Beginne bei einem Portemonnaie aus dünnem Leder mit einer Probe aus SLAM 0,6 mm, wenn du eine dezente Sattlernaht möchtest. SLAM 0,8 mm kommt infrage, wenn du die Nahtlinie stärker betonen möchtest. Das ist ein Ausgangspunkt für die Optik, keine Konstruktionsregel. Beide Stärken sind laut Produktkarte angegeben. Prüfe deine Wahl am vorgesehenen Lederpaket, mit konkreten Nahtlöchern und einem bestimmten Paar Ledernadeln.
Was vergleichst du eigentlich?
Laut Produktkarte ist SLAM Nero ein geflochtenes Polyestersattlergarn aus Italien in den Stärken 0,6 mm, 0,8 mm und 1,0 mm, auf einer Spule mit 20 m Länge. Laut Produktkarte ist auch SLAM Avana ein geflochtenes Polyestersattlergarn mit diesen angegebenen Stärken und derselben Lauflänge.
Wähle für den Vergleich die dünnere und die dickere Variante in derselben Farbe. Helles Sattlergarn auf dunklem Leder würde gleichzeitig Stärke und Kontrast verändern. Dann wäre schwerer zu beurteilen, warum eine Sattlernaht auffälliger wirkt.
Die Nennstärke hilft, die Variante zu benennen, beschreibt aber nicht das genaue Volumen der fertigen Sattlernaht. Geflochtenes Sattlergarn kann sich beim Durchführen durch das Nahtloch und beim Anziehen verformen. Berechne seine Füllung nicht so, als wäre es ein starrer Zylinder. Betrachte den genähten Abschnitt auch von der Kante aus.
Dünnes Leder bedeutet kein dünnes Lederpaket
Entscheidend ist die Stärke an der Nahtstelle. Ein Umschlag, ein Kartenfach und ein darüberliegendes weiteres Lederstück bilden ein anderes Paket als der Umschlag allein. Notiere den Schichtaufbau an der Nahtlinie und berücksichtige das Ausdünnen. Fertige die Probe aus denselben Materialien, einem ähnlichen Lederstück und mit derselben Verklebung wie beim Portemonnaie an.
Rechenbeispiel: Ein Umschlag mit 1,2–1,4 mm und ein einzelnes Kartenfach mit 0,8–1,0 mm ergeben zusammen 2,0–2,4 mm, bevor Klebstoff und Ausdünnung berücksichtigt werden. Zwei Kartenfächer mit jeweils 0,8–1,0 mm ergeben 1,6–2,0 mm. Das sind unterschiedliche Aufbauten; die Werte sind ein Beispiel und keine empfohlenen Stärken für jedes Portemonnaie. Miss das fertige Paket an der Naht.
Wenn dein Projekt einen deutlichen Stärkesprung aufweist, bilde ihn auch an der Probe nach. Ein einfacher Abschnitt aus dünnem Leder zeigt nicht, wie sich das Sattlergarn beim Übergang zu einem dickeren Paket verhält. Auch die Gerbart reicht für die Beurteilung nicht aus: pflanzlich gegerbtes Leder und chromgegerbtes Leder können sich in Dichte, Weichheit und Finish unterscheiden. Vergleiche das für dein Projekt vorgesehene Material.
Der Lochabstand bestimmt nicht die Lochgröße
Der Abstand beschreibt die Entfernung zwischen aufeinanderfolgenden Nahtlöchern. Breite, Länge und Profil ergeben sich aus der Geometrie des Werkzeugs und der Arbeitsweise. Davon und vom Leder hängt ab, wie die eingefädelte Ledernadel hindurchgeht. Ein kleiner Abstand bedeutet daher nicht automatisch, dass dickeres Sattlergarn ungeeignet ist; ein größerer Abstand bestätigt ebenfalls keine passende Kombination.
Französische Prickeisen für die Naht haben laut Produktkarte einen Abstand von 3,38 mm. Das Set aus Prickeisen für die Naht hat laut Produktkarte einen Abstand von 3 mm. Die Teilung beschreibt allein nicht den Querschnitt der Zinken und erlaubt daher nicht, beide Werkzeuge als gleichwertig anzusehen.
Wie viel Leder zwischen den Einschnitten bleibt, hängt von deren Größe, Richtung und Anordnung ab. Das Prickeisen erzeugt die Einschnitte vor dem Nähen. Die später gewählte Garnstärke verändert daher nicht, was bereits geschnitten wurde. Ein zu großes Nadelöhr kann das Nahtloch weiten; zu starkes Anziehen kann das Leder beschädigen. Jedes dieser Probleme erfordert eine andere Korrektur.
Ein Paar Ledernadeln für beide Varianten
Für die Sattlernaht verwendest du ein Paar Ledernadeln desselben Modells. Prüfe das Einfädeln und den Durchgang durch die Nahtlöcher der Probe – auch wenn sich dort bereits ein erstes Sattlergarnstück befindet. Durchstich dieses nicht mit der nächsten Ledernadel. Allgemeine Hinweise zur Auswahl findest du im Ratgeber über Ledernadeln zum Nähen von Leder.
| Nadelmodell | Maße laut Produktkarte |
|---|---|
| John James 004 | Länge 48 mm, Durchmesser 0,86 mm |
| John James 003 | Länge 54 mm, Durchmesser 1,02 mm |
| John James 1/0 | Länge 57 mm, Durchmesser 1,09 mm |
Diese Maße beschreiben nicht das Nadelöhr mit eingefädeltem Sattlergarn und bestätigen keine passende Kombination für ein bestimmtes Nahtloch. Wenn dasselbe Modell mit beiden Garnen funktioniert, behalte es im gesamten Versuch bei. Falls das dickere Sattlergarn eine andere Ledernadel benötigt, notiere die Änderung: Du vergleichst dann Ledernadel-Sattlergarn-Kombinationen und nicht nur das Sattlergarn.
Widerstand beim Durchziehen bedeutet nicht, dass die fertige Sattlernaht stärker gespannt werden muss. Wenn die Ledernadel klemmt oder das Sattlergarn ausfranst, halte an und kontrolliere Nadelöhr, Einfädelung und Nahtloch. Weiteres Ziehen kann den Einschnitt weiten und eine dünne Kante verformen.
So bereitest du zwei identische Proben vor
Bereite getrennte, identische Proben vor
Bilde den vorgesehenen Lederaufbau in getrennten Paketen nach. Richte die Kanten aus und markiere auf jeder Probe die Nahtlinie im gleichen Abstand zur Kante. Vergleiche keine Nahtreihe direkt an der Kante mit einer Reihe in der Mitte eines breiten Lederstücks: Die Bedingungen für die Materialauflage wären unterschiedlich.
Ein möglicher Werkstattplan sind 12 Nahtlöcher pro Probe mit einer Zugabe von 3,5 mm, sofern diese zur Konstruktion des Portemonnaies passt. Das sind keine Anforderungen an jede Sattlernaht. Erzeuge mit demselben Prickeisen auf derselben Stanzunterlage ein identisches Lochbild. Das Prickrad dient zum Anzeichnen der Linie; die Nahtlöcher machst du mit dem passenden Werkzeug. Wenn du eine Sattlerahle verwendest, tue dies bei beiden Proben gleich.
Behalte die Nähweise bei
Beschrifte die Proben vor Arbeitsbeginn mit der Garnstärke. Nähe mit einer Sattlernaht und halte Arbeitsrichtung, Reihenfolge der Ledernadeln und Garnverlauf im Nahtloch gleich. Ziehe die Sattlernaht nur so an, dass sie anliegt, ohne das Leder zu kräuseln. Erhöhe die Spannung nicht nur, um dickeres Sattlergarn im Narben zu verstecken.
Führe bei beiden Proben denselben Abschluss aus. Wenn du Rückstiche planst, prüfe auch dort den Durchgang der Ledernadel: In diesem Bereich liegen zusätzliche Garnabschnitte im Nahtloch. Notiere Nadelmodell, Prickeisen, Abstand, Garnfarbe, Lederart und gemessene Paketstärke.
So beurteilst du Optik und Nahtvolumen
Betrachte beide Proben von beiden Seiten und von der Kante aus bei gleichbleibendem Licht. Lege sie locker auf eine ebene Fläche, ohne sie mit der Hand zu dehnen. Biege sie anschließend vorsichtig entsprechend der geplanten Bewegung des Portemonnaies. So prüfst du auch das Verhalten der Kante außerhalb des Nähklobens.
| Prüfbereich | Frage für jede Probe |
|---|---|
| Durchziehen | Geht die Ledernadel mit dem Sattlergarn hindurch, ohne Einschnitte aufzureißen oder das Geflecht zu beschädigen? |
| Nahtbild | Sind die Garnabschnitte klar sichtbar und zum Entwurf passend proportioniert? |
| Garnüberstand | Wie hoch liegt das Sattlergarn über dem Narben, und gefällt dir dieser Effekt? |
| Kante | Bleibt sie nach dem Lösen aus dem Nähkloben gleichmäßig und faltenfrei? |
| Abschluss | Passen zusätzliche Durchgänge hinein, ohne die Nahtlöcher übermäßig zu weiten? |
Fotografiere beide Proben im gleichen Maßstab, mit Beschriftung, und vergleiche auch das konkrete Portemonnaie-Detail. Wenn beide Kombinationen sauber funktionieren, wähle das Sattlergarn nach der gewünschten Optik. Wenn sich beide Kanten kräuseln, prüfe Spannung, Nahtlöcher und Vorbereitung des Pakets. Ein Garnwechsel allein beseitigt keine Ausführungsfehler.







