Für einen Motorradsitz eignet sich Rindsleder mit einer Stärke von 1,0 mm bis 3,5 mm, abhängig vom gewählten Sitzbank-Stil und der Fertigungstechnik. Die Motorradsitzbank ist ein Element, das unter extrem harten Bedingungen arbeitet. Sie ist ständig Reibung, Druck, Temperaturschwankungen, Regen und UV-Strahlung ausgesetzt. Aus diesem Grund muss das Material nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern vor allem mechanisch widerstandsfähig sein. In der Lederverarbeitung und Sattlerei unterscheiden wir zwei völlig verschiedene Ansätze bei der Herstellung solcher Sitze. Der erste umfasst klassische, weiche Sitzbänke (z. B. bei Cafe Racern, Scramblern oder in Autos), die genäht und über einen Schaumstoffkern gezogen werden müssen. Der zweite Ansatz sind rohe, harte Sättel im „Solo Seat“-Stil (beliebt bei Bobbern und Choppern), die direkt auf einer Metallgrundplatte geformt werden. Jedes dieser Projekte erfordert ein völlig anderes Leder, und ein Fehler bei der Materialwahl rächt sich bereits auf den ersten Kilometern der Fahrt.
Welche Lederstärke für einen Motorradsitz
Die Stärke des Leders musst du exakt auf die Konstruktion des Sitzes abstimmen. Wenn du planst, eine klassische Motorradsitzbank mit weicher Polsterung zu nähen, liegt der optimale Bereich zwischen 1,0 mm und 1,4 mm. Die gleiche Stärke gilt, wenn du Autositze mit Leder beziehen möchtest. Material in diesem Bereich ist stark genug, um jahrelange Nutzung zu überstehen, und gleichzeitig flexibel genug, um sich problemlos über den profilierten Schaumstoff ziehen zu lassen. Eine Stärke von etwa 1,2 mm ermöglicht das mühelose Legen von Falten, das Einnähen eines Keders (Zierbiese) sowie das Wenden der Nähte auf die linke Seite. Der Versuch, eine weiche Sitzbank aus 2,0 mm starkem Leder zu nähen, ist ein häufiger Anfängerfehler. Dickes Material wirft an den Rundungen Falten, die Nähte werden klobig, und das Aufziehen auf das Gestell erfordert enorme Kraft, was oft mit dem Bruch der Kunststoff-Sitzschale endet.
Völlig anders sieht die Situation aus, wenn du einen harten Sattel im „Solo Seat“-Stil für ein Custom-Bike baust. Hier arbeitet das Leder wie ein Panzer – es liegt direkt auf dem Blech oder auf einer minimalen Schicht aus Hartschaum. Für ein solches Projekt benötigst du Leder mit einer Stärke von 2,5 mm bis 3,5 mm. Das harte und dicke Material stellt sicher, dass der Sitz seine Form behält und sich unter dem Gewicht des Fahrers nicht dehnt. Darüber hinaus ist eine Stärke von über 2,5 mm das absolute Minimum, wenn du Muster punzieren oder stempeln möchtest (z. B. Totenköpfe, Flammen oder florale Motive). Zu dünnes Leder nimmt ein tiefes Relief schlichtweg nicht an, und die Schläge mit dem Holzhammer könnten es glatt durchschlagen.
Für einen fortgeschrittenen Handwerker, der einen Sattel mit tiefen Punzierungen (Tooling) baut, bietet 3,5 mm starkes Leder volle Freiheit beim Arbeiten mit dem Kurvenmesser (Swivel Knife) und Punziereisen. Für einen Anfänger hingegen, der einfach nur ein flaches Blech mit einem glatten Stück Hartleder beziehen möchte, lässt sich eine Stärke von 2,5 mm an den Kanten leichter profilieren, insbesondere beim Nassformen.
Welche Gerbart ist die richtige
Die Wahl zwischen pflanzlicher und chrombasierter Gerbung ist die wichtigste Entscheidung im gesamten Projekt, da sie die Verarbeitungsmethoden maßgeblich bestimmt.
Pflanzlich gegerbtes Leder (Veg-Tan) ist die einzig richtige Wahl für harte Custom-Sättel. Nur diese Gerbart erlaubt das Punzieren und Stempeln von Mustern (denke daran, dass wir dies ausschließlich bei einer Lederstärke von 2 mm oder mehr tun). Pflanzlich gegerbtes Leder ist steif, nach dem Anfeuchten mit Wasser plastisch formbar und behält nach dem Trocknen hervorragend die ihm verliehene Form. Du kannst es selbst färben, beispielsweise mit Lederfarbe auf Alkoholbasis der Marke Fiebing's. Es erfordert jedoch einen strikten Schutz vor Wasser. Da seine Poren offen sind, saugt es Regen ohne ein entsprechendes Acryl-Finish wie ein Schwamm auf, und in der Sonne dunkelt es natürlich nach und setzt Patina an. Die Kanten bei einem solchen Sattel werden glatt veredelt – hierfür verwendet man einen Kantenhobel und poliert sie anschließend mit Tokonole und einem Kantenpolierholz (Wood Slicker).
Chromgegerbtes Leder ist hingegen der Industriestandard, wenn es um weiche Sitzbänke und Leder für Autositze geht. Die im Gerbprozess verwendeten Chromsalze verschließen die Faserstruktur und machen das Material äußerst widerstandsfähig gegen Wasser, Schweiß und Sonneneinstrahlung. Chromleder sind weich, flexibel und man kauft sie bereits fertig veredelt in einer bestimmten Farbe. Hier gilt die goldene Regel: Chromleder und bereits durchgefärbtes Leder werden nicht nachträglich gefärbt, gewachst oder geölt. Ein solches Material nimmt keine Chemikalien auf, und die Lederfarbe würde einfach von der Oberfläche abperlen oder die Kleidung verschmutzen. Chromleder wird nicht punziert, und seine Kanten lassen sich nicht mit Tokonole polieren. Stattdessen werden die Kanten im Inneren der Sitzbank verborgen, indem die Zuschnitte umgeschlagen und vernäht werden.
Worauf du achten solltest
Beim Entwerfen eines Motorradsitzes musst du einige wichtige technische Aspekte berücksichtigen, die über die Langlebigkeit deiner Arbeit entscheiden.
Die Dehnungsrichtung des Materials ist beim Polstern von enormer Bedeutung. Echtleder dehnt sich je nach Faserverlauf unterschiedlich stark. Wenn du die Teile für eine Motorradsitzbank zuschneidest, musst du die Schablonen so auflegen, dass das Material entlang der Längsachse des Sitzes arbeitet. Vermeide die Verwendung von Leder aus der Bauchregion (sogenannte Flanken und Bäuche), da es zu locker und anfällig für Verformungen ist. Wähle für die Hauptsitzfläche feste Stücke aus dem Hals- oder Crouponbereich (Kernstück).
Die Wahl des Garns ist ein weiterer kritischer Punkt. Gewöhnliches Leinengarn ist zwar schön und traditionell, wird aber auf einem Motorrad nicht lange überleben – es verrottet durch Feuchtigkeit oder scheuert durch die ständige Bewegung durch. Zum Nähen von Motorradsitzbänken solltest du starke Polyestergarne verwenden. Hervorragend geeignet ist das Garn Vinymo MBT, das eine hohe Reißfestigkeit und UV-Beständigkeit aufweist. Wenn du von Hand nähst, verwende Nahteisen (Pricking Irons) mit einem Zahnabstand von 5 mm oder 6 mm und den klassischen Sattlerstich, der sich im Gegensatz zur Maschinennaht nicht komplett auftrennt, falls einmal eine Schlaufe reißt.
Die Kantenbearbeitung bei harten Sätteln erfordert Präzision. Wenn du mit dickem, pflanzlich gegerbtem Blankleder (z. B. 3 mm) arbeitest, drückt sich eine scharfe Kante in die Oberschenkel des Motorradfahrers und wird schnell beschädigt. Du musst sie mit einem Kantenhobel (Größe #2 oder #3 ist für diese Stärke passend) anfasen. Anschließend wird die Kante angefeuchtet, mit Tokonole bestrichen und glattpoliert. Dies schützt die Fasern vor dem Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit.
Die Lederpflege des fertigen Elements hängt vom verwendeten Material ab. Wenn du eine Sitzbank aus vorgefertigtem Autoleder genäht hast, verwende zur Pflege ausschließlich spezielle Polsterreiniger. Trage niemals schwere Lederfette auf, da diese die letzten Mikroporen endgültig verschließen und den Sitz rutschig machen. Bei Sätteln aus pflanzlich gegerbtem Leder ist es notwendig, die Schutzschicht (das sogenannte Finish) regelmäßig aufzufrischen, damit das Wasser weiterhin von der Oberfläche abperlt.
Empfohlenes Leder aus unserem Sortiment
Richte dich bei der Auswahl des Materials aus unserem Shop in erster Linie nach der Konstruktion des geplanten Sitzes. Wir haben ein Sortiment zusammengestellt, das sowohl den Bedarf von Custom-Bike-Bauern als auch von Personen deckt, die sich mit der Restaurierung klassischer Sitzbänke beschäftigen.
Für harte Sättel empfehlen wir naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Rinds-Blankleder. Es lohnt sich, nach Stücken aus dem Croupon oder Hals mit einer Stärke von 2,5 mm bis 3,5 mm zu suchen. Das ist wie eine leere Leinwand, die eine vollständige Personalisierung ermöglicht – von tiefen Punzierungen über das Färben bis hin zum Nassformen. Ein solches Leder hält bei richtiger Pflege über Jahrzehnte.
Wenn dein Ziel eine weiche Sitzbank mit Steppnähten oder Leder für Autositze ist, solltest du nach chromgegerbten Lederhäuten Ausschau halten. Wir bieten Polsterleder in einer Stärke von 1,0 mm bis 1,4 mm an, die bereits werkseitig veredelt und geschützt sind. Sie besitzen die richtige Weichheit, um sich schön an den Schaumstoff anzupassen, und ihre Narbenseite ist auf die Strapazen des täglichen Gebrauchs bei wechselnden Wetterbedingungen ausgelegt.
Für alle, die einen harten Sattel anfertigen möchten, aber kein eigenes Färben planen, ist pflanzlich gegerbtes Leder, das bereits in der Gerberei durchgefärbt wurde, eine gute Lösung. Das spart Zeit in der Endbearbeitung, während die Steifigkeit und die Möglichkeit, die Kanten zu polieren, erhalten bleiben.
Verwandte Themen
Bevor du mit dem Zuschneiden des Materials beginnst, lohnt es sich, dein Wissen über bestimmte Handwerkstechniken zu erweitern, die die Arbeit am Sitz erleichtern:







