Ja, Leder kann gefärbt werden, aber die Art des Leders ist entscheidend. Am besten eignen sich dafür rohe, pflanzlich gegerbte Leder (sogenanntes Crust-Leder), die den Farbstoff aufnehmen. Verwenden Sie spezielle Lederfarben wie die von Fiebing's. Der Versuch, bereits werkseitig gefärbtes und gefinishtes Leder (z. B. beliebte Sorten wie Maya, Buttero oder T.Moro) zu färben, ist unmöglich und wird scheitern, da ihre Oberfläche versiegelt ist und keine neue Farbe annimmt.
Die Möglichkeit, die Farbe von Leder individuell zu gestalten, ist einer der kreativsten Aspekte der Lederverarbeitung, unterliegt jedoch strengen Regeln. Die Antwort auf die Frage, ob man Leder neu färben kann, lautet: Es hängt von seiner ursprünglichen Zurichtung ab. Grundsätzlich eignen sich ausschließlich „offenporige“, also rohe, werkseitig nicht zugerichtete Leder zum Färben und Bemalen. Der ideale Kandidat ist pflanzlich gegerbtes Rindsleder, das oft in seiner natürlichen, beigen Farbe unter der Bezeichnung „Crust“ oder „Blankleder“ verkauft wird. Seine poröse Narbenseite wirkt wie ein Schwamm und saugt penetrierende Lederfarben hervorragend auf. Andererseits lassen sich Leder, die bereits in der Gerberei gefärbt und mit einer schützenden Deckschicht versehen wurden – wie die beliebten italienischen Lederarten Maya, T.Moro oder Buttero – nicht weiter färben. Ihre Oberfläche ist effektiv „versiegelt“, was das Eindringen neuer Pigmente verhindert. Jeder Versuch, Farbe auf solches Leder aufzutragen, endet mit Abblättern, Abrieb und einem insgesamt unbefriedigenden, nicht haltbaren Ergebnis.
Welche Lederarten eignen sich zum Färben?
Das grundlegende Kriterium ist die Saugfähigkeit der Lederoberfläche. Die besten Ergebnisse erzielen Sie bei der Arbeit mit pflanzlich gegerbten Ledern, die keine werkseitige Oberflächenversiegelung (sog. Topcoat) aufweisen. Ihre natürliche, beige Narbenseite ist bereit für die Aufnahme von Farbstoff. Dadurch haben Sie die volle Kontrolle über die endgültige Farbe, ihre Sättigung und mögliche Effekte wie Schattierungen oder Antik-Finishes. Diese Leder sind in verschiedenen Stärken erhältlich, was ihren Einsatz in einer breiten Palette von Projekten ermöglicht, von dünnen Portemonnaies bis hin zu dicken Ledergürteln. Chromgegerbte Leder, selbst in ihrer natürlichen Farbe (sog. Wet-Blue oder Wet-White), haben eine andere Struktur und können unterschiedlich auf Farben reagieren, was oft zu weniger vorhersagbaren Ergebnissen führt. Vermeiden Sie unbedingt Versuche, Rauleder wie Velours oder Nubuk sowie Leder mit einer sichtbaren, glänzenden Lack- oder Folienbeschichtung zu färben. Ihre Oberfläche ist entweder zu faserig, um die Farbe gleichmäßig aufzunehmen (Veloursleder), oder vollständig undurchlässig (Lackleder).
Der Prozess des Lederfärbens – Schritt für Schritt
Professionelles Lederfärben ist mehr als nur das Auftragen von Farbe. Es ist ein Prozess, der aus drei entscheidenden Phasen besteht: Vorbereitung, Auftrag und Versiegelung. Schritt eins ist die Vorbereitung der Oberfläche. Selbst rohes Leder kann unsichtbaren Schmutz oder Fette aufweisen, daher sollte es mit einem speziellen Präparat, z. B. Fiebing's Deglazer, entfettet werden. Dies gewährleistet eine gleichmäßige Aufnahme des Farbstoffs und verhindert die Bildung von Flecken. Schritt zwei ist der Farbauftrag. Die gängigste Methode ist die Verwendung von Wollpinseln (Wool Daubers), die ein gleichmäßiges Verteilen des Produkts ermöglichen. Tragen Sie die Farbe in dünnen, kreisenden oder geraden Bewegungen auf. Es ist immer besser, 2-3 dünne Schichten aufzutragen als eine dicke. Dies ermöglicht den Aufbau von Farbtiefe und vermeidet Schlieren. Um andere Effekte zu erzielen, können Sie einen Schwamm (für einen Tupfeffekt) oder eine Airbrush-Pistole (für eine perfekt glatte Oberfläche) verwenden. Schritt drei, absolut unerlässlich, ist die Versiegelung. Nachdem die Farbe vollständig getrocknet ist (in der Regel 24 Stunden), muss eine Finish-Schicht, ein sogenannter Finisher, aufgetragen werden. Produkte wie Fiebing's Resolene oder Tan-Kote bilden eine transparente, flexible Schutzschicht, die die Farbe vor Abrieb, Wasser und Schmutz schützt und gleichzeitig den gewünschten Glanzgrad verleiht (von matt bis hochglänzend).
Die häufigsten Fehler und wie man sie vermeidet
Beim Färben von Leder kann man leicht Fehler machen, die das ganze Projekt ruinieren können. Der häufigste Fehler ist das Auslassen des Vorbereitungs- und Entfettungsschrittes, was zu einer ungleichmäßigen Färbung und Flecken führt. Verwenden Sie immer ein Präparat wie einen Deglazer mit einem sauberen Tuch. Ein weiterer Fehler ist der Versuch, die falsche Lederart zu färben – wie bereits erwähnt, nehmen werkseitig zugerichtete Leder die Farbe einfach nicht an. Ein anderes Problem ist das Auftragen einer zu dicken Farbschicht in einem Durchgang. Dies führt zur Bildung von Schlieren, und nach dem Trocknen kann die Farbe Risse bekommen und abblättern. Der Schlüssel liegt in Geduld und dünnen Schichten. Ein sehr wichtiger, aber oft vernachlässigter Schritt ist die fehlende Versiegelung (Finisher). Ohne sie wird selbst die beste Farbe auf Kleidung abfärben und bei jeder Berührung abreiben. Denken Sie daran, dass ein Finisher keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist. Die letzte Falle ist das Mischen von Farben unterschiedlicher Typen (z. B. auf Ölbasis mit wasserbasierten) – dies kann zu unvorhersehbaren chemischen Reaktionen führen und das Projekt zerstören.
Bevor Sie Ihr Hauptprojekt färben, machen Sie absolut immer einen Test auf einem kleinen, unauffälligen Reststück desselben Leders. So können Sie die endgültige Farbe und die Saugfähigkeit des Materials überprüfen sowie Ihre Auftragstechnik testen. Ein solch kleiner Test ist die einfachste Versicherung gegen einen kostspieligen Fehler und die Garantie, dass das Endergebnis genau so ausfällt, wie Sie es erwarten.







