Zum Abziehen und für die finale Politur von Messern verwendet man ausschließlich dickes, hartes, pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von 3 bis 4 mm. Am besten bewährt sich naturbelassenes Rindsblankleder, dessen Fleischseite (die Innenseite) Polierpasten hervorragend aufnimmt, während die glatte Narbenseite für das abschließende Glätten der Schneidfase dient.
Der letzte Schritt beim Schärfen von Messern, Rasiermessern oder Schnitzwerkzeugen, das sogenannte Abziehen (engl. stropping), erfordert ein Material, das den mikroskopisch feinen Grat nach dem Einsatz von Wassersteinen entfernt und die Schneide auf Hochglanz poliert. Weiches Bekleidungs-, Polster- oder chromgegerbtes Leder ist für diesen Zweck absolut ungeeignet, da seine elastische Struktur unter dem Druck der Klinge nachgibt, was zum Abrunden und Abstumpfen der sorgfältig herausgearbeiteten Schneidfase führt. Das ideale Abziehleder muss steif und hart sein sowie eine entsprechende Faserdichte aufweisen. Aus diesem Grund ist dickes, pflanzlich gegerbtes Leder, meist in Form von naturbelassenem Rindsblankleder, die einzig richtige Wahl. Seine natürliche, offenporige Struktur harmoniert perfekt mit Polierpasten, und die richtige Stärke garantiert Stabilität auf einer harten Holzunterlage – ein entscheidender Faktor, um den Winkel beim Abziehen der Klinge konstant zu halten.
Die Parameter für das perfekte Abziehleder
Bei der Wahl des Materials für das Abziehleder (den Strop) muss man auf einige kritische Parameter achten. Allen voran die Stärke: Das optimale Rindsleder für diesen Einsatzbereich sollte zwischen 3,0 mm und 4,0 mm dick sein. Zu dünnes Leder federt den Druck nicht ausreichend ab und kann schnell durchschnitten werden, während dickeres Leder eine lange Lebensdauer und die nötige Steifigkeit gewährleistet. Das Material muss absolut plan und frei von tiefen Narben, Falten oder Fehlern auf der Narbenseite sein, da diese die fließende Bewegung der Klinge stören und die Schneide beschädigen könnten.
Der beste Teil der Haut für ein Abziehleder ist der Hals oder der Croupon. Diese Partien weisen die kompakteste und dichteste Faserstruktur auf und zeichnen sich durch minimale Dehnbarkeit aus. Leder aus dem Bauchbereich (Flanken) sollte gemieden werden, da dessen lockere, schwammige Beschaffenheit der Klinge nicht den nötigen Widerstand bietet. Das Leder sollte im Rohzustand belassen sein – ohne jegliche werkseitigen Lacke, Wachse oder Finishes, die das Einziehen der Polierpaste blockieren würden. Naturbelassenes, helles Blankleder ist hier konkurrenzlos.
Narbenseite und Fleischseite im Glättungsprozess
Ein Abziehleder besteht in der Regel aus zwei Arbeitsflächen, wobei beide Seiten des Leders genutzt werden. Die Innenseite, auch Fleischseite (flesh side) genannt, zeichnet sich durch eine leicht veloursartige, raue Textur aus. Genau auf diese Seite trägt man die Polierpasten (z. B. mit Chromoxid oder Diamantpartikeln) auf. Die raue Struktur der Fleischseite wirkt wie ein mikroskopischer Schwamm, der das Schleifmittel hervorragend greift und festhält. Das Abziehen des Messers auf dieser Seite ist der Hauptschritt beim Polieren und Entfernen des Mikrograts.
Die glatte Außenseite (Narbenseite - grain side) hingegen wird meist im sauberen Zustand, ganz ohne Pasten, belassen oder nur mit sehr feinen Emulsionen behandelt. Sie dient dem finalen, abschließenden Glätten der Schneide und verleiht ihr eine extreme Schärfe, die ein reibungsloses Papierschneiden oder das Rasieren von Haaren ermöglicht. Beim Bau eines eigenen Strops kleben Handwerker oft zwei Lederstreifen auf ein Holzbrett – einen mit der Fleischseite nach oben (für die Paste) und den anderen mit der Narbenseite nach oben (für das Finish), wodurch ein komplettes, doppelseitiges Werkzeug entsteht.
Polierpasten und die Pflege des Werkzeugs
Das Leder selbst besitzt dank natürlicher Silikate sehr feine abrasive Eigenschaften, erreicht seine volle Wirksamkeit jedoch erst in Kombination mit der entsprechenden Chemie. Polierpasten gibt es in verschiedenen Körnungen, die durch Farben gekennzeichnet sind (die grüne Paste ist beispielsweise meist Chromoxid mit einer Körnung von etwa 0,5 Mikron). Die Paste wird gleichmäßig in die Fleischseite eingerieben, wobei man eine zu dicke Schicht vermeiden sollte, da die Klinge sonst rutschen könnte, anstatt poliert zu werden. Mit der Zeit verfärbt sich die mit Paste behandelte Lederoberfläche schwarz – ein natürliches Zeichen dafür, dass mikroskopisch feiner Stahlstaub von der Klinge abgetragen wurde.
Damit das Abziehleder jahrelang hält, bedarf es einer minimalen Pflege. Wenn das Leder zu trocken wird und anfängt zu reißen, kann man sprichwörtlich nur wenige Tropfen Klauenöl (Neatsfoot Oil) einreiben, um den Fasern ihre Elastizität zurückzugeben. Dies sollte jedoch äußerst sparsam geschehen, um die Arbeitsfläche nicht aufzuweichen. Wenn das mit Paste bestrichene Leder stark verschmutzt oder verglast ist, kann man es vorsichtig mit feinem Schleifpapier abreiben, um eine frische Schicht der Fleischseite freizulegen und eine neue Portion Paste aufzutragen.
Denken Sie daran, dass sich die Technik beim Abziehen auf Leder von der Arbeit auf Steinen unterscheidet. Das Messer wird immer mit der Schneide nach hinten abgezogen, indem man den Messerrücken zu sich heranzieht. Der Versuch, die Klinge wie bei einem Schleifstein nach vorne zu schieben, wird das Leder sofort durchschneiden, das Werkzeug ruinieren und ein Verletzungsrisiko bergen. Die Einhaltung des richtigen Drucks und Winkels ist der Schlüssel zu einer perfekten, rasiermesserscharfen Schneide.







