Geldscheinfach im Portemonnaie ist das Haupt-, breiteste Baufach eines Lederwarenerzeugnisses, das speziell für die sichere Aufbewahrung von Papiergeld ohne Risiko des Knickens, Einreißens oder Beschädigens der Kanten konzipiert ist.
Eigenschaften
Als Sattler musst du diesen Raum nicht nur als leeren Spalt zwischen zwei Stücken Material betrachten, sondern als Fundament des gesamten Projekts. Genau die Maße dieses Fachs diktieren die endgültige Größe des gesamten Geldbeutels. Ein gut gestaltetes Geldscheinfach wirkt wie der Deckel eines harten Buches – es schützt den empfindlichen Inhalt vor dem Zerdrücken in der Hosentasche und ermöglicht gleichzeitig ein flüssiges Öffnen und Schließen ohne Spannungen. Um diesen Effekt zu erreichen, musst du drei Faktoren aufeinander abstimmen: die physischen Maße der Währung, die Dicke des verwendeten Leders sowie die technologische Zugabe für die Sattlernaht.
Die Maße polnischer Banknoten (PLN) sind unterschiedlich und nehmen mit dem Nennwert zu. Die kleinste Banknote (10 Złoty) hat die Maße 120 × 60 mm, während die größte im allgemeinen Umlauf (500 Złoty) 150 × 75 mm misst. Der beliebte „Hunderter“ hat das Format 138 × 69 mm. Das bedeutet, dass die innere Nutzhöhe des Geldscheinfachs nicht weniger als 80 mm betragen darf. Wenn du sie zu flach machst, ragen die oberen Kanten größerer Nennwerte heraus, was schnell zu deren Ausfransen führt. Die Länge des Fachs in einem aufgefalteten Bifold-Portemonnaie (in der Mitte gefaltet) muss hingegen mindestens 210 mm betragen. Dadurch entsteht genug Spielraum, damit sich Banknoten mit einer Länge von 150 mm frei legen und beim Schließen des Portemonnaies krümmen können.
Der entscheidende Aspekt ist hier die Lederdicke. Ein Portemonnaie ist ein mehrschichtiges Erzeugnis. Verwendest du zu dickes Material, erhältst du nach dem Falten einen unpraktischen Klotz. Standardmäßig wird die äußere Tafel des Geldbeutels (der Rücken) aus Leder mit einer Dicke von 1,2 mm bis 1,5 mm gefertigt. Die innere Tafel, die direkt das Geldscheinfach bildet, sollte dünner sein – optimale Stärke liegt bei 0,8 mm bis 1,0 mm. Entscheidest du dich für pflanzlich gegerbtes Leder, erhältst du ein steifes Material, das mit der Zeit schön patiniert und in der Sonne nachdunkelt. Dagegen sind bereits werkseitig fertig veredelte und gefärbte Leder wie unser Flaggschiff Maya von Anfang an etwas elastischer, was das Formen des Fachs erleichtert, aber bedenke, dass sie keine zusätzlichen Lederfarben oder Wachse auf der Narbenoberfläche annehmen.
Anwendungen
Die Art der Platzierung und Konstruktion des Geldscheinfachs unterscheidet sich drastisch je nach Zielmodell des Portemonnaies. Jedes Modell erzwingt eine andere Herangehensweise an Materialstärke und Verbindungstechniken.
- Klassisches Bifold-Portemonnaie (Mitte gefaltet). Eine sehr universelle Konstruktion. Sie benötigt ein langes Fach (ca. 210–220 mm). Das Außenleder hat üblicherweise 1,5 mm Dicke, das Innenleder 1,0 mm. Der entscheidende Sattlerhandgriff ist hier der Längenunterschied der Tafeln – das Außenleder muss etwa 10–15 mm länger sein als das Innenleder, um den Unterschied der Biegeradien beim Schließen des Portemonnaies auszugleichen.
- Trifold-Portemonnaie (dreifach gefaltet). Benötigt ein noch längeres Fach, oft über 240 mm. Da der Geldbeutel an zwei Stellen geknickt wird, ist die Materialschichtung enorm. Dies erzwingt die Verwendung sehr dünner Leder – die Außenschicht sollte 1,2 mm nicht überschreiten, die Innenteile 0,8 mm. Andernfalls schließt das Portemonnaie nicht flach.
- Portemonnaie mit geteiltem Fach (zwei Kammern). Eine praktische Lösung zum Trennen verschiedener Währungen oder Kassenzettel vom Bargeld. Erfordert das Einnähen einer zusätzlichen, mittleren Trennwand. Um die Kante nicht zu verdicken, fertigt man diese Schicht aus extrem dünnem Leder (0,5 mm – 0,8 mm) oder ersetzt sie durch einen robusten Futterstoff.
- Minimalistischer Cardholder mit Geldklammer (Money Clip). Statt eines traditionellen, oben offenen Fachs werden Banknoten durch eine gefederte Metallklammer gehalten, die in den Rücken des kleinen Portemonnaies eingenäht ist. Dies erfordert die Verwendung von steifem pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Mindestdicke von 1,5 mm, das die Spannung des Mechanismus hält und sich nicht unter Druck durchbiegt.
- Damenportemonnaie (Long Wallet). Bei diesem Modell liegen die Banknoten flach im Portemonnaie, ohne den gesamten Gegenstand zu knicken. Das Fach hat üblicherweise eine Länge von etwa 180 mm und eine Höhe von 90 mm. Da der Geldbeutel nicht in der Mitte gefaltet wird, kann man sich dickeres Leder leisten (sogar 1,8 mm außen), was der Konstruktion außergewöhnliche Steifigkeit und Eleganz verleiht.
- L-förmiges Fach (zweiseitig offen). Das Fach ist nur unten und an einer Seite mit der Haupttafel vernäht. Dies ermöglicht das sehr leichte und schnelle Einschieben und Herausziehen von Banknoten. Erfordert jedoch steifen Juchten, damit das lose, nicht angenähte Leder-Eck nicht herunterhängt und während des Gebrauchs seine ursprüngliche Form verliert.
Wie wählen
Das Gestalten des Raums für Banknoten ist eine Prüfung der Raumplanung. Um Frust und verschwendetes Material zu vermeiden, musst du einige technologische Schritte durchdenken, bevor du den ersten Locher ansetzt.
Für den Anfänger im Sattlerhandwerk ist der häufigste Fehler das Planen „auf Kante“. Wenn du berechnest, dass die Banknote 150 mm lang ist, und du das Fach 155 mm lang machst, wirst du nach dem Nähen feststellen, dass das Geld nicht hineinpasst. Warum? Weil die Handnaht etwa 3 bis 4 mm auf jeder Seite der Kante einnimmt und die Lederdicke an den Biegungen weitere Millimeter stiehlt. Gib immer mindestens 15–20 mm Spielraum in der Länge und 10 mm in der Höhe im Verhältnis zur größten Banknote, die im Portemonnaie getragen werden soll.
Die Wahl des Leders ist entscheidend für die Kantenveredelung. Wählst du natürliches pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von 1,2 mm, wirst du die obere Facheinkante leicht bearbeiten können. Denke an die eiserne Regel: Die oberen Kanten der inneren und äußeren Tafel (die den Eingang zum Geldscheinfach bilden) musst du vor dem Zusammennähen des gesamten Portemonnaies fertigbearbeiten. Später hast du keinen Zugang mehr zu ihnen. Verwende das Kantenhobel in Größe #0 oder #1, um die scharfe Kante abzuschrägen, trage Tokonole auf und poliere mit einem Kantenglätter (wood slicker). Wenn du dagegen chromgegerbtes Leder verwendest, wird das Polieren der Kanten sehr schwierig oder gar unmöglich – solche Leder reagieren nicht auf Reibung und Wachse, was den Einsatz spezieller Kantenfarben erzwingt.
Für den fortgeschrittenen Handwerker ist die Kontrolle der Dicke an den Kanten (das sogenannte Skiven) entscheidend. Wenn du die Außentafel des Portemonnaies, die Innenwand des Geldscheinfachs und die Kartenfächer zusammennähst, können an der äußersten Kante vier Lederschichten aufeinandertreffen. Hat jede 1,0 mm, erhältst du eine Kante von 4,0 mm Dicke. Das ist eindeutig zu viel. Fortgeschrittene Sattler verwenden Messer zum Dünnen der Lederkanten (Skiving) und reduzieren die Dicke jeder Schicht an den Rändern auf 0,3–0,5 mm. Dadurch bleibt der Geldbeutel an der Naht schlank, und das Geldscheinfach selbst behält sein Fassungsvermögen und drückt nicht zur Seite.
Achte auch auf die Dehnrichtung des Leders. Lederhäute dehnen sich mehr quer als längs zur Rückenlinie des Tieres. Beim Zuschneiden der länglichen Haupttafel des Portemonnaies legst du die Schablone so, dass die Längsachse des Geldbeutels mit der Rückenlinie übereinstimmt. Schneidest du das Portemonnaie quer heraus, wird sich das Leder nach einem Jahr ständigen Öffnens und Schließens dehnen, das Geldscheinfach verliert seine Form und der Inhalt beginnt herauszufallen.
Produkte aus unserem Sortiment
Das Konstruieren eines geeigneten Geld-Fachs erfordert die richtigen Basismaterialien und präzises Lederwerkzeug. Nachfolgend findest du Lösungen, die dir diesen Prozess erleichtern.
- Leder für Portemonnaies – In dieser Kategorie haben wir Leder mit optimalen Parametern für den Bau von Geldbörsen zusammengestellt. Du findest Häute mit Stärken von 0,8 mm bis 1,5 mm, was eine präzise Anpassung der Dicke von Außenschicht und Innenschicht des Geldscheinfachs ermöglicht.
- Werkzeuge zum Dünnen (Skiving-Werkzeuge) – Wir bieten präzise Messer und Skiving-Geräte an, die unerlässlich sind, um die Lederdicke an den Kanten zu reduzieren. Das Dünnen ist der einzige Weg, um eine unschöne Verdickung an der Nahtstelle mehrerer Lagen eines Portemonnaies zu vermeiden.
- Stanzwerkzeuge für die Naht (3 mm und 4 mm) – Zum Nähen feiner Geldbörsen-Galanterie eignen sich Stanzwerkzeuge mit kleinem Zinkenabstand sehr gut. Sie ermöglichen eine dichte, elegante Naht, die das dünne Leder, das für das Fach verwendet wird, nicht schwächt.
- Tokonole – Ein bewährtes Präparat zum Polieren von Kanten und Glätten der Fleischseite. Es eignet sich hervorragend zum Veredeln der oberen Einkaufskante des Geldscheinfachs vor dem endgültigen Zusammennähen des Portemonnaies.
- Slam Polyester-Garn – Dünne, stark gewachste Garne, die sich gut in die mit dem Stanzwerkzeug gemachten Löcher legen. Sie scheuern nicht, sodass die Naht, die das Geldscheinfach hält, jahrelangen täglichen Gebrauch übersteht.







