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Was sind Lederhenkel für Handtaschen und wie werden sie hergestellt?
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Was sind Lederhenkel für Handtaschen und wie werden sie hergestellt?

Lederhenkel für Taschen sind kurze, robuste Tragegriffe, die fest oder mit Beschlägen am Taschenkorpus montiert werden und dazu dienen, das Produkt in der Hand oder am Unterarm zu tragen. Im Gegensatz zu langen Schultergurten werden Henkel auf sehr kurzer Strecke kumulierten Belastungen ausgesetzt, was die Verwendung von dickerem Leder, stabilen Nähten und oft inneren Verstärkungen erfordert, um Verformungen zu vermeiden.

Richtig gestaltete Henkel sind das Fundament einer funktionalen Tasche. Sie müssen nicht nur das gesamte Gewicht des Gepäcks tragen, sondern auch den Tragekomfort für die Hand des Nutzers gewährleisten. Zu dünnes Leder schneidet schmerzhaft in die Finger ein, während schlecht versiegelte Kanten durch Schweiß und Reibung schnell ausfransen. Die Herstellung von Henkeln erfordert vom Sattler auf jedem Schritt Präzision – vom geraden Zuschnitt über die sorgfältige Kantenvorbereitung bis hin zur fehlerfreien Sattlernaht, die alle Schichten zu einem zuverlässigen Konstruktionselement vereint.

Eigenschaften

Henkel von Taschen wirken wie Brückenbögen – sie nehmen die gesamte Dynamik der Bewegung, das Gewicht des Inhalts und Ruckbelastungen auf und leiten sie sicher an den Taschenkorpus weiter. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, benötigen sie das richtige Material. Der Goldstandard in der Sattlerei ist hier pflanzlich gegerbtes Leder (Juchtenleder). Seine dichte, kompakte Faserstruktur garantiert eine minimale Dehnungsneigung. Dicke Juchtenriemen (über 3 mm) eignen sich hervorragend für einfache, rustikale Projekte. Wichtig: Pflanzlich gegerbtes Leder kann nassgeformt, mit alkoholbasierten Lederfarben (z. B. aus der Fiebing's Pro Dye Serie) gefärbt und seine Kanten mit einem Holzglätter (wood slicker) und Tokonole ideal geglättet werden. Mit der Zeit dunkelt Juchtenleder in der Sonne nach und bekommt an den häufigsten Griffstellen eine edle Patina.

Eine völlig andere Verarbeitungstechnik erfordern Henkel aus chromgegerbten Ledern oder weichen Galanterie-Ledern mit fertiger Narbenseite (wie unser Flagschiff-Leder Maya). Sie haben den Vorteil, dass sie von Anfang an flexibel und angenehm im Griff sind, aber ihre natürliche Weichheit reicht nicht aus, um das Taschengewicht allein zu tragen. Es ist notwendig, mehrschichtige Konstruktionen zu erstellen oder spezielle Kernmaterialien (z. B. runde Lederschnur) zu verwenden, um die das Leder gewickelt wird. Auch ist zu beachten, dass chromgegerbte und fabrikgefärbte Leder weder Wachse noch Lederfarben auf der Narbenoberfläche annehmen. Ihre Kanten lassen sich nicht durch bloßes Reiben glatt polieren – sie benötigen eine spezielle Kantenfarbe, die nach dem Trocknen einen flexiblen, gummiartigen Schutzfilm bildet.

Ein entscheidender Aspekt der Eigenschaften von Henkeln ist ihre Ergonomie. Flache, breite Griffe verteilen das Gewicht gut, können aber bei kleineren Händen unbequem sein. Runde Henkel (mit Kern) liegen dagegen gut in der Hand, drücken aber bei sehr hoher Belastung punktuell auf die Finger. Daher muss der Handwerker stets zwischen Designästhetik und Nutzungsphysik abwägen und die passende Dicke in Millimetern sowie die Nahttechnik wählen.

Anwendungen

Die Form der Henkel hängt direkt vom Taschen-Typ, ihrer Größe und der zu erwartenden Belastung ab. Nachfolgend eine Übersicht der gängigsten Konstruktionen, die in der Sattler-Werkstatt verwendet werden:

  • Flache, einschichtige Henkel (Tote Bags / Shopper): Die einfachste, aber äußerst langlebige Konstruktion. Erfordert dickes, pflanzlich gegerbtes Leder, meist im Bereich von 3,5–4 mm Stärke. Die Breite eines solchen Henkels beträgt in der Regel 20–25 mm. Die Kanten müssen mit einem Kantenhobel (Edge Beveler, Größe #2 oder #3) stark gefast werden, damit sie die Hand nicht verletzen, und anschließend auf Hochglanz poliert werden. Die Befestigung an der Tasche erfolgt mit massiven Kupfernieten oder einer kräftigen, quadratischen Sattlernaht mit Umschlag.
  • Henkel mit Kern (Koffer / Arzttaschen): Klassiker der eleganten Sattlerei. Erfordert weicheres Leder (z. B. 1,2–1,5 mm Stärke), das um eine Baumwoll- oder Lederkordel mit 8–10 mm Durchmesser gewickelt wird. Das Leder muss an den Rändern fast auf Null geschärft werden, damit nach dem Zusammenfalten der beiden Lagen und dem Nähen mit einer Sattlernaht keine dicke, unschöne Verdickung entsteht. Die Naht wird dicht am Kern geführt, oft mit einem speziellen Nähmaschinenfuß oder durch manuelles Andrücken des Leders.
  • Zweischichtige, flache Henkel (Aktentaschen / Mappen): Wenn das Projekt Steifigkeit erfordert, aber nur dünneres Leder (z. B. 1,5–2 mm) zur Verfügung steht. Zwei Lederstreifen werden Fleischseite an Fleischseite verklebt, und zur zusätzlichen Verstärkung kann ein spezielles Trägerband gegen Dehnung eingelegt werden. Das Ganze wird ringsherum vernäht, was einen eleganten Effekt der beidseitig sichtbaren Narbenseite ergibt. Zum Nähen werden Prickrad oder Reißahlen mit einem Teilungsabstand von 4 mm oder 5 mm verwendet.
  • Henkel mit umgeschlagenen Kanten (Hobo-Bags / Weiche Beutel): Hauptsächlich bei chromgegerbten Ledern mit einer Stärke von etwa 1,2–1,6 mm verwendet. Anstatt die Kanten zu bemalen, werden die Streifenränder nach innen umgeschlagen und durchgenäht. Das ergibt einen sehr weichen, fleischigen Griff, ideal für lässige City-Taschen. Erfordert die Verwendung eines starken Fadens, z. B. Polyester-Garn wie Vinymo MBT, das sich am umgeschlagenen Leder nicht durchscheuert.
  • Henkel mit Beschlagbefestigung (D-Ringe / O-Ringe): In dieser Variante wird der Henkel nicht direkt an den Korpus genäht, sondern an einem Metallhalbring oder -ring. Die Henkelenden müssen auf einer Länge von ca. 4–5 cm ausgedünnt werden, damit sie nach dem Umwickeln des Beschlags und dem Vernähen keine übermäßige Dicke bilden, die die freie Beweglichkeit des Metallteils einschränken würde.
  • Kurze Koffergriffe (Profilierte Griffe): Die anspruchsvollste Form, aufgebaut aus mehreren Lagen Leder unterschiedlicher Länge, die übereinander geklebt werden (sog. Profilaufbau). Darüber wird dünnes Narbenleder (1 mm) gespannt und – falls es sich um pflanzlich gegerbtes Leder handelt – nassgeformt, wobei es fest an die stufenförmigen Kanten der inneren Schichten gedrückt wird. Dies sorgt für enorme Festigkeit und ein luxuriöses Aussehen.

Auswahlhilfe

Das Gestalten von Henkeln für Taschen ist ein Prozess, der die Analyse mehrerer Variablen erfordert. Ein Fehler in dieser Phase führt in der Regel zum Abreißen des Griffs oder zu einer dauerhaften Verformung des Leders.

Für den unerfahrenen Sattler ist pflanzlich gegerbtes Leder in Form von fertigen, gleichmäßig geschnittenen Riemen die sicherste Wahl. Dies vermeidet das Problem des schiefen Zuschneidens langer Bahnen aus dem ganzen Bogen. Wenn Sie Juchtenleder mit 3 mm Stärke wählen, können Sie solide, flache Griffe für einen Shopper herstellen. Konzentrieren Sie sich dann auf die präzise Kantenvorbereitung. Verwenden Sie einen Kantenhobel (Edge Beveler) in Größe #2, um die scharfen Ecken von Narben- und Fleischseite abzutragen. Tragen Sie anschließend Tokonole auf und reiben Sie kräftig mit einem Holzglätter. Eine glatte Kante ist nicht nur Ästhetik, sondern vor allem Schutz vor dem Eindringen von Feuchtigkeit durch Handschweiß.

Der fortgeschrittene Handwerker, der auf elegante Business-Taschen abzielt, greift zu dünneren Ledern (1,5 mm) und entscheidet sich für Henkel mit Kern. Dies erfordert jedoch das entsprechende Werkzeug, insbesondere ein scharfes Messer (z. B. ein Ledermesser) zum Schärfen der Kanten. Ein häufiger Fehler ist der Versuch, einen Henkel mit Kern aus dickem Leder von 2,5 mm ohne Schärfen zu nähen. Die Folge: Das Leder lässt sich nicht um die Kordel biegen, und die Nahtstelle wird dick, steif und lässt sich nur schwer sauber verarbeiten.

Vergessen Sie bei der Wahl des Sattlergarns für die Henkelbefestigung dünne, ungewachste Leinenfäden, die durch Feuchtigkeit faulen können. Setzen Sie auf dicke, gewachste Polyesterfäden. Slam oder das geflochtene Vinymo MBT in einer auf den Teilungsabstand der Reißahlen abgestimmten Stärke (z. B. Faden 0,8 mm bei 5 mm Teilung) gewährleisten Sicherheit. Die Naht, die den Henkel am Taschenkorpus befestigt, nimmt enorme Scherkräfte auf. Verwenden Sie stets die Sattlernaht, die im Gegensatz zur Maschinennaht nicht komplett aufgeht, wenn eine Masche reißt.

Achten Sie auch auf die Proportionen. Die Breite des Henkels muss mit der Breite der Beschläge übereinstimmen. Wenn Sie einen Henkel mit 20 mm Breite verwenden, muss dieser an einem Halbring mit genau 20 mm Innenbreite montiert werden. Ein zu breiter Beschlag führt dazu, dass der Henkel verrutscht und seitlich knickt; ein zu schmaler Beschlag quetscht das Leder zusammen, was schnell zu Durchscheuern führt.

Produkte aus unserem Sortiment

In unserem Shop finden Sie Materialien und Werkzeuge, die für die Konstruktion langlebiger und ästhetischer Henkel für jeden Taschen-Typ notwendig sind. Wir konzentrieren uns auf Rohstoffe höchster Qualität, die sowohl Hobbyisten als auch Profis die Arbeit erleichtern.

  • Gürtelriemen für Taschen – Fertige, gleichmäßige Riemen aus hochwertigem Leder. Sie sind eine hervorragende Basis für lange Schultergurte, können aber leicht gekürzt und zu soliden, flachen Henkeln für Shopper-Taschen adaptiert werden. Sparen Zeit und garantieren eine perfekt gleichmäßige Breite über die gesamte Länge.
  • Pflanzlich gegerbtes Leder (Juchtenleder) – Erhältlich in Häuten und Zuschnitten. Ideal zum selbstständigen Zuschneiden von Henkeln, zum Prägen von Mustern und zum Aufbau mehrschichtiger Koffergriffe. Eine Stärke von 3–4 mm bietet die nötige Steifigkeit.
  • Kantenchemie (Tokonole) – Japanisches Präparat, unerlässlich bei der Arbeit mit Juchtenleder. Ermöglicht das schnelle Glätten und Versiegeln der Kanten flacher Henkel und schützt sie vor Ausfransen.
  • Schneidwerkzeuge und Reißahlen – Wir führen Kantenhobel (Edge Beveler) in den gängigen Größen #1 und #2, die zum Abrunden der Kanten unerlässlich sind, sowie Prickeisen (Teilungsabstände 3, 4, 5 und 6 mm) zur Vorbereitung perfekt gleichmäßiger Löcher für die Sattlernaht.
  • Polyester-Nähgarn – Zuverlässige Garne von Slam und Vinymo MBT, die garantieren, dass angenähte Henkel niemals vom Taschenkorpus abreißen, selbst bei extremen Belastungen.

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