Lederfarben für Wildleder sind spezielle, tief eindringende Chemikalien auf Alkohol- oder Wasserbasis, die zur dauerhaften Färbung von rauen Lederoberflächen entwickelt wurden, ohne deren charakteristischen Flor zu verkleben. Im Gegensatz zu dicken Acrylfarben, die auf glattem Narben verwendet werden, haben Präparate für Wildleder und Nubuk eine dünne, fast wässrige Konsistenz. Dadurch dringen sie in die Faserstruktur ein, verändern die Pigmentierung von innen heraus und das Leder behält nach dem Trocknen und Bürsten seine natürliche, weiche Textur und Elastizität.
Eigenschaften
Um die Wirkung von Lederfarbe für Wildleder zu verstehen, muss man sich die Struktur dieses Materials ansehen. Wildleder ist die gegerbte Fleischseite (die innere Seite des Leders) oder Spaltleder, das offene Poren und einen weichen, ausgeprägten Flor hat. Wildleder gleicht einem dichten Wald mikroskopisch kleiner Fasern – eine normale Acrylfarbe würde es wie Asphalt überfluten und eine harte, schuppige Kruste bilden, während eine spezielle Lederfarbe für Wildleder wie Regen wirkt, tief in den Boden eindringt und jede einzelne Faser färbt. Genau deshalb ist es so wichtig, ausschließlich Präparate zu verwenden, die für raue Lederoberflächen bestimmt sind.
Die meisten professionellen Lederfarben dieser Art, wie zum Beispiel die Suede Dye Serie von Fiebing's, basieren auf einem Alkoholträger. Alkohol dringt sofort in die lockere Struktur von Wildleder ein, bringt das Pigment tief in den Lederquerschnitt und verdunstet dann sehr schnell. Übrig bleibt nur die Farbe. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass die gefärbte Oberfläche nicht steif wird. Man muss jedoch ein grundlegendes Prinzip aller penetrierenden Lederfarben beachten: Sie haben keine deckenden Eigenschaften im Sinne des Auftragens einer neuen Schicht. Das bedeutet, dass Wildleder nur von einer helleren auf eine dunklere Farbe umgefärbt werden kann. Das Auftragen von weißer Lederfarbe auf schwarzes Wildleder bringt keinen Effekt, da das Pigment in die schwarzen Fasern eindringt, ohne eine helle Schicht darauf zu bilden.
Wildleder wird meist chromgegerbt. Das bedeutet, dass sich seine Kanten mit herkömmlichen Methoden nur schwer ausarbeiten lassen. Während man dickes, 3 mm pflanzlich gegerbtes Rindsleder schön mit einem Kantenglätter polieren kann, bleibt die Kante von Wildleder faserig und weich. Außerdem werden auf die Oberfläche von Wildleder absolut keine Wachse, Öle oder Mittel wie Tokonole aufgetragen. Tokonole ist ein Präparat zum Glätten der Fleischseite und zur Kantenbearbeitung – würde man es in die Wildlederfront einer Tasche oder eines Schuhs einreiben, würde es den Flor dauerhaft zerstören und in eine harte, unschöne Kruste verwandeln. Wildleder benötigt nach dem Färben nur gründliches Bürsten, um die durch die Flüssigkeit gelegten Fasern wieder aufzurichten.
Anwendungen
Lederfarbe für Wildleder und Nubuk ist ein Werkzeug mit sehr spezifischem Verwendungszweck. In der Sattlerwerkstatt und bei der privaten Restaurierung wird sie für mehrere wichtige Aufgaben eingesetzt, die eine entsprechende Vorbereitung des Materials erfordern.
- Wiederherstellung von tiefem Schwarz bei verblichenen Teilen. Wildleder verblasst mit der Zeit durch Sonneneinstrahlung und bekommt rötliche oder gräuliche Töne. Schwarze Lederfarbe für Wildleder ist das am häufigsten gewählte Produkt, um geliebte Stiefeletten oder Motorradtaschen zu retten. Das Auftragen von zwei Schichten schwarzem Pigment kann das ursprüngliche Aussehen von Leder mit einer Stärke von 1,5 mm vollständig wiederherstellen, das nach einigen Tragezeiten seinen Charme verloren hat.
- Komplette Farbänderung von hell zu dunkel. Wenn Sie eine beige Wildledertasche haben und ihr einen neuen Charakter verleihen möchten, eignet sich dunkelbraune Lederfarbe für Wildleder hervorragend für diese Aufgabe. Der Prozess erfordert ein gleichmäßiges Auftragen der Flüssigkeit mit einem Wollpinsel, wobei darauf zu achten ist, dass das Leder gleichmäßig Pigment aufnimmt.
- Färben von Nubuk. Obwohl Nubuk geschliffener Narben (die äußere Lederschicht) ist und nicht die Fleischseite wie Wildleder, verhält sich sein feiner Flor sehr ähnlich. Lederfarben, die für Wildleder bestimmt sind, eignen sich auch hervorragend für Nubuk. Sie müssen jedoch in dünneren Schichten aufgetragen werden, da Nubuk eine dichtere Faserstruktur hat und Flüssigkeit langsamer aufnimmt als das lockerere Wildleder.
- Erstellen von kontrastierenden Einsätzen in Sattlerprojekten. Fortgeschrittene Sattler kombinieren oft steifes pflanzlich gegerbtes Leder mit weichem Wildleder von 1,2 mm Stärke, das beispielsweise als Futter oder Seitenkeile (sog. Gussets) in Taschen verwendet wird. Die Möglichkeit, Wildledereinsätze selbst auf die Farbe zu färben, die perfekt zum handgefärbten Narben passt, gibt volle Kontrolle über die Ästhetik des Projekts.
- Restaurierung von Motorradbekleidung und Arbeitskleidung. Lederjacken mit Wildlederelementen sind extremen Bedingungen ausgesetzt. Starke alkoholbasierte Lederfarben dringen tief ein, sodass die Farbe bei Reibung nicht so schnell abnutzt, wie dies bei oberflächlichen Lederfarben der Fall wäre.
Wie man wählt
Die Wahl des richtigen Färbemittels ist der Moment, in dem Anfänger die meisten Fehler machen. Oft tauchen in Suchmaschinen Begriffe wie „Lederfarbe für Wildleder Rossmann“ oder Anfragen nach günstigen Aerosolen aus dem Discounter auf. Hier muss eine klare Grenze zwischen professioneller Sattlerchemie und Schuhpflegeprodukten aus der Drogerie gezogen werden.
Günstige Lederfarben im Spray aus dem Discounter sind meist Imprägnierungen mit einem minimalen Farbstoffzusatz. Ihre Aufgabe ist die vorübergehende Auffrischung der Farbe und der Schutz vor Feuchtigkeit. Das Pigment aus einem solchen Aerosol setzt sich nur auf den äußersten Faserspitzen ab und reibt sich sehr schnell ab. Wenn Sie eine ernsthafte Restaurierung planen oder ein rohes Lederstück in Ihrer Werkstatt färben, benötigen Sie eine echte penetrierende Lederfarbe in flüssiger Form. Professionelle Lederfarbe dringt einen Bruchteil eines Millimeters tief in das Leder ein. Sie wird von Hand aufgetragen, meist mit einem beiliegenden Wollpinsel am Draht (sog. Wool Dauber) oder einem Pinsel. Das gibt volle Kontrolle über die Menge der aufgetragenen Flüssigkeit und ermöglicht ein präzises Aussparen von Elementen, die nicht gefärbt werden sollen, wie helle Nähte, was mit einem Spray praktisch unmöglich ist.
Ein weiterer Aspekt ist die Farbauswahl. Denken Sie immer an das Prinzip der additiven Farbmischung auf Leder. Wenn Sie blaue Lederfarbe auf gelbes Wildleder auftragen, erhalten Sie höchstwahrscheinlich einen Grünton. Daher ist es am sichersten, innerhalb derselben Farbfamilie zu färben (z. B. von hellbraun zu dunkelbraun) oder sich für klassisches Schwarz zu entscheiden, das die meisten anderen Farben effektiv überdeckt.
Vor dem Färben müssen Sie sich mit dem richtigen Lederwerkzeug zur Oberflächenvorbereitung ausstatten. Wildleder und Nubuk müssen vor dem Auftragen der Chemikalien gründlich gereinigt und ausgekämmt werden. Dazu verwendet man spezielle Bürsten aus Krepp (weichem Gummi) oder Bürsten mit feinem Messingbesatz. Das Auftragen von Lederfarbe auf schmutziges, verfilztes Wildleder führt dazu, dass das Pigment ungleichmäßig eindringt und unschöne Flecken bildet, die sich nicht mehr entfernen lassen. Nach dem Trocknen der Lederfarbe muss das Bürsten wiederholt werden, um die verklebten Fasern zu lösen und dem Material seine charakteristische Weichheit zurückzugeben.
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Bei CraftPoint setzen wir auf Handwerk und langlebige Lösungen. Obwohl das Färben von Wildleder ein spezifischer Prozess ist, der spezielle, in den Flor eindringende Chemikalien erfordert, sind bei der Arbeit mit Taschen und Geldbörsen, die verschiedene Ledertypen kombinieren, auch andere Oberflächenbehandlungen unerlässlich. Wenn Sie in Ihrem Projekt weiches Wildleder mit steifen Narbenledereinsätzen kombinieren, denken Sie an den richtigen Schutz der Kanten der letzteren.
- Kantenfarbe für Leder – Wildleder ist meist chromgegerbt und seine Kanten werden nicht poliert, aber wenn Sie es mit Trageriemen aus pflanzlich gegerbtem Leder kombinieren oder die Kanten einer verstärkten Tasche ausarbeiten, ist eine professionelle Kantenfarbe (Edge Paint) unerlässlich. Sie bildet eine glatte, flexible Schutzschicht auf dem Lederschnitt und schützt ihn vor Ausfransen und Feuchtigkeit.
- Wildlederbürsten (Krepp und Messing) – Die Grundlage der Arbeit mit rauen Lederoberflächen. Unverzichtbar zur Vorbereitung der Oberfläche vor dem Färben und zum Aufrichten des Flors nach dem Trocknen der Lederfarbe.
- Wollpinsel (Wool Daubers) – Das beste Werkzeug zum Auftragen von flüssigen alkoholbasierten Lederfarben auf Wildleder. Sie ermöglichen es, die richtige Menge Flüssigkeit aufzunehmen und sie gründlich in die Faserstruktur einzureiben, ohne das Leder übermäßig zu durchnässen.
Verwandte Begriffe
- Wildleder
- Nubuk
- Chromgegerbtes Leder
- Fleischseite
- Narben







