Pattex Butapren ist ein lösungsmittelhaltiger Kontaktkleber auf Polychloropren-Kautschukbasis, der in Sattlereien zur dauerhaften, elastischen Verbindung von Lederschichten vor dem endgültigen Vernähen eingesetzt wird. Die Verwendung eines geeigneten Bindemittels ist die Grundlage für die korrekte Konstruktion jedes Produkts, von der Geldbörse bis zur massiven Reisetasche. Das Kleben in der Sattlerei ist selten ein Selbstzweck – es dient meist der Stabilisierung. Es verhindert das Verrutschen der Materialschichten beim Durchstechen mit Prickrädern und gewährleistet, dass die Kante nach dem Aufbringen des Sattlergarns eine kompakte, feste Einheit bildet, die für die weitere Bearbeitung bereit ist.
Eigenschaften
Das Verständnis der Wirkungsweise von Kontaktklebern ist der erste Schritt zu sauberem und präzisem Arbeiten mit Leder. Pattex Butapren funktioniert völlig anders als übliche Holz- oder Papierkleber, die während des Trocknens abbinden und ein langes Zusammenpressen der Teile erfordern. Beim Kontaktkleber beginnt der Prozess mit dem Auftragen einer dünnen Schicht auf beide zu verbindenden Oberflächen. Anschließend muss eine bestimmte Zeit – in der Regel 10 bis 15 Minuten – gewartet werden, bis die flüchtigen Lösungsmittel verdunstet sind. Die Klebefläche fühlt sich dann trocken an. Die Wirkung des Kontaktklebers ähnelt einem Klettverschluss – beide bestrichenen Flächen haften nach dem Trocknen beim ersten kräftigen Zusammendrücken sofort und unlösbar aneinander.
Klassisches Butapren hat einen charakteristischen, scharfen Lösungsmittelgeruch und eine klebrige, ziehende Konsistenz mit bernsteinfarbener Tönung. Es bildet eine Verbindung, die extrem stark, aber gleichzeitig elastisch ist. Diese Elastizität ist in der Sattlerei entscheidend. Ein 3 mm dicker Gürtelriemen oder der sich biegende Rücken einer Geldbörse arbeiten jeden Tag. Ein harter, kristallisierender Klebstoff würde schnell reißen und die Produktstruktur zerstören. Die Polychloropren-Verbindung gibt den Bewegungen des Leders nach und arbeitet mit ihm zusammen.
Eine wichtige Alternative zur herkömmlichen Version ist Pattex Butapren farblos. Der standardmäßige gelbliche Kleber birgt zwei Risiken. Erstens kann er durch sehr dünne und helle Leder (z. B. Futterleder mit 0,6 mm Stärke) durchschlagen und unschöne Flecken bilden. Zweitens entsteht nach dem Verkleben zweier dickerer Schichten hellen Juchtleders an der Kante eine sichtbare dunkle Klebelinie. Die farblose Version löst dieses Problem, indem sie eine saubere Kante hinterlässt – enorm wichtig, wenn du die Kante mit Tokonole in einer natürlichen, hellen Farbe ausarbeiten möchtest.
Es ist zu beachten, dass lösungsmittelhaltige Klebstoffe in gut belüfteten Räumen verarbeitet werden müssen. Ihre Dämpfe sind gesundheitsschädlich, und das Produkt selbst ist hochentzündlich. Außerdem ändert sich die Viskosität von Butapren je nach Umgebungstemperatur – in einer kühlen Werkstatt wird der Kleber dickflüssiger und lässt sich deutlich schwerer auftragen. Die optimale Arbeitstemperatur liegt daher bei etwa 20 °C.
Anwendungen
Im täglichen Sattlerhandwerk wird Kontaktkleber nahezu in jeder Bauphase eines Projekts eingesetzt. Seine Vielseitigkeit ermöglicht die Lösung vieler konstruktiver Probleme.
- Erstellen von zweilagigen Gürtelriemen: Wenn du einen 3 mm dicken Gürtel benötigst, aber nur pflanzlich gegerbtes Leder von 1,5 mm Stärke hast, klebst du zwei Streifen Fleischseite auf Fleischseite. Das gleichmäßige Auftragen von Butapren auf beide Teile, das Ablüften und kräftige Andrücken mit einer Sattlerwalze ergibt einen einheitlichen, festen Riemen, der bereit zum Vernähen ist.
- Einkleben von Futterleder: Das Einkleben von dünnem, chromgegerbtem Leder (z. B. 0,8 mm) in das Innere einer Tasche oder Geldbörse. Hier eignet sich Pattex Butapren farblos am besten, da es die Gefahr dunkler Flecken auf dem empfindlichen Narben des Futters minimiert.
- Umschlagen von Kanten (Skiving and Folding): Bei der Herstellung edler Geldbörsen wird die Lederkante oft auf 0,5 mm abgeschrägt, mit Kleber bestrichen und nach innen umgeschlagen. Der Kontaktkleber fixiert das umgeschlagene Material sofort, sodass keine Klammern oder Clips nötig sind, die den Narben abdrücken könnten.
- Befestigen von Reißverschlüssen: Bevor du einen Reißverschluss in ein Kulturbeutel oder eine Tasche nähst, musst du ihn präzise positionieren. Das Auftragen einer dünnen Klebelinie auf das Reißverschlussband und die Lederkante ermöglicht eine ideale, temporäre Fixierung der Teile, bevor du mit einem Prickrad mit 3 mm oder 4 mm Teilung arbeitest.
- Aufbau von Griffen und Henkeln: Griffe für Aktenmappen haben oft eine Füllung aus mehreren Lagen Lederresten oder speziellen Schnüren. Diese Elemente werden zunächst mit Butapren zu einem soliden Block verklebt und erst dann mit dem endgültigen Leder ummantelt und vernäht.
- Temporäre Positionierung von Patches und Taschen: Das Annähen einer aufgesetzten Tasche an die Taschenfront erfordert, dass das Teil während des Durchstechens auch nicht um einen Millimeter verrutscht. Eine dünne Schicht Kleber nur an den Kanten der Tasche gewährleistet volle Stabilität.
Wie man wählt und richtig anwendet
Die Wahl zwischen standardmäßigem Butapren und der farblosen Version hängt von den spezifischen Projektanforderungen ab. Für den Anfänger in der Sattlerei, der hauptsächlich mit natürlichem, ungefärbtem Rindsleder arbeitet, ist Pattex Butapren farblos die sicherere Wahl. Du vermeidest so den Frust über schmutzige, schwer abschleifbare Kanten. Wenn du jedoch mit schwarzem oder dunkelbraunem Leder arbeitest und das Hauptziel maximale Verbindungsfestigkeit großer Flächen ist (z. B. Verkleben dicker Sohlen), ist klassisches Butapren perfekt geeignet.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch nicht allein in der Kleberart, sondern in der Technik des Auftragens. Hier machen Anfänger die meisten Fehler.
Erstens: die Vorbereitung der Oberflächen. Kontaktkleber haftet nicht auf dem glatten Narben des Leders. Wenn du etwas auf die Narbenseite kleben musst (z. B. eine aufgesetzte Tasche), musst du die Klebestelle zuerst aufrauen. Dazu verwendet man Schleifpapier oder einen speziellen Raufspachtel. Nur die Freilegung der Fasern gewährleistet, dass Butapren in die Materialstruktur eindringt. Die Fleischseite (Faserstruktur, untere Lederseite) muss in der Regel nicht aufgeraut werden, es sei denn, sie ist werksseitig stark verdichtet und geglättet.
Zweitens: das Auftragen. Der häufigste Fehler ist das Aufbringen einer zu dicken Schicht. Eine dicke „Wulst“ Kleber verbindet nicht stärker. Im Gegenteil – sie erzeugt eine schwammige, gummiartige Schicht zwischen den Ledern. Wenn du nach dem Verkleben die Kanten mit einem Kantenhobel ausgleichen und anschließend mit Tokonole glätten möchtest, beginnt die dicke Klebeschicht zu rollen, verschmiert den Kantenglätter und blockiert den Zutritt des Poliermittels zu den Lederfasern. Der Kleber sollte sehr dünn aufgetragen werden, am besten mit einer Kunststoffspachtel oder einem speziellen Applikator. Die Schicht sollte kaum sichtbar, glatt und gleichmäßig bis zu den Kanten verteilt sein.
Drittens: Geduld beim Ablüften. Das Zusammenfügen zweier Lederschichten unmittelbar nach dem Auftragen des nassen Butaprens ist eine Garantie für Misserfolg. Die Lösungsmittel werden zwischen den undurchlässigen Narbenschichten eingeschlossen, der Kleber trocknet nie vollständig durch, und die Teile rutschen aufeinander. Du musst warten, bis die Klebefläche fingerförmig trocken ist – wenn der Kleber nicht an der Haut kleben bleibt, sich aber noch deutlich klebrig anfühlt, ist der richtige Moment gekommen.
Viertens: der Anpressdruck. Die Bindung von Polychloropren-Klebstoffen wird durch Druck aktiviert, nicht durch die Trocknungszeit nach dem Zusammenfügen. Wenn du beide Schichten präzise aufeinanderlegst, musst du sie kräftig andrücken. In Profiwerkstätten verwendet man Pressen, bei Handarbeit eignet sich eine schwere, metallene Sattlerwalze oder leichtes Klopfen der Klebenaht mit einem glatten Schusterhammer.
Produkte aus unserem Sortiment
In unserem Shop konzentrieren wir uns auf die Lieferung hochwertiger, spezieller Werkzeuge und Chemie für die Lederverarbeitung. Obwohl wir aufgrund der Transportvorschriften für hochentzündliche Stoffe nicht immer herkömmliche lösungsmittelhaltige Kleber im Dauersortiment führen können, findest du bei uns das gesamte Zubehör, das für deren korrekte Anwendung und die spätere Bearbeitung der verklebten Kanten notwendig ist.
Für die Arbeit mit Kontaktklebern und die Vorbereitung des Leders vor dem Nähen werden dir sicher nützlich sein:
- Spachtel und Applikatoren, die das Auftragen einer ideal dünnen Klebeschicht erleichtern.
- Raufspachtel und Schleifpapiere zum Aufrauen des Narbens vor dem Butapren-Auftrag.
- Schwere Sattlerwalzen, die für einen gleichmäßigen und kräftigen Anpressdruck der verklebten Schichten sorgen und so die volle Bindekraft aktivieren.
- Kantenhobel, unverzichtbar zum Abtragen der scharfen Kante nach dem Verkleben zweier Lederschichten, z. B. bei Riemen oder Geldbörsenkanten.
- Prickräder mit Teilungen von 3 mm, 4 mm oder 5 mm, mit denen du die verklebten Schichten problemlos durchstechen und die Löcher für eine gleichmäßige Sattlernaht vorbereiten kannst.
Verwandte Begriffe
- Fleischseite
- Narben
- Sattlernaht
- Prickräder
- Tokonole
- Lederkantenbearbeitung







