Sattlergarn ist eine spezielle Kordel (meist 0,8–1,2 mm stark), die zum manuellen Verbinden dicker Lederschichten mit Sattlerahle und zwei Ledernadeln dient. Es bietet eine hohe mechanische Festigkeit, die bei stark belasteten Projekten unerlässlich ist.
Was zeichnet Sattlergarn aus?
Stellen Sie sich eine dicke Naht wie das Stahlseil einer Hängebrücke vor – jede einzelne Drehung überträgt enorme Spannungen und hält die steifen Narben zusammen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben Sattlergarne einen völlig anderen Aufbau als normale Nähgarne. Sie sind fest gedreht oder geflochten, was ein Aufspalten beim wiederholten Durchziehen durch enge Löcher im Leder verhindert.
Die meisten Sattlergarne sind werkseitig gewachst. Das Wachs erfüllt mehrere Schlüsselfunktionen: Es reduziert die Reibung beim Nähen, schützt die Fasern vor Feuchtigkeit und „verklebt“ die Naht nach dem Anziehen, sodass sich der Stich nicht lockert. Zur Wahl stehen meist synthetische Garne (Polyester), die unempfindlich gegen Fäulnis sind, sowie traditionelle Leinengarne, die für ihr klassisches, natürliches Aussehen geschätzt werden.
Ein häufiger Anfängerfehler ist die Verwendung zu dicker Garne für zu kleine Löcher. Der Stich wird dann wulstig, ungleichmäßig und anfällig für Scheuerstellen im Laufe der Nutzung des fertigen Gegenstands.
Wo wird Sattlergarn eingesetzt?
Dickes Sattlergarn bewährt sich überall dort, wo Haltbarkeit und ein robuster, handwerklicher Look Priorität haben:
- Messer- und Axtscheiden: Hier könnten scharfe Kanten dünne Nähte leicht durchtrennen.
- Holster und taktische Ausrüstung: Sie erfordern hohe Widerstandsfähigkeit gegen Witterung und ruckartige Belastungen.
- Schwere Gürtelriemen und Geschirre: Zum Verbinden mehrerer Lagen dickem Rindsblankleder.
- Reise- und Motorradtaschen (Satteltaschen): Bei denen die Nähte unter starker Last arbeiten.
Wie wählt man das richtige Sattlergarn aus?
Entscheidend ist die Abstimmung der Garnstärke auf die Teilung des Prickrads. Für dicke Garne (0,8–1,0 mm) eignen sich Prickräder mit 5 mm oder 6 mm Teilung. Eine engere Teilung (z. B. 3 mm oder 4 mm) würde das Garn optisch dominieren lassen und grob wirken.
Achten Sie auf das Material. Wenn hohe Festigkeit und Wasserbeständigkeit gefragt sind, greifen Sie zu Polyestergarnen wie dem geflochtenen, gewachsten Slam-Garn oder dickeren Vinymo-MBT-Garnen. Fertigen Sie historische Nachbildungen oder legen Sie Wert auf ein 100 % natürliches Produkt, wählen Sie Leinengarn. Bedenken Sie jedoch, dass dieses vor der Arbeit zusätzlich über ein Stück Bienenwachs gezogen werden muss.
Produkte aus unserem Sortiment
- Slam-Garne – geflochtene, gewachste Polyesterfäden mit 0,8 mm Stärke, geeignet für schwere Projekte.
- Sattlergarn – breite Auswahl werkseitig gewachster Garne, gebrauchsfertig.
- Prickräder – Werkzeuge mit weitem Zahnabstand (5 mm und 6 mm), notwendig bei dicken Garnen.
- Ledernadeln – stumpfe Sattlernadeln mit großem Öhr, die problemlos 1,0‑mm‑Garn aufnehmen.
- Sattlerahlen – erleichtern das Durchstechen dicker Lederschichten für eine kräftige Naht.







