Die Wahl des richtigen Lederwerkzeugs zum Stanzen runder Löcher hängt von drei wesentlichen Faktoren ab: der Materialstärke, der Position des Lochs auf dem Lederstück und der Häufigkeit der auszuführenden Arbeit. Eine Lochzange (Revolverlochzange) bietet vor allem Komfort und Schnelligkeit, wenn man nah an der Kante arbeitet. Ein einzelnes Locheisen (Schlageisen) gewährt hingegen absolute Freiheit und ermöglicht das Arbeiten an jeder beliebigen Stelle des Materials. Hybridmodelle mit auswechselbaren Pfeifen stellen wiederum den Versuch dar, den Zangenmechanismus mit der Vielseitigkeit verschiedener Durchmesser zu kombinieren. Dieser Text hilft dir dabei, die richtige Art und Größe des Locheisens für deine spezifischen Werkstattaufgaben zu finden.
Vergleichstabelle: Arten von Lederlochern
| Merkmal | Revolverlochzange | Locheisen (Schlageisen) | Lochzange mit Wechselpfeifen |
|---|---|---|---|
| Reichweite auf dem Leder | Begrenzt (meist 3-5 cm von der Kante entfernt). | Unbegrenzt (jede beliebige Stelle auf dem Lederstück). | Begrenzt durch die Bauart der Zangenarme. |
| Funktionsweise | Handdruck (Hebelmechanismus). | Schlag mit dem Hammer von oben. | Handdruck (Hebelmechanismus). |
| Verfügbare Größen | Festes Set (meist von 2 mm bis 4,5 mm). | Von 1 mm bis 30 mm und mehr (einzeln erhältlich). | Abhängig vom beigefügten Set an Gewindepfeifen. |
| Benötigtes Zubehör | Keine (eigenständiges Werkzeug). | Schneidematte, Hammer (Schlegel). | Schlüssel zum Wechseln der Pfeifen (oft im Set enthalten). |
| Arbeiten mit dickem Leder (>3 mm) | Erfordert viel Handkraft, die Pfeife kann blockieren. | Funktioniert problemlos bei entsprechendem Schlag. | Erfordert Kraft, die Gewinde der Pfeifen müssen der Belastung standhalten. |
| Schwierigkeitsgrad für Anfänger | Sehr gering. | Gering (erfordert senkrechtes Halten des Eisens). | Gering. |
| Zielgenauigkeit | Gut, der Ansatzpunkt ist sichtbar. | Sehr hoch, das Locheisen wird exakt auf der Markierung angesetzt. | Gut. |
Revolverlochzange – wann ist sie die richtige Wahl?
Die Revolverlochzange ist ein klassisches Zangenwerkzeug, das auf einem drehbaren Kopf mehrere (meist sechs) Lochpfeifen mit unterschiedlichen Durchmessern montiert hat. Ihr größter Vorteil ist die sofortige Einsatzbereitschaft. Du benötigst weder eine Schneidematte noch einen Hammer – du nimmst einfach das Lederwerkzeug in die Hand, drehst die Trommel auf die gewünschte Größe, legst das Leder ein und drückst zu. Die Schneide durchtrennt das Material und trifft auf einen Amboss aus Messing oder Kupfer, der sich am unteren Zangenarm befindet.
Dieses Werkzeug bewährt sich am besten bei der Herstellung von Ledergürteln, Uhrenarmbändern aus Täschnerleder und Sattlerriemen. Wenn du einen Gürtel aus pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Stärke von 3,5 mm anfertigst und fünf Löcher für die Gürtelschnalle stanzen musst, erledigst du das mit der Revolverlochzange in wenigen Sekunden. Eine Einschränkung stellt jedoch die Bauform der Zangenbacken dar. Der Abstand von der Achse der Lochpfeife bis zum Zangengelenk beträgt in der Regel nur wenige Zentimeter. Das bedeutet, dass du damit kein Loch in der Mitte einer großen Tasche oder im Zentrum eines Portemonnaie-Zuschnitts machen kannst.
Szenario für Anfänger: Du nähst eine einfache Umhängetasche und musst eine Schnalle an einem 20 mm breiten Riemen anbringen. Das Leder ist ein weiches Nappaleder mit 1,5 mm Stärke. Du verwendest eine Lochzange, die auf 3 mm eingestellt ist. Du markierst die Punkte mit einer Sattlerahle, schiebst den Riemen zwischen die Zangenbacken und drückst zu. Das Loch ist sofort fertig, ohne den Lärm von Hammerschlägen, was ein großer Vorteil ist, wenn man in einer Wohnung arbeitet.
Häufige Fehler:
- Drehen der Trommel bei geschlossenen Zangenbacken: Das ist der schnellste Weg, um die Lochpfeife stumpf zu machen und den Messingamboss zu ruinieren. Löse immer den Druck, bevor du die Größe änderst.
- Erzwungenes Stanzen in sehr dickem Leder: Wenn das Leder 4 mm dick und hart ist, reicht der bloße Handdruck oft nicht aus. Anstatt die Zange mit aller Kraft zusammenzudrücken (was die Arme verbiegen könnte), drücke sie mäßig zusammen und drehe die gesamte Lochzange leicht hin und her. Diese Drehbewegung hilft der Schneide, die Fasern zu durchtrennen.
- Arbeiten mit einem stumpfen Werkzeug auf weichem Leder: Weiches Nappaleder wird sich unter dem Druck einer stumpfen Pfeife dehnen und in das Innere des Lochs gedrückt werden, anstatt durchtrennt zu werden. Das Ergebnis ist ein unsauberes, ausgefranstes Loch, das kleiner ist als vorgesehen.
Locheisen (Schlageisen) – wann ist es die richtige Wahl?
Ein einzelnes Locheisen, oft auch als Rundlocheisen bezeichnet, ist ein einfacher Stahlschaft, der in einer scharfen, zylindrischen Schneidekante endet. Oberhalb der Schneide befindet sich eine Auswurföffnung, durch die die ausgestanzten Lederkreise austreten. Um ein Loch zu stanzen, setzt du das Werkzeug auf das Material und schlägst auf den oberen Teil. Diese Art von Werkzeug löst das Hauptproblem der Revolvermodelle – es ermöglicht das Stanzen eines Lochs an absolut jeder Stelle auf dem Leder, unabhängig davon, wie groß das Lederstück ist.
Ein weiterer Vorteil ist die Bandbreite der verfügbaren Durchmesser. Revolverlochzangen enden meist bei 4,5 mm oder 5 mm. Wenn du große Nieten, Ösen oder Druckknöpfe anbringen möchtest, benötigst du größere Löcher. Ein großes Locheisen von 10 mm oder sogar 15 mm gehört zur Standardausstattung einer Werkstatt. Es lohnt sich auch, ein Set mit kleineren Größen im Atelier zu haben. Ein gängiges 4-mm-Locheisen ist die passende Größe für Standard-Schraubnieten, während sich die Größen 1 mm oder 1,5 mm hervorragend zum Stanzen von Schnittenden (sogenannten Stop-Holes) eignen, was ein weiteres Einreißen des Leders verhindert.
Szenario für Fortgeschrittene: Du entwirfst eine große Tote Bag aus festem, pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Stärke von 2,5 mm. Genau in der Mitte des Frontpanels planst du die Montage eines dekorativen Drehverschlusses, wofür ein rundes Loch mit einem Durchmesser von 12 mm gestanzt werden muss. Eine Lochzange reicht dorthin nicht aus. Du legst das Leder auf eine dicke Schneidematte. Du setzt das Locheisen exakt auf dem markierten Punkt an. Du verwendest einen schweren Rohhauthammer (Rawhide Mallet) und stanzt mit einem einzigen, entschlossenen Schlag einen perfekten Kreis aus.
Häufige Fehler:
- Verwendung eines Metallhammers: Das Schlagen mit einem Stahlhammer auf ein stählernes Locheisen führt zur Verformung (Aufpilzen) des oberen Werkzeugteils und kann mit der Zeit zu dessen Bruch führen. Verwende immer einen Hammer aus Rohhaut, Holz oder hartem Polymer.
- Stanzen auf hartem Untergrund: Ein Schlag mit dem Locheisen auf einer Steinplatte, Glas oder der nackten Tischplatte ruiniert sofort die empfindliche Schneidekante. Unter dem Leder muss sich immer eine Schneidematte, dicker Gummi oder ein spezielles Stanzbrett befinden.
- Verstopfen der Pfeife zulassen: Die ausgestanzten Lederkreise wandern in der Pfeife nach oben und sollten durch die seitliche Öffnung herausfallen. Wenn das Leder sehr dick oder stark gefettet ist, können sich die Reste verklemmen. Weiteres Schlagen mit einem verstopften Locheisen kann zum Bruch der Lochpfeife führen. Entferne Blockaden regelmäßig mit einer Sattlerahle.
Verstellbare Locher und Zangen-Hybride mit Wechselpfeifen
Die dritte Kategorie, die in modernen Werkstätten zunehmend an Beliebtheit gewinnt, sind Hybride. Optisch ähneln sie einer klassischen Lochzange, aber anstelle einer drehbaren Trommel verfügen sie über einen einzigen Kopf, in den austauschbare Lochpfeifen mit verschiedenen Durchmessern eingeschraubt werden.
Ein solches Lederwerkzeug hat einige spezifische Anwendungsbereiche. Erstens ermöglicht es den Austausch der Schneidspitze selbst, wenn diese stumpf wird, ohne dass gleich ein komplett neues Werkzeug gekauft werden muss. Zweitens bieten einige Sets eine größere Auswahl an Größen als eine Standard-Revolvertrommel. Die Funktionsweise bleibt gleich – du drückst die Hand zusammen, und die Pfeife trifft auf den Amboss. Man sollte jedoch bedenken, dass die Gewinde, welche die Wechselpfeifen halten, erheblichen Belastungen ausgesetzt sind. Bei sehr dickem und hartem pflanzlich gegerbtem Leder (über 3,5 mm) kann sich das Gewinde während der Arbeit lockern, was ein häufiges Nachziehen der Pfeife mit einem Schlüssel erfordert.
Ein solches Werkzeug ist eine praktische Wahl für Personen, die hauptsächlich mit dünneren Ledersorten (bis 2-2,5 mm) arbeiten und den Komfort einer Zange schätzen, dabei aber die Möglichkeit haben möchten, verschlissene Elemente präzise auszutauschen.
Pflege und Rostschutz
Unabhängig davon, ob du dich für eine Lochzange oder ein Set von Schlageisen entscheidest, musst du an die richtige Pflege denken. Lederwerkzeug wird in der Regel aus kohlenstoffreichem Werkzeugstahl gefertigt, der die Schärfe hervorragend hält, aber sehr anfällig für Rost ist. Handschweiß, Feuchtigkeit in der Werkstatt oder die Arbeit mit feuchtem pflanzlich gegerbtem Leder beschleunigen diesen Prozess.
Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Inneren der Lochpfeifen bei Schlageisen gewidmet werden. Wenn sich im Inneren Rost bildet, beginnen die ausgestanzten Lederkreise zu blockieren, was ein reibungsloses Arbeiten unmöglich macht. Nach jedem Gebrauch, und besonders bevor du die Werkzeuge für längere Zeit weglegst, solltest du sie von außen mit einem in leichtem Maschinenöl getränkten Tuch abwischen. Um das Innere der Pfeife zu schützen, nimm ein Wattestäbchen oder einen Pfeifenreiniger, der mit Öl getränkt ist – schiebe ihn hinein und wische die Wände ab. Bei Revolverlochzangen gib einen Tropfen Öl auf das Gelenk und den Drehmechanismus der Trommel, um deren reibungslose Funktion zu gewährleisten.
Fazit: Was solltest du für deine Werkstatt wählen?
Die Kaufentscheidung sollte darauf basieren, was du am häufigsten anfertigst.
- Wenn du hauptsächlich Ledergürtel, Geschirre und Uhrenarmbänder aus Täschnerleder machst: Wähle eine solide Lochzange. Die Arbeitsgeschwindigkeit und die Tatsache, dass du weder Schneidematte noch Hammer benötigst, sorgen für einen flüssigen und leisen Arbeitsablauf.
- Wenn du Taschen, Rucksäcke und große Portemonnaies nähst: Ein einzelnes Locheisen (Schlageisen) ist hier die entscheidende Option, die es dir ermöglicht, Beschläge in der Mitte großer Lederpaneele zu montieren.
- Welche Größe für den Start? Wenn du dir einzelne Locheisen zusammenstellst, beginne mit der Größe 1,5 mm (für Schnittenden), 3 mm (für dünne Riemen und kleine Nieten) sowie einem 4-mm-Locheisen (Standard für die meisten Schraub- und Schlagnieten). Mit der Zeit kannst du größere Größen wie 8 mm oder 10 mm dazukaufen, wenn du anfängst, große Druckknöpfe und Ösen zu montieren.
Die meisten erfahrenen Sattler und Feintäschner statten ihre Werkstatt im Laufe der Zeit mit beiden Werkzeugtypen aus, da sie sich in der täglichen Arbeit perfekt ergänzen.
Produkte in unserem Shop
Das notwendige Lederwerkzeug zum präzisen Stanzen von Löchern findest du in den entsprechenden Kategorien unseres Shops. Wir haben Ausrüstung sowohl für Personen, die ihr Abenteuer mit der Lederverarbeitung gerade erst beginnen, als auch für professionelle Werkstätten zusammengestellt.
- Lochzange – Zangenwerkzeuge für schnelles Arbeiten an den Kanten.
- Locheisen – einzelne Schlageisen in allen erforderlichen Größen (von 1 mm bis hin zu großen Durchmessern).







