Lederverarbeitung, allgemein als Gerben bekannt, ist eine komplexe Abfolge chemischer und mechanischer Prozesse, die rohe Tierhaut in ein haltbares Gebrauchsmaterial verwandeln. Dieser Prozess bindet die Kollagenfasern dauerhaft, verhindert deren natürlichen Zerfall und verleiht der Haut bestimmte physikalische Eigenschaften. Es ist der wichtigste Schritt im Leben des Materials, der seine spätere Verwendung in der Sattlerwerkstatt bestimmt.
Was zeichnet die Lederverarbeitung aus?
Rohe, vom Tier abgezogene Haut ist anfällig für Fäulnis und wird nach dem Trocknen steinhart. Stellen Sie sich rohe Haut wie einen mit schmutzigem Wasser getränkten Schwamm vor. Die Verarbeitung wirkt wie ein mehrstufiger Prozess, der zunächst dieses Wasser und die Verunreinigungen entfernt und dann die leeren Räume mit stabilisierendem Harz oder Mineralien tränkt. Dadurch wird das Material flexibel, widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit und verarbeitungsbereit.
Im Handwerk begegnen uns zwei Hauptmethoden der Verarbeitung. Die pflanzliche Gerbung (pflanzlich gegerbt) nutzt natürliche Extrakte aus Baumrinde, Blättern und Früchten. Es ist ein langsamer Prozess, der oft viele Wochen dauert. Die Chromgerbung hingegen basiert auf Chromsalzen, die es ermöglichen, Häute in nur wenigen Tagen zu gerben.
Und hier liegt ein häufiger Anfängerfehler – jede gegerbte Haut gleich zu behandeln. Die Gerbmethode verändert die chemische Struktur des Materials vollständig. Pflanzlich gegerbtes Leder ist wasserempfindlich, lässt sich nass formen und seine Kanten polieren. Chromgegerbtes Leder ist hydrophob, hat eine geschlossene Struktur und nimmt weder herkömmliche Lederfarben an, noch lässt es sich ohne spezielle Kantenfarbe aufbereiten.
Wo eignet sich die Lederverarbeitung?
Die Art der Verarbeitung bestimmt maßgeblich, was der Handwerker aus einer bestimmten Haut herstellen kann:
- Traditionelle Sattlerei: Für Gürtelriemen, feste Geldbörsen und Holster wird pflanzlich gegerbtes Leder verwendet. Stärken von 2 mm bis 4 mm ermöglichen eine stabile Formgebung.
- Weichlederwaren: Tote-Bags, Kulturbeutel und weiche Geldbörsen werden aus chromgegerbtem Leder gefertigt. Es ist fließend, leicht und muss nicht ausgeschlagen werden.
- Messermacherei: Leder für Messerscheiden erfordert ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder. Salze aus der Chromgerbung können mit der Zeit Korrosion an Stahlklingen verursachen.
- Hybridprojekte: Gelegentlich wird Leder mit gemischter Gerbung (retanned verwendet), das die Weichheit von Chrom mit der leicht versteifenden Griffigkeit pflanzlicher Gerbstoffe verbindet.
Wie wählt man aus und worauf sollte man achten?
Achten Sie bei der Lederauswahl stets zuerst auf die Angabe zur Gerbmethode. Wenn Sie Stichel, Prägstempel verwenden oder das Material selbst färben möchten, müssen Sie rohes, pflanzlich gegerbtes Leder (sog. Jucht) kaufen.
Achten Sie auf das Kantenverhalten. Wenn Ihr Projekt eine Kantenbearbeitung mittels Kantenpolitur vorsieht, ist pflanzlich gegerbtes Leder die einzig richtige Wahl. Bei chromgegerbten Ledern müssen Sie sich die passende Chemie zum Bemalen der Kanten besorgen. Denken Sie auch daran, dass pflanzlich gegerbtes Leder unter Sonneneinstrahlung natürlich nachdunkelt und Patina ansetzt, während chromgegerbtes Leder seine ursprüngliche, stabile Farbe über Jahre behält.
Produkte aus unserem Sortiment
- Pflanzlich gegerbtes Leder — Häute, die mit traditionellen Methoden gegerbt wurden, ideal für das Handwerk.
- Rindsleder — eine breite Auswahl an Materialien für verschiedene Zwecke.
- Lederfarbe — Präparate zur Farbänderung von pflanzlich gegerbtem Leder.
- Tokonole — japanisches Mittel zur Veredelung von Kanten und Fleischseite, speziell für pflanzlich gegerbtes Leder.
Verwandte Begriffe im Wörterbuch
- Pflanzliche Gerbung
- Chromgerbung
- Veg-Tan Leder
- Chrome-Tan Leder
- Kantenbearbeitung







