Das Färben von Leder erfordert drei Schritte: die Vorbereitung (Entfetten und Entfernen des werksseitigen Finishs mit einem Präparat wie Deglazer), das Auftragen der Lederfarbe (z. B. Fiebing's Pro Dye) in gleichmäßigen Schichten mit einem Wollwischer und das Finish (Auftragen eines Finishers, z. B. Resolene, zum Schutz der Farbe und für den Glanz). Entscheidend ist die Verwendung von naturbelassenem, pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Mindestdicke von 1,5 mm.
Das Färben von Leder ist einer der lohnendsten Prozesse in der Sattlerei und Lederverarbeitung, da es den Projekten einen einzigartigen, individuellen Charakter verleiht. Um jedoch ein professionelles, dauerhaftes und gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen, müssen einige grundlegende Regeln beachtet und die Arbeit in drei wesentliche Phasen unterteilt werden: Vorbereitung, Auftragen der Lederfarbe und Finish. Es ist äußerst wichtig zu verstehen, dass sich dieser Prozess auf rohes, unbehandeltes pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von mindestens 1,5 mm bezieht. Dieses Leder, oft als Blankleder bezeichnet, hat eine offene Struktur, die den Farbstoff aufnimmt. Es ist erwähnenswert, dass werkseitig gefärbte und gefinishte Leder, wie unser Aushängeschild Maya oder das klassische Buttero, eine geschlossene Narbung aufweisen und keine zusätzlichen Farben oder Wachse aufnehmen. Der Versuch, solche Materialien zu färben, wird ebenso wie bei chromgegerbtem oder stark lackiertem Leder scheitern. Die Lederfarbe dringt nicht in ihre Struktur ein, sondern bildet eine instabile, abblätternde Schicht.
Der entscheidende Schritt: Vorbereitung des Leders zum Färben
Dies ist ein wichtiger Schritt, dessen Auslassen die gesamte Mühe zunichtemachen kann. Das Ziel der Vorbereitung ist es, jeglichen Schmutz, Fett und werkseitige Finishes von der Lederoberfläche zu entfernen, die eine gleichmäßige Aufnahme der Lederfarbe blockieren könnten. Zu diesem Zweck werden spezielle Präparate wie Fiebing's Deglazer oder gewöhnlicher Isopropylalkohol verwendet. Tränken Sie ein sauberes Tuch oder ein Wattepad damit und reiben Sie die gesamte zu färbende Lederoberfläche kräftig ab. Die Oberfläche sollte nach dieser Behandlung matt werden und sich leicht „quietschend“ anfühlen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die Poren des Leders geöffnet haben und es bereit ist, den Farbstoff aufzunehmen. Ein zweites wichtiges Element der Vorbereitung, das von vielen Profis angewendet wird, ist das sogenannte „Casing“, also das leichte Anfeuchten des Leders mit Wasser kurz vor dem Farbauftrag. Das Leder wird mit einem feuchten Schwamm abgewischt; danach wartet man einige Minuten, bis die Oberfläche leicht angetrocknet ist, das Innere aber feucht bleibt. Dadurch dringt die Farbe tiefer und gleichmäßiger ein, was das Risiko von Schlieren und Flecken, insbesondere bei helleren Farbtönen, minimiert.
Auftragetechniken der Lederfarbe: Vom Wollwischer bis zur Airbrush
Nach der richtigen Vorbereitung des Leders ist es an der Zeit, die Lederfarbe aufzutragen. Die Wahl des Werkzeugs hängt von der Größe des Projekts und dem gewünschten Effekt ab. Eine beliebte und vielseitige Methode ist die Verwendung eines Wollwischers (Wool Dauber). Er ermöglicht eine gute Kontrolle und eine gleichmäßige Verteilung der Farbe. Die Lederfarbe sollte mit schnellen, sicheren Bewegungen aufgetragen werden – entweder kreisend oder in langen Strichen in eine Richtung. Der Schlüssel liegt darin, „Pfützen“ zu vermeiden und dünne Schichten aufzutragen. Es ist immer besser, zwei dünne Schichten aufzutragen als eine dicke. Bei größeren Flächen, wie z. B. einer Tasche, kann ein Schwamm die richtige Wahl sein, da er eine schnellere Abdeckung des Materials ermöglicht. Unabhängig vom Werkzeug kann die erste Schicht ungleichmäßig aussehen – das ist völlig normal. Erst die zweite Schicht, die nach dem vollständigen Trocknen der ersten aufgetragen wird, gleicht die Farbe aus und verleiht ihr Tiefe. Eine fortschrittlichere Technik ist die Verwendung einer Airbrush-Pistole. Sie ermöglicht eine glatte Oberfläche ohne Pinselstriche sowie die Erstellung von Schattierungseffekten (Farbverläufen). Unabhängig von der gewählten Methode sollten Sie die Farbe und Technik immer zuerst an einem kleinen Reststück desselben Leders testen.
Schutz und Finish: Wie fixiert man die Farbe?
Das reine Auftragen der Farbe ist noch nicht das Ende der Arbeit. Damit die Farbe dauerhaft ist, nicht auf die Kleidung abfärbt und beständig gegen Feuchtigkeit sowie Abrieb bleibt, muss eine abschließende Schutzschicht, ein sogenanntes Finish (Top Coat), aufgetragen werden. Bevor Sie dies jedoch tun, warten Sie, bis die Lederfarbe vollständig getrocknet ist (mindestens einige Stunden, optimal sind 24 Stunden). Nehmen Sie danach ein sauberes, weiches Tuch und polieren Sie die gesamte gefärbte Oberfläche kräftig ab. Dieser Vorgang (das sogenannte Buffing) entfernt überschüssige Pigmente, die nicht in die Lederstruktur eingedrungen sind und die Hauptursache für das Abfärben darstellen. Erst nach diesem Polieren kann das Finish aufgetragen werden. Es stehen viele Produkte zur Auswahl. Fiebing's Resolene ist ein Acryl-Finish, das eine dauerhafte, wasserabweisende und glänzende Beschichtung bildet. Fiebing's Tan Kote sorgt für ein eher seidenmattes, natürliches Finish. Wachse hingegen, wie Fiebing's Carnauba Creme, verleihen einen dezenten Glanz und pflegen das Leder, bieten jedoch etwas weniger Schutz. Das Finish sollte in einer dünnen Schicht mit einem Schwamm oder einem weichen Tuch aufgetragen werden, wobei auf eine gleichmäßige Abdeckung zu achten ist.
Denken Sie zum Schluss an die grundlegenden Regeln der Sicherheit und Geduld. Arbeiten Sie immer in einem gut belüfteten Raum, insbesondere bei lösungsmittelbasierten Produkten, und tragen Sie Schutzhandschuhe, um schmutzige Hände zu vermeiden. Eile ist der größte Feind des Sattlers – lassen Sie jede Schicht (Deglazer, Lederfarbe, Finish) gründlich trocknen. Wenn Sie diese Regeln befolgen, erzielen Sie ästhetische und dauerhafte Ergebnisse, und Ihre Projekte werden an Wert gewinnen.







