Zwei-Nadel-Nähen, in der Sattlerei und Lederverarbeitung allgemein als Sattlernaht bekannt, ist eine traditionelle und sehr haltbare Methode zum manuellen Verbinden von Lederelementen. Dabei werden zwei Ledernadeln, die an den gegenüberliegenden Enden eines einzigen Fadens angebracht sind, durch dasselbe Loch in entgegengesetzte Richtungen geführt. Diese Technik bildet seit Jahrhunderten die Grundlage der Lederarbeit und gewährleistet eine Verbindung, die widerstandsfähig gegen mechanische Beschädigungen ist.
Worin besteht das Zwei-Nadel-Nähen?
Die Mechanik dieses Stichs basiert auf dem kontinuierlichen Verflechten der beiden Arbeitsenden des Fadens innerhalb des im Leder erzeugten Lochs. Im Gegensatz zum maschinellen Steppstich, bei dem sich Ober- und Unterfaden lediglich im Material verhaken, verläuft hier jeder Faden durch die gesamte Dicke der Schichten.
Stelle dir das Maschinennähen wie eine Fahrradkette vor – der Bruch eines einzigen Glieds führt zum sofortigen Aufgehen der gesamten Kette. Das Zwei-Nadel-Nähen gleicht eher dem Flechten eines starken Seils. Wenn ein Faden im Gebrauch reißt, hält der andere die beiden Lederschichten dennoch zusammen und verhindert so das Auftrennen der gesamten Sattlernaht.
Für die einen ein Nachteil, für die anderen ein Vorteil – diese Art der Naht erfordert wesentlich mehr Zeit und Geduld als die maschinelle Arbeit, belohnt jedoch mit enormer Haltbarkeit. Sie erfordert zudem die Vorbereitung der Löcher mittels Prickeisen oder einer Sattlerahle, da die für diese Technik verwendeten Ledernadeln stumpfe Spitzen haben.
Damit die Naht auf beiden Seiten ästhetisch und gleichmäßig aussieht, muss der Handwerker vollständige Wiederholbarkeit der Bewegungen sicherstellen. Das bedeutet, dass jedes Mal die Nadel von der rechten Seite zuerst in das Loch eintreten muss, gefolgt von der linken Nadel, die sich stets über oder unter dem ersten Faden legt.
Wann sollte das Zwei-Nadel-Nähen angewendet werden?
Die Sattlernaht wird überall dort eingesetzt, wo maximale Festigkeit oder ein einzigartiges, handwerkliches Erscheinungsbild gefordert ist.
- Gürtelriemen: Die Naht, die die Gürtelschnalle fixiert, muss enormen Zugbelastungen standhalten, daher sorgt die manuelle Naht für absolute Sicherheit.
- Holster und Messerscheiden: Dicke Leder (oft über 3 mm), die zu mehrschichtigen Paketen verbunden werden, lassen sich maschinell nur äußerst schwierig nähen.
- Premium-Portemonnaies: Die Handnaht ist ein Kennzeichen von Luxus und handwerklichem Charakter.
- Taschen und Aktentaschen: Das Zwei-Nadel-Nähen wird an neuralgischen Punkten eingesetzt, wie etwa den Befestigungen von Griffen oder Tragegurten.
- Reitsportausrüstung: Historisch gesehen die ursprüngliche Anwendung dieser Technik an Sätteln, bei der die Sicherheit des Reiters von der Haltbarkeit der Naht abhängt.
Wie wählt man aus und worauf sollte man achten?
Für die korrekte Ausführung dieser Naht benötigst du einige Schlüsselelemente. In erster Linie den Faden – hierfür eignen sich hervorragend gewachste Polyesterfäden wie Slam oder dickere Polyesterfäden wie Vinymo MBT. Das Wachs verhindert das Verheddern langer Fadenstücke und schützt die Naht vor Feuchtigkeit. Die Fadenstärke sollte dem Lochabstand angepasst sein. Für Prickräder mit einem Abstand von 3 mm oder 4 mm ist ein Faden mit einer Stärke von 0,45 mm bis 0,6 mm geeignet. Bei größeren Projekten und Abständen von 5 mm oder 6 mm greife zu Fäden mit einer Stärke von 0,8 mm bis 1,0 mm.
Wichtig ist auch die Wahl der Nadeln. Es müssen Ledernadeln mit stumpfer Spitze sein. Eine scharfe Nadel könnte den bereits im Loch befindlichen Faden durchstechen, was das Stichbild ruinieren und die Verbindung schwächen würde. Das Nadelöhr sollte groß genug sein, dass der Faden mühelos hindurchgleitet, aber klein genug, um das Loch im Leder nicht übermäßig aufzuweiten.
Damit der Faden beim Nähen nicht abrutscht, sollte er an der Nadel fixiert werden. Fädle den Faden durch das Öhr, durchsteche dann mit der Nadelspitze etwa 1-2 cm vom Ende entfernt das Geflecht des Fadens und ziehe anschließend am längeren Fadenende, um ihn sicher am Nadelöhr zu arretieren.
Während der Arbeit ist eine Fixierung des Projekts unerlässlich. Das Halten des Leders in den Händen verhindert das korrekte Spannen des Fadens von beiden Seiten gleichzeitig. Deshalb wird zum Zwei-Nadel-Nähen stets ein Nähkloben verwendet, der beide Hände des Handwerkers freigibt.
Produkte aus unserem Sortiment
- Sattlergarn — breite Auswahl an Polyesterfäden, geeignet für starke Handnähte.
- Slam Fäden — gewachste Polyestergeflechte, die sich hervorragend in den Löchern legen und auch bei langen Näharbeiten nicht ausfransen.
- Ledernadeln — stumpfspitzige Ledernadeln, die ohne Beschädigung des Fadens glatt durch die Löcher gleiten.
- Nähkloben — hölzerne Werkzeuge zur Fixierung des Leders, unerlässlich für komfortables Nähen mit zwei Händen.
- Lederwerkzeug – Prickräder — Werkzeuge zum gleichmäßigen Vorlochen des Materials vor dem Nähbeginn.







