Womit klebt man Leder?
Für das Kleben von Echtleder in der Lederverarbeitung verwendet man in erster Linie flexible Kontaktkleber auf Lösungsmittelbasis oder moderne Klebstoffe auf Wasserbasis. Diese sorgen für eine starke, dauerhaft flexible Klebenaht, die beim Biegen des fertigen Werkstücks nicht bricht.
Die traditionelle Sattlerei stützt sich auf Kontaktkleber, die umgangssprachlich oft als Butapren-Kleber bezeichnet werden, obwohl professionelle, speziell für Leder entwickelte Chemie die Qualität von universellen Baumarktklebern bei Weitem übertrifft. Die Funktionsweise eines Kontaktklebers ist spezifisch. Man trägt eine dünne Schicht auf beide zu verbindende Flächen auf, wartet einige Minuten, bis das Lösungsmittel verdunstet ist und sich die Klebeschicht trocken anfühlt. Erst dann presst man beide Elemente fest zusammen. In der Lederverarbeitung ist das entscheidend, da Leder ein arbeitendes Material ist. Ein Portemonnaie, das aus unserem 1,5 mm starken Flaggschiff-Leder Maya genäht wurde, wird in der Tasche täglich geöffnet und geschlossen. Die Klebenaht muss der Bewegung des Materials folgen. Die Verwendung eines starren Klebers, wie beispielsweise Sekundenkleber (Cyanacrylat), ist einer der häufigsten Anfängerfehler. Ein solcher Kleber zieht sofort in die Fasern ein und bildet eine steinhart Kruste. Beim ersten Biegeversuch bricht die Klebenaht, und beim späteren Nähen bricht man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Nadel daran ab.
Eine Alternative zur scharfen Lösungsmittelchemie sind wasserbasierte Lederkleber. Das ist eine hervorragende Option für Handwerker, die in den eigenen vier Wänden arbeiten, wo die Dämpfe starker Lösungsmittel störend wirken können. Wasserbasierte Kleber funktionieren nach einem ähnlichen Kontaktprinzip, auch wenn der Trocknungsprozess vor dem Zusammenfügen der Elemente etwas länger dauert. Unabhängig vom gewählten Produkt ist die richtige Vorbereitung der Oberfläche der Schlüssel zum Erfolg. Pflanzlich gegerbtes Leder oder chromgegerbtes Leder hat von Natur aus eine glatte Narbenseite, an der der Kleber nicht dauerhaft haftet. Wenn man zwei Stücke Narbenseite auf Narbenseite oder Narbenseite auf Fleischseite kleben muss, sollte man die glatte Oberfläche zunächst mit feinem Schleifpapier oder einem speziellen Aufrauer anrauen, um die rohen Fasern freizulegen. Der Kleber benötigt eine poröse Struktur, in die er eindringen kann, um eine unlösbare Verbindung zu schaffen.
Denke daran, dass das Kleben im klassischen Handwerk selten die endgültige Methode ist, um Elemente zu verbinden. Der Kleber erfüllt in erster Linie eine stabilisierende Funktion. Er hält die Lederschichten in der perfekten Position, damit du die Kanten ausgleichen, das überschüssige Material mit einem Kantenhobel in der Größe #1 oder #2 abnehmen und anschließend präzise den Creaser führen sowie mit dem Nahteisen zuschlagen kannst. Wenn du ein Uhrenarmband anfertigst und zwei 1 mm starke Lederschichten verbindest, verhindert der Kleber, dass sie verrutschen, während du die Löcher für die Handnaht stichst. Wenn Nahteisen mit einem Zinkenabstand von 3 mm oder 4 mm im Spiel sind, ruiniert selbst die kleinste Verschiebung der Schichten die gerade Nahtlinie. Nach dem Nähen versiegelt die flexible, zwischen den Schichten verborgene Klebenaht die Kante. Dies ist ein unerlässlicher Schritt, bevor du Tokonole aufträgst und mit einem Kantenpolierer aus Holz das finale Kantenfinish beginnst.
Kurz gesagt
- Wähle Kontaktkleber. Sowohl lösungsmittel- als auch wasserbasierte Varianten bleiben nach dem Trocknen flexibel und arbeiten mit dem Leder mit.
- Wende die Kontakttechnik an. Trage den Lederkleber dünn auf beide Flächen auf, warte, bis er getrocknet ist, und presse die Teile erst dann fest zusammen.
- Vermeide Cyanacrylat-Kleber (Sekundenkleber). Sie bilden eine starre Klebenaht, die beim Biegen bricht und es unmöglich macht, das Leder mit der Sattlerahle zu durchstechen.
- Raue glatte Oberflächen auf. Schleife die Narbenseite des Leders immer mit Schleifpapier an, bevor du den Kleber aufträgst, um die Fasern freizulegen und eine gute Haftung zu gewährleisten.
- Betrachte den Kleber als Hilfsmittel. In der Lederverarbeitung ist das Kleben meist nur ein Vorbereitungsschritt für das Nähen einer robusten Sattlernaht.







