Womit kann man eine Lederjacke aufbereiten?
Die Aufbereitung einer Lederjacke besteht hauptsächlich aus einer gründlichen Reinigung und der Pflege mit speziellen Cremes, da das werksseitig zugerichtete, chromgegerbte Leder keine traditionelle Lederfarbe annimmt. Der Versuch, eine solche Jacke mit Färbemitteln für naturbelassenes Leder umzufärben, führt unweigerlich zu deren Zerstörung.
Man muss den grundlegenden Unterschied zwischen dem Leder, aus dem die Jacke genäht wurde, und dem Leder, mit dem wir täglich in der handwerklichen Lederverarbeitung arbeiten, verstehen. Die überwiegende Mehrheit der Jacken, Taschen oder Schuhe aus dem Geschäft besteht aus chromgegerbtem und anschließend werksseitig zugerichtetem Leder. Das bedeutet, dass die Oberfläche (der Narben) mit einer Pigment- und Lackschicht überzogen wurde, die dem Leder seine Farbe verleiht und es vor äußeren Einflüssen schützt. Diese Schicht ist praktisch undurchlässig. Aus diesem Grund perlt Wasser von einer neuen Jacke ab und Schmutz dringt nicht sofort in die Tiefe ein. Diese Barriere macht jedoch auch jeglichen tieferen Eingriff in die Struktur oder Farbe des Materials unmöglich. Wenn man versucht, auf eine solche Oberfläche eine eindringende Lederfarbe wie zum Beispiel Fiebing's Pro Dye aufzutragen, endet das in einer Katastrophe. Die Farbe zieht nicht ein, sondern bleibt als klebrige, abfärbende Schmiere auf der Oberfläche liegen, die niemals trocknet und das Kleidungsstück unwiderruflich ruiniert.
Wenn wir in der Lederverarbeitung vom Färben sprechen, meinen wir die Arbeit mit pflanzlich gegerbtem Leder. Das ist ein völlig anderes Material – naturbelassen, saugfähig und erinnert ein wenig an Karton oder harte Pappe. Ein solches Leder saugt die Lederfarbe auf wie ein Schwamm das Wasser, es lässt sich punzieren, prägen und der Farbton kann in Schichten aufgebaut werden. Darauf kreieren wir aufwendige Muster und einzigartige Färbungen. Die Lederchemie, die in unserem Shop zu finden ist – Farben von Eco-Flo, Fiebing's, Finishes wie Antique Finish – ist genau für diese Art von Rohmaterial gedacht. Deren Anwendung auf einem fertigen Lederwarenprodukt ist so, als würde man versuchen, mit Aquarellfarben auf Glas zu malen.
Was kann man also tun, damit die Jacke ihr ursprüngliches Aussehen zurückerlangt? Der Fokus sollte auf zwei Schritten liegen: Reinigung und Lederpflege. Auf dem Markt gibt es spezielle Präparate für die Reinigung und Pflege von fertigen Lederwaren (oft unter Bezeichnungen wie „Lederseife“ oder „Lederbalsam“ zu finden). Der erste Schritt ist die sanfte Entfernung von Schmutz auf der gesamten Oberfläche der Jacke. Nach der gründlichen Reinigung und Trocknung folgt die Pflege. Auch zugerichtetes Leder verliert mit der Zeit an Elastizität und trocknet aus, was zu Rissen führt. Eine gute Creme oder ein Balsam für Bekleidungsleder spendet Feuchtigkeit und gibt dem Material seine Weichheit und Geschmeidigkeit zurück. Oft kann eine solche Behandlung auch die Farbe auffrischen und kleine Abriebstellen oder Kratzer kaschieren, da das Präparat diese ausfüllt und die Oberfläche optisch glättet. Das ist die einzige sichere und effektive Methode, um eine Lederjacke „aufzubereiten“.
Kurz gesagt
- Die Jacke nicht färben! Fertige Lederjacken haben eine versiegelte Oberflächenzurichtung und lassen sich nicht mit herkömmlicher Lederfarbe umfärben.
- Auf die Lederpflege konzentrieren. Der Aufbereitungsprozess besteht eigentlich aus einer gründlichen Reinigung und einer tiefenwirksamen Pflege des Leders.
- Spezielle Produkte verwenden. Man sollte nach Reinigungs- und Pflegemitteln für fertige Lederbekleidung suchen und nicht nach handwerklichen Rohstoffen greifen.
- Immer vorher testen. Bevor ein Mittel auf die gesamte Jacke aufgetragen wird, sollte es an einer kleinen, unauffälligen Stelle (z. B. auf der Innenseite der Manschette) getestet werden.







