Womit färbt man eine Lederjacke?
Man sollte eine fertige Lederjacke nicht mit klassischen, eindringenden Lederfarben färben, da Bekleidung aus chromgegerbtem und industriell zugerichtetem Leder genäht wird, das keinen flüssigen Farbstoff aufnimmt. Um die Farbe zu ändern, muss man oberflächlich deckende Acrylfarben verwenden, die für flexibles Echtleder entwickelt wurden.
Ein angehender Handwerker oder Hobby-Sattler denkt oft, es reiche aus, ein Fläschchen starker Lederfarbe zu kaufen, die alte Jacke damit abzureiben und fertig. Das ist ein fataler Fehler, der meist mit der irreparablen Zerstörung des Kleidungsstücks endet. Motorradjacken oder klassische Bikerjacken werden aus chromgegerbtem Leder genäht – meist mit einer Stärke von 0,8 mm bis 1,2 mm –, das bereits in der Gerberei komplexen Zurichtungsprozessen unterzogen wurde. Die Narbenseite ist mit Schichten von Fixiermitteln, Lacken und Appreturen überzogen. Eine solche Oberfläche ist komplett versiegelt. Gefärbtes oder bereits zugerichtetes Leder nimmt keine zusätzlichen Farben auf Alkohol- oder Ölbasis auf. Trägt man darauf eine flüssige, eindringende Lederfarbe auf, die beispielsweise für naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Leder gedacht ist, trocknet die Flüssigkeit einfach auf der Oberfläche ein. Das Ergebnis? Beim ersten Regen oder Körperkontakt fängt die Farbe an, helle T-Shirts und Autositze abzufärben, und auf der Jacke selbst entstehen unschöne, klebrige Schlieren.
Wenn es dir um eine komplette Farbänderung, das Kreieren eines Custom-Designs auf dem Rücken oder das Aufmalen von Details geht, sind spezielle Acrylfarben für Leder die einzige handwerklich korrekte und dauerhafte Lösung. Sie wirken oberflächlich – sie verhalten sich wie ein flexibler Überzug auf dem Material, anstatt in die Faserstruktur einzudringen wie eine Beize ins Holz. Bevor du jedoch den ersten Tropfen Farbe aufträgst, musst du den Untergrund rigoros vorbereiten. Es ist zwingend erforderlich, alte Wachse, Schmutz und Silikone zu entfernen und das werksseitige Finish mit einem starken Entfärber (einem sogenannten Deglazer) aufzubrechen. Erst auf diese mattierte, angeraute und entfettete Oberfläche trägst du das Acryl auf. Der Schlüssel zum Erfolg ist der Auftrag von mehreren, sehr dünnen Schichten mit einem Schwamm oder einer Airbrush-Pistole. Zu dick aufgetragene Farbe wird schnell reißen, sobald du die Jacke anziehst und den Arm anwinkelst. Zum Schluss wird das Ganze zwingend mit einem speziellen Acryl-Finish (matt oder glänzend) versiegelt, das die Bemalung vor Kratzern und Wassereinwirkung schützt.
Viele Leute fragen nach dem Färben, meinen aber eigentlich nur das Auffrischen einer verblassten Farbe – zum Beispiel bei abgestoßenen Manschettenkanten oder aufgescheuerten Ellbogen an einer schwarzen Jacke. In solchen Situationen ist das Auftragen einer neuen Schicht Lederfarbe eine schlechte Idee. Um kleine Kratzer zu kaschieren und die Farbtiefe auf glattem, chromgegerbtem Leder wiederherzustellen, verwendet man stark pigmentierte Farbcremes und Balsame. Man reibt sie mit einem Baumwolltuch in die beschädigte, zuvor gereinigte Stelle ein, lässt sie einige Minuten einwirken, damit die Lösungsmittel verdunsten können, und poliert sie dann kräftig mit einer Rosshaarbürste aus. Eine solche Behandlung pflegt das Material, macht es geschmeidig und gleicht den Farbton aus, ohne das Risiko, dass die aufgetragene Schicht an stark beanspruchten Stellen abblättert.
Kurz gesagt
- Verwende keine eindringenden Lederfarben. Chromgegerbtes und industriell zugerichtetes Leder nimmt keinen flüssigen Farbstoff auf, was zu einem dauerhaften Abfärben auf die Kleidung führt.
- Wähle für Farbänderungen oder Bemalungen Acrylfarben. Sie bilden einen flexiblen Überzug auf der Oberfläche, erfordern aber vorher das Abwaschen des alten Finishs mit einem starken Deglazer.
- Trage dünne Schichten auf. Zu dick aufgetragenes Acryl reißt auf der arbeitenden Jacke. Verwende einen Schwamm und baue die Farbe schrittweise auf.
- Verwende zum Auffrischen Cremes. Wenn du nur Abrieb an den Kanten kaschieren möchtest, tu dies mit einem färbenden Balsam und nicht mit einer Lederfarbe.







