Zum Färben eignet sich ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder ohne werkseitiges Finish. Es muss entfettet, leicht angefeuchtet und anschließend mit einer eindringenden Lederfarbe (z. B. Fiebing's) in dünnen Schichten mithilfe eines Schwamms oder Applikators behandelt werden. Nach dem Trocknen muss die Farbe mit einem speziellen Finish versiegelt werden, um ein Abfärben zu verhindern.
Das Färben von Echtleder ist einer der befriedigendsten Arbeitsschritte in der Sattlerei und Lederwerkstatt, da es eine vollständige Personalisierung des jeweiligen Projekts ermöglicht. Damit dieser Prozess gelingt, darfst du ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder verarbeiten, das noch kein werkseitiges Finish besitzt und offene Poren aufweist. Farbige Leder wie Maya oder T.Moro haben bereits eine geschlossene Narbenseite und nehmen keine zusätzliche Farbe mehr an; der Versuch, sie umzufärben, endet meist mit der Zerstörung des wertvollen Materials. Ein korrekter Farbauftrag erfordert eine gründliche Vorbereitung der Oberfläche, eine durchdachte Auftragetechnik sowie die Versiegelung des fertigen Werks gegen äußere Einflüsse. Bedenke stets, dass jedes Leder etwas anders reagiert und der endgültige Farbton von der natürlichen Ausgangsfarbe, der Porosität der Fasern und der Anzahl der aufgetragenen Schichten abhängt. Im Folgenden findest du eine detaillierte Anleitung des gesamten Prozesses, die dir hilft, die häufigsten Fehler zu vermeiden und ein professionelles, gleichmäßiges Ergebnis auf deinen Werkstücken zu erzielen – ganz gleich, ob du einen Gürtel oder eine komplexe Tasche fertigst.
Oberflächenvorbereitung und die Wahl des richtigen Materials
Bevor du die Flasche mit der Farbe überhaupt öffnest, musst du sicherstellen, dass dein Leder optimal für die Pigmentaufnahme vorbereitet ist. Ein entscheidender Schritt ist die gründliche Reinigung der Narbenseite von jeglichem Schmutz, natürlichen Ölen und Rückständen aus dem Gerbprozess. Selbst mit bloßem Auge unsichtbare Fingerabdrücke können das Eindringen der Farbe blockieren, was zu unästhetischen Flecken und hellen Verfärbungen führt. Hierfür verwendest du am besten spezielle Entfetter oder milde Sattlerseife, welche die Poren des Leders öffnen und es auf eine tiefe Farbpenetration vorbereiten. Pflanzlich gegerbtes Leder in einer für dein Projekt passenden Stärke ist die einzig richtige Wahl für das Färben von Hand in der heimischen Werkstatt.
Vermeide jegliche Versuche, chromgegerbtes Leder oder synthetische Materialien mit klassischen, eindringenden Lederfarben zu färben, da diese Präparate an der Oberfläche einfach abperlen oder eine klebrige, abfärbende Schicht bilden, die niemals trocknet. Sobald die Oberfläche sauber und trocken ist, empfiehlt es sich, sie mit einem Schwamm und klarem Wasser leicht anzufeuchten. Dieser in der Lederverarbeitung als 'Casing' bekannte Prozess hilft, die Saugfähigkeit des Materials auszugleichen, wodurch sich Lederfarbe wesentlich gleichmäßiger verteilen lässt. Achte darauf, das Leder nicht zu durchnässen – es soll lediglich leicht feucht sein und nicht vor Wasser triefen. Die richtige Vorbereitung ist das Fundament; ohne sie bringen selbst die teuersten Mittel nicht das gewünschte Ergebnis.
Auftragetechniken für eindringende Lederfarben
Der Farbauftrag selbst ist ein Prozess, der Geduld, eine ruhige Hand und die richtige Technik erfordert. Für das Auftragen von eindringenden Lederfarben, wie den Kultprodukten der Marke Fiebing's, verwendest du am besten Wollwischer, hochverdichtete Schwämme oder eine Airbrush-Pistole, wenn du Wert auf absolut sanfte Farbverläufe ohne sichtbare Pinselstriche legst. Der häufigste Fehler von Anfängern im Lederhandwerk ist es, in der Hoffnung auf ein schnelles Ergebnis zu viel Farbe auf einmal aufzutragen. Ein deutlich besserer und sichererer Ansatz ist das Auftragen mehrerer dünner Schichten. Dies ermöglicht einen präzisen Aufbau der Farbtiefe und minimiert das Risiko dunkler Streifen an den Überlappungskanten.
Nimm eine kleine Menge Lederfarbe mit dem Applikator auf und verteile sie mit fließenden, kreisenden Bewegungen auf der Lederoberfläche, wobei du auf einen gleichmäßigen Druck der Hand achten solltest. Wenn du an einem größeren Werkstück arbeitest, gehe systematisch von einer Kante zur anderen vor und lass den Rand der frisch aufgetragenen Farbe nicht antrocknen, bevor du die nächste Partie bearbeitest. Bei Projekten, die eine tiefe, gleichmäßige Färbung erfordern, kannst du die Kreuztechnik anwenden – die erste Schicht wird mit horizontalen Bewegungen aufgetragen und nach dem Antrocknen folgt die zweite Schicht mit vertikalen Bewegungen. Man darf auch nicht vergessen, dass eindringende Farben tief in die Faserstruktur einziehen, was bedeutet, dass der Farbton direkt nach dem Auftragen, wenn das Leder noch nass ist, wesentlich dunkler erscheint. Den endgültigen Farbton kannst du erst beurteilen, wenn das Material vollständig getrocknet ist.
Farbversiegelung und das finale Oberflächenfinish
Nachdem der gewünschte Farbton erreicht und das Leder komplett getrocknet ist, ist der Färbeprozess noch lange nicht abgeschlossen. Ungeschützte, eindringende Lederfarbe kann an Händen und Kleidung abfärben, weshalb eine angemessene Versiegelung, das sogenannte Finish, unerlässlich ist. Bevor du jedoch das Finish-Präparat aufträgst, solltest du die Lederoberfläche mit einem sauberen, weichen Mikrofasertuch oder einem Stück alten Baumwollstoff gründlich polieren. Dieser Schritt entfernt überschüssige Pigmente, die nicht in die Lederporen eingedrungen sind, sondern sich lediglich als feiner Staub auf der Oberfläche abgesetzt haben.
Anschließend gehst du zum Auftragen des gewählten Finishes über, beispielsweise eines Eco-Flo-Präparats oder spezieller pflegender Wachse. Diese Mittel bilden eine Schutzbarriere auf der Lederoberfläche, die nicht nur die Farbe im Inneren der Fasern einschließt, sondern das fertige Werkstück auch vor Feuchtigkeit, Schmutz und leichten Kratzern im täglichen Gebrauch schützt. Trage das Finish in einer dünnen, gleichmäßigen Schicht auf und vermeide die Bildung von Pfützen oder Laufspuren. Denke daran, dass die Kantenbearbeitung ein separater Arbeitsschritt ist – hierfür eignet sich das Präparat Tokonole hervorragend, welches nach dem Auftragen auf die Kanten und intensivem Polieren für ein glattes, glasiges Aussehen sorgt. Tokonole verwenden wir ausschließlich an den Kanten von pflanzlich gegerbtem Leder; es dient nicht zur Imprägnierung der gesamten Narbenseite.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Färben von Leder eine Kunst ist, die eine gründliche Vorbereitung, die Wahl des richtigen Werkzeugs und viel Geduld beim Auftragen der einzelnen Schichten erfordert. Teste die gewählte Farbe immer zuerst an einem kleinen, unsichtbaren Reststück aus derselben Lederhaut, um sicherzustellen, dass das Endergebnis deinen Erwartungen entspricht. Überstürze das Auftragen des Finishes nicht – lass das Leder komplett durchtrocknen, was die Bildung von Schlieren verhindert und eine jahrelange Haltbarkeit der Farbe garantiert.







