Nein, Tokonole ist kein Imprägniermittel. Es ist ein Präparat, das ausschließlich für das Kantenfinish (Burnishing) und das Glätten der Fleischseite bei pflanzlich gegerbtem Leder entwickelt wurde. Ein Auftrag auf die Narbenseite des Leders schützt es nicht vor Wasser, sondern verstopft lediglich die Poren und ruiniert das Aussehen des Materials.
In der Welt des Lederhandwerks kursieren viele Mythen, die so manches Werk ruinieren können. Eines der verbreitetsten und schädlichsten Missverständnisse ist die Behandlung der japanischen Emulsion Tokonole als Imprägniermittel oder Schutz für die Narbenseite des Leders. Die Antwort auf diese Frage ist kurz, muss aber mit Nachdruck betont werden: NEIN, Tokonole ist unter keinen Umständen ein Imprägniermittel. Um zu verstehen, warum das Auftragen auf die Oberseite einer Brieftasche oder Tasche ein schwerwiegender handwerklicher Fehler ist, müssen wir uns die chemische Natur dieses Präparats und seinen wahren Zweck genauer ansehen.
Die chemische Natur und der wahre Zweck der japanischen Emulsion
Tokonole wurde für einen einzigen, ganz bestimmten Zweck entwickelt – für das Kantenfinish (Burnishing) und das Glätten der inneren, faserigen Seite des Leders (der Fleischseite). Die Formel dieses Präparats basiert auf Wasser, natürlichen Wachsen und synthetischen Harzen. Seine Aufgabe ist es, die losen Fasern zu verkleben, die nach dem Schnitt mit dem Messer an der rohen Kante abstehen. Unter dem Einfluss der Reibung, die durch ein Kantenpolierholz erzeugt wird, dringt Tokonole zwischen die Fasern ein, bindet sie miteinander und erzeugt eine glatte, glasige Oberfläche.
Obwohl dieses Präparat Wachse enthält, die nach dem Trocknen an der Kante feuchtigkeitsbeständig werden, bedeutet das nicht, dass es über hydrophobe Eigenschaften verfügt, die für große Flächen geeignet wären. Tokonole wirkt wie ein sanfter Buchbinderleim, kombiniert mit einer Politur. An den Kanten und der Fleischseite funktioniert es phänomenal, da wir dort die Struktur binden möchten. Die Narbenseite des Leders (die äußere, glatte Schicht) hat jedoch einen völlig anderen Aufbau – sie ist geschlossen und besitzt keine losen Fasern, die ein Verkleben erfordern würden.
Warum ist das Auftragen von Tokonole auf die Narbenseite ein Fehler?
Der Versuch, ein fertiges Projekt durch das Verreiben von Tokonole auf der Narbenseite des Leders zu imprägnieren, ist der direkte Weg zur Zerstörung der Ästhetik des Werkstücks. Da die Narbenseite die klebrige Emulsion nicht so aufnimmt wie die Kante, trocknet das Präparat auf der Oberfläche in Form von hässlichen, trüben Schlieren und Flecken. Anstelle eines tiefen Glanzes erhält das Leder ein plastikartiges, unnatürliches Aussehen. Schlimmer noch, die Harzschicht verstopft die Poren des Leders. Wenn Sie das Material in Zukunft mit einem Balsam oder Fett nähren möchten, kann es nicht in die Struktur eindringen und bleibt als klebriger Schmierfilm auf der Oberfläche zurück.
Darüber hinaus schützt auf die Narbenseite aufgetragenes Tokonole keineswegs wirksam vor Wasser. Bei starkem Regen findet das Wasser ohnehin seinen Weg durch Mikrorisse im getrockneten Harz, und das Präparat selbst kann unter dem Einfluss großer Feuchtigkeit anfangen, trüb zu werden und abzublättern. Es sei auch daran erinnert, dass das Kantenfinish (Burnishing) und die Verwendung von Tokonole ausschließlich für pflanzlich gegerbtes Leder gelten. Das Auftragen auf Chromleder (z. B. klassisches Bekleidungs- oder Automobilleder) oder synthetische Materialien ist sinnlos, da sich diese Materialien dem Prozess des Reibungspolierens nicht unterziehen lassen.
Womit lässt sich ein Projekt also wirksam schützen?
Wenn Ihr Ziel die Imprägnierung ist, also der Schutz des Leders vor Wasser, Schmutz und Austrocknung, sollten Sie zu Präparaten greifen, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurden. Für den klassischen Schutz von pflanzlich gegerbtem Leder eignen sich natürliche Fette und Wachse hervorragend. Nerzöl (Mink Oil) oder spezielle Balsame auf Bienenwachsbasis dringen tief in die Struktur der Narbenseite ein, nähren sie und bilden eine hydrophobe Barriere, die Wasser an der Oberfläche abperlen lässt.
Für das Finish von handgefärbten Projekten werden spezielle Acryl-Finishes (z.B. Resolene) oder wachsbasierte Finishes (z.B. Fiebing's Aussie Leather Conditioner) verwendet, die die Poren schließen und die Lederfarbe vor Abrieb schützen. Denken Sie daran, die chemischen Produkte entsprechend ihrem Verwendungszweck auszuwählen. Tokonole ist der König des Kantenfinishs – und dort sollte es auch bleiben, um Ihren Projekten von der Seite ein professionelles, luxuriöses Aussehen zu verleihen, während die Narbenseite durch geeignete Fette und Wachse geschützt wird.







