Für Taschenriemen eignet sich pflanzlich gegerbtes Leder (Rindsleder) mit einer Stärke von 2,0 mm bis 3,0 mm hervorragend. Dieses Material bietet die nötige Tragkraft, um das Gewicht einer vollgepackten Tasche zu halten, und dehnt sich gleichzeitig beim täglichen Gebrauch nicht übermäßig aus. Der Riemen ist ein Konstruktionselement, das bei jedem Lederwarenprojekt stark beansprucht wird. Er trägt die gesamte Last, ist Reibung, Schweiß, Regen sowie ständigem Biegen ausgesetzt. Eine falsche Materialwahl an dieser Stelle rächt sich schnell durch rissige Kanten, Verformungen oder einen Riemen, der nach wenigen Monaten etliche Zentimeter länger ist als an dem Tag, an dem er die Werkstatt verlassen hat.
Welche Lederstärke für Taschenriemen
Die Materialstärke ist ein Parameter, der direkt über die Langlebigkeit und den Tragekomfort der Tasche entscheidet. Bei einlagigen Riemen, die aus einem einzigen Stück Material geschnitten werden, liegt der optimale Bereich zwischen 2,0 mm und 3,0 mm. Ein Leder mit einer Stärke von 2,5 mm bildet hier den goldenen Mittelweg für die meisten Projekte, wie klassische Shopper, Messenger Bags oder City-Taschen. Es bietet einen soliden Griff, schneidet unter dem Gewicht von Laptop oder Büchern nicht in die Schulter ein und behält dabei genug Flexibilität, um sich dem Körper schön anzupassen.
Bei einem einlagigen Riemen unter eine Stärke von 2,0 mm zu gehen, ist geradezu eine Einladung für Probleme. Dünnes Leder wird sich unweigerlich dehnen, besonders unter dem Einfluss von Körperwärme und Belastung. Wenn Sie jedoch planen, einen zweilagigen Riemen zu nähen, ändern sich die Spielregeln. Fortgeschrittene Sattler und Feintäschner verkleben oft zwei Streifen dünneren Leders, zum Beispiel jeweils 1,2 mm stark, und legen dazwischen ein Verstärkungsband (um das Dehnen zu verhindern). Das Ganze wird anschließend mit einer robusten Handnaht, der bekannten Sattlernaht, verbunden. Dies ergibt eine Gesamtdicke von etwa 2,5 mm, aber der Riemen gewinnt unvergleichlich an Eleganz, da er auf beiden Seiten die glatte Narbenseite des Materials präsentiert.
Andererseits macht Leder, das dicker als 3,0 mm ist, bei Damentaschen selten Sinn. Ein 4,0 mm dicker Riemen bewährt sich bei einer schweren Herren-Werkzeugtasche oder bei einem Ledergürtel, aber an einer leichten Handtasche wirkt er klobig und steht steif von der Schulter ab. Darüber hinaus bereitet dickes Leder Probleme bei der Montage von Beschlägen. Das Biegen von 4,0 mm starkem Leder um einen kleinen D-Ring oder eine Schlaufe erfordert enorme Kraft, und an der Biegekante entsteht eine unschöne, dicke Wulst, die sich nur schwer ästhetisch vernähen lässt. Die professionelle Lösung für dieses Problem ist das Ausschärfen (Ausdünnen) der Lederkanten an den Umschlagstellen für die Beschläge.
Welche Gerbart
Die Wahl zwischen pflanzlich gegerbtem Leder und chromgegerbtem Leder definiert den gesamten Verarbeitungsprozess des Riemens. Bei einlagigen Riemen ist pflanzlich gegerbtes Leder der absolute Favorit. Seine dichte Faserstruktur macht dieses Material formstabil und weniger anfällig für Dehnung. Am wichtigsten ist jedoch, dass pflanzlich gegerbtes Leder eine professionelle Kantenbearbeitung ermöglicht. Nach dem Brechen der scharfen Kanten mit einem Kantenhobel kann die Kante mit Tokonole befeuchtet und mit einem Kantenpolierer aus Holz geglättet werden. Das Ergebnis ist eine glatte, glasige und vor Feuchtigkeit geschützte Kante, die nicht ausfranst oder an der Kleidung hängen bleibt. Wenn Sie ein naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Blankleder verwenden, können Sie es auch selbst färben, indem Sie professionelle Lederfarbe der Marke Fiebing's, wie beispielsweise Pro Dye, nutzen. Bedenken Sie jedoch, dass Sie für die Verzierung des Riemens mit Punziereisen pflanzlich gegerbtes Leder von mindestens 2,0 mm Stärke verwenden müssen – dünneres Leder hält einer tiefen Prägung nicht stand.
Chromgegerbtes Leder besitzt völlig andere Eigenschaften. Es ist weicher, flexibler und oft werkseitig wasserabweisend imprägniert. Es eignet sich hervorragend für Hobo-Bags oder weiche Beuteltaschen, erfordert bei Riemen jedoch eine andere Herangehensweise. Aufgrund der lockereren Faserstruktur neigen Riemen aus Chromleder stark zur Dehnung. Daher müssen sie fast immer unterfüttert werden, indem ein Gurtband eingeklebt wird oder eine Röhrenkonstruktion (bei der das Leder um einen Kern gewickelt wird) zur Anwendung kommt. Ein wesentlicher Unterschied liegt auch im Finish. Chromleder lässt sich nicht mit Tokonole polieren – seine Fasern verbinden sich nicht durch Reibung. Die Kanten eines solchen Riemens müssen mit spezieller Kantenfarbe versiegelt werden, oder man wendet die Technik der nach innen eingeschlagenen Kanten (sog. französische Kante) an.
Ein wichtiger Hinweis für Anfänger: Wenn Sie farbiges, werkseitig gefinishtes Leder kaufen (unabhängig davon, ob es chrom- oder pflanzlich gegerbt ist), versuchen Sie nicht, es zusätzlich zu färben oder Wachse auf die Narbenseite aufzutragen. Das werkseitige Finish versiegelt die Poren des Materials. Jegliche Chemie, die auf eine solche Oberfläche aufgetragen wird, perlt einfach ab oder bildet eine klebrige, schmierige Schicht. Konzentrieren Sie sich bei solchen Ledern ausschließlich auf die Kantenbearbeitung.
Worauf Sie achten sollten
Das Entwerfen und Schneiden von Riemen erfordert Kenntnisse über die Anatomie der Lederhaut sowie eine angemessene Ausstattung der Werkstatt. Hier sind die Schlüsselaspekte, die über den Erfolg entscheiden.
Die Schnittrichtung ist von fundamentaler Bedeutung. Echtleder ist kein homogenes Material. Die dichtesten, festesten und dehnungsresistentesten Fasern befinden sich auf dem Rücken des Tieres (Croupon). Je näher am Bauch (Flanke), desto lockerer wird das Leder. Ein aus der Flanke geschnittener Riemen verhält sich unter Belastung wie das Gummiband in alten Jogginghosen – nach wenigen Tagen Tragen der Tasche wird er sich unwiderruflich um einige Zentimeter verlängern und seine Kanten werden wellig. Deshalb schneiden wir lange Tragriemen immer entlang der Rückenlinie.
Der nächste Schritt ist das Abrunden der Kanten. Ein roh geschnittener, 2,5 mm dicker Lederriemen hat scharfe, rechtwinklige Kanten. Wenn Sie diese in diesem Zustand belassen, wird der Riemen unangenehm in die Hand einschneiden und den Stoff der Kleidung an der Schulter beschädigen. Um diese scharfe Ecke abzutragen, wird ein Kantenhobel verwendet. Für Taschenriemen mit einer Stärke von 2,0–3,0 mm werden am häufigsten Kantenhobel in der Größe #1 oder #2 eingesetzt. Dieses Lederwerkzeug schneidet die Ecke sauber ab und bereitet die Kante auf das Auftragen von Tokonole und das Polieren vor.
Wenn Sie sich dafür entscheiden, den Riemen zu nähen, müssen Sie die richtigen Werkzeuge und Garne auswählen. Die Naht auf dem Riemen hat sowohl eine verstärkende als auch eine dekorative Funktion. Für solche Projekte eignen sich Nahtschlageisen mit einem Zinkenabstand von 4 mm oder 5 mm hervorragend. Sie sorgen für eine elegante, klare Naht, die das Material nicht zu dicht durchlöchert (was den Riemen schwächen könnte). Verwenden Sie zum Nähen starke Polyestergarne. Das gewachste Garn Slam oder das dickere, extrem abriebfeste Garn Vinymo MBT eignen sich hierfür perfekt.
Vergessen Sie nicht die Beschläge. Die Stärke des Riemens muss mit den Metallelementen harmonieren. Wenn der Riemen verstellbar sein soll, müssen Sie sich mit passenden Gürtelschnallen ausstatten. Zu dickes Leder gleitet nicht reibungslos durch die Gürtelschlaufe, während zu dünnes Leder locker darin verrutscht, was das Arretieren des Dorns erschwert. Machen Sie vor dem Zuschneiden des endgültigen Riemens immer einen Test an Lederresten, um zu prüfen, wie sich das Material am gewählten Beschlag verhält.
Empfohlene Leder aus unserem Sortiment
Die Wahl des konkreten Materials hängt vom Stil der Tasche ab, die Sie kreieren möchten. In unserem Sortiment finden Sie Artikel, die sich ideal für die Herstellung robuster Riemen eignen.
- Pflanzlich gegerbtes Leder (Rindsblankleder, 2,5 mm). Ein Klassiker der Sattlerei. Es ist ein reines, natürliches Leder, das Ihnen die volle Kontrolle über Ihr Projekt gibt. Sie können daraus perfekt gerade Riemen schneiden, die Kanten glatt bearbeiten und es bei Bedarf in jeder beliebigen Lederfarbe einfärben. Mit der Zeit entwickelt es eine wunderschöne, tiefe Patina.
- Leder Maya. Dies ist das Aushängeschild unseres Shops, das von Handwerkern geliebt wird. Es handelt sich um pflanzlich gegerbtes Leder, das jedoch bereits werkseitig gefinisht und durchgefärbt ist. Es besticht durch eine einzigartige, leicht matte Textur. Daraus gefertigte Riemen sehen äußerst professionell aus, und Ihre Arbeit beschränkt sich lediglich auf das Zuschneiden der Form und das Polieren der Kanten.
- Glattleder mit erhöhter Festigkeit. Wenn Sie eine fertige Farbe und einen glatten, klassischen Narben suchen, wählen Sie festere Varianten von Rindsleder. Denken Sie daran, dass bei Ledern mit geschlossener Narbenschicht die Kantenbearbeitung den Einsatz spezieller Kantenfarbe anstelle von Nasspolieren erfordert.
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