Prickeisen (im Deutschen auch Stichmarkierer genannt) sind traditionelle Werkzeuge aus der Sattlerei und Lederverarbeitung, die zum präzisen Markieren der Stellen dienen, an denen später mit der Sattlerahle Löcher gestochen werden. Im Gegensatz zu Lederstanzwerkzeugen durchdringen Prickeisen das Leder nicht vollständig, sondern hinterlassen auf dem Narben eine deutliche, schräge Markierung, die einen perfekt gleichmäßigen Sattlernaht (handgenäht) ermöglicht.
Was zeichnet Prickeisen aus?
Ein Prickeisen ist ein massives, metallenes Werkzeug in Gabelform, das mit mehreren Zähnen endet, die in einem bestimmten Winkel angeordnet sind. Die klassischsten Werkzeuge dieser Art stammen aus der französischen Schule der Lederverarbeitung, wo die Zähne die Form flacher, schräger Klingen haben. Sie werden mit dem Punzierhammer eingeschlagen, allerdings ist die Schlagkraft deutlich geringer als bei Stanzwerkzeugen – Ziel ist es lediglich, einen klaren Abdruck im Narben des Leders zu hinterlassen.
Stellen Sie sich das Prickeisen wie einen Stempel mit einem perfekt gleichmäßigen, erhabenen Muster vor. Es durchlöchert das Papier nicht, sondern hinterlässt nur eine deutliche Spur, in die später mit einem spitzen Bleistift gezielt wird. Dieser Bleistift ist in der Lederverarbeitung die Sattlerahle, die in einem bestimmten Winkel durch die gesamte Lederdicke sticht und den Weg für die Nadeln öffnet.
Der Unterschied scheint gering, entscheidet aber in der Praxis über das endgültige Aussehen hochwertiger Produkte. Die Verwendung von Prickeisen und Sattlerahle (anstatt das Leder mit einem Stanzer vollständig zu durchdringen) sorgt dafür, dass das Loch kleiner ist und die Lederfasern auseinandergedrängt, nicht herausgeschnitten werden. Nachdem der Faden angezogen ist, schließt sich das Loch von selbst und bildet eine äußerst elegante, geneigte Sattlernaht, die für renommierte Modelhäuser weltweit charakteristisch ist.
Wo werden Prickeisen eingesetzt?
Prickeisen werden überall dort verwendet, wo die Ästhetik der Sattlernaht entscheidend ist und das Projekt mit höchstem Respekt vor dem traditionellen Handwerk ausgeführt wird:
- Uhrenarmbänder: Hier erfordert der sehr enge Zinkenabstand ein präzises Stechen mit der Sattlerahle, um das dünne Leder nicht zu schwächen.
- Geldbörsen und Premium-Lederwaren: Zur Erzeugung einer perfekt geneigten Sattlernaht an den Kanten von Geldbörsen aus pflanzlich gegerbtem Leder.
- Dicke mehrschichtige Projekte: Wenn mehrere Lagen dickes Leder verbunden werden (z. B. mit einer Gesamtdicke von 4–5 mm bei Messerscheiden oder Taschen), könnte ein Stanzwerkzeug im Material stecken bleiben. Das Prickeisen markiert die Linie auf der Oberseite, und die Sattlerahle führt das Loch durch alle Schichten.
Wie wählt man Prickeisen aus und worauf sollte man achten?
Bei der Auswahl von Prickeisen ist der wichtigste Parameter der Zinkenabstand (oft angegeben als Anzahl der Zähne pro Zoll – SPI, oder der Abstand in Millimetern). Für feine Lederwaren wie Geldbörsen oder Uhrenarmbänder wählt man einen Abstand von 3 mm. Für mittelgroße Taschen und Gürtelriemen eignen sich 4 mm oder 5 mm gut.
Es empfiehlt sich, mindestens zwei Werkzeuge mit demselben Zinkenabstand zu besitzen: eines mit vielen Zinken (z. B. 8 oder 10) für schnelles Markieren langer, gerader Linien und eines mit zwei Zinken für das geschmeidige Arbeiten an Bögen und Rundungen. Denken Sie auch daran, dass Prickeisen richtungsgebunden sind – sie bestimmen die linke oder rechte Sattlernaht, was beim fortgeschrittenen Sattlernahtnähen von Bedeutung ist.
Produkte aus unserem Sortiment
Bei CraftPoint finden Sie die notwendigen Werkzeuge für eine perfekte handgenähte Sattlernaht:
- Lederstanzwerkzeuge – in dieser Kategorie finden Sie sowohl Stanzahlen (stitching chisels) als auch Werkzeuge vom Typ Prickeisen (französische).
- Sattlerahlen – die notwendige Ergänzung zu den Prickeisen, zum eigentlichen Durchstechen des Leders.
- Spitzzirkel – werden verwendet, um die Kantenlinie zu markieren, entlang derer später das Prickeisen geführt wird.
- Nähkloben – hölzerne Schraubzwingen, die das Leder halten und gleichzeitiges Arbeiten mit der Sattlerahle und zwei Nadeln ermöglichen.







