Was ist ein Lederband?
Ein Lederband ist ein schmaler, robuster Streifen, der aus Echtleder geschnitten wird. In der Lederverarbeitung wird es zum Schnüren von Elementen, zum dekorativen Umflechten von Kanten sowie als kräftiger Riemen zum Nähen dickerer Materialien verwendet. Meistens hat es eine Breite von 2 mm bis 5 mm und entsteht durch das spiralförmige Schneiden eines größeren Lederstücks.
In der Sattlerei triffst du auf zwei Hauptarten von Lederbändern, die sich in ihrem Verhalten und Verwendungszweck drastisch unterscheiden. Lederbänder, die aus pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Dicke von beispielsweise 1,5 mm oder 2 mm geschnitten wurden, sind recht steif, dafür aber extrem zugfest. Genau diese Bänder geben dir die volle Kontrolle über das endgültige Aussehen deines Projekts. Du kannst sie mit alkoholbasierten Lederfarben wie Fiebing's Pro Dye selbst färben und ihre Kanten sowie die Fleischseite mit Tokonole glätten. Diese Behandlung verhindert das Ausfransen der Fasern, wenn das Band wiederholt durch die Löcher im Leder gezogen wird. Lederbänder aus chromgegerbtem Leder hingegen sind weich, flexibel und bereits ab Werk in einer bestimmten Farbe gefinisht. Erinnere dich jedoch an eine eiserne Regel: Chromleder nimmt keine zusätzlichen Farben mehr auf, und der Versuch, seine Kanten glatt zu polieren, endet meist in Frustration, da diese Gerbart nicht auf die Reibung mit einem Kantenpolierholz (Wood Slicker) reagiert.
Wofür wird dieses Material in der Praxis eigentlich verwendet? Anfänger betrachten das Lederband oft nur als einfache Schnur zum Zuziehen des oberen Teils eines Beutels, doch sein Potenzial ist weitaus größer. Ein traditioneller Lederriemen zum Nähen dient der dauerhaften Verbindung dicker, schwerer Elemente, beispielsweise bei der Herstellung historischer Repliken, Lederscheiden für Messer oder massiver Taschen. Anstatt standardmäßige Polyestergarne wie das gewachste Slam oder das dickere Vinymo MBT zu verwenden, schlägt der Feintäschner mit einem Locheisen runde Löcher aus und fädelt anschließend den Lederstreifen hindurch. Diese Technik, das sogenannte Kantenflechten, verbindet die Schichten nicht nur mechanisch, sondern schafft auch einen sehr markanten, rustikalen Rand, der an ein dichtes Geflecht erinnert. Beim Umflechten der Kanten musst du daran denken, das Ende des Lederbandes mit einem Messer fachgerecht auszuschärfen, damit es reibungslos durch die engen Löcher und das Öhr einer dicken Ledernadel gleitet.
Fertige Lederbänder kauft man in der Regel auf Spulen, was eine gleichmäßige Breite über die gesamte Länge garantiert. Fortgeschrittene Sattler entscheiden sich jedoch oft dafür, sie selbst zuzuschneiden. Dafür dient ein kleines Hand-Lederwerkzeug, das ein rundes Stück pflanzlich gegerbtes Leder in eine lange, durchgehende Spirale schneidet. Der Schlüssel zum Erfolg ist hier ein ausreichend dichtes Basismaterial mit einer Dicke von 2 mm bis 2,5 mm, das aus dem festen Teil der Haut (zum Beispiel dem Croupon) stammt. Zu dünnes Leder aus der lockeren Flanke reißt beim festen Anziehen der Naht unter Spannung schlichtweg ab.
Kurz gesagt
- Konstruktive Funktion: Ein Lederband ist nicht nur ein dekoratives Element, sondern ein vollwertiges Bindemittel zum Verbinden dicker Lederstücke.
- Materialwahl: Pflanzlich gegerbte Lederbänder sind steif, lassen sich färben und mit Tokonole glätten. Chromgegerbte sind flexibel, nehmen aber keine zusätzliche Chemie mehr auf.
- Anwendung: Sie eignen sich hervorragend zum Umflechten von Kanten, zum Schnüren von Beuteln und für Projekte mit einem rustikalen Charakter.
- Abmessungen: Standarddicken liegen bei 1,5 mm bis 2,5 mm, und die Breiten variieren zwischen 2 mm und 5 mm, abhängig von der Größe der gestanzten Montagelöcher.







