Gefärbtes und gegerbtes Leder ist ein tierischer Rohstoff, der chemischen Prozessen unterzogen wurde, die den Verfall verhindern, und anschließend in der Gerberei gefärbt wurde – das ergibt ein lederverarbeitungsfertiges Material mit bestimmten Eigenschaften. Die Wahl der richtigen Gerbungs- und Finishing-Art ist die erste und wichtigste Entscheidung in jedem Projekt, denn sie bestimmt die Techniken, die du in deiner Werkstatt anwenden kannst.
Eigenschaften
Um dieses Material vollständig zu verstehen, müssen wir es in zwei Schlüsselprozesse unterteilen: Gerbung und Färbung. Die Gerbung ist ein komplexer technologischer Prozess, der rohe, verrottungsanfällige Tierhaut in ein haltbares Material verwandelt. In der Lederverarbeitung begegnen dir zwei Haupttypen dieses Prozesses. Der erste ist die pflanzliche Gerbung (oft als Veg-tan bezeichnet). Dabei werden natürliche Gerbstoffe aus Baumrinde verwendet. Solches Leder hat eine kompakte Struktur, ist relativ steif und reagiert hervorragend auf Wasser. Pflanzlich gegerbtes Leder dunkelt mit der Zeit natürlich in der Sonne nach und bekommt eine edle Patina. Der zweite Typ ist die Chromgerbung, die auf Chromsalzen basiert. Sie ergibt ein viel weicheres, elastischeres und wasserbeständigeres Material, das jedoch bei der Kantenbearbeitung schwieriger und vollständig ungeeignet für Nassformung ist.
Das Färben ist der nächste Schritt, der dem Leder sein endgültiges Aussehen verleiht. Wenn du bereits fertig behandeltes und in der Gerberei gefärbtes Leder kaufst, erhältst du ein Produkt, das direkt zum Zuschneiden und Nähen bereit ist. Fertiges, in der Gerberei gefärbtes Leder ist wie ein Schwamm, der bereits vollständig mit Wasser getränkt ist – es nimmt keine weitere Schicht Lederfarbe oder Wachs auf, da seine Poren durch das werksseitige Finish dauerhaft verschlossen sind. Der Versuch, Lederfarbe auf eine solche Oberfläche aufzutragen, führt dazu, dass die Farbe einfach abläuft oder einen klebrigen, schmierenden Belag bildet. Wenn du das Material selbst mit Farben wie Fiebing's Pro Dye färben möchtest, musst du natürliches, ungefärbtes pflanzlich gegerbtes Leder kaufen.
Ein entscheidender Parameter jedes Leders, unabhängig von Farbe und Gerbungsmethode, ist seine Dicke, die im Handwerk stets in Millimetern angegeben wird. Dicke darf nicht mit Grammatur verwechselt werden, einem Begriff aus der Textilbranche, der in der Lederverarbeitung keine Anwendung findet. Ein Leder von 1,2 mm Dicke verhält sich unter Messer und Locheisen völlig anders als ein massiver Riemen von 3,5 mm Dicke. Wenn du mit bereits gefärbtem Leder arbeitest (insbesondere pflanzlich gegerbt, wie unserem Flaggschiff Leder Maya), musst du zudem bedenken, dass sich die Kantenbearbeitung auf das Arbeiten mit einem Kantenhobel, leichtem Schleifen und Polieren mit Tokonole und einem hölzernen Kantenglätter (wood slicker) beschränkt.
Anwendungen
Fertiges, in der Gerberei gefärbtes Leder ist ein äußerst vielseitiges Material, doch seine Verwendung muss eng mit der Dicke und der Gerbungsart verknüpft sein. Nachfolgend findest du konkrete Projektbeispiele, unterteilt nach den erforderlichen Parametern.
- Bifold-Geldbörsen und Kartenhalter (1,2–1,5 mm): Bei kleinen Lederwaren zählen Präzision und die Vermeidung übermäßiger Dicke. Wenn du mehrere Lederschichten zu Taschen faltest, darf die Börse nicht wie ein Ziegelstein wirken. Ideal eignet sich hier dünnes, werksseitig gefärbtes pflanzlich gegerbtes Leder. Es ermöglicht zügiges Arbeiten, da du den mühsamen Prozess des manuellen Färbens umgehst, und die Kanten nach dem Nähen mit Sattlergarn aus Polyester leicht glätten kannst.
- Gürtelriemen (3,0–4,0 mm): Dieses Element trägt hohe Lasten und ist ständiger Reibung ausgesetzt. Es erfordert dickes pflanzlich gegerbtes Leder, umgangssprachlich auch Juchtenleder genannt. Ein werksseitig gefärbter Gürtelriemen mit 3,5 mm Dicke bedeutet eine enorme Zeitersparnis für den Sattler. Du musst lediglich die passende Länge zuschneiden, die Kanten mit einem Kantenhobel in Größe #2 oder #3 abschrägen, polieren und eine Gürtelschnalle montieren.
- Damentaschen und Umhängetaschen (2,0–2,5 mm): Diese Dicke sorgt für ausreichende Stabilität des Taschenkörpers, verhindert ein Durchhängen und macht die Tasche dennoch nicht zu schwer. Gefärbte Leder, darunter unser Leder Maya, sind hier eine hervorragende Wahl. Sie liefern eine gleichmäßige, tiefe Farbe auf großen Flächen, was in der heimischen Werkstatt beim manuellen Färben nur sehr schwer zu erreichen ist.
- Messerscheiden und Holster (über 3,0 mm): Diese Projekte erfordern Nassformung (wet molding), damit das Leder das Werkzeug ideal umschließt. Hier verwenden wir ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder. Wenn du eine bereits in der Gerberei gefärbte Variante wählst, stelle sicher, dass sie kein stark verschlossenes Narben hat, das das Eindringen von Wasser für die Formgebung blockieren könnte.
- Uhrenarmbänder (1,0–1,5 mm): Ein sehr anspruchsvolles Projekt, bei dem das Leder flexibel, aber beständig gegen Schweiß und Biegung sein muss. Oft wird hier weiches Nappaleder für die äußere Schicht verwendet, das auf der Fleischseite mit dünnem, natürlichem pflanzlich gegerbtem Leder unterklebt wird, das besser auf den Kontakt mit menschlicher Haut reagiert.
- Projekte mit Prägung (über 2,0 mm): Wenn du ein Ledermesser (swivel knife) und Punziereisen zum Prägen von Mustern einsetzen möchtest, musst du mit natürlichem, ungefärbtem pflanzlich gegerbtem Leder von mindestens 2 mm Dicke arbeiten. Fertige farbige Leder oder Nappaleder sind zum Prägen völlig ungeeignet – das Muster hält nicht auf ihrer Oberfläche.
Wie wähle ich aus
Die Materialwahl ist der Moment, in dem Anfänger in der Lederverarbeitung oft Fehler machen, indem sie Leder kaufen, das nicht zu ihren Fähigkeiten oder den Projektanforderungen passt. Die wichtigste Regel lautet: Passe die Gerbungsart an die Techniken an, die du verwenden möchtest.
Wenn du gerade erst dein Handwerk beginnst und dir ein schnelles, ästhetisches Ergebnis wünscht, ohne in Dutzende Flaschen mit Chemie zu investieren, ist gefärbtes pflanzlich gegerbtes Leder die sicherste Lösung. Du konzentrierst dich auf die Grundlagen: richtiges Schneiden mit einem Ledermesser oder Cuttermesser, gleichmäßiges Ausstanzen der Nahtlöcher (am besten mit Lochzangen im Abstand von 4 mm oder 5 mm) sowie das Erlernen der Sattlernaht. Das Problem ungleichmäßiger Farbauftrag, das Anfänger oft frustriert, entfällt.
Achte sehr genau auf die Art der Kante, die du erzielen möchtest. Pflanzlich gegerbtes Leder ermöglicht die klassische Kantenbearbeitung. Dieser Prozess besteht aus dem Abschrägen der scharfen Kante mit einem Kantenhobel (edge beveler; für 2 mm dickes Leder Größe #1 oder #2), dem Schleifen mit Schleifpapier, dem Auftragen einer kleinen Menge Tokonole und dem dynamischen Reiben mit einem hölzernen Kantenglätter. Dadurch verdichten sich die Fasern zu einer glasartigen, glatten Oberfläche. Wenn du dagegen weiches, farbiges Nappaleder kaufst, funktioniert diese Technik nicht. Die Kante von Nappaleder franst aus und erfordert den Einsatz spezieller Kantenfarbe, die schichtweise aufgetragen und erwärmt wird – ein wesentlich zeitaufwändigerer Prozess.
Ein weiterer Aspekt ist die Wahl der Dicke für die Projektelemente. Ein Fehler wäre es, eine ganze Geldbörse aus 2 mm dickem Leder zu nähen. Die äußere Schicht (Decke) kann 1,5 mm bis 2,0 mm dick sein, aber die inneren Kartenfächer sollten aus Leder mit 1,0 mm bis 1,2 mm Dicke gefertigt werden. Wenn du zu dickes Leder für das Innere verwendest, lässt sich die Börse nicht in der Mitte falten. Denke auch an das Sattlergarn: Für kleine Lederwaren aus 1,5 mm dickem Leder eignen sich gewachste Polyester-Sattlergarne von Slam mit 0,6 mm oder 0,8 mm Dicke hervorragend. Dickere Garne wie Vinymo MBT sind für massive Taschen und Gürtelriemen geeignet.
Produkte aus unserem Sortiment
In unserem Shop wählen wir Materialien sorgfältig aus, um dir die Arbeit in deiner Werkstatt zu erleichtern, unabhängig von deinem Erfahrungsniveau. Obwohl wir uns in dieser Kategorie auf Leder konzentrieren, benötigst du für deren Verarbeitung auch das passende Lederwerkzeug und die richtige Chemie.
- Pflanzlich gegerbtes Leder – Hier findest du hochwertige Rindsleder-Juchten in verschiedenen Dicken. Wir bieten sowohl natürliche Varianten an, die ideal zum eigenständigen Färben und Prägen sind, als auch werksseitig bearbeitete, die sofort einsatzbereit sind.
- Leder Maya – Unser Flaggschiff für alle, die eine fertige, tiefe Farbe suchen. Es ist pflanzlich gegerbtes Leder, das schönes Aussehen mit einfacher Kantenbearbeitung verbindet.
- Tokonole – Ein japanisches Präparat, das bei der Arbeit mit pflanzlich gegerbtem Leder absolut unverzichtbar ist. Es dient ausschließlich der Kantenbearbeitung und dem Glätten der Fleischseite (Innenseite des Leders). Es wird nicht als Imprägnierung auf dem Narben angewendet.
- Werkzeuge zur Kantenbearbeitung – Wir bieten eine breite Auswahl an Kantenhobeln (edge beveler) in den gängigsten Größen #1 und #2, hölzernen Kantenglättern (wood slicker) sowie Creasern zum dekorativen Veredeln der Kanten.
- Sattlergarn – Wir führen starke, gewachste Polyester-Sattlergarne der Serie Slam sowie professionelle Garne von Vinymo MBT, die beim Durchziehen durch dicke Materialschichten nicht ausfransen.
- Lederfarbe Fiebing's Pro Dye – Wenn du dich für den Kauf von natürlichem pflanzlich gegerbtem Leder entscheidest, ermöglichen dir diese professionellen alkoholbasierten Lederfarben, in deiner Werkstatt eine dauerhafte und gleichmäßige Farbe zu erzielen.
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