Materialien für das Knifemaking sind ausgewählte Rohstoffe wie Stahl, Holz, Kunststoffe und dickes, pflanzlich gegerbtes Leder, die für den Bau von Messern und das handgenähte Anfertigen passender Scheiden verwendet werden.
Eigenschaften
Knifemaking, die Kunst der handgefertigten Messerherstellung, verbindet Metallbearbeitung, Holzarbeit und Sattlerei. Aus der Perspektive der Lederverarbeitung sind Materialien für das Knifemaking vor allem die Rohstoffe, die für eine robuste, sichere und ästhetische Scheide notwendig sind. Die Klinge, selbst aus bestem Stahl, benötigt eine passende Umhüllung, um sicher am Gürtel getragen werden zu können. Die Anforderungen an die Materialien in diesem Bereich sind extrem hoch. Das Leder für die Scheide muss steif, dick und schnittfest sein, gleichzeitig aber formbar. Daher ist pflanzlich gegerbtes Leder (auch Blankleder genannt) der absolute Standard. Seine dichte Faserstruktur ermöglicht es, das scharfe Werkzeug sicher zu halten.
Eine gut geformte Scheide aus dickem, pflanzlich gegerbtem Leder wirkt wie eine maßgeschneiderte Rüstung – sie schützt den Stahl vor äußeren Einflüssen und den Träger vor versehentlichen Schnitten. Um diesen Effekt zu erzielen, nutzen Sattler die einzigartige Eigenschaft von pflanzlich gegerbtem Leder: die Nassformbarkeit (Wet Molding). Nach dem Einweichen in Wasser wird das Leder plastisch wie Knete. Es kann direkt auf das in Folie eingewickelte Messer aufgezogen werden, und nach dem Trocknen härtet es aus und behält seine Form dauerhaft bei. So „klickt“ das Messer beim Einführen in die Scheide und sitzt auch ohne zusätzliche Sicherungsriemen fest. Chromgegerbtes Leder ist für diesen Prozess völlig ungeeignet – es behält nach dem Nässen keine Form, und Rückstände der beim Gerben verwendeten Chromsalze können mit hochkohlenstoffhaltigem Stahl reagieren und Rostbildung an der Klinge verursachen.
Viele Anfänger machen den Fehler, für das Nähen von Scheiden Polstermaterial oder Kunstleder zu verwenden. Diese Materialien sind im Knifemaking völlig ungeeignet. Gewöhnliches Polsterleder (oft dünnes Spaltleder oder chromgegerbtes Leder mit 0,8–1,2 mm Stärke) ist zu weich, um ein schweres Messer zu halten, und die scharfe Schneide würde es beim ersten Einführen durchtrennen. Kunstleder hingegen ist nicht atmungsaktiv und speichert Feuchtigkeit in der Scheide, was schnell zur Zerstörung des Messers führt. Professionelle Sattlermaterialien für das Knifemaking sind Rohstoffe mit hoher Dichte, meist im Dickenbereich von 2,5 mm bis zu 4 mm. Sie erfordern den Einsatz spezialisierter Werkzeuge wie scharfer Prickräder mit großem Abstand (z. B. 5 mm oder 6 mm) sowie sehr starker, synthetischer Sattlergarne, die unter Feuchtigkeitseinfluss im Gelände nicht verrotten.
Anwendungen
Die Besonderheit der Messerherstellung und ihrer Umhüllungen führt zu sehr spezifischen und anspruchsvollen Anwendungen. Jedes Element erfüllt eine Gebrauchsfunktion, und Ästhetik ist ein Mehrwert zu einer soliden Konstruktion.
- Scheiden für Messer mit feststehender Klinge (Fixed Blades). Dies ist die klassischste Anwendung. Für schwere Camping-, Bushcraft- oder Jagdmesser wird pflanzlich gegerbtes Rindsleder mit einer Stärke von 3 mm oder 3,5 mm verwendet. Die Konstruktion einer solchen Scheide erfordert fast immer das Einkleben einer sogenannten Zwischenlage (Welt) – eines etwa 10 mm breiten Lederstreifens, der zwischen den beiden Hauptschichten der Scheide entlang der Nahtlinie liegt. Diese Zwischenlage schützt die Sattlernaht davor, von der in die Scheide eingeführten Klinge durchtrennt zu werden.
- Etuis für Klappmesser (Folder). Klappmesser haben keine freiliegende Klinge, daher dient die Scheide hier als Etui für den Gürtel. Da die Gefahr des Durchtrennens der Naht von innen nicht besteht, kann etwas dünneres, pflanzlich gegerbtes Leder verwendet werden, z. B. mit einer Stärke von 2 mm oder 2,5 mm. Diese Dicke eignet sich ideal für aufwändige Verzierungen. Mit Prickeisen und Punziereisen lassen sich komplizierte Muster einprägen (Tooling), was im Western-Stil sehr beliebt ist.
- Griffschalen (Materialien für den Messergriff). Obwohl dies hauptsächlich die Bearbeitung harter Materialien betrifft, greifen Sattler oft auf Rohstoffe für die Griffgestaltung zurück. Verwendet werden harte exotische Hölzer, Micarta, G10-Laminate sowie Messing- oder Stahlstifte zum Nieten. Manchmal werden Griffe traditioneller skandinavischer Messer (Puukko) hergestellt, indem viele Lagen dicht aneinandergepressten, pflanzlich gegerbten Leders von 3 mm Stärke auf den Erl (Tang) aufgebracht und anschließend gehärtet und imprägniert werden.
- Distanzplatten (Liners). Zwischen dem Stahlerl des Messers und den Griffschalen werden oft dünne Distanzplatten eingesetzt. Sie dienen der Spannungsdämpfung und haben eine dekorative Funktion. Dafür wird vulkanisierte Fiber oder sehr dünnes, pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Stärke von etwa 1 mm verwendet.
- Tragesysteme und Dangler. Der Scheidenkörper allein reicht nicht aus – das Messer muss am Gürtel befestigt werden. Dangler sind spezielle Lederschlaufen, die der Scheide ermöglichen, frei zu baumeln, was beim Sitzen oder Hocken im Wald äußerst praktisch ist. Für ihre Herstellung werden Streifen aus pflanzlich gegerbtem Leder von 2,5–3 mm Stärke verwendet, die mit soliden Sattlernieten oder Messing-Schraubnieten verbunden werden.
- Abziehleder (Stropps). Abfälle aus der Scheidenproduktion eignen sich hervorragend für die Herstellung eines Schärfwerkzeugs. Ein Stück pflanzlich gegerbtes Leder von 2 mm oder 3 mm Stärke, mit der glatten Narbenseite oder Fleischseite auf ein flaches Brett geklebt, wird zum Abziehleder. Nach dem Auftragen von Polierpaste mit Aluminiumoxid wird das Messer darüber gezogen, um die Schneide auf Hochglanz zu polieren und den mikroskopischen Grat nach dem Schärfen auf Steinen zu entfernen.
Wie wählt man aus
Bei der Zusammenstellung von Materialien für das Knifemaking sollte man mit einer genauen Planung des Projekts beginnen. Die Herangehensweise an die Umhüllung eines kleinen Schnitzmessers unterscheidet sich von der eines mächtigen Campinghakens. Die wichtigste Entscheidung ist die Wahl des richtigen Leders. Wenn du die Scheide nassformen, Initialen einprägen oder sie selbst färben möchtest, musst du rohes, pflanzlich gegerbtes Leder (Blankleder) wählen. Für einen Anfänger ist ein Zuschnitt aus pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Stärke von 2,5–3 mm optimal. Zu dünnes Leder (z. B. 1,5 mm) behält nach der Formung keine Form, zu dickes (über 4 mm) ist ohne Übung sehr schwer mit dem Prickrad zu durchstechen und zu nähen.
Der nächste Schritt ist die Auswahl der Sattlerchemie. Rohes, pflanzlich gegerbtes Leder ist hell und anfällig für Verschmutzungen. Um ihm Farbe zu verleihen, verwende professionelle Lederfarbe auf Alkoholbasis wie Fiebing's Pro Dye, die tief in die Fasern eindringt. Beachte jedoch: Wenn du dich für den Kauf von bereits fertig gegerbtem und gefärbtem Leder aus der Gerberei entscheidest, kannst du es nicht mehr zusätzlich einfärben oder die Narbenoberfläche wachsen. Farbiges Leder nimmt Chemikalien nur an den rohen Kanten an. Unabhängig von der Wahl des Leders musst du die Kanten bearbeiten. Eine rohe, unbearbeitete Kante einer Scheide würde Wasser aus der Umgebung aufnehmen und schnell ausfransen. Die Kanten müssen mit einem Kantenhobel (Edge Beveler, gängige Größen #2 oder #3 für dickere Leder) abgeschrägt, mit Schleifpapier geglättet und dann mit Tokonole und einem hölzernen Kantenglätter (Wood Slicker) poliert werden. Tokonole ist ein Mittel ausschließlich für Kanten und die Fleischseite – trage es nicht als Imprägnierung auf die Narbenseite der Scheide auf.
Die Wahl des Sattlergarns ist entscheidend für die Sicherheit. Ein im Gelände getragenes Messer ist Schmutz, Regen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Traditionelles Leinengarn kann mit der Zeit durch Feuchtigkeit faulen. Für das Nähen von Scheiden sind vielmehr starke Polyesterfäden geeignet. Eine gute Wahl sind flache, gewachste Slam-Fäden mit einer Stärke von 0,8 mm oder 1,0 mm, die die Löcher des Prickrads gut ausfüllen. Wenn du runde Fäden bevorzugst, greife zu Vinymo MBT. Die Scheide sollte ausschließlich von Hand mit einem Sattlernaht (Saddle Stitch) mit zwei Nadeln genäht werden. Im Gegensatz zur Maschinennaht führt das Durchtrennen einer Schlaufe des Sattlernahts durch die Messerklinge nicht zum Auftrennen der gesamten Naht, was im Feldeinsatz vor dem Verlust des Werkzeugs schützen kann.
Produkte aus unserem Sortiment
In unserem Shop haben wir eine eigene Kategorie eingerichtet, in der Sie bewährte Rohstoffe und Werkzeuge für die professionelle Umhüllung Ihrer Klingen finden.
- Materialien für das Knifemaking – In dieser Abteilung haben wir alles zusammengestellt, was für die Arbeit mit Messern notwendig ist. Sie finden hier dicke Zuschnitte aus pflanzlich gegerbtem Leder (Blankleder), ideal zum Nassformen, robuste, wetterbeständige synthetische Sattlergarne sowie professionelle Chemikalien. Wir bieten Fiebing's Lederfarbe zum Einfärben von rohem Leder und Tokonole zur perfekten Endbearbeitung und Versiegelung von Scheidenkanten. Auch spezialisierte Beschläge, Messingnieten und Schraubnieten für die Montage von Gürtelschlaufen und Danglern sind erhältlich.
Verwandte Begriffe
- Pflanzlich gegerbtes Leder
- Nassformen von Leder
- Sattlernaht
- Kantenbearbeitung von Leder
- Tokonole
- Kantenhobel







