Echtes Leder ist von Natur aus nicht wasserdicht. Da es sich um ein organisches und poröses Material handelt, nimmt es natürlicherweise Feuchtigkeit auf, was zu Fleckenbildung oder Austrocknung führen kann. Man kann es jedoch wasserabweisend machen (imprägnieren), indem man geeignete Fette, Wachse oder Öle (z. B. Mink Oil, Sno-Seal) verwendet.
Eine der häufigsten Fragen, die sowohl von Besitzern feiner Lederwaren als auch von angehenden Lederhandwerkern gestellt wird, betrifft die Witterungsbeständigkeit dieses edlen Materials. Die Antwort lautet: Nein, unbehandeltes Echtleder ist per Definition nicht wasserdicht. Das liegt an seiner biologischen Beschaffenheit. Tierhaut besteht aus einem dichten Netzwerk von Kollagenfasern, zwischen denen sich mikroskopisch kleine Poren befinden. Diese Poren lassen das Material "atmen", was bei Schuhen oder Kleidung ein enormer Vorteil ist. Gleichzeitig sorgen sie aber dafür, dass Leder bei Kontakt mit Flüssigkeiten wie ein Schwamm wirkt. Zu verstehen, wie Wasser verschiedene Lederarten beeinflusst, ist entscheidend, um sie richtig zu schützen und die Lebensdauer unserer Projekte zu verlängern.
Wie beeinflusst Wasser die Struktur der Lederfasern?
Die Reaktion auf Wasser hängt maßgeblich von der Gerbmethode ab. Pflanzlich gegerbtes Leder ist extrem feuchtigkeitsempfindlich. Wenn Wasser in ungeschütztes Blankleder eindringt, quellen die Fasern auf. Wird das Leder nass und trocknet danach zu schnell (z. B. auf der Heizung), entzieht das verdunstende Wasser dem Material seine natürlichen Öle und Fette. Die Folge: Das Leder wird steif, brüchig und es können Risse auf der Oberfläche entstehen. Zudem hinterlassen punktuelle Wasserspritzer auf hellem, pflanzlich gegerbtem Leder oft dauerhafte, dunkle Wasserflecken (Water Spots), die die Ästhetik des Werkstücks beeinträchtigen.
Chromgegerbtes Leder kommt mit Wasser etwas besser zurecht. Der chemische Prozess, dem es unterzogen wird, schließt einen Teil der Poren und verleiht ihm mehr Flexibilität. Viele industriell zugerichtete Lederarten verfügen zudem über eine aufgesprühte Polyurethan- oder Wachsschicht auf der Narbenseite, die für eine kurzzeitige wasserabweisende Wirkung sorgt. Wasser perlt zunächst an der Oberfläche ab, dringt aber bei längerem Regen unweigerlich in die Materialstruktur ein – insbesondere durch ungeschützte Kanten und Nähte.
Effektive Methoden zur Imprägnierung und zum Schutz
Obwohl Leder von Natur aus nicht wasserdicht ist, nutzen Handwerker seit Jahrhunderten Methoden, um es selbst gegen die härtesten Bedingungen widerstandsfähig zu machen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Imprägnierung, also dem Sättigen der Materialporen mit wasserabweisenden Substanzen. Die besten Freunde des Feintäschners und Sattlers in diesem Prozess sind natürliche Fette, Öle und Wachse.
Für die alltägliche Lederpflege und einen leichten Schutz eignen sich Balsame auf Basis von Bienenwachs und Klauenöl (Neatsfoot Oil) hervorragend. Präparate wie Fiebing's Aussie Leather Conditioner oder Mink Oil dringen tief in die Narbenseite ein, nähren die Fasern und bilden einen feinen Schutzfilm auf der Oberfläche. Wenn ein Projekt (wie z. B. Wanderschuhe oder eine Messerscheide) extremen Schutz erfordert, greift man zu schweren Wachsen wie Sno-Seal. Diese werden auf das leicht erwärmte Leder aufgetragen, wodurch das Wachs schmilzt und tief in die Poren eindringen kann. Nach dem Abkühlen härtet das Wachs aus und bildet eine nahezu undurchdringliche Barriere gegen Wasser.
Was sollte man beim Schutz von Projekten vermeiden?
Ein sehr schwerwiegender Fehler, den es zu vermeiden gilt, ist der Versuch, die Narbenseite des Leders mit Mitteln zu imprägnieren, die für die Kantenbearbeitung gedacht sind. Tokonole ist eine großartige Emulsion zum Polieren der Lederkanten (Burnishing), aber das Auftragen auf die Narbenseite erzeugt keine wasserdichte Barriere. Stattdessen verstopft es die Poren mit klebrigem Harz, macht ein späteres Einfetten des Materials unmöglich und hinterlässt unästhetische Schlieren.
Man sollte zudem bedenken, dass jede starke Imprägnierung (insbesondere mit Ölen und schweren Wachsen) die Farbe von Echtleder dauerhaft nachdunkeln lässt. Dies ist ein irreversibler Prozess, weshalb es sich immer empfiehlt, das Mittel an einem kleinen, unsichtbaren Lederrest zu testen, bevor man das gesamte Projekt behandelt. Regelmäßige Lederpflege und saisonales Einfetten sind der einzige sichere Weg, damit uns Lederwaren über Jahre hinweg gute Dienste leisten und weder vor herbstlichem Regen noch vor winterlichem Schnee zurückschrecken.







