schweren Lederverarbeitung, der Sattlerei und der Polsterei. Die Größen 12 mm und 15 mm finden Sie in dicken Werkzeuggürteln, Planen, historischen Zelten oder Motorradtaschen. 20 mm Ösen, oft als Schneider- oder Planenösen bezeichnet, dienen zur Durchführung dicker Segelseile oder Tragegurte. Aufgrund der enormen Oberfläche des Kragens erfordern sie ein präzises Ausstanzen des Lochs und eine sehr hohe Anpresskraft bei der Montage.
So passen Sie die Schaftlänge an die Lederdicke an
Der häufigste Fehler von Anfängern ist das Ignorieren der Schaftlänge der Öse. Der Innendurchmesser ist nur die halbe Miete; entscheidend für eine dauerhafte Montage ist das Verhältnis zwischen der Schaftlänge und der Dicke des Leders, durch das sie geführt wird.
Die goldene Regel der Lederverarbeitung besagt: Der Schaft der Öse sollte nach dem Durchstecken durch das Leder und dem Aufsetzen der Gegenscheibe um 1,5 mm bis maximal 2 mm über diese hinausragen. Dieser kleine Materialüberstand ist unerlässlich, damit der Einschlagstempel etwas zum Umbördeln hat, um die Scheibe zu fixieren.
Lassen Sie uns zwei Szenarien analysieren. Wenn Sie mit pflanzlich gegerbtem Leder von 3 mm Dicke arbeiten, benötigen Sie eine Öse, deren Gesamtschaftlänge (gemessen von der Unterseite des Kragens) etwa 5 mm beträgt. Nach dem Durchstecken durch das Material (3 mm) und dem Auflegen der Gegenscheibe (ca. 0,5 mm) bleiben Ihnen 1,5 mm Metall zum Einschlagen. Dies ist die optimale Situation. Der Schaft rollt sich zu einem engen, stabilen Ring zusammen.
Was passiert, wenn Sie dieselbe Öse (5 mm Schaft) bei einem dünnen chromgegerbten Leder von 1,5 mm Dicke verwenden? Nach dem Aufsetzen der Scheibe wird der Schaft mehr als 3 mm herausragen. Wenn Sie mit dem Einschlagwerkzeug zuschlagen, kann sich das zu lange Röhrchen nicht zu einem gleichmäßigen Ring zusammenrollen. Stattdessen faltet es sich wie eine Ziehharmonika, knickt zur Seite ab oder reißt an mehreren Stellen. Die Öse wird locker sitzen, sich im Loch drehen, und die scharfen Kanten des gerissenen Metalls könnten Gegenstände im Inneren der Tasche zerkratzen.
Die Verwendung eines zu kurzen Schafts (z. B. 4 mm Länge bei 3,5 mm Leder) führt wiederum dazu, dass nach dem Aufsetzen der Gegenscheibe gar kein Metall mehr herausragt. Der Stempel hat dann kein Material zum Umbördeln. Die Öse wird lediglich im Inneren des Lochs plattgedrückt, greift die Scheibe nicht und fällt beim ersten kräftigeren Ziehen heraus. Messen Sie vor der Auswahl von Beschlägen immer die Gesamtdicke aller Lederschichten mit einem Messschieber.
Ränder und sicherer Abstand zur Kante
Selbst eine korrekt gesetzte, hochwertige Öse erfüllt ihren Zweck nicht, wenn sie zu nah an der Materialkante platziert wird. Leder ist ein faseriges Material, das unter hohen Zugbelastungen reißen kann. Das Ausreißen einer Öse ist in der Regel auf einen Konstruktionsfehler und nicht auf einen fehlerhaften Beschlag zurückzuführen.
Die grundlegende Designregel besagt, dass der Mindestabstand vom Rand des Lochs bis zur Außenkante des Leders mindestens dem Innendurchmesser der Öse entsprechen sollte. Für absolute Sicherheit, insbesondere bei tragenden Elementen, empfiehlt sich ein Rand, der dem 1,5-fachen des Durchmessers entspricht.
Wenn Sie eine Öse mit einem Innendurchmesser von 10 mm montieren, darf der Rand des ausgestanzten Lochs absolut nicht näher als 10 mm an der Lederkante liegen. In der Praxis bedeutet dies, dass der Mittelpunkt des Lochs 15 mm von der Kante entfernt ist (10 mm Rand + 5 mm Lochradius). Bei diesen Proportionen verfügt das Leder über eine ausreichende Fasermasse, um die Belastung des ziehenden Sattlerriemens ohne Rissgefahr aufzunehmen.
Ein zu kleiner Rand ist eine Einladung für Probleme. Wenn Sie eine 10 mm Öse in einem Abstand von 3 mm zur Kante eines dünnen Leders platzieren, wird der Metallkragen beim ersten Ruck den dünnen Materialstreifen wie ein Messer durchschneiden. Dieses Problem tritt besonders deutlich bei weichem, chromgegerbtem Leder auf, das sich leicht dehnt. Bei pflanzlich gegerbtem Leder, das steifer ist, können die Fasern abrupt brechen. Planen Sie die Platzierung der Löcher immer schon in einer frühen Phase der Schnittmustererstellung.
Unverzichtbare Lederwerkzeuge für das Setzen
Die professionelle Montage von Ösen erfordert den Einsatz von drei grundlegenden Lederwerkzeugen: einem Locheisen, einem Amboss und einem Öseneinschlagwerkzeug. Improvisation mit Zangen oder Schraubendrehern endet immer mit der Zerstörung des Beschlags und des Materials.
Das Locheisen muss präzise auf den Schaftdurchmesser der Öse abgestimmt sein. Das Loch sollte exakt dem Außendurchmesser des Schafts entsprechen oder 0,5 mm kleiner sein. Leder ist elastisch; das Hineindrücken des Schafts in ein minimal kleineres Loch bewirkt, dass das Material das Metall eng umschließt, was ein Mitdrehen des Beschlags nach dem Setzen verhindert. Wenn Sie eine 8 mm Öse (Innendurchmesser) verwenden, kann ihr Schaft außen etwa 8,5 mm messen. Ein mit einem 8 mm Locheisen gestanztes Loch wäre hier optimal. Ein zu großes Loch zu stanzen ist ein kritischer Fehler – die Öse hat dann keinen Halt und fällt heraus.
Der Amboss ist eine Metallunterlage mit einer profilierten Vertiefung. Seine Aufgabe ist es, den oberen Kragen der Öse beim Schlagen abzustützen, damit er seine werkseitige, gewölbte Form behält. Die Verwendung eines flachen Metallstücks als Unterlage führt zu einer unwiderruflichen Abflachung des dekorativen Kragens.
Der Einschlagstempel ist ein Stahldorn, dessen Spitze ein spezifisches Profil aufweist (meist konisch mit einer Rundung an der Basis). Dieses Profil drückt den Schaft sanft nach außen und rollt ihn nach unten ab. Jede Ösengröße erfordert ein passendes Öseneinschlagwerkzeug. Die Verwendung eines 6 mm Stempels für eine 10 mm Öse führt zu einem ungleichmäßigen Aufspreizen des Schafts und zu Rissen.
Verwenden Sie zum Schlagen auf den Stempel ausschließlich einen Polymer-, Nylon- oder Holzhammer. Der Einsatz eines klassischen Stahlhammers zerstört die Lederwerkzeuge (durch das Aufpilzen der Schlagköpfe) und erschwert die Kontrolle über die Schlagkraft, was oft zum Zerquetschen des gesamten Beschlags führt. Eine Alternative zu Handwerkzeugen ist eine Spindelpresse mit den entsprechenden Einsätzen. Die Presse eliminiert den Schlag und ersetzt ihn durch den fließenden Druck des Hebels, was Ihnen die volle Kontrolle über den Prozess des Metallumbördelns gibt.
Schritt für Schritt: Die korrekte Montage der Öse
Das folgende Verfahren ermöglicht eine korrekte Montage und minimiert das Risiko einer Beschädigung des Materials und des Beschlags selbst. Es erfordert Konzentration und das Arbeiten auf einer stabilen, harten Unterlage (z. B. auf einem Granitblock).
1. Lochen: Legen Sie das Leder auf eine geeignete Unterlage (z. B. eine Schneidematte oder Teflonplatte, um das Werkzeug nicht stumpf zu machen). Setzen Sie das Locheisen senkrecht auf die Narbenseite des Leders. Schlagen Sie kräftig mit dem Holz- oder Nylonhammer zu, bis das Werkzeug das Material vollständig durchdringt. Entfernen Sie das ausgestanzte Lederstückchen.
2. Einsetzen des Hauptteils: Nehmen Sie das Hauptteil der Öse und schieben Sie den Schaft von der Narbenseite (der rechten, glatten Seite des Leders) in das Loch. Der Schaft sollte mit leichtem Widerstand hineingleiten. Drücken Sie den Kragen so an, dass er flach auf der Narbenseite aufliegt.
3. Vorbereitung zum Einschlagen: Legen Sie den Amboss auf einen stabilen Block. Platzieren Sie das Leder mit der eingesetzten Öse so auf dem Amboss, dass der gewölbte Kragen exakt in die Vertiefung des Ambosses passt. Das Leder liegt nun mit der Fleischseite (der linken Seite) nach oben, und aus dem Loch ragt der röhrenförmige Schaft.
4. Auflegen der Gegenscheibe: Legen Sie die Gegenscheibe auf den herausragenden Schaft. Achten Sie auf ihr Profil. Die meisten Scheiben haben eine flache und eine leicht gewölbte (abgerundete) Seite. Die gewölbte Seite sollte nach oben zeigen. Über diese Seite wird das umgebördelte Metall des Schafts gleiten.
5. Einschlagen: Führen Sie die Spitze des Einschlagwerkzeugs in die Mitte des herausragenden Schafts ein. Achten Sie darauf, das Werkzeug exakt senkrecht, im 90-Grad-Winkel zum Tisch, zu halten. Schlagen Sie mit dem Hammer auf den Stempel. Der erste Schlag sollte von mittlerer Stärke sein – er dient dazu, das Metall zunächst leicht aufzuspreizen. Prüfen Sie, ob sich der Schaft gleichmäßig öffnet. Führen Sie dann einige kurze, präzise Schläge aus und drehen Sie den Stempel zwischen den Schlägen jeweils um eine Vierteldrehung. Dadurch rollt sich das Metall gleichmäßig über den gesamten Umfang ab und drückt die Scheibe fest gegen die Fleischseite.
Fehlerbehebung: Warum reißt die Öse oder dreht sich?
Selbst erfahrenen Lederhandwerkern unterlaufen Fehler bei der Montage von Beschlägen. Wenn man die Ursachen der häufigsten Mängel versteht, kann man seine Technik schnell korrigieren.
Problem: Die Öse dreht sich nach dem Einschlagen im Loch.
Die Ursache liegt meist in einem zu groß gestanzten Loch im Leder. Wenn das Locheisen 1 mm größer war als der Außendurchmesser des Schafts, hat das Metall keinen Halt im Material. Ein weiterer Grund ist zu dünnes Leder im Verhältnis zur Schaftlänge des Beschlags – das Einschlagwerkzeug hat das Metall zwar bis zum Ende aufgerollt, aber es reichte nicht aus, um das Material fest einzuklemmen. Die Lösung besteht darin, kleinere Löcher zu stanzen oder eine dünne Leder-Unterlegscheibe zwischen die Fleischseite und die metallene Gegenscheibe des Beschlags einzufügen, um das Material aufzudicken.
Problem: Der Schaft reißt und splittert in scharfe Dreiecke auf.
Dieses Phänomen tritt am häufigsten bei billigen Stahlbeschlägen mit geringer Plastizität auf. Es kann auch durch die Verwendung eines Stempels mit falschem Profil (ein zu spitzer Konus, der das Metall durchschneidet, anstatt es umzubördeln) oder durch Schläge mit zu viel Kraft verursacht werden. Schlagen Sie leichter, dafür aber öfter, damit sich das Metall fließend verformen kann.
Problem: Der obere Kragen auf der Narbenseite wurde plattgedrückt oder zerkratzt.
Der Grund dafür ist das Arbeiten auf einer ungeeigneten Unterlage. Die Verwendung einer flachen Stahlplatte anstelle eines profilierten Ambosses zerstört unweigerlich die gewölbte Form des Kragens. Wenn der Amboss schmutzig oder zerkratzt ist, überträgt er diese Beschädigungen auf das weiche Messing oder die galvanische Beschichtung des Beschlags. Halten Sie Ihre Lederwerkzeuge stets sauber.
Problem: Die Öse wird schief eingeschlagen, eine Seite rollt sich stärker ab.
Dies resultiert aus einem schräg gehaltenen Einschlagstempel. Wenn das Werkzeug beim Schlag von der Senkrechten abweicht, wird die gesamte Kraft auf eine Wand des Schafts gelenkt. Die Übung, das Werkzeug exakt senkrecht zu halten, ist entscheidend. Bei ständigen Problemen mit der senkrechten Führung eliminiert der Wechsel zu einer Spindelpresse diesen Fehler vollständig.
Ösen und Lederarten: Pflanzlich gegerbtes Leder vs. chromgegerbtes Leder
Das Verhalten des Leders beim Stanzen von Löchern und beim Setzen von Beschlägen hängt direkt von der Gerbmethode ab. Pflanzlich gegerbtes Leder und chromgegerbtes Leder erfordern eine etwas unterschiedliche Herangehensweise.
Pflanzlich gegerbtes Leder (Veg-Tan) ist dicht, kompakt und sehr formstabil. Wenn Sie ein 8 mm Loch hineinstanzen, bleibt es ein exakter Kreis. Beim Einschlagen der Öse komprimieren sich die Fasern des pflanzlich gegerbten Leders leicht unter dem Druck des Metallkragens und der Scheibe, wodurch eine sehr solide Verbindung entsteht. Dies ist das ideale Material für die Montage von Beschlägen. Vorsicht ist lediglich bei unbeschichteten Stahlbeschlägen oder rohem Messing geboten – die im Leder enthaltenen pflanzlichen Gerbstoffe können in Verbindung mit Feuchtigkeit mit dem Metall reagieren und nach Jahren einen grünlichen oder schwarzen Belag rund um die Öse verursachen.
Chromgegerbtes Leder ist von Natur aus weich, flexibel und schwammig. Ein gestanztes Loch dehnt sich sehr leicht aus. Wenn Sie eine Öse direkt in einer einzelnen Schicht aus weichem, 1,5 mm dickem chromgegerbtem Leder anbringen, besteht ein enormes Risiko, dass sich das Loch unter Belastung dehnt und der gesamte Beschlag einfach hindurchrutscht. Bei der Arbeit mit weichem, chromgegerbtem Leder müssen Verstärkungen verwendet werden. Zwischen die Lederschichten (oder auf die Fleischseite, wenn das Projekt nicht gefüttert ist) klebt man ein Verstärkungsband (z. B. mit Glasfaser) oder ein Stück steifes Spaltleder, durch das dann das Loch gestanzt wird. Dies sorgt für eine strukturelle Stabilität, die das chromgegerbte Leder allein nicht besitzt. Denken Sie auch daran, dass die Narbenseiten von gefärbtem chromgegerbtem Leder bereits werkseitig versiegelt sind – sie nehmen keine Chemikalien auf. Versuchen Sie also nicht, die Lochkanten vor dem Anbringen der Öse mit Lederfarbe zu schützen.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet man eine Öse von eine Hohlniete?
Eine Öse dient zur Sicherung eines Durchgangslochs und lässt eine freie Mitte, durch die ein Sattlerriemen oder eine Schnur gefädelt werden kann. Eine Hohlniete hingegen ist ein Beschlag, der zwei Materialschichten dauerhaft verbindet. Nach dem Vernieten verschließt sie das Loch vollständig und weist auf beiden Seiten geschlossene Köpfe auf.
Kann ich eine Öse ohne Amboss setzen?
Das wird nicht empfohlen. Die Verwendung einer flachen Unterlage ohne profilierte Vertiefung führt zu einer dauerhaften Abflachung und Verformung des dekorativen Kragens auf der Narbenseite des Leders, was die Ästhetik des Projekts ruiniert.
Wie entferne ich eine falsch gesetzte Öse aus dem Leder?
Der umgebördelte Schaft muss von der Fleischseite her sehr vorsichtig mit einem Präzisions-Seitenschneider durchtrennt werden. Dabei ist darauf zu achten, die Lederoberfläche nicht zu beschädigen. Nach dem Abschneiden des umgebogenen Metalls wird das Hauptteil nach außen herausgedrückt.
Rosten Ösen?
Stahlösen können rosten, wenn ihre galvanische Beschichtung zerkratzt wird oder beim Einschlagen reißt. Messing- und Edelstahlösen sind absolut rostfrei.
Warum wirft das Leder nach dem Setzen Falten um die Öse?
Das Faltenwerfen resultiert aus einem zu harten Schlag mit dem Einschlagwerkzeug auf dünnes und weiches Leder. Zu viel Kraft zerquetscht die Fasern, anstatt sie sanft zu komprimieren. Man sollte leichter schlagen oder den Montagebereich mit einer Verstärkung unterkleben.
Wie man anfängt
Für angehende Lederhandwerker kann die riesige Auswahl an Beschlägen verwirrend sein. Für den Anfang brauchen Sie nicht das volle Arsenal an Größen oder eine teure Spindelpresse. Die optimale Wahl für den Start ist der Kauf der zwei universellsten Größen: 5 mm und 8 mm. Die Größe 5 mm verwenden Sie für die Herstellung kleiner Schlüsselanhänger, Anhänger oder zur Verstärkung von Löchern in Riemen. Die Größe 8 mm ermöglicht Ihnen Experimente mit kleineren Handtaschen und dem Durchziehen von Sattlerriemen.
Wählen Sie Messingösen. Sie sind für Anfänger weitaus nachsichtiger, da ihre Plastizität ein gleichmäßiges Umbördeln des Schafts erleichtert und das Risiko von Rissen bei ungleichmäßigen Schlägen verringert. Besorgen Sie sich zwei einfache Hand-Einschlagstempel, die für diese Größen vorgesehen sind, einen universellen Amboss mit mehreren Vertiefungen und einen Polymerhammer.
Der Schlüssel zur Beherrschung der Montage ist das Üben an Lederresten. Bevor Sie einen Beschlag in einer fertigen Tasche installieren, an der Sie bereits viele Stunden gearbeitet haben, nehmen Sie ein Stück Leder von identischer Dicke. Stanzen Sie ein Loch, wählen Sie eine Öse mit ausreichend langem Schaft und setzen Sie sie. Prüfen Sie, ob sich das Metall gleichmäßig abgerollt hat, ob sich die Öse nicht im Loch dreht und ob es auf der Narbenseite keine Kratzer gibt. Erst wenn der Prozess am Reststück fehlerfrei verläuft, übertragen Sie die gleichen Handgriffe auf das eigentliche Projekt.







