Lederreinigungstücher sind weiche, glatte und vor allem fusselfreie Stoffstücke, die in der Sattlerei zum Auftragen verschiedener Chemikalien verwendet werden – von Cleanern bis hin zu Wachsen und auch zum abschließenden Polieren des fertigen Produkts. Es ist kein gewöhnliches Staubtuch. Ein richtig ausgewähltes Tuch ist ein präzises Werkzeug, das entscheidet, ob das Präparat gleichmäßig aufgetragen wird, ob die Lederoberfläche nicht zerkratzt wird und ob das Endergebnis professionell ist. In der Werkstatt eines Sattlers sind hochwertige Tücher genauso wichtig wie ein scharfes Messer oder robustes Sattlergarn.
Eigenschaften
Das grundlegende Merkmal, das ein gutes Lederreinigungstuch definiert, ist sein Material. Es muss absolut schonend für den Narben des Leders sein, also für die äußere, glatte Schicht. Selbst die kleinsten, harten Fasern oder Verunreinigungen können auf empfindlichem Leder, insbesondere frisch gefärbtem Leder, dauerhafte Kratzer hinterlassen. Daher greift man meist auf bewährte, weiche Baumwolle zurück – ideal eignen sich dafür Stücke eines alten, sauberen, weißen T-Shirts oder Flanells. Wichtig ist, dass der Stoff weiß oder naturfarben ist, denn farbige Materialien könnten unter dem Einfluss von Lösungsmitteln in der Sattlerei-Chemie Farbstoff abgeben und das bearbeitete Leder dauerhaft verfärben.
Eine weitere entscheidende Eigenschaft ist die Fusselfreiheit. Der Stoff darf keine Fasern verlieren. Jeder, der schon einmal versucht hat, einen Finisher mit einem billigen, fusselnden Lappen aufzutragen, weiß, wie frustrierend es ist, einzelne Fäden aus der klebrigen, trocknenden Oberfläche zu fischen. Diese feinen Fasern, die in der Deckschicht eingeschlossen sind, erzeugen eine raue, unschöne Textur, die sich später praktisch nicht mehr entfernen lässt, ohne die gesamte Chemieschicht zu entfernen. Deshalb sind dicht gewebte Baumwollstoffe beliebt, und in den letzten Jahren auch hochwertige Mikrofaser, die Präparate hervorragend aufnimmt und abgibt, ohne Spuren zu hinterlassen.
Schließlich zählen Saugfähigkeit und Struktur. Das Tuch muss die richtige Menge des Präparats aufnehmen – ob Lederfarbe, Lederöl oder Wachs – und es dann beim Auftragen gleichmäßig wieder abgeben. Ein zu saugfähiger Stoff „trinkt" das gesamte Produkt, bevor es auf das Leder gelangt, während ein zu wenig saugfähiges Tuch es ungleichmäßig abgibt und Flecken und Schlieren verursacht. Ein gutes Poliertuch wirkt wie die Hand eines sorgfältigen Handwerkers: Es verteilt das Wachs sanft, füllt mikroskopisch kleine Poren im Leder und nimmt am Ende den Überschuss auf, sodass nur ein glatter, satter Glanz zurückbleibt.
Anwendungen
Lederreinigungstücher sind vielseitige Werkzeuge, deren spezifische Art und Verwendung vom Arbeitsschritt abhängt. Es lohnt sich, mehrere Arten in der Werkstatt zu haben und sie für bestimmte Aufgaben zu reservieren, um eine Vermischung der Chemikalien zu vermeiden.
- Vorreinigung. Vor jeder Arbeit mit Leder muss es von Staub und Produktionsrückständen befreit werden. Dazu verwendet man ein sauberes, trockenes und weiches Baumwolltuch. Das Abwischen der Oberfläche verhindert, dass Schmutzpartikel in den Narben eingerieben werden.
- Entfetten und Vorbereiten zum Färben. Bei der Arbeit mit pflanzlich gegerbtem Leder (Juchten) muss die Oberfläche vor dem Auftragen von Lederfarbe vorbereitet werden. Dazu werden spezielle Cleaner oder Entfetter verwendet. Diese werden mit einem sauberen Baumwolltuch in kräftigen, kreisenden Bewegungen aufgetragen. Dies ist ein entscheidender Schritt für eine gleichmäßige Farbaufnahme.
- Auftragen von Lederfarben und Beizen. Obwohl für präzises Auftragen von Lederfarbe oft Wollpinsel (Wool Daubers) verwendet werden, ist das Tuch beim Färben größerer Flächen unersetzlich. Als kleiner, kompakter Tupfer gefaltet, lassen sich mit Lederfarben wie Fiebing's Pro Dye oder Eco-Flo interessante Effekte erzielen, zum Beispiel Abriebeffekte. Wichtig ist, dass das Tuch nur leicht getränkt ist und die Lederfarbe mit schnellen, kreisenden Bewegungen aufgetragen wird.
- Ölen und Pflegen des Leders. Nach dem Färben wird pflanzlich gegerbtes Leder trocken und steif. Mit Lederöl (Neatsfoot Oil) muss die Elastizität zurückgegeben werden. Dieses Präparat wird am besten mit einem Stück Schafwolle oder sehr weichem Flanell eingerieben, wobei dünne Schichten aufgetragen werden und das Leder Zeit zum langsamen Aufnehmen bekommt.
- Auftragen von Wachsen und Balsamen. Wachse, Pasten und Finish-Cremes werden mit einem kleinen, sauberen Tuch aufgetragen. Eine geringe Menge des Produkts wird mit kreisenden Bewegungen in das Leder eingerieben, wobei die Handwärme und die Reibung dem Wachs helfen, in die Narbenstruktur einzudringen.
- Abschließendes Polieren. Dies ist der Schritt, bei dem das Tuch seine wahre Stärke zeigt. Nach dem Trocknen des Wachses oder Finishers nimmt man ein sauberes, trockenes und absolut fusselfreies Tuch (Mikrofaser oder dichtes Flanell eignet sich hier hervorragend) und poliert die Oberfläche mit kräftigen, schnellen Bewegungen. Die Reibung entfernt Produktüberschüsse und erzeugt Wärme, die einen tiefen, satten oder spiegelnden Glanz hervorbringt.
- Glätten der Fleischseite. Tücher können auch verwendet werden, um Tokonole auf die innere, „flaumige" Seite des Leders (Fleischseite) aufzutragen. Das Verteilen des Mittels mit einem Tuch und anschließendes Polieren mit einem Glasglätter ermöglicht eine glatte und angenehm anzufassende Oberfläche.
Wie wählt man aus
Die Wahl des richtigen Tuchs ist eine einfache, aber wichtige Entscheidung. Anstatt teure Spezialprodukte zu kaufen, kann man oft erfolgreich das verwenden, was zur Hand ist, sofern es einige Bedingungen erfüllt.
Für den angehenden Sattler ist die beste und günstigste Quelle für hervorragende Tücher ein altes, gewaschenes, weißes Baumwoll-T-Shirt. Dessen Stoff ist in der Regel weich, nimmt Präparate gut auf und hinterlässt vor allem keine Fasern. Schneiden Sie das T-Shirt in kleinere Stücke (z. B. 15 x 15 cm) und bewahren Sie sie in einem sauberen, geschlossenen Behälter auf. Das ist die absolute Grundlage, die für die meisten Aufgaben ausreicht. Beachten Sie die fundamentale Regel: Ein Tuch pro Chemikalienart. Verwenden Sie niemals dasselbe Tuch für Cleaner und dann für Wachs. Am besten haben Sie einen separaten Satz zum Entfetten, einen zum Ölen und einen weiteren, den saubersten, zum abschließenden Polieren.
Wenn Sie in etwas Spezielleres investieren möchten, denken Sie an ein paar Dinge. Zum Polieren auf Hochglanz lohnt sich ein Mikrofasertuch mit hohem Flächengewicht, ähnlich denen, die in der Fahrzeugpflege verwendet werden. Seine Struktur nimmt Wachsüberschüsse hervorragend auf und zerkratzt die Oberfläche nicht. Zum Auftragen von Lederöl und Pflegemitteln eignen sich Stücke echter Schafwolle hervorragend – man kann sie in Sattlereibetrieben kaufen oder einfach Reste aus Projekten verwenden. Wolle gibt Fett sehr gleichmäßig ab, wodurch das Risiko von Flecken minimiert wird.
Vermeiden Sie wie die Pest Papiertücher zum Auftragen flüssiger Chemikalien. Obwohl sie bequem erscheinen, reißen sie sehr leicht und hinterlassen eine Menge Papierflusen auf dem Leder, die das gesamte Ergebnis ruinieren. Sie sind gut zum Abwischen von Klebstoffüberschüssen oder zum Aufnehmen verschütteter Flüssigkeiten von der Werkbank, aber niemals zum Einreiben von etwas in den Narben des Leders. Vermeiden Sie auch synthetische Materialien mit harter Struktur (z. B. eine alte Polyester-Tischdecke) sowie Frottee, das eine Schlaufenstruktur hat und an Unebenheiten des Leders hängen bleiben und Fasern verlieren kann.
Produkte aus unserem Sortiment
Auch wenn man in der Sattlerei oft zu einfachen, haushaltsüblichen Lösungen wie Baumwolltüchern greift, sind für bestimmte Aufgaben, insbesondere im Zusammenhang mit der Oberflächenvorbereitung und dem präzisen Auftragen, spezielle Werkzeuge und Materialien erforderlich.
- Wollpinsel (Wool Daubers) – Das sind spezielle Applikatoren, die man als eine Art „Mini-Tuch" auf einem Drahtgriff betrachten kann. Sie sind unersetzlich für das präzise Auftragen von Lederfarben, Beizen oder Finishes auf kleinen Teilen oder entlang von Kanten. Sie ermöglichen eine hohe Kontrolle über die Präparatmenge, die mit einem großen Tuch nicht erreichbar ist.
- Schwämme zum Auftragen von Chemikalien – Sie stellen eine Alternative zu Tüchern dar, wenn es um das Auftragen bestimmter Lederfarben und Finisher (z. B. Fiebing's Resolene) auf größeren, glatten Flächen geht. Sie ermöglichen ein sehr gleichmäßiges Finish ohne Schlieren, die bei der Arbeit mit einem Tuch manchmal entstehen können.
- Schleif- und Poliermaterialien – Bevor Sie zu einem Tuch mit Wachs greifen, muss die Oberfläche oder Kante des Leders optimal vorbereitet sein. In dieser Kategorie finden Sie Schleifpapiere unterschiedlicher Körnung, die für die Kantenbearbeitung unerlässlich sind. Nach dem Schleifen der Ränder und dem Auftragen von Tokonole dient das weiche Tuch oder Poliertuch dazu, sie abschließend auf Hochglanz zu polieren.
Verwandte Begriffe
- Juchten (pflanzlich gegerbtes Leder)
- Kantenbearbeitung von Leder
- Tokonole
- Narben des Leders
- Fleischseite des Leders
- Lederöl







