Plane den Lochabstand an einer Brieftaschenecke vor dem Durchstechen des Leders: Zeichne die Nahtlinie an und verteile die Punkte auf der geraden Strecke und im Bogen. Bleibt ein kurzer Abschnitt übrig, verteile die Korrektur auf mehrere benachbarte Stiche. Miss die veränderten Abstände mit dem Spitzzirkel und setze die Löcher mit einem einzelnen Zahn oder einer Sattlerahle. Verwende im Bogen ein zweizinkiges Prickeisen nur dann, wenn beide Zähne auf die geplante Linie passen, ohne das vorherige Loch zu verdrehen.
Warum bereitet eine Brieftaschenecke beim Lochen Probleme?
Gleichmäßiger Zahnabstand und wechselnde Kantengeometrie
Ein klassisches Prickeisen für die Naht hat einen festen Zahnabstand. Bei typischen Projekten der Lederwarenherstellung ist die Länge der Brieftaschenkante nur selten ein genaues Vielfaches dieses Maßes. Zusätzlich geht die gerade Linie an der Ecke in einen Kreisbogen mit einem bestimmten Radius über.
Wenn der Lederhandwerker ein Prickeisen mit 4 oder 6 Zähnen an der geraden Kante bis direkt zur Ecke führt, bleibt am Ende fast immer ein Abschnitt zurück, der kürzer als ein vollständiger Werkzeugabstand ist – zum Beispiel 1,5 mm bei einem Zahnabstand von 4,0 mm. Einen weiteren Zahn mit Gewalt einzuschlagen oder direkt vor der Rundung einen unnatürlich kleinen Stich zu setzen, stört den Rhythmus der Sattlernaht sofort und fällt am fertigen Werkstück auf den ersten Blick auf.
Gefahr einer geschwächten Lederstelle durch zu dicht gesetzte Löcher
Über die Festigkeit des Stegs zwischen den Löchern entscheiden deren Größe und Form, der Abstand zwischen den Kanten der Einschnitte sowie die Eigenschaften des Leders. Verenge den letzten Stich nicht nur, um die Ecke zu erreichen. Prüfe den Abstand an einem Lederrest und ziehe das Sattlergarn so an, dass es weder das Material einreißt noch Falten bildet.
Trockenes Planen: Anzeichnen und der Übergang von der Geraden in den Bogen
Eine Basislinie mit gleichmäßigem Abstand zur Kante festlegen
Beginne mit dem Anzeichnen einer Hilfslinie. Zeichne mit einem Spitzzirkel mit abgerundeter Spitze oder mit einem entlang der Kante geführten Anreißer einen gleichmäßigen Nahtabstand an – als Ausgangspunkt für die Probe sind je nach Lochgröße und Konstruktion der Brieftasche 3–4 mm von der Lederkante sinnvoll.
Halte den gewählten Abstand auch an der Rundung ein. Ist der Kantenradius nicht größer als der Abstand, bildet die Nahtlinie keinen weichen Bogen: Ändere die Geometrie der Ecke oder plane ein einzelnes Loch an der Ecke ein. Schneide auf dünnem Leder keine tiefen Rillen mit scharfen Werkzeugen; eine leichte, gut erkennbare Spur auf dem Narben genügt.
Zahnstellung des Prickeisens oder Prickrads ohne Durchstechen prüfen
Bevor du zum Polymerhammer greifst, prüfe die Geometrie trocken. Ein Anreißwerkzeug wie das klassische Prickrad für Leder rollt mit seinen Markierungen über die angezeichnete Linie und zeigt, an welchem Punkt ein Zahn auf den Beginn des Eckbogens trifft.
Ebenso wirksam ist die Verwendung des Prickeisens selbst. Setze das Werkzeug rechtwinklig auf das Leder und drücke nur so leicht mit der Hand, dass flache Punkte im Narben entstehen, ohne das Material zu durchstechen. Gehe so die gesamte gerade Kante bis zum Berührungspunkt von Gerade und Bogen ab. In der Kategorie Prickeisen für Nahtlöcher greifen Lederhandwerker meist zu Sets mit unterschiedlicher Zähnezahl. Für kleine Brieftaschenarbeiten eignen sich beispielsweise Prickeisen für Nahtlöcher 3 mm – Set mit 4 Stück (laut Produktkarte: Edelstahl, 4-teilig) oder das universelle Set Prickeisen für Nahtlöcher 4 mm – Set mit 4 Stück (laut Produktkarte: 1, 2, 4 und 6 Zähne aus Edelstahl). Die Anreißprobe zeigt, ob der letzte vollständige Zahn genau am Eintrittspunkt in die Ecke landet oder ob eine frühere Korrektur nötig ist.
Wie verteilt man die überschüssige Zugabe vor dem Eintritt in die Ecke?
Verteile die Korrektur auf mehrere Stiche, zum Beispiel auf drei bis fünf. Beurteile ihre Sichtbarkeit an einer Probe mit dem vorgesehenen Sattlergarn; nicht jeder Unterschied lässt sich verbergen.
Rechenbeispiel: fünf Abstände von jeweils 4,3 mm
Nehmen wir an, dass vom markierten Punkt A bis zum Eintritt in den Bogen 13,5 mm verbleiben. Bei einem nominalen Abstand von 4,0 mm passen drei Abstände und eine Reststrecke von 1,5 mm hinein.
Verschiebe vor dem Setzen der Löcher den Beginn der Korrekturzone um zwei nominale Abstände zurück, also um 8,0 mm. Die neue Strecke beträgt 13,5 mm + 8,0 mm = 21,5 mm. Teile sie in fünf gleiche Abstände: 21,5 mm ÷ 5 = 4,3 mm.
Markiere diese Punkte mit dem Spitzzirkel und setze die Löcher mit einem einzinkigen Prickeisen oder einer passend gewählten Sattlerahle. Ein zweizinkiges Prickeisen mit einem Abstand von 4,0 mm kann keine Abstände von 4,3 mm erzeugen. Wenn die Löcher auf diesem Abschnitt bereits vorhanden sind, setze daneben keine neue Reihe.
Technik zur Führung des Prickeisens im Eckbogen
Warum man im Bogen Prickeisen mit mehreren Zähnen beiseitelegt
Prickeisen mit 4, 6 oder mehr Zähnen haben Klingen, die in einer starren geraden Linie angeordnet sind. Wird ein solches Werkzeug an die Rundung der Ecke gesetzt, entsteht eine gerade Sehne statt eines gleichmäßigen Bogens. An einer konvexen Ecke liegen die mittleren Löcher einer solchen Reihe weiter von der Kante entfernt als die äußeren, sodass der Abstand nicht mehr gleichmäßig ist. Wechsle bei einem engen Bogen auf einen oder zwei Zähne; bei einem großen Radius prüfe zuerst das Ansetzen trocken.
Das Prickeisen im Bogen ausrichten
Richte die Richtung des zweizinkigen Prickeisens über dem Leder aus. Setze den ersten Zahn flach in das vorherige Loch und den zweiten auf die angezeichnete Linie. Drehe das Werkzeug nicht, solange ein Zahn tief im Material steckt. Wenn die Richtungsänderung den vorherigen Einschnitt erweitert, setze die nächsten Löcher einzeln mit einem Zahn an den mit dem Spitzzirkel markierten Punkten.
Ein zweizinkiges Prickeisen hält den Abstand zwischen den Lochmitten, gemessen entlang der Sehne, ein. Prüfe bei einem kleinen Radius auch die sichtbaren Abstände entlang des Bogens. Eine allgemeine Auswahl der Werkzeuge beschreibt der Begriff Prickeisen für Leder.
Werkzeug senkrecht halten und symmetrische Löcher auf der linken Seite erhalten
Bei der Arbeit im Bogen neigt die Hand unbewusst dazu, den Schaft des Prickeisens nach außen oder zur Innenseite der Rundung zu kippen. Jede Abweichung vom rechten Winkel zur Tischfläche verformt die Sattlernaht auf der Fleischseite oder dem Futter der Brieftasche sofort.
Selbst wenn sich die Löcher auf dem Narben harmonisch im Bogen anordnen, führt ein schiefer Schaft dazu, dass die Nadelaustritte auf der linken Seite zu dicht an der Lederkante liegen oder eine ausgefranste, ungleichmäßige Linie bilden. Prüfe vor jedem Schlag mit dem Schlägel die senkrechte Stellung des Werkzeugs in zwei Ebenen – längs und quer.
Arbeitsplatz organisieren und Werkzeuge während der Arbeit schützen
Stabile Unterlage zum Lochen an den Kanten
Die Kante einer Brieftasche besteht meist aus mehreren verklebten Schichten: Korpus, Futter und Kartenfächer. Das Durchstechen eines solchen Pakets erfordert eine stabile Unterlage, die die Schlagenergie aufnimmt, ohne dass sich die Lederkante biegt. Das Lochen auf einer weichen, instabilen Fläche rundet die Unterseite des Materials ab und verformt die Nahtkanäle.
Bei der Auswahl einer Unterlage aus der Kategorie Arbeitsunterlagen solltest du auf die Materialeigenschaften achten. Prickeisen mit dünnen Zähnen werden bei Kontakt mit einer zu harten Tischplatte leicht stumpf oder verbogen. Für präzise Arbeiten ist die Oka Lochmatte – M vorgesehen; laut Produktkarte misst sie 20 × 15 cm und besteht aus einer speziell ausgewählten Gummimischung.
Häufigste Fehler: Prickeisen kippen und Zähne ausbrechen
Bei der Arbeit mit dichtem Leder können sich die Zähne des Prickeisens im Material verklemmen. Ein grundlegender Werkstattfehler ist der Versuch, das Werkzeug durch seitliches Wackeln aus der Nahtlinie zu ziehen. Dadurch wird das frisch gesetzte Loch gedehnt; bei hartem Stahl kann dabei der äußere Zahn sofort abbrechen.
Die richtige Technik besteht darin, das Leder mit der Hand gegen die Unterlage zu drücken und das Werkzeug in einer fließenden vertikalen Bewegung genau auf derselben Achse herauszuziehen, in der es eingeschlagen wurde.
Praktische Zusammenfassung und Checkliste
| Geometrieelement | Empfohlenes Werkzeug | Führungsweise |
|---|---|---|
| Gerade Kantenlinie | Prickeisen mit 4 oder 6 Zähnen | Vollständige Reihen, senkrechte Ausrichtung kontrollieren |
| Korrekturzone | Spitzzirkel zum Anzeichnen; einzelner Zahn oder Sattlerahle für die Löcher | Abstand vor dem Durchstechen festlegen |
| Eckbogen | Prickeisen mit 2 oder 1 Zahn | Ausrichtung ohne den Zahn im vorherigen Loch zu verdrehen |
| Spitze Ecke oder enger Radius | Prickeisen mit 1 Zahn | Einzelne Positionierung auf der angezeichneten Linie |
Checkliste vor dem ersten Schlag:
- Zeichne am gesamten Umfang einen gleichmäßigen Nahtabstand an und bilde die Rundung der Ecke nach.
- Prüfe den Abstand trocken mit dem Prickeisen oder Prickrad und bestimme den Eintrittspunkt in den Bogen.
- Verteile die Korrektur auf mehrere noch nicht gesetzte Stiche und prüfe das Ergebnis an einer Probe.
- Lege das Prickeisen mit mehreren Zähnen vor Beginn des Bogens beiseite; bereite ein Werkzeug mit 2 und eines mit 1 Zahn vor.
- Lege eine stabile Unterlage unter die zu lochende Kante und prüfe vor dem Schlag mit dem Schlägel die senkrechte Stellung des Werkzeugs.







