Für Stuhlbezüge bewährt sich weiches Nappaleder (Rindsleder) mit einer Stärke von 0,9 mm bis 1,2 mm hervorragend. Das liegt daran, dass das Polstermaterial eng mit dem weichen Unterbau – meist Polyurethanschaum oder Naturhaar – zusammenarbeiten muss. Leder mit diesen Eigenschaften lässt sich problemlos spannen, ermöglicht eine ästhetische Ausformung der Ecken und reißt unter dem Gewicht einer sitzenden Person nicht. Die Wahl der richtigen Lederhaut ist das Fundament für die Langlebigkeit des Möbelstücks – ein Fehler in dieser Phase führt meist zu hartnäckigen Falten, unschönen Knickstellen oder einem schnellen Durchscheuern der Oberfläche an den Stellen mit der größten Spannung.
Welche Lederstärke für Stuhlbezüge?
Die Materialstärke ist der entscheidende Parameter dafür, wie sich das Leder beim Spannen auf ein Holz- oder Metallgestell verhält. In der klassischen Möbelpolsterei, wo weiche, schaumstoffgefüllte Sitzflächen bezogen werden, liegt der optimale Bereich zwischen 0,9 mm und 1,2 mm. Diese Stärke bietet die richtige Balance zwischen Reißfestigkeit und Formbarkeit. Einerseits ist das Material so geschmeidig, dass es sich ohne übermäßigen Kraftaufwand um die abgerundeten Kanten des Stuhls legen lässt. Andererseits besitzt es eine ausreichende Zugfestigkeit, was besonders an den Stellen wichtig ist, an denen Polsterklammern eingeschossen oder Verbindungsnähte zwischen den einzelnen Bahnen gesetzt werden.
Die Verwendung von dünnerem Leder, wie beispielsweise Bekleidungsleder mit einer Stärke von 0,5 mm oder 0,6 mm, ist ein sicheres Rezept für ein schnelles Versagen. Ein solches Material scheuert an den harten Kanten des Stuhlrahmens im Nu durch und kann unter dynamischer Belastung an den Nähten schlichtweg einreißen. Dickere Leder im Bereich von 1,5 mm bis 2,0 mm lassen sich hingegen auf einem weichen Unterbau nur äußerst schwer ästhetisch drapieren. Wenn man versucht, ein derart dickes Leder an den Ecken einer quadratischen Sitzfläche umzuschlagen, entstehen dicke, steife Wülste, die sich mit keinem Polsterband oder Profil kaschieren lassen. Dickeres Leder erfordert zudem leistungsstärkere Industrienähmaschinen, womit eine Heimwerkstatt oder eine handelsübliche Sattlermaschine oft überfordert ist.
Es gibt jedoch eine sehr wichtige Ausnahme von dieser Regel. Wenn man Regiestühle, Safari-Sessel, antike spanische Stühle oder Campingmöbel restauriert, bei denen das Leder nicht auf einem Polster aufliegt, sondern selbst die gespannte Sitzfläche bildet (es ist frei schwebend zwischen zwei Holmen aufgespannt), benötigt man eine völlig andere Stärke. Für solche Projekte verwendet man feste Leder mit einer Stärke von 2,5 mm bis 3,5 mm. In diesem Szenario übernimmt das Material eine tragende Funktion. Es muss das Gewicht eines erwachsenen Menschen tragen, ohne sich im Laufe der Zeit übermäßig zu dehnen, weshalb dünne Polsterleder sofort reißen würden.
Welche Gerbart?
Die Wahl der Gerbart hängt direkt von der Art des Stuhls ab, an dem man arbeitet. Für die überwiegende Mehrheit klassischer Polsterprojekte – Esszimmerstühle, Bürosessel, Poufs oder Barhocker – verwendet man ausschließlich Nappaleder. Diese Leder werden bereits in der Gerberei gefärbt und gefinisht, was ihnen ihre endgültige Farbe, Narbung und ihren Glanz verleiht. Ihr Hauptvorteil ist die Weichheit sowie eine hohe Beständigkeit gegen äußere Einflüsse und den täglichen Gebrauch. Nappaleder hat eine geschlossene Faserstruktur, was bedeutet, dass verschüttetes Wasser, Wein oder Kaffee nicht sofort tief in das Material eindringt, sodass man wertvolle Zeit hat, es abzuwischen. Die Narbenseite solcher Leder ist meist werkseitig mit Lacken versiegelt, wodurch sie durch einfallendes Sonnenlicht nicht so schnell ausbleichen. Man muss jedoch bedenken, dass durchgefärbte und bereits gefinishte Leder keine zusätzliche Lederfarbe oder Wachse mehr aufnehmen. Sie lassen sich nicht patinieren, und der Versuch, eine Paste aufzutragen, endet lediglich in einer klebrigen, schmierigen Schicht auf der Oberfläche. Auf Nappaleder punzieren wir auch keine Muster. Ein fertiges Möbelstück, das mit Nappaleder bezogen ist, ist in der Lederpflege relativ anspruchslos. Für die regelmäßige Reinigung genügt ein leicht angefeuchtetes, weiches Tuch, das Staub und oberflächliche Verschmutzungen sicher entfernt. Alle paar Monate sollte eine dünne Schicht eines speziellen Balsams für Glattleder aufgetragen werden, was das Austrocknen des Materials verhindert und seine Geschmeidigkeit über Jahre hinweg bewahrt.
Pflanzlich gegerbtes Leder ist eine völlig andere Rohstoffkategorie. Man verwendet es nur dann, wenn man die zuvor erwähnten Stühle mit freitragenden Sitzflächen baut. Die pflanzliche Gerbung macht das Material fest, aber nach dem Anfeuchten mit Wasser wird es sehr formbar. Wenn man ein Stück pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von 3 mm hat, kann man darauf mit Stahlpunzen Initialen, geometrische Rosetten oder dekorative Bordüren punzieren und das Ganze anschließend mit eindringender Lederfarbe wie Fiebing's Pro Dye färben. Dieses Leder dunkelt in der Sonne natürlich nach und entwickelt mit der Zeit eine edle Patina.
Anfänger im Lederhandwerk machen oft den Fehler, einen weichen Esszimmerstuhl mit naturbelassenem, pflanzlich gegerbtem Leder in 1,5 mm Stärke beziehen zu wollen, in der Absicht, es später passend zum Tisch einzufärben. Das ist aus zwei Gründen eine schlechte Idee. Erstens ist pflanzlich gegerbtes Leder offenporig. Wenn man es nicht mit mehreren Schichten spezieller Finishes versiegelt, hinterlässt jeder Fettspritzer vom Essen einen dauerhaften, dunklen Fleck. Zweitens wird diese Art von Leder mit der Zeit steifer, was auf einer weichen, nachgebenden Sitzfläche schnell zu tiefen Rissen und Brüchen in der Narbenschicht führt.
Worauf Sie achten sollten
Beim Kauf von Leder für Stuhlbezüge müssen Sie einige technische Aspekte berücksichtigen, die über die bloße Farbe und die Wahl der Stärke in Millimetern hinausgehen.
1. Größe und Qualität der Lederhaut: Stühle erfordern große, zusammenhängende Materialstücke. Die Sitzfläche eines Stuhls ist oft ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 50 cm oder mehr. Das bedeutet, dass Sie große Häute (halbe oder ganze Rinderhäute) benötigen, um zu vermeiden, dass das Material in der Mitte der Sitzfläche gestückelt werden muss, was unästhetisch ist und die Konstruktion schwächt. Kaufen Sie das Material immer mit einem Verschnitt von 20–30 %. Leder ist ein Naturprodukt – es weist Insektenstiche, Kratzer oder lockerere Strukturen im Bauchbereich (sogenannte Flanken) auf, die beim Zuschneiden der Schablonen mit dem Messer (zum Beispiel mit einem traditionellen Halbmondmesser) umgangen werden müssen.
2. Art des Narbenfinishs: Bei Nappaleder findet man Anilin- und pigmentierte Leder. Anilinleder sind durchgefärbt, haben aber keine dicke Deckschicht auf der Narbenseite. Sie wirken äußerst natürlich, die Hautporen sind sichtbar und sie fühlen sich warm an, nehmen aber Schmutz schneller auf. Pigmentierte Leder sind mit einer dünnen Schicht deckender Lederfarbe und einem Klarlack versehen. Sie fühlen sich etwas kühler an, sind dafür aber wesentlich pflegeleichter, was bei Esszimmer- oder Bürostühlen von enormer praktischer Bedeutung ist.
3. Wahl der Garne und des Nahtabstands: Wenn Ihr Projekt Näharbeiten erfordert (zum Beispiel, wenn Sie die Seiten der Sitzfläche mit der Deckplatte verbinden), müssen Sie das richtige Garn auswählen. Für Polsterarbeiten eignen sich dicke Polyestergarne wie Vinymo MBT oder gewachste Slam-Garne, die extrem reiß- und scheuerfest sind, sehr gut. Bei Polsternähten verwendet man einen größeren Abstand der Locheisen – in der Regel 5 mm oder 6 mm. Eine zu enge Naht wirkt wie eine Perforation in einem Notizblock und schwächt das Leder entlang der Nahtlinie drastisch, was unter Zugbelastung zum Einreißen führt. Genäht wird meistens mit der Maschine, aber bei kleineren Restaurierungsprojekten kann man auch sehr gut die klassische Handnaht (Sattlernaht) anwenden.
4. Kantenbearbeitung: In der klassischen Polsterei mit Nappaleder werden die Materialkanten unter den Holzrahmen geschlagen und mit Polsterklammern befestigt, um sie anschließend mit einem speziellen Band oder Spannvlies zu kaschieren. Die Kanten von Nappaleder werden nicht poliert, da ihre Struktur dies nicht zulässt. Wenn Sie jedoch einen Regiestuhl aus dickem, pflanzlich gegerbtem Leder anfertigen, müssen die sichtbaren Kanten entsprechend versiegelt werden. Dazu verwendet man einen Kantenhobel (ein Edge Beveler in der Größe #2 oder #3 ist für 3 mm Stärke passend), um die Kante abzurunden, und glättet sie anschließend mit dem Mittel Tokonole und einem Kantenpolierholz (Wood Slicker).
Empfohlenes Leder aus unserem Sortiment
Bei der Auswahl des Materials für die Restaurierung oder den Bau von Stühlen lohnt es sich, auf bewährte Lösungen zu setzen. Im Sortiment unseres Shops finden Sie Rohmaterialien, die auf beide zuvor besprochenen Polstertechniken abgestimmt sind.
Für die traditionelle Weichpolsterei empfehlen wir ganze Häute aus weichem Nappaleder (Rindsleder). Suchen Sie in unserem Angebot nach Materialien mit einer Stärke von etwa 1,0 mm bis 1,2 mm. Diese sind in einer breiten Farbpalette erhältlich, mit einer bereits fertigen, dauerhaft versiegelten Narbenseite. Wir verkaufen sie in großen Flächen, was das problemlose Zuschneiden selbst sehr breiter Sitzflächen ermöglicht, ohne sich über natürliche Makel an den Rändern der Haut Gedanken machen zu müssen.
Für Handwerker, die Möbel mit Spannkonstruktionen fertigen, bei denen das Leder unter hoher Belastung freitragend arbeitet, haben wir pflanzlich gegerbtes Leder als Rindsblankleder vorbereitet. Dies ist ein festes, kompaktes Leder aus dem Hals oder Croupon mit einer Stärke von 2,5 mm bis 3,5 mm. Diese Blankleder haben einen natürlichen, hellen Farbton, der mit der Zeit eine wunderschöne Patina entwickelt. Sie können es selbst nass formen, Löcher für Messingbeschläge ausstanzen und die Kanten auf Hochglanz polieren, um einzigartige Stühle im Kolonial- oder Industrial-Stil zu kreieren.
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