Das Nähen mit Sattlergarn ist eine traditionelle Sattler- und Lederverarbeitungstechnik, bei der Lederteile von Hand mit einem dicken, stark gewachsten Leinen- oder Hanffaden verbunden werden. Diese Methode, die in der Regel mit zwei Nadeln ausgeführt wird (Sattlernaht), bietet eine hohe Haltbarkeit, die weit über die üblichen Maschinenstiche hinausgeht.
Worin besteht das Nähen mit Sattlergarn?
Historisch gesehen war Sattlergarn kein fertiges Produkt von der Spule. Der Handwerker musste mehrere Leinen- oder Hanffasern selbst verdrillen und anschließend mit Schusterpech, Bienenwachs oder Harz tränken. Diese Behandlung machte den Faden widerstandsfähig gegen Fäulnis, Feuchtigkeit und Abrieb. Heute wird der Begriff umgangssprachlich für jeden dicken, stark gewachsten Faden verwendet, der in der schweren Lederverarbeitung zum Einsatz kommt.
Stell dir Sattlergarn wie ein miniaturisiertes Seil vor. Die einzelnen Fasern sind eng miteinander verflochten und mit einem Bindemittel getränkt, was eine wirksame Barriere gegen Feuchtigkeit bildet. Wenn du den Faden durch ein Loch im Leder ziehst, wirkt das Wachs als Gleitmittel, und nach dem Anziehen der Naht erstarrt es, versiegelt das Loch und blockiert den Faden an Ort und Stelle.
Für die einen ist es eine ideale Lösung, für andere ein unnötiger Aufwand, besonders wenn sie mit dünnen Lederwaren arbeiten. Das Nähen mit dickem Sattlergarn erfordert die Verwendung von entsprechend großen Prickeisen (mit einem Abstand von 4 mm oder 5 mm) sowie stumpfen Ledernadeln. Der Stich dieser Technik ist sehr markant, leicht erhaben und verleiht den Produkten einen rauen, rustikalen Charakter.
Wann sollte das Nähen mit Sattlergarn angewendet werden?
Das traditionelle Nähen mit stark gewachsten Fäden bewährt sich überall dort, wo hohe Festigkeit gefordert ist:
- Reitsportausrüstung: Nähen von Sätteln, Zaumzeug und Halftern, die großen Belastungen standhalten müssen.
- Scheiden und Holster: Verbinden dicker Schichten Rindsleder (oft mit einer Gesamtdicke von über 10 mm) bei knifemaking-Projekten.
- Hauptriemen: Einfassen der Kanten von schweren Trageriemen und taktischer Ausrüstung.
- Historische Rekonstruktion: Anfertigen von Nachbildungen mittelalterlicher Schuhe, Geldbörsen und Lederpanzer.
Wie wählt man aus und worauf sollte man achten?
Achte bei der Auswahl von Fäden für schwere Näharbeiten auf deren Stärke und Material. Für historische und Premium-Projekte eignen sich natürliche Leinenfäden, die jedoch vor der Arbeit über ein Stück Wachs gezogen werden müssen. In der modernen Lederverarbeitung werden oft dicke Slam-Polyesterfäden (z. B. 0,8 mm oder 1,0 mm) bevorzugt. Sie sind werksseitig gewachst, verrotten nicht und sind sehr reißfest. Denke daran, die Nadelgröße anzupassen – das Öhr muss groß genug sein, damit der dicke Faden ohne Ausfransen hindurchpasst.
Produkte aus unserem Sortiment
Bei CraftPoint findest du alles, was du für eine haltbare Handnaht brauchst:
- Sattlergarn – große Auswahl an dicken, starken Fäden, ideal für schwere Projekte.
- Slam-Fäden – gewachste Polyester-Geflechte, die traditionelles Sattlergarn in modernen Erzeugnissen ersetzen.
- Ledernadeln – stumpfe Sattlernadeln, die leicht durch die mit der Ahle gestochenen Löcher gleiten.
- Sattlerahlen – unverzichtbare Werkzeuge zum Durchstechen dicker Lederschichten vor dem Nähen.
- Nähkloben – hölzerne Schraubzwingen, die das Projekt festhalten und beide Hände für die Arbeit mit zwei Nadeln freigeben.







