Werkzeug-Organizer ist ein funktionaler Behälter, eine aufrollbare Tasche oder ein Werkstattständer zur sicheren Aufbewahrung und Systematisierung von handwerklichem Zubehör. Er schützt die Klingen vor dem Abstumpfen und den Handwerker vor Verletzungen. In der Sattlerwerkstatt ist die ordnungsgemäße Anordnung der Werkzeuge nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern vor allem des Schutzes teurer Ausrüstung und der Optimierung der Arbeitszeit. Lose in eine Schublade geworfene Werkzeuge verschlechtern sich schnell – die Zähne von Punziereisen können ausbrechen und die präzisen Klingen von Ledermessern werden durch Stöße gegen Metallgriffe anderer Utensilien stumpf.
Eigenschaften
Im Sattlerhandwerk nimmt der Werkzeug-Organizer meist zwei Formen an, die jeweils völlig unterschiedliche Eigenschaften und Verwendungszwecke haben. Die erste ist ein stationärer Organizer aus Holz, der für den Arbeitstisch bestimmt ist. Er wird in der Regel aus massivem Holz oder dickem Sperrholz gefertigt. Seine Konstruktion basiert auf einem System von gebohrten Löchern mit verschiedenen Durchmessern sowie länglichen Schlitzen. Ein solcher Aufbau ermöglicht die vertikale Aufbewahrung von Werkzeugen. Dadurch stehen schwere Prickeisen, empfindliche Sattlerahlen oder Kantenhobel getrennt voneinander, und ihre Arbeitsteile berühren sich nicht. Ein guter Holz-Organizer hat einen stufenförmigen Aufbau, das heißt, die hinteren Lochreihen sind höher angeordnet als die vorderen. Ein guter Organizer ist wie ein gut gestaltetes Armaturenbrett im Auto – jedes Werkzeug befindet sich genau dort, wo Ihre Hand reflexartig hinsucht, ohne dass Sie den Blick vom bearbeiteten Leder abwenden müssen.
Die zweite, ebenso beliebte Form ist der mobile Organizer aus Leder, oft als „Tool Roll“ (aufrollbare Tasche) bezeichnet. Dieses Projekt führen Sattler meist selbst durch und passen es an ihren eigenen Werkzeugsatz an. Es besteht aus einem großzügigen Stück Basislackleder (pflanzlich gegerbtes Leder) und darauf aufgenähten kleineren Paneelen, die enge Taschen und Gürtelschlaufen bilden. Für den Bau eines solchen Organizers wird fast ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder (Blankleder) verwendet. Pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von 2 mm oder 2,5 mm für die Basis sorgt für die nötige Steifigkeit und verhindert, dass sich das Ganze unter dem Gewicht des Metalls zusammenrollt. Für die Taschen hingegen wird Blankleder mit einer Stärke von 1,2 mm bis 1,5 mm verwendet.
Eine äußerst wichtige Eigenschaft von pflanzlich gegerbtem Leder in diesem Zusammenhang ist seine Nassformbarkeit (wet molding). Nach leichtem Anfeuchten mit Wasser wird das Leder formbar und kann präzise um die Griffe der Werkzeuge gelegt werden; nach dem Trocknen behält es die gegebene Form und schafft so perfekt angepasste Aufnahmen. Chromgegerbtes Leder (Nappaleder) ist hierfür völlig ungeeignet. Es ist zu weich, zu elastisch und neigt dazu, sich mit der Zeit zu dehnen. Wenn Sie eine Tasche für schwere Prickeisen aus weichem Nappaleder nähen, werden sich die Taschen nach einigen Monaten so weit dehnen, dass die Werkzeuge bei jedem Anheben des Organizers herausfallen. Chromgegerbtes Leder kann auch nicht nassgeformt werden.
Anwendungen
Organizer erfüllen in der Sattlerwerkstatt viele Funktionen, und ihre Konstruktion ist stets auf die spezifischen Anforderungen der darin aufbewahrten Geräte abgestimmt. Unterschiedliche Werkzeuggruppen erfordern völlig verschiedene Ansätze beim Schutz.
- Aufbewahrung von Prickeisen und Lochzangen. In einem hölzernen Werkstatt-Organizer werden Prickeisen (meist in Sätzen mit Zahnteilungen von 3 mm, 4 mm, 5 mm oder 6 mm) in dafür vorgesehenen länglichen Schlitzen oder Reihen runder Löcher untergebracht. Dies verhindert das Abstumpfen der empfindlichen Zähne, die äußerst empfindlich auf seitliche Stöße reagieren. In einer Ledertasche werden Prickeisen in tiefe Taschen gesteckt, die eng genug sein müssen, damit das Werkzeug nicht von selbst herausfällt.
- Schutz von Schneidwerkzeugen. Das Ledermesser (Head Knife), das Swivel-Messer oder Kantenhobel in den Größen #0 bis #4 erfordern besondere Sorgfalt. In Holz-Organizern stehen Kantenhobel meist mit dem Griff nach unten oder in speziell geformten Aufnahmen. Für das Ledermesser wird oft eine eigene, separate Scheide aus dickem Leder (mindestens 3 mm) mit einer eingeklebten Zwischenlage (sog. Welt) gefertigt, die verhindert, dass die breite, halbrunde Klinge die Fäden durchschneidet.
- Leder-Organizer A5 für Notizen und Schablonen. Dies ist eine spezifische, sehr beliebte Form des Organizers, die an einen aufwendigen Notizbuchumschlag erinnert. Er dient zur Aufbewahrung eines Skizzenbuchs im A5-Format, silberner Zeichenstifte für Leder, kleiner Lineale, eines Spitzzirkels und eines Skalpells. Ein solches Projekt wird oft aus bereits fertiggestellten und gefärbten Ledern wie unserem Flaggschiff-Leder Maya gefertigt. Das Innere kann mit einem dünnen Futterleder von 1 mm Stärke beklebt werden. Da Maya-Leder bereits imprägniert ist, nimmt es keine zusätzlichen Farben auf dem Narben an, und die Kanten eines solchen Organizers werden mit speziellen Kantenfarben (Kantenfarbe) fertiggestellt und nicht poliert.
- Aufrollbare Reisetasche (Tool Roll). Unverzichtbar für Reisen zu Workshops, Handwerksmessen oder einfach für die Arbeit im Freien. Die aufrollbare Konstruktion nimmt wenig Platz in der Tasche ein. Ein entscheidendes Element bei der Anwendung einer solchen Tasche ist die obere Schutzklappe – ein breiter Streifen aus dünnem Leder (ca. 1 mm), der vor dem Zusammenrollen über die oberen Teile der Werkzeuge geklappt wird. Dies verhindert das Herausrutschen der Ausrüstung und das Aneinanderschlagen während des Transports.
- Ständer für Chemikalien und Fäden. Obwohl seltener direkt als Organizer bezeichnet, sind spezielle Holzregale mit Flaschenhaltern für die Sicherheit entscheidend. Fiebing's Pro Dye Lederfarbe oder Töpfchen mit Tokonole können ein Projekt dauerhaft ruinieren, wenn sie umkippen. Ein Organizer mit runden Aufnahmen stabilisiert die Flaschen. Ebenso werden Spulen mit Polyesterfäden wie Slam oder Vinymo MBT auf Holzdübeln aufbewahrt, was Verwicklungen verhindert und ein schnelles Abwickeln erleichtert.
Wie wählen
Die Entscheidung, ob Sie einen fertigen Organizer kaufen oder Ihren eigenen herstellen, hängt von Ihren Bedürfnissen, Fähigkeiten und dem Stadium Ihrer Werkstatt ab. Wenn Sie eine Lösung für den Tisch suchen, ist die Wahl eines Holzblocks am rationalsten. Achten Sie beim Kauf jedoch genau auf den Durchmesser der Löcher. Messen Sie die dicksten Griffe Ihrer Sattlerahlen und Prickeisen. Standardlöcher mit 10 mm Durchmesser könnten sich für ergonomische Griffe dickerer Werkzeuge, die oft 15 mm oder mehr Durchmesser haben, als zu schmal erweisen. Wählen Sie Modelle, die eine unterschiedliche Größe der Aufnahmen bieten.
Wenn Sie sich dafür entscheiden, eine eigene Leder-Tool-Roll zu nähen, müssen Sie die Maße streng planen. Für einen Anfänger im Sattlerhandwerk ist der häufigste Fehler, den Taschenstreifen flach an die Basis zu nähen. Wenn Sie das Leder flach annähen, ohne Spielraum (sog. Zugabe für den Umfang) zu lassen, können Sie kein Werkzeug mit rundem Griff in die Tasche stecken, da das Leder keinen Platz hat, sich zu wölben. Um die Breite einer einzelnen Tasche zu berechnen, messen Sie den Umfang des Werkzeuggriffs, teilen Sie ihn durch zwei und addieren Sie auf jeder Seite 3-4 mm für die Arbeitsnaht sowie die Dicke des Leders selbst hinzu.
Ein weiterer Aspekt ist die Reihenfolge der Endbearbeitung. Bevor Sie das Taschenpanel an das Hauptlederblatt nähen, müssen Sie unbedingt dessen Oberkante fertigstellen. Nach dem Zusammennähen haben Sie dort keinen Zugang mehr. Verwenden Sie einen Kantenhobel in Größe #1 oder #2, um die scharfen Ecken der Kante abzuschrägen, und tragen Sie dann etwas Tokonole auf. Reiben Sie die Kante mit einem Kantenglätter (wood slicker), bis sie glatt, glänzend und vor Ausfransen geschützt ist. Eine unbearbeitete Taschenkante an einem Organizer beginnt schnell zu fusseln, wenn Sie ständig raue Werkzeuge hinein- und herausschieben.
Zum Nähen des Leder-Organizers verwenden Sie ausschließlich starke Fäden, zum Beispiel gewachste Slam-Fäden oder dickere Vinymo MBT. Wenden Sie die klassische Sattlernaht (Sattlernaht) an. Denken Sie an ein kräftiges Riegeln (backstitch), also das Zurückstechen um zwei oder drei Stiche ganz oben an jedem Fach. Genau dort entsteht die größte Spannung, wenn Sie ein dickes Werkzeug gewaltsam in eine enge Tasche drücken. Eine schlecht gesicherte Naht an dieser Stelle reißt bereits nach wenigen Wochen intensiver Nutzung. Wenn Sie einen eleganten A5-Leder-Organizer aus fertigen Galanterie-Ledern herstellen, stellen Sie sicher, dass Sie entsprechende Verstärkungen (z. B. Glasfasergewebe) an der Rückenbiegung verwenden, wo das Leder am stärksten beansprucht wird.
Produkte aus unserem Angebot
Die Herstellung oder Ausstattung eines professionellen Organizers erfordert geeignete Materialien und Werkzeuge. In unserem Shop finden Sie alles Notwendige für diese Aufgabe.
- Lederwerkzeug – Das Herzstück jedes Organizers. In dieser Kategorie finden Sie Prickeisen, Kantenhobel, Ledermesser, Sattlerahlen und Spitzzirkel. Es lohnt sich, Ihre Leder-Tool-Roll zu entwerfen oder einen Holzständer genau nach den Maßen dieser speziellen Werkzeuge auszuwählen, um deren präzise Klingen vor Abstumpfung und mechanischen Schäden in der Werkstatt zu schützen.
- Pflanzlich gegerbtes Leder (Blankleder) – (Kein direkter Link in dieser Aufstellung, bitte in der Rubrik Leder suchen). Das ideale Konstruktionsmaterial für die Herstellung von aufrollbaren Taschen. Wir bieten Blankleder in Stärken von 1,5 mm für Taschen bis zu 2,5 mm für eine solide Organizer-Basis an, das sich hervorragend zur Nassformung eignet.
- Fäden und Chemikalien für die Endbearbeitung – (Kein direkter Link in dieser Aufstellung). Damit Ihr Organizer jahrelang hält, empfehlen wir zum Nähen die Polyesterfäden Slam oder Vinymo MBT. Für den Schutz und das Glätten der Taschenkanten ist das originale japanische Tokonole unerlässlich.







