Penetrierende Lederfarben (Fiebing's Pro Dye / Leather Dye) sind bereits nach 1 bis 2 Stunden handtrocken, jedoch erfordert die vollständige Verdunstung des Trägermittels 12 bis 24 Stunden. Wasserbasierte Farben (Eco-Flo) trocknen schneller, in der Regel innerhalb von 30 bis 60 Minuten. Warte grundsätzlich volle 24 Stunden, bevor du ein Finish aufträgst.
Geduld ist eine der wichtigsten Tugenden in der Lederverarbeitung, und der Färbeprozess ist dafür das beste Beispiel. Viele Anfänger lassen sich von der schnellen Farbveränderung der Narbenseite faszinieren und begehen den Fehler, Finish-Produkte zu früh auf das frisch gefärbte Leder aufzutragen. Die Folgen dieser Eile sind unschöne Flecken, ein ruiniertes Oberflächenfinish und abfärbende Riemen, die im schlimmsten Fall die Kleidung der Kunden ruinieren. Wenn man versteht, wie lange Lederfarbe trocknen muss und wovon dieser Prozess abhängt, lassen sich derartige kostspielige Fehler vermeiden. Die Trocknungszeit ist nicht in Stein gemeißelt und hängt in erster Linie von der verwendeten Chemie, der Dicke der aufgetragenen Schicht sowie den mikroklimatischen Bedingungen in deiner Werkstatt ab.
Unterschiede in der Trocknungszeit je nach Farbformel
Die gängigsten penetrierenden Lederfarben auf dem Markt, wie Fiebing's Pro Dye und das klassische Leather Dye, basieren auf flüchtigen organischen Lösungsmitteln, die die Pigmente blitzschnell tief in die Faserstruktur transportieren. Dadurch ist das Leder bereits nach etwa 1 bis 2 Stunden nach dem Auftragen handtrocken (dry to touch). Man kann es dann vorsichtig umplatzieren oder ins Regal legen. Eine oberflächliche Trocknung bedeutet jedoch nicht, dass die Farbe vollständig durchgehärtet ist. Das Trägermittel befindet sich noch in den tieferen Lederschichten und muss komplett ausdünsten. Hersteller und erfahrene Sattler empfehlen, mindestens 12, idealerweise jedoch volle 24 Stunden zu warten, bevor weitere Arbeitsschritte für das Finish unternommen werden.
Völlig anders verhalten sich wasserbasierte Lederfarben wie die Eco-Flo-Serie. Da Wasser langsamer verdunstet als starke organische Lösungsmittel, erfordert der Färbeprozess eine andere Dynamik. Paradoxerweise kann die oberste Schicht jedoch schneller trocken erscheinen – oft schon nach 30 bis 60 Minuten –, da Wasser nicht so tief in festes Blankleder eindringt. Dennoch gilt die 24-Stunden-Regel auch hier uneingeschränkt. Werden mehrere Farbschichten aufgetragen, um einen tieferen Farbton zu erzielen, verlängert sich die Trocknungszeit jeder weiteren Schicht naturgemäß, da die Poren des Leders bereits teilweise gesättigt sind.
Der Einfluss der Werkstattbedingungen auf den Verdunstungsprozess
Die Umgebung, in der du das gefärbte Leder trocknen lässt, hat einen enormen Einfluss auf dein Arbeitstempo. Ideale Bedingungen sind Raumtemperatur (etwa 20-22 °C), eine niedrige Luftfeuchtigkeit sowie eine gute Belüftung. In einem gut belüfteten Raum werden die Dämpfe des Trägermittels zügig von der Materialoberfläche abtransportiert, was den Trocknungsprozess beschleunigt. Färbst du das Leder hingegen in einem kühlen, feuchten Keller, kann sich die Trocknungszeit gut und gerne verdoppeln.
Viele Handwerker versuchen, diesen Prozess mit Haartrocknern oder Heißluftgebläsen zu beschleunigen. Dies ist jedoch eine überaus riskante Praxis. Ein zu schnelles, aggressives Erhitzen der Narbenseite kann dazu führen, dass das Leder austrocknet, schrumpft oder gar Mikrorisse an der Oberfläche bildet. Solltest du zwingend einen Föhn verwenden müssen, stelle ihn auf eine kühle oder mittlere Stufe ein, halte einen sicheren Abstand und sorge für einen kontinuierlichen Luftstrom. Die weitaus sicherere Lösung ist es, den Färbeprozess einfach auf das Ende deines Arbeitstages in der Werkstatt zu verlegen und das Leder über Nacht in Ruhe trocknen zu lassen.
Wann kann das Finish sicher aufgetragen werden?
Selbst wenn 24 Stunden vergangen sind und du dich vergewissert hast, dass das Leder vollständig trocken ist, solltest du nicht sofort ein Acryl-Finish (z. B. Resolene) oder Wachse auftragen. Ein immens wichtiger, aber häufig vernachlässigter Schritt ist das Polieren der Narbenseite (Buffing). Auf der Oberfläche der getrockneten Farbe verbleibt stets ein Überschuss an losen Pigmenten in Form eines feinen Staubs. Trägst du das Finish nun direkt auf diesen Staub auf, verschmierst du ihn und erzeugst unsaubere Schlieren. Zudem wird das fertige Endprodukt später Hände und Kleidung verfärben.
Um dies zu vermeiden, nimmst du ein sauberes, weiches Baumwolltuch oder ein Stück eines alten T-Shirts und polierst die gesamte Lederoberfläche kräftig ab. Du wirst sehen, wie viel Farbe an dem Stoff hängen bleibt. Poliere so lange, bis das Tuch nur noch minimale Spuren der Farbe aufnimmt. Erst dann ist die Narbenseite bereit für Präparate, die die Poren versiegeln. Bedenke außerdem, dass sich der Färbeprozess ausschließlich auf naturbelassenes, pflanzlich gegerbtes Leder bezieht. Der Versuch, werkseitig zugerichtetes Leder zu färben, führt unweigerlich dazu, dass die Farbe niemals trocknet und als klebrige Schicht auf der Oberfläche verbleibt.







