Für die dauerhafte Färbung von pflanzlich gegerbtem Leder verwendet man professionelle, penetrierende Färbemittel, die tief in die Faserstruktur eindringen, ohne die natürliche Narbung zu verdecken. Vor dem Färben muss die Oberfläche gründlich entfettet und nach dem Trocknen ein Finish aufgetragen werden, um die Farbe vor Abrieb zu schützen.
Das Färben von Rohleder ist einer der befriedigendsten, aber auch anspruchsvollsten Arbeitsschritte in der Täschnerwerkstatt. Um ein dauerhaftes, gleichmäßiges und ästhetisches Ergebnis zu erzielen, ist die Verwendung der richtigen Chemie unerlässlich. Gewöhnliche Plakatfarben, Acrylfarben für Leinwände oder Haushaltsfarbstoffe für Textilien sind für die spezielle Struktur der Kollagenfasern ungeeignet. Naturleder, insbesondere pflanzlich gegerbtes Leder, erfordert professionelle Produkte, die keine rissige Schicht auf der Oberfläche bilden, sondern sich dauerhaft mit dem Material verbinden. Die erste Wahl für Handwerker weltweit sind Lederfarben mit penetrierenden Eigenschaften von renommierten Marken. Der Färbeprozess ist jedoch nicht nur das Auftragen von Pigmenten, sondern ein ganzes System aus Vorbereitung, Anwendung und Fixierung, das über die endgültige Beständigkeit des Produkts gegen Feuchtigkeit, Biegung und täglichen Gebrauch entscheidet. Es ist wichtig zu wissen, dass nur unbehandeltes Juchten- und pflanzlich gegerbtes Leder gefärbt werden kann; Leder mit einer fertigen Oberflächenbehandlung ab Werk (wie Maya, das Flaggschiff-Leder unseres Shops, oder T.Moro) nimmt kein zusätzliches Pigment auf.
Penetrierende Färbemittel vs. deckende Farben
Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Verständnis des Unterschieds zwischen penetrierenden Färbemitteln und Oberflächenfarben (Deckfarben). Professionelle penetrierende Färbemittel, wie die Kultprodukte der Marke Fiebing's (z.B. aus der Pro Dye-Serie) und die wasserbasierten Farben der Eco-Flo-Serie, wirken, indem sie tief in die Lederstruktur eindringen. Sie bestehen aus feinen Pigmentpartikeln in einem Trägermedium, das schnell verdunstet und die Farbe in den Fasern zurücklässt. Ihr großer Vorteil ist, dass sie die natürliche Narbung nicht verdecken – alle Poren, natürlichen Hautfalten und die einzigartige Textur des Materials bleiben sichtbar, was die Authentizität des Produkts unterstreicht. Diese Farben sind extrem haltbar und blättern bei Biegung nicht ab, weshalb sie sich hervorragend für Ledergürtel, Geldbörsen oder Schuhe eignen.
Auf der anderen Seite haben wir Acrylfarben (Oberflächenfarben), die ähnlich wie Wandfarben wirken – sie bilden eine elastische, deckende Schicht auf der Lederoberfläche. Sie sind unersetzlich bei der Restaurierung von altem, stark beschädigtem Leder, beim Malen von künstlerischen Details (sogenanntes Customizing von Schuhen oder Jacken) und bei der Arbeit mit chromgegerbtem Leder mit geschlossener Narbe. Sie dringen jedoch nicht in die Materialstruktur ein, weshalb sie an Stellen mit starker Reibung oder tiefen Knicken mit der Zeit Mikrorisse entwickeln können. Für die meisten klassischen Täschnerprojekte auf Basis von rohem, pflanzlich gegerbtem Leder sind penetrierende Färbemittel der absolute Standard und die erste Wahl, um ein professionelles, natürliches Aussehen zu gewährleisten.
Oberflächenvorbereitung und Anwendungstechniken
Selbst das hochwertigste Färbemittel wird das Leder nicht gleichmäßig färben, wenn die Oberfläche nicht richtig vorbereitet ist. Leder aus der Gerberei weist oft Reste von Wachsen, produktionsbedingten Ölen oder Verunreinigungen von Händen auf, die wie eine natürliche Barriere für das Pigment wirken. Vor dem Färben muss die Oberfläche sorgfältig mit einem speziellen Präparat (einem sogenannten Deglazer) oder einer milden Lederseife gereinigt und entfettet werden. Das Auslassen dieses Schrittes führt fast immer zu unschönen, helleren Flecken an Stellen, an denen das Färbemittel die verstopften Poren des Materials nicht durchdringen konnte.
Die Anwendung selbst erfordert geeignete Werkzeuge. Beliebt sind Wollpinsel am Draht (Daubers), Täschner-Schwämme oder Pinsel mit weichen Borsten. Um große Flächen (z. B. ganze Häute für Taschen) zu färben, empfiehlt sich die Verwendung eines Schwamms oder einer Airbrush, was das Risiko von Schlieren minimiert. Die Technik, die die gleichmäßigste Deckung gewährleistet, ist das Auftragen des Färbemittels in kreisenden Bewegungen, Schicht für Schicht, über Kreuz. Es sollte vermieden werden, zu viel Flüssigkeit an einer Stelle aufzutragen. Man sollte bedenken, dass nasses Leder immer deutlich dunkler erscheint als nach dem vollständigen Trocknen. Um eine tiefe, gesättigte Farbe zu erzielen, muss der Färbevorgang oft 2–3 Mal wiederholt werden, wobei das Material zwischen den einzelnen Schichten trocknen muss.
Farbfixierung und Konditionierung
Das Auftragen des Färbemittels ist noch nicht das Ende des Prozesses. Direkt nach dem Trocknen ist das mit penetrierenden Mitteln gefärbte Leder matt, trocken (das Trägermedium wäscht die natürlichen Fette aus) und kann abfärben. Um dem vorzubeugen, ist eine Konditionierung und ein Finish unerlässlich. Zuerst muss dem Leder die notwendige Feuchtigkeit zurückgegeben werden, indem eine dünne Schicht Klauenöl (Neatsfoot Oil) oder ein spezieller Balsam aufgetragen wird. Dies gibt dem Material seine Elastizität zurück und verhindert das Brechen der Fasern.
Der letzte, wichtige Schritt ist das Auftragen eines Finish-Produkts (Finishers), wie zum Beispiel Resolene oder Schutzwachse. Ein Finisher bildet eine Mikroschicht auf der Oberfläche, die die Poren des Leders versiegelt, die Farbe vor dem Auswaschen durch Wasser schützt und das Abfärben auf Kleidung (den sogenannten Farbübertragungseffekt) verhindert. Diese Produkte ermöglichen auch die Regulierung des Glanzgrades – von komplett matt über seidenmatt bis hin zu Hochglanz. Erst nach dem Auftragen und Polieren des Finishers kann der Färbeprozess als abgeschlossen betrachtet werden.
Machen Sie immer eine Farbprobe auf einem kleinen, unauffälligen Lederrest aus derselben Charge, aus der Sie Ihr Projekt anfertigen. Verschiedene Häute, selbst aus derselben Gerberei, können Pigmente unterschiedlich schnell aufnehmen und so einen leicht abweichenden Endfarbton ergeben. Ein Test bewahrt Sie davor, stundenlange Arbeit zu ruinieren, und ermöglicht es Ihnen, die Anzahl der erforderlichen Schichten präzise zu bestimmen, um den gewünschten Effekt zu erzielen.







