Wähle für ein dickes Etui schräge Löcher, wenn du eine deutlich diagonale Stichlinie möchtest, oder runde Löcher für eine ruhigere, geradlinigere Naht. Entscheidend ist eine durch alle Lederschichten genähte Probe, die du von beiden Seiten betrachtest. Keines dieser Lochprofile ersetzt die senkrechte Werkzeugführung, den passenden Abstand oder die Abstimmung von Nadeln und Faden.
Beginne mit der Nahtdicke
Miss die verklebten Schichten genau dort, wo die Naht verlaufen wird. Berücksichtige Futter, Abstandseinlage und lokale Ausdünnungen. Die Dicke einer einzelnen Wand beschreibt nicht den Weg, den die Klinge zurücklegen muss. Rechenbeispiel: Zwei Schichten mit je 2,0 mm ergeben 4,0 mm, bevor Klebefuge und Zusammendrücken des Materials berücksichtigt werden. Das fertige Materialpaket muss separat gemessen werden.
Prüfe den Verwendungszweck des Werkzeugs, die Arbeitslänge der Zähne und ob deren breiter werdender Teil die Löcher nicht zu stark aufweiten wird. Die Bezeichnung „französisch“ beschreibt eine Werkzeugfamilie, bestätigt aber allein nicht, dass jede beliebige Materialstärke durchstochen werden kann. Ein Prickrad markiert die Nahtstellen; anschließend werden die Löcher mit der passenden Sattlerahle gestochen. Ein zum Durchstechen vorgesehenes Werkzeug kann innerhalb des für seine Konstruktion zulässigen Bereichs durch das Materialpaket geführt werden.
Die grundlegende Bezeichnung findest du im Beitrag Prickeisen für die Naht. Bei einem Etui ist vor allem entscheidend, wie sich ein bestimmtes Werkzeug im vorgesehenen Leder verhält.
Wie verändert die Lochform die Fadenlage?
Schräge Löcher
Ein schräger Einschnitt begünstigt eine diagonale Fadenlage auf der Lederoberfläche. Das Aussehen der Sattlernaht hängt jedoch auch von der Reihenfolge ab, in der die Nadeln geführt werden, von der Fadenposition im Loch sowie von Richtung und Stärke des Anziehens. Das Profil allein garantiert auf beiden Seiten kein identisches Ergebnis.
Die Klingen, die Schlitze erzeugen, schneiden und verdrängen das Material. Nach dem Herausziehen kann sich das Leder teilweise um den Kanal schließen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt vom Material und von der Klingengeometrie ab. Gehe nicht davon aus, dass sich pflanzlich gegerbtes Leder und chromgegerbtes Leder gleicher Stärke gleich verhalten; auch die Weichheit und das Finish des jeweiligen Lederstücks spielen eine Rolle.
Runde Löcher
Ein rundes Loch gibt die Richtung der Fadenlage weniger stark vor als ein schräger Schlitz. Die fertige Naht kann ruhiger und geradliniger wirken, sollte aber erst nach dem Nähen bewertet werden. Auch hier beeinflusst die Führung der Nadeln das Ergebnis.
Wenn das Werkzeug eine röhrenförmige Klinge hat, entfernt es ein Stück Leder. Die Bezeichnung „runde Löcher“ bestätigt jedoch nicht automatisch, dass die Zähne röhrenförmig aufgebaut sind. Die Lochform nach dem Herausziehen des Werkzeugs kann vom Klingenquerschnitt abweichen, weil sich das Material verformt. Leite aus dem bloßen Aussehen des Lochs deshalb weder fehlende Spannung im Leder noch dessen Reißfestigkeit ab.
Der Faden belastet die Ränder beider Locharten. Ziehe ihn gleichmäßig an, nur bis die Naht liegt und die Schichten aneinanderliegen. Vertiefungen, Falten oder verlängerte Löcher sind ein Grund, den Versuch zu unterbrechen und Spannung sowie Fadenauswahl zu prüfen.
Warum kann die Rückseite ungleichmäßig werden?
Bei einer geneigten Klinge verschiebt sich der Austrittspunkt gegenüber dem Eintrittspunkt. Für eine gerade, steife Klinge und ein flaches Materialpaket entspricht die Verschiebung der Dicke multipliziert mit dem Tangens des Abweichungswinkels von der Senkrechten.
Rechenbeispiel: Bei einem 4,5 mm dicken Materialpaket ergibt eine Neigung von 3 Grad etwa 0,24 mm Verschiebung, bei 5 Grad etwa 0,39 mm. Das ist ein geometrisches Modell und keine Messung des tatsächlichen Werkzeugverhaltens. Es gilt sowohl für runde als auch für schräge Profile.
Eine konstante Neigung kann eine gleichmäßige, gegenüber der Kante verschobene Lochreihe ergeben. Änderungen der Neigung zwischen den einzelnen Ansätzen können Wellen verursachen. Beurteile die Lage der Löcher getrennt von der Ausrichtung der schrägen Einschnitte. Ein verschobener Austritt bedeutet nicht automatisch, dass sich der Schlitz gedreht hat.
Markiere vor dem Umdrehen der Probe an ihrem Ende die Nährichtung. Betrachte jede Seite in derselben Ausrichtung. Der Winkel kann von unten wie ein Spiegelbild wirken; achte auf Regelmäßigkeit auf der jeweiligen Seite, statt ein identisches Bild von Vorder- und Rückseite zu erwarten.
Abstand, Faden und Nadeln gemeinsam auswählen
Der Abstand bestimmt die Entfernung zwischen den einzelnen Löchern, während die Schnittbreite oder der Lochdurchmesser beeinflusst, wie viel Leder stehen bleibt. Berücksichtige außerdem den Abstand zur Kante, den Verlauf von Bögen und die Belastung des Etuis. Die Dicke des Materialpakets allein legt keine zulässige Nahtdichte fest.
Laut Produktkarte haben Locheisen für runde Nahtlöcher einen Abstand von 4 mm und einen Lochdurchmesser von 1 mm. Laut Produktkarte haben französische Prickeisen einen Abstand von 3,38 mm. Das sind Katalogangaben, die bei der Planung des Versuchs helfen; sie sind keine Messungen der Löcher in deinem Leder.
Bei einer Sattlernaht führt die nächste Nadel neben dem Faden hindurch, der bereits im Loch liegt. Entscheidend sind Nadeldicke, Nadelöhr, Aufbau und Verformbarkeit des Fadens. Der nominale Lochdurchmesser reicht nicht aus, um den passenden Faden zu bestimmen. Nähe die Probe genau mit der Kombination, die du im Etui verwenden möchtest.
Wie bereitest du den Vergleich auf Lederresten vor?
Bereite für jedes Profil eine eigene Probe vor. Stelle Schichtenaufbau, Verklebung, Dicke und eine gleichmäßig bearbeitete Kante des Projekts nach. Der Klebstoff sollte entsprechend der Anleitung des verwendeten Produkts abbinden. Wenn das Etui einen Bogen oder eine Ecke hat, bilde einen ähnlichen Abschnitt in der Probe nach.
Für den Vergleich des reinen Profils solltest du Abstand, Faden und Randabstand möglichst gleich halten. Wenn sich die Werkzeuge im Abstand unterscheiden, vergleichst du ganze Nahtvarianten; schreibe den sichtbaren Unterschied nicht ausschließlich der Lochform zu.
Arbeite auf einem stabilen Tisch und einer Unterlage, die zum Durchschlagen vorgesehen ist. Die OKA Lochmatte – M besteht laut Produktkarte aus einer Gummimischung und misst 20 × 15 cm. Eine Schneidematte ist nicht automatisch als Unterlage für Schlagarbeiten geeignet.
Markiere die Nahtlinie mit einer Methode, die du an einem Lederrest geprüft hast. Kontrolliere die senkrechte Führung des Werkzeugs von vorne und von der Seite. Verwende einen passenden Schlägel (Polymerhammer). Bei übermäßigem Widerstand unterbrich die Arbeit und prüfe Schärfe, Unterlage und Arbeitslänge der Zähne. Erzwinge nicht, dass das Prickrad durch das gesamte Materialpaket geführt wird.
Sieh dir die Löcher vor dem Nähen an und nähe die Proben anschließend mit einer konstanten Reihenfolge der Nadelführung. So kannst du einen Perforationsfehler von einer ungleichmäßigen Fadenlage unterscheiden.
Wie liest du das Ergebnis des Versuchs?
| Was siehst du? | Was solltest du vor einem Profilwechsel prüfen? |
|---|---|
| Gleichmäßige Lochreihe oben, Wellen auf der Rückseite | Schwankungen bei der Werkzeugneigung und Stabilität der Unterlage |
| Gleichmäßige Löcher, ungleichmäßiger Fadenwinkel | Reihenfolge der Nadeln, Zugrichtung und Spannung |
| Großer Widerstand bei der nächsten Nadel | Nadel, Nadelöhr und Faden passend zum tatsächlichen Kanal |
| Verlängerte Löcher oder Falten | Fadenspannung, Lochquerschnitt und Lederanteil zwischen den Löchern |
| Ausgerissene Austritte | Zustand von Klinge, Unterlage und Verklebung der Schichten |
Wähle die Variante, bei der dir die Fadenlage gefällt, die Nadeln ohne gewaltsames Ziehen hindurchgehen und beide Seiten eine regelmäßige Linie behalten. Du kannst die Naht außerdem vorsichtig mit einem glatten Werkzeug andrücken. Das verbessert die Einbettung des Fadens, sofern die Probe auf dem Lederrest keine Spuren hinterlässt. Verschobene Löcher lassen sich dadurch jedoch nicht korrigieren. Diese Korrektur muss beim Anzeichnen oder bei der Werkzeugführung erfolgen, bevor du mit dem Nähen des Etuis beginnst.







