Für das Nähen von Leder eignen sich gewachste Polyestergarne wie Slam, Vinymo MBT, COMBI oder Ritza Tiger hervorragend. Sie sind äußerst reißfest und verrotten nicht. Die universellste Fadenstärke ist 0,6 mm, während 0,4 mm für feine Lederwaren und 0,8 bis 1,0 mm für schwere Projekte verwendet werden.
Die Wahl des richtigen Garns ist eine Entscheidung, die sich auf die Ästhetik und vor allem auf die Langlebigkeit des fertigen Projekts auswirkt. Die Naht hat bei Lederwaren eine strukturelle Funktion – sie muss jahrelanger Belastung, Biegung und Reibung standhalten. Herkömmliche Baumwollgarne aus der Schneiderei sind für die Arbeit mit festem Blankleder absolut ungeeignet; sie scheuern schnell durch oder verrotten durch Feuchtigkeit. In der professionellen Sattlerei und Täschnerarbeit werden spezielle Ledergarne verwendet, die sich durch die richtige Flechtung, hohe Reißfestigkeit und einen Wachsanteil auszeichnen. Wenn Sie die Unterschiede zwischen den auf dem Markt erhältlichen Marken und Stärken verstehen, können Sie wunderschöne, gleichmäßige und haltbare Handnähte kreieren.
Beschichteter Polyester oder natürliches Leinen: Eine Frage der Haltbarkeit
Auf dem Markt gibt es zwei Hauptarten von Materialien: natürliches Leinen und synthetischer Polyester. Leinengarne haben einen wunderschönen, traditionellen Look und legen sich hervorragend in die Nahtlöcher. Sie sind jedoch anfällig für Witterungseinflüsse – Feuchtigkeit kann sie zum Verrotten bringen, und UV-Strahlen schwächen die Faserstruktur. Zudem erfordern sie vor jedem Nähen ein großzügiges, manuelles Wachsen.
Aus diesem Grund greifen die meisten modernen Handwerker zu Polyestergarnen (oftmals beschichtet oder werkseitig gewachst). Sie sind absolut resistent gegen Verrottung, Schimmel und Dehnung. Beliebt auf dem Markt sind Marken wie Slam (geflochtene Polyestergarne), Vinymo MBT (dickere Polyestergarne), COMBI sowie das flache Garn Ritza Tiger. Diese Fäden sind oft schon ab Werk mit der richtigen Menge Wachs getränkt. Bei Bedarf kann man das spezielle Garnfett der polnischen Marke Pruciak verwenden, das das Durchziehen durch enge, mit der Sattlerahle gestochene Löcher erleichtert und ein Ausfransen der Fasern bei langen Nähten verhindert. Ein weiterer Vorteil von synthetischen Garnen ist die Möglichkeit, die Naht durch das Anschmelzen der Enden mit einem Feuerzeug abzuschließen. So entsteht ein dauerhafter, verschmolzener Knoten, der bei Leinengarnen unmöglich ist.
Wie wählt man die richtige Garnstärke passend zum Prickeisen?
Selbst das hochwertigste Garn sieht unschön aus, wenn seine Stärke nicht auf den Zinkenabstand der Prickeisen abgestimmt ist. Ein zu dünner Faden in großen Löchern wirkt mickrig und füllt den Raum nicht aus, während ein zu dickes Garn bei einer engen Stichlänge eine unästhetische, erhabene Linie erzeugt, die sich im Gebrauch schnell durchscheuert.
Die goldene Regel in der Lederverarbeitung besagt, dass die vielseitigste Garnstärke 0,6 mm beträgt. Sie harmoniert hervorragend mit Prickeisen mit 4 mm Zinkenabstand, die beim Nähen von Brieftaschen, Uhrenarmbändern oder leichten Handtaschen der Standard sind. Wenn Sie an sehr feinen Lederwaren arbeiten oder Prickeisen mit 3 mm Abstand (z. B. im französischen Stil) verwenden, sollten Sie zu Garnen mit einer Stärke von 0,4 mm oder 0,45 mm greifen. Schwere Projekte hingegen – Ledergürtel, Messerscheiden oder dicke Reisetaschen – erfordern eine robuste Naht. In diesem Fall kommen Prickeisen mit 5 mm oder 6 mm Abstand zum Einsatz, kombiniert mit Fäden in 0,8 mm oder 1,0 mm Stärke (z. B. die dickere Variante von Ritza Tiger).
Das Verhalten der Flechtung bei der Handnaht
Ledergarne unterscheiden sich auch in ihrer Konstruktion. Sie können gezwirnt oder geflochten sein. Gezwirnte Fäden neigen dazu, sich aufzuspleißen, wenn man sie beim Nähen mit zwei Nadeln versehentlich im Loch durchsticht. Sie erfordern mehr Aufmerksamkeit und Präzision. Geflochtene Garne (wie Slam) verhalten sich wesentlich stabiler – ihre kompakte Struktur verhindert das Aufdröseln, was sie zu einer großartigen Wahl für alle macht, die die Sattlernaht erlernen. Flache Garne (Ritza Tiger) wiederum legen sich auf eine sehr spezifische, flache Weise in die Löcher und erzeugen ein markantes, dekoratives Zickzack-Muster, das charakteristisch für hochwertige Lederwaren ist.
Denken Sie bei der Auswahl des Garns daran, sich stets mit den passenden Ledernadeln mit stumpfer Spitze (z. B. John James) auszustatten, die für diese Technik unerlässlich sind. Ein gut abgestimmtes Set – Prickeisen, Garn und Nadel – ist die Grundlage dafür, dass der Nähprozess reibungslos verläuft und das fertige Produkt viele Jahre lang hält.







