Lederbehandlungsmittel sind spezielle Sattlerchemikalien, darunter Öle, Wachse und Finishes, die in der Werkstatt zum Fetten, Weichmachen und endgültigen Schützen der Oberfläche von rohem Blankleder verwendet werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dieser Begriff oft mit dem eigentlichen Gerbprozess verwechselt, der in großen Bottichen in der Gerberei stattfindet. In der Werkstattpraxis des Sattlers sprechen wir von Präparaten zur Konditionierung und Veredelung des Materials, das die Gerberei bereits verlassen hat. Rohes Leder gelangt als Halbfertigprodukt auf den Tisch des Handwerkers und bedarf der richtigen Behandlung, um zu einer vollwertigen, langlebigen Geldbörse, einem Gürtelriemen oder einer Tasche zu werden.
Eigenschaften
Um die Wirkungsweise von Sattlerchemikalien zu verstehen, muss man die Leder in zwei Hauptkategorien einteilen, denn von der Gerbmethode hängt ab, welche Mittel wir verwenden können. Das grundlegende Material, das wir in der Werkstatt weiter „behandeln“, ist pflanzlich gegerbtes Leder, im Volksmund auch Blankleder genannt. Es hat offene Poren und ist im Rohzustand sehr saugfähig. Rohes Blankleder ist wie ein trockener Schwamm – es saugt jedes aufgetragene Öl, Wasser und jede Lederfarbe gierig auf und verändert sofort seine Farbe und Flexibilität. Mit der Zeit dunkelt dieses Leder unter Sonneneinstrahlung und durch Nutzung nach und nach nach und bekommt eine edle Patina. Lederbehandlungsmittel sollen diesen Prozess kontrollieren, die Fasern nähren und vor dem Austrocknen schützen.
Ganz anders reagieren chromgegerbte Leder sowie farbige, bereits werksseitig veredelte Leder. Unser Flaggschiff-Leder Maya oder andere weiche Galanterieleder haben eine geschlossene Narbenstruktur. Sie nehmen keine zusätzlichen Lederfarben, Öle oder Polierwachse auf, die auf die Oberfläche aufgetragen werden. Der Versuch, Lederöl in chromgegerbtes Leder einzudrücken, führt lediglich zu einer klebrigen, schmierenden Schicht, die niemals ins Innere eindringt. Bei solchen Materialien beschränkt sich der Behandlungsprozess in der Werkstatt ausschließlich auf die ästhetische Veredelung der Kanten.
Der entscheidende Parameter bei der Auswahl der Chemikalien ist die Dicke des zu bearbeitenden Materials, die stets in Millimetern angegeben wird. Dünnes Blankleder mit einer Stärke von 1,5 mm, das für das Innere einer Geldbörse bestimmt ist, benötigt nur eine minimale Menge einer leichten Lederpflege, damit es nicht zu weich wird. Ein dicker Gürtelriemen mit einer Stärke von 3,5 mm oder 4 mm, aus dem ein Hundehalsband oder ein Tragriemen für eine schwere Tasche entsteht, hingegen benötigt eine tiefgehende Fettung mit flüssigem Öl. Das Öl dringt zwischen die Kollagenfasern ein, reduziert die innere Reibung und verhindert so, dass das Leder beim Biegen reißt. Ein richtig genährtes Material wird elastisch und seine Lebensdauer verlängert sich um Jahrzehnte.
Anwendungen
Die Werkstattchemie umfasst ein breites Spektrum an Produkten, von denen jedes eine genau definierte Aufgabe im Herstellungsprozess eines Sattlerprodukts hat. Nachfolgend findest du die wichtigsten Schritte, bei denen der Einsatz der richtigen Mittel unerlässlich ist.
- Fetten nach dem Färben. Farben auf Alkoholbasis, wie die beliebten Produkte der Marke Fiebing's (z.B. Pro Dye), trocknen das Leder stark aus. Der Alkohol verdunstet und entzieht dem Material die natürliche Feuchtigkeit. Das Auftragen von reinem Lederöl (Neatsfoot-Öl) unmittelbar nach dem Trocknen der Lederfarbe stellt die Elastizität des Leders wieder her und vertieft die erzielte Farbe.
- Weichmachen dicker Tragelemente. Blankleder-Gürtelriemen mit einer Dicke von über 3 mm sind werksseitig oft sehr steif. Damit sich ein Gürtelriemen gut an den Körper anschmiegt, reibt der Handwerker Mischungen aus Ölen und Bienenwachs ein. Dieser Prozess braucht Zeit – das Leder muss das Präparat aufnehmen und einige Stunden ruhen, bevor mit der weiteren Arbeit fortgefahren wird.
- Schützen des Narbens vor Feuchtigkeit. Rohes Blankleder saugt Wasser auf, was zu unschönen Flecken führt. Zum Verschließen der Poren werden Acryl-Finishes (z.B. Resolene) oder harte Wachse verwendet. Sie bilden eine dünne hydrophobe Barriere auf der Oberfläche. Das Finish wird mit einem Schwamm oder Pinsel aufgetragen, immer in eine Richtung, um Schlieren zu vermeiden.
- Antik-Finish und Hervorheben von Prägungen. Diese Technik betrifft ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Mindeststärke von 2 mm, auf dem zuvor mit einem Ritzmesser oder einem Swivel-Knife Muster angebracht wurden. Antik-Pasten, wie Fiebing's Antique Finish, werden in die gesamte Oberfläche eingerieben und dann schnell der Überschuss abgewischt. Die Paste bleibt nur in den Vertiefungen zurück und erzeugt einen schönen, dreidimensionalen Kontrast.
- Glätten der Fleischseite und Veredeln der Kanten. Die Innenseite des Leders (Fleischseite) ist oft haarig. Zum Glätten derselben sowie zum Polieren der Lederkante wird Tokonole verwendet. Es wird auf die Kante aufgetragen und mit einem Werkzeug namens Holzpolierer (wood slicker) intensiv gerieben. Wichtig: Tokonole ist ausschließlich für Kanten und die Fleischseite bestimmt, niemals als Finish auf dem Narben verwenden.
- Vorbereiten für das Nassformen. Die Herstellung von Holstern oder steifen Etuis erfordert eine Plastifizierung des Leders. Das einfachste Mittel hierfür ist reines Wasser, aber es gibt auch spezielle Flüssigkeiten (Casing Solutions), die es Blankleder mit einer Stärke von 2,5 mm ermöglichen, die Form eines hölzernen Leisten oder einer Waffenreplik perfekt abzubilden.
Wie man wählt
Die Zusammenstellung der Chemikalien für die Sattlerwerkstatt ist ein Prozess, der von deinen Projekten und der Art der verwendeten Materialien abhängt. Bevor du ein Mittel auf das fertige Produkt aufträgst, mache immer einen Test an einem kleinen Reststück. Präparate können den Farbton des Leders drastisch verändern, und ein Fehler in diesem Stadium lässt sich nicht mehr rückgängig machen.
Wenn du ausschließlich mit chromgegerbten oder werksseitig veredelten Ledern arbeitest (z.B. farbige Galanterieleder mit 1,2 mm Stärke), verzichte auf den Kauf von Ölen, Wachsen für den Narben und penetrierenden Lederfarben. Diese Materialien nehmen sie nicht auf. Dein Werkstatt-Arsenal sollte sich auf Kantenfarben, Werkzeuge wie den Kantenhobel (edge beveler) und eventuell milde Reinigungsbalsame beschränken.
Für einen Handwerker, der mit rohem Blankleder arbeitet, ist die Auswahl der Chemikalien grundlegend. Der einsteigende Sattler sollte mit einem absoluten Mindestsatz beginnen: einem guten Öl zum Fetten (z.B. 100 % Lederöl), einer wasser- oder alkoholbasierten Lederfarbe und einem Acryl-Finish zum Schützen des Werks. Wasserbasierte Lederfarben (z.B. Eco-Flo) sind sicherer in der Anwendung, geben keine starken Dämpfe ab und lassen sich leichter von den Händen waschen, was sie zu einer hervorragenden Wahl für den Anfang macht. Alkoholbasierte Lederfarben dringen tiefer ein und ergeben eine haltbarere Farbe, erfordern jedoch Erfahrung im Auftrag, um Flecken zu vermeiden.
Achte auf die Konsistenz der konditionierenden Mittel. Flüssige Öle dringen schnell in dickes Leder ein (z.B. Gürtelriemen 4 mm), können aber im Überschuss dazu führen, dass das Material „schwammig“ wird und seine Tragfähigkeit verliert. Dicke Balsame und Fette auf Bienenwachsbasis wirken eher oberflächlich. Sie sind ideal zum Auffrischen alter Produkte sowie zum Schützen von Geldbörsen mit 1,5 mm Stärke, bei denen es auf die Beibehaltung der Strukturfestigkeit ankommt. Denke daran, Chemikalien sparsam aufzutragen. Es ist immer einfacher, eine zweite dünne Schicht Öl aufzutragen, als den Überschuss aus dem durchtränkten Leder zu entfernen.
Produkte aus unserem Sortiment
In unserem Shop bieten wir das gesamte Spektrum an Chemikalien und Lederwerkzeug, die für die ordnungsgemäße Bearbeitung und Veredelung von Leder notwendig sind. Aufgrund der Besonderheiten der Arbeit mit verschiedenen Materialien haben wir das Sortiment in übersichtliche Kategorien unterteilt. Bei uns findest du Produkte, die es dir ermöglichen, ein Projekt vom rohen Bogen bis hin zum glänzenden, geschützten Produkt durchzuführen.
- Öle und Lederpflege – Die Grundlage der Arbeit mit Blankleder. Wir bieten reine Lederöle sowie fortschrittliche Wachsbalsame, die dem Leder seine natürliche Elastizität zurückgeben und es vor dem Reißen schützen.
- Lederfarben – Eine breite Farbpalette, darunter professionelle alkoholbasierte Lederfarben der Marke Fiebing's (Pro Dye Linie) für eine tiefe Deckkraft sowie umweltfreundliche, wasserbasierte Lederfarben Eco-Flo, ideal zum Lernen und für Hobbyarbeiten.
- Mittel für Kanten und Fleischseite – Das japanische Präparat Tokonole, das in Kombination mit dem Holzpolierer eine perfekt glatte, glasige Kante bei pflanzlich gegerbtem Leder ermöglicht.
- Finishes und Antik-Pasten – Präparate zum Schützen des Narbens vor Wasser und Schmutz (Acryl-Finishes) sowie Fiebing's Antique Finish Pasten, unverzichtbar zum Hervorheben von Details, die in dickes Leder geprägt wurden.
- Polierwerkzeuge – Holzpolierer (wood slicker) mit verschiedenen Rillenprofilen, abgestimmt auf die Lederdicke (von 1,5 mm bis 4 mm), sowie Kantenhobel (edge beveler) in den Größen #0 bis #4 zum präzisen Anfasen der Kanten vor dem Auftragen der Chemikalien.
- Polnische Werkstattchemie – Wir unterstützen lokale Handwerker und führen daher auch Produkte der Marke Pruciak, darunter hervorragende Wachse für Sattlergarn und spezielle Führungen.







