Lederfarbe – unter diesem Begriff fasst man die Kategorie spezieller Präparate zusammen, zu denen Farben, Finishes, Klebstoffe und Mittel zur Kantenbearbeitung gehören. Sie ermöglichen dem Handwerker die Bearbeitung, den Schutz und die Personalisierung von Lederwaren. Richtig ausgewählte Chemikalien entscheiden über das endgültige Aussehen, die Farbbeständigkeit und die Widerstandsfähigkeit des Produkts gegenüber äußeren Einflüssen. Die Arbeit mit Naturleder endet nämlich nicht mit dem bloßen Zuschneiden und Nähen. Es sind die Flüssigkeiten, Pasten und Wachse, die aus einem rohen, blassen Materialstück ein tief eingefärbtes, professionell geschütztes Produkt machen.
Eigenschaften
Chemie in der Sattlerwerkstatt funktioniert wie ein Betriebssystem im Computer – das Leder selbst ist nur die Hardware, und die richtigen Präparate sagen ihm, wie es aussehen und auf die Umgebung reagieren soll. Die Palette dieser Mittel lässt sich in mehrere Hauptgruppen unterteilen, von denen jede eine genau definierte chemische und physikalische Funktion erfüllt. Die größte und wichtigste Gruppe bilden die Farben. In der professionellen Sattlerei dominieren alkohol- oder ölbasierte Farben, wie die weltweit anerkannten Produkte der Marke Fiebing's, darunter die Linie Pro Dye. Sie dringen tief in die Faserstruktur ein und verändern die Farbe dauerhaft, anstatt nur eine Deckschicht auf der Oberfläche zu bilden. Es gibt auch wasserbasierte Farben, zum Beispiel aus der Serie Eco-Flo, die umweltfreundlicher und für Anfänger beim Färben leichter zu verarbeiten sind.
Eine weitere Schlüsselgruppe sind die Finishes, also Präparate, die die aufgetragene Farbe versiegeln und schützen. Rohleder, das mit Alkoholfarbe gefärbt wurde, färbt auf Hände und Kleidung ab, bis es ordnungsgemäß blockiert wird. Finishes erzeugen auf der Narbenseite eine dünne, elastische Schutzschicht, die den Farbstoff im Inneren hält und das Material vor Feuchtigkeit und Schmutz schützt. In dieser Kategorie finden sich sowohl Flüssigkeiten mit mattem Effekt als auch stark glänzende Präparate. Es ist wichtig zu wissen, dass zur schützenden Chemie auch verschiedene Antikpasten (Antique Finish) gehören, die nicht nur schützen, sondern auch in die Vertiefungen geprägter Muster eindringen und so einen schönen Patina-Effekt und Dreidimensionalität erzeugen.
Ein äußerst wichtiges Segment der Sattlerchemie sind die Präparate zur Bearbeitung von Kanten und der Fleischseite (der inneren Seite des Leders). Hier dominiert das japanische Mittel Tokonole. Es ist eine spezielle Paste auf Basis natürlicher Wachse und Harze, die unter Reibeinwirkung die losen Fasern an der Kante des Leders verklebt und so eine glatte, glasartige Oberfläche erzeugt. Zur gleichen Gruppe gehören Kantenfarben (edge paint) wie Edge Kote, die eine dickere, gummiartige Schicht auf den Rändern bilden. Abgerundet wird das Sortiment durch Sattlerklebstoffe – lösemittelbasierte Kontaktklebstoffe für eine starke Verbindung sowie mildere wasserbasierte Klebstoffe, die sich ideal zum Verbinden dünner Futterlederschichten eignen.
Anwendungen
Die richtige Anwendung der Chemie hängt direkt vom Arbeitsschritt und der Art des verwendeten Materials ab. Nachfolgend findest du konkrete Beispiele für den Einsatz der einzelnen Präparate in der täglichen handwerklichen Arbeit.
- Färben von rohem pflanzlich gegerbtem Leder. Dies ist der klassischste Vorgang. pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von 2 mm oder 3 mm hat eine natürliche, hellbeige Farbe. Mit einem Schwamm, einem Wollpinsel oder einer Airbrush wird Fiebing's Pro Dye aufgetragen. Der Alkohol verdunstet schnell, und das Pigment verbindet sich dauerhaft mit den Fasern. Nach dem Trocknen muss die Oberfläche mit einem geeigneten Finish geschützt werden, um ein Abfärben während des Gebrauchs von Geldbörse oder Gürtel zu verhindern.
- Kantenfinish bei Gürtelriemen und Taschen. Nach dem Anfasen der scharfen Kanten mit einem Edge Beveler wird eine kleine Menge Tokonole auf die rohe Kante aufgetragen. Anschließend reibt man mit einem Kantenglätter oder einem Stück Stoff kräftig über die Kante. Die Reibung erzeugt Wärme, die die Harze im Präparat aktiviert, und das Ergebnis ist eine perfekt glatte, versiegelte Kante, die gegen Ausfransen geschützt ist.
- Antikisierung und Hervorhebung von Prägungen (Tooling). Wenn du auf mindestens 2 mm dickem pflanzlich gegerbtem Leder ein Muster mit einem Swivel Knife und Stempeln anbringst, kann die Zeichnung selbst kaum sichtbar sein. Das Einreiben der Oberfläche mit Antique Finish bewirkt, dass sich das dunkle Pigment tief in den Schnitten und Stempelabdrücken absetzt, während es von den glatten Narbenbereichen abgewischt wird. Dies ergibt einen fantastischen Kontrast und bringt die Details der Schnitzarbeit zur Geltung.
- Verkleben von Konstruktionsschichten. Bei der Herstellung eines Gürtelriemens für eine Laptoptasche werden häufig zwei Lagen Leder mit je 1,5 mm Stärke verklebt. Dazu verwendet man starken Kontaktkleber. Man trägt eine dünne Schicht des Klebstoffs auf beide Fleischseiten auf, wartet einige Minuten, bis das Lösemittel verdunstet ist, und drückt dann fest zusammen. Diese Verbindung ist oft stärker als die Lederfasern selbst.
- Renovierung und Vorbereitung für Reparaturen. Spezielle Lederpflege-Reiniger wie Sattelseife oder starke Deglazer dienen dazu, alte Beschichtungen, Schmutz und Wachse zu entfernen. Dies ist der erste, kritische Schritt vor dem Auftragen neuer Lederfarbe auf eine alte Geldbörse oder eine Messerscheide.
- Spezialanwendungen und verwandte Gebiete. Obwohl wir uns in der Sattlerwerkstatt auf die Herstellung neuer Gegenstände konzentrieren, überschneiden sich diese Techniken mit anderen Bereichen. In der Schuhchemie werden häufig dieselben tief eindringenden Farben verwendet, um die Farbe von Schäften aus pflanzlich gegerbtem Leder zu ändern. Die Chemie für Autoledere ist dagegen ein völlig anderer Zweig, der sich auf extrem haltbare Decklacke (Topcoats) konzentriert, die Reibung, Schweiß und UV-Strahlung standhalten müssen, und nicht auf das tiefe Färben von Rohmaterial.
Wie wähle ich aus
Die Wahl der richtigen Sattlerchemie ist oft der Moment, in dem Anfänger die meisten Fehler machen. Um diese zu vermeiden, musst du das Präparat unbedingt auf die Art des Leders abstimmen, das du besitzt. Das ist die goldene Regel des gesamten Handwerks.
Wenn du mit pflanzlich gegerbtem Leder arbeitest, hast du völlige Freiheit. Dieses Material nimmt jede wasser- und alkoholbasierte Lederfarbe an, lässt sich wachsen, und seine Kanten und Fleischseite lassen sich mühelos mit Tokonole glätten. Für Anfänger ist eine wasserbasierte Farbe aus der Serie Eco-Flo ein guter Start, da sie mehr Fehler beim Auftragen verzeiht und das Mischen von Farben leicht macht. Für den fortgeschrittenen Handwerker, der Wiederholbarkeit und eine tiefe, gleichmäßige Deckkraft auf dicken Riemen (z. B. 3,5 mm) erwartet, ist die professionelle Linie der alkohol-ölbasierten Farben Fiebing's Pro Dye die einzig richtige Wahl.
Die Situation ändert sich drastisch, wenn in deiner Werkstatt chromgegerbtes Leder oder bereits ab Werk fertig behandeltes und gefärbtes Leder (wie unser Flaggschiff Maya) auftaucht. Diese Leder färben wir absolut nicht. Sie haben geschlossene Poren und in der Gerberei aufgebrachte Schutzschichten. Der Versuch, Fiebing's Farbe auf solches Leder aufzutragen, endet damit, dass die Flüssigkeit wie Wasser auf Glas auf der Oberfläche liegt und nach dem Trocknen einfach abgerieben wird, wodurch alles verschmutzt wird. Bei fertigen Ledern beschränkt sich deine Chemie ausschließlich auf die Kantenbearbeitung. Auch hier musst du vorsichtig sein – die Kanten von weichen Chromledern reagieren sehr schlecht auf Tokonole. Statt zu polieren, verwendet man auf ihnen dicke Kantenfarben, die den Rand einfach bemalen und eine elastische Hülle bilden.
Ein weiterer häufiger Fehler ist das Missverstehen des Verwendungszwecks eines bestimmten Mittels. Denk daran: Tokonole ist ein Mittel zur Bearbeitung von Kanten und der Fleischseite, kein Imprägniermittel oder Wachs für die gesamte Narbenfläche. Das Auftragen auf die Vorderseite einer Geldbörse würde die Poren des Leders verschließen, das spätere Auftragen des richtigen Finishes unmöglich machen und könnte das gesamte Projekt ruinieren. Lies immer die Spezifikation und teste neue Chemie an einem kleinen, überflüssigen Reststück aus demselben Stück Leder, aus dem du dein Hauptprojekt schneidest.
Produkte aus unserem Sortiment
In unserem Shop haben wir ein Sortiment an Präparaten zusammengestellt, das sich in den Werkstätten Tausender Sattler bewährt hat. Wir setzen auf bewährte Marken und vorhersehbare Ergebnisse.
- Lederfarbe – Die Hauptkategorie, in der wir alle notwendigen Flüssigkeiten und Pasten versammelt haben. Hier findest du die volle Palette professioneller, tief eindringender Lederfarben, mit denen du jeden gewünschten Farbton auf rohem pflanzlich gegerbtem Leder erzielen kannst.
- Mittel für Kanten und Fleischseite – In unserem Chemiesortiment bieten wir original japanisches Tokonole in verschiedenen Größen und Farben (farblos, schwarz, braun) an, das für professionell glatte Kanten bei Projekten aus pflanzlich gegerbtem Leder unerlässlich ist.
- Finishes und Schutzlacke – In der Chemieabteilung erhältliche Versiegelungspräparate, darunter beliebte Acrylfinishes mit unterschiedlichem Glanzgrad. Sie schützen gefärbtes Leder vor Feuchtigkeit und verhindern das Abgeben von Pigmenten.
- Antikpasten – Unverzichtbar für alle, die sich mit Tooling (Prägen) beschäftigen. Dickflüssige Pasten, die in die geschnitzten Details eindringen und den Projekten Tiefe und ein klassisches, gealtertes Aussehen verleihen.
- Sattlerklebstoffe – Starke Kontaktklebstoffe und wasserbasierte Klebstoffe, mit denen sich Lederschichten vor dem Nähen dauerhaft verbinden lassen – direkt in unserer Kategorie mit Werkstattchemie erhältlich.







