Für Handschuhe eignet sich weiches Schaf-, Ziegen- oder Hirschleder mit einer Stärke von 0,5 mm bis 0,8 mm hervorragend. Die Handschuhmacherei ist ein sehr spezifischer und anspruchsvoller Zweig der Sattlerei, bei dem das Material mit der Hand in ständiger Bewegung zusammenarbeiten muss. Das Leder für dieses Kleidungsstück darf beim Beugen der Finger keinen Widerstand leisten und muss gleichzeitig so reißfest sein, dass es an den Nähten unter Spannung nicht einreißt. Im Gegensatz zur Fertigung starrer Taschen oder Gürtel, bei denen das Leder die tragende Konstruktion bildet, ähnelt das Nähen von Handschuhen der feinen Maßschneiderei – das Material soll den Körper umhüllen, die natürliche Thermoregulation erhalten und das volle Tastgefühl in den Fingerspitzen bewahren. Die Wahl der richtigen Lederhaut ist das Fundament; ohne sie kann selbst die sorgfältigste Handnaht das Projekt nicht retten.
Welche Lederstärke für Handschuhe
Die Materialstärke ist ein Parameter, der maßgeblich über den Tragekomfort und den Verwendungszweck des fertigen Handschuhs entscheidet. In diesem Handwerk arbeiten wir im Zehntelmillimeterbereich. Der optimale und universelle Bereich für klassische, elegante Straßenhandschuhe liegt zwischen 0,5 mm und 0,8 mm. Diese Stärke ermöglicht es, mühelos eine Faust zu ballen, beugt der Ermüdung der Hand vor und erlaubt das präzise Greifen kleiner Gegenstände. Leder in diesem Bereich ist dünn genug, um sich elegant zwischen die Finger zu legen, wo der Platz für das Material äußerst begrenzt ist.
Geht man unter 0,4 mm, betritt man den Bereich sehr dünner Bekleidungsleder, die extrem empfindlich sind. Ein Handschuh aus derart feinem Material wird zwar fantastisch anliegen, seine Haltbarkeit nimmt jedoch drastisch ab. Der Faden kann die Lederstruktur leicht durchschneiden, wenn man den Handschuh etwas kräftiger über die Hand zieht. Auf der anderen Seite verändert Leder mit einer Stärke von über 1,0 mm den Charakter des Projekts völlig. Ein Material von 1,2 mm oder 1,5 mm eignet sich hervorragend für schwere Arbeitshandschuhe, Motorradhandschuhe oder Bushcraft-Ausrüstung, bei denen der Schutz vor Abrieb und Hitze im Vordergrund steht, nicht aber die Finesse. Bei solchen Handschuhen geht allerdings das feine Tastgefühl verloren, und die Nähte selbst werden dick und von innen spürbar, es sei denn, man verwendet ein starkes Innenfutter.
Für den angehenden Sattler, der sein erstes Paar Alltagshandschuhe nähen möchte, ist es der sicherste Weg, genau 0,6 mm oder 0,7 mm anzupeilen. Ein solches Material verzeiht kleine Fehler beim Zuschnitt, verträgt das Wenden der Nähte auf die linke Seite gut und leistet keinen Widerstand beim Führen der Ledernadel. Denken Sie daran, dass bei Handschuhen oft Innennähte verwendet werden, was bedeutet, dass die gesamte Konstruktion nach dem Zusammennähen der Teile auf die rechte Seite gewendet werden muss. Ein zu dickes Leder lässt dies schlichtweg nicht zu, und im Bereich der Finger entstehen harte, schmerzhafte Wülste.
Welche Gerbart
Die Wahl der Gerbart bei Handschuhen ist einfach, auch wenn sie für viele traditionelle Lederhandwerker kontraintuitiv erscheinen mag. Der absolute Favorit ist hier chromgegerbtes Leder. Dieser Prozess verleiht dem Material eine außergewöhnliche Weichheit, Elastizität und einen fließenden Fall, was für den Komfort der Hand entscheidend ist. Ebenso wichtig ist, dass chromgegerbte Leder sehr unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Schweiß sind. Die Hand schwitzt im Handschuh auf natürliche Weise, und die Chromsalze sorgen dafür, dass das Material nach dem Trocknen nicht verhärtet oder rissig wird. Man kauft diese Leder bereits fertig zugerichtet und in einem bestimmten Farbton aus der Gerberei. Denken Sie an eine eiserne Regel: Auf fertig gefärbtes, chromgegerbtes Nappaleder tragen wir keine zusätzlichen Lederfarben (wie Fiebing's Pro Dye) oder Wachse auf. Das Material nimmt diese Chemie nicht auf; der Farbstoff würde nur die Oberfläche verschmieren und später Ihre Hände einfärben.
Pflanzlich gegerbtes Leder eignet sich für Standardhandschuhe kaum, auch wenn es in anderen Bereichen der Lederverarbeitung sehr geschätzt wird. Seine Struktur ist von Natur aus kompakter und steifer. Selbst wenn Sie ein dünnes Blankleder mit einer Stärke von 0,8 mm finden, wird es nach Kontakt mit Handschweiß nachdunkeln und kann nach dem Trocknen unangenehm hart werden. Ausnahmen bilden hier historische Rekonstruktionen oder spezielle Arbeitshandschuhe, bei denen bewusst dünne, vegetabil gegerbte Leder eingesetzt werden; dies erfordert jedoch ein regelmäßiges und intensives Einfetten. Es lohnt sich auch, mit einem Mythos aufzuräumen: Auf Handschuhen werden keine Muster mit Punziereisen geprägt. Das Punzieren erfordert pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Mindeststärke von 2 mm, und aus einem solchen Panzer lässt sich kein funktioneller Handschuh nähen.
Um diesen Aspekt zusammenzufassen: Wenn Sie Handschuhe nähen möchten, die vom ersten Tragen an weich sind und Regen sowie Schnee überstehen, suchen Sie nach dünnen, chromgegerbten Ledern. Heben Sie sich Blank- und Juchtenleder lieber für Gürtel, Geldbörsen und Messerscheiden auf.
Worauf Sie achten sollten
Wenn Sie Leder für Handschuhe kaufen und Ihre Arbeit planen, müssen Sie einige spezifische Faktoren berücksichtigen, die beim Nähen von Geldbörsen oder Taschen selten eine Rolle spielen.
1. Tierart und Narbenbild. Sehr beliebt sind Schafsleder, die eine unglaubliche Weichheit und eine glatte, elegante Narbenseite bieten. Sie eignen sich hervorragend für feine Ausgehhandschuhe. Ziegenleder ist etwas kompakter, hat ein ausgeprägteres, genarbtes Bild und ist wesentlich abriebfester – ein perfektes Material für Autofahrerhandschuhe (Driving Gloves). Hirschleder hingegen ist etwas dicker (oft um die 1,0 mm), besitzt aber eine schwammartige, enorm elastische Struktur. Es hält sehr warm und ist ideal für robuste Winterhandschuhe.
2. Dehnungsrichtung (Zügigkeit). Dies ist eine absolut entscheidende Regel in der Handschuhmacherei. Naturleder dehnt sich quer zum Rumpf des Tieres stärker und längs der Wirbelsäule schwächer. Sie müssen den Handschuh so zuschneiden, dass sich das Material quer über Ihre Hand dehnt (um eine Faust machen zu können), aber es darf sich nicht in Längsrichtung der Finger dehnen (da die Handschuhe sonst schnell zu lang werden und ihre Form verlieren). Bevor Sie die Schablone auflegen, ziehen Sie das Leder immer in beide Richtungen, um die Achse mit dem stärksten Widerstand zu ermitteln.
3. Lederwerkzeug zum Nähen und Fadenwahl. Vergessen Sie dicke Polyesterfäden mit 1 mm Durchmesser. Für Handschuhe benötigen Sie feine, reißfeste Garne (z. B. im Bereich von 0,4 mm bis 0,6 mm). Wenn Sie von Hand nähen, verwenden Sie feine Locheisen oder Prickeisen – ein Lochabstand von 3 mm ist das absolute Maximum, oft werden noch feinere Stiche gesetzt. Unerlässlich sind auch spezielle Nadeln mit dreieckiger Spitze (sogenannte Handschuhnadeln oder Schneidnadeln). Dünnes Bekleidungsleder kann leicht einreißen, wenn Sie versuchen, eine stumpfe Ledernadel hindurchzudrücken.
4. Kantenbearbeitung und Nähte. Bei Handschuhen aus feinem, chromgegerbtem Leder kommt die klassische Kantenbearbeitung mit Tokonole und einem Polierholz (Wood Slicker) nicht zum Einsatz. Chromleder lässt sich auf diese Weise nicht polieren. Die Kanten werden meistens nach innen verlegt (Innennähte), mit einem Paspelband eingefasst oder nach außen mit einem feinen Sattlerstich genäht, wobei eine offene, sauber geschnittene Kante belassen wird.
5. Verwendung eines Innenfutters. Wenn Sie ein Futter aus Kaschmir oder Seide planen, müssen Sie dies in der Schablone berücksichtigen. Das Futter beansprucht Platz im Inneren. Ein 0,6 mm starkes Leder mit einem dicken Wollfutter erfordert, dass der Handschuh eine halbe Nummer größer zugeschnitten wird als die ungefütterte Version.
Empfohlene Leder aus unserem Sortiment
In unserem Sortiment finden Sie Materialien, die Sie erfolgreich für Ihre Handschuh-Projekte einsetzen können. Aufgrund der Spezifik dieses Handwerks empfehlen wir, sich auf weiches Bekleidungsleder und Täschnerleder zu konzentrieren.
Suchen Sie in unserem Angebot nach dünnen Schaf- und Ziegenledern. Schafsleder, oft als Bekleidungsleder deklariert, bieten Ihnen die gewünschte Weichheit und eine Stärke von rund 0,6 mm. Sie sind in vielen vorgefärbten Tönen erhältlich, sodass Sie sie perfekt an Ihren individuellen Stil anpassen können, ohne selbst zur Lederfarbe greifen zu müssen.
Wenn Ihnen eine höhere Strapazierfähigkeit und ein markanteres Narbenbild wichtig sind, schauen Sie sich unsere Ziegenleder an. Sie fühlen sich im ersten Griff minimal fester an, passen sich der Hand jedoch blitzschnell an und bieten eine hervorragende Beständigkeit gegen alltägliche Reibung – wie etwa am Autolenkrad oder an der Hundeleine. Achten Sie stets auf die Produktbeschreibungen und wählen Sie Häute, deren Stärke 0,8 mm nicht überschreitet.
Für diejenigen, die ein Material für schwerere Arbeitshandschuhe suchen, kann weiches Spaltleder in Velours-Optik eine interessante Alternative sein. Es besitzt beidseitig eine raue Oberfläche, die für einen hervorragenden Griff am Werkzeug sorgt, und seine etwas lockerere Struktur hält auch intensiver Nutzung unter rauen Bedingungen gut stand.
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