Sattlergarn ist ein extrem reißfestes und abriebfestes Garn, meist aus Polyester, das für die Handnaht von dicken Naturlederschichten entwickelt wurde. In der Lederverarbeitung ist es das absolute Fundament – es sorgt dafür, dass das fertige Produkt Jahre intensiver Nutzung übersteht, ohne dass die Naht reißt.
Die Wahl des richtigen Garns ist eine Entscheidung, die genauso wichtig ist wie die Auswahl des Leders selbst. Selbst ein sorgfältig zugeschnittenes und veredeltes Projekt verliert an Wert, wenn Sie gewöhnliches Nähgarn verwenden, das bei der ersten stärkeren Belastung nachgibt.
Was zeichnet Sattlergarn aus?
Professionelles Sattlergarn unterscheidet sich in Aufbau und Veredelung von handelsüblichen Nähgarnen. Stellen Sie es sich wie ein miniaturisiertes Stahlseil vor – es handelt sich nicht um eine einzelne, spröde Faser, sondern um eine kompakte Konstruktion aus miteinander verflochtenen Mikrofasern, die gemeinsam enorme Lasten tragen. Dieser Aufbau verhindert, dass sich das Garn beim wiederholten Durchziehen durch enge Löcher im Leder aufspaltet.
Ein entscheidendes Merkmal ist die Imprägnierung mit Wachs. Die meisten für Leder bestimmten Garne haben eine Werksveredelung mit einer Wachsschicht. Das Wachs erfüllt hier eine dreifache Funktion: Es verbindet die Fasern zu einer glatten Einheit, verringert die Reibung beim Nähen und dichtet die fertige Naht gegen Feuchtigkeit ab.
Für die einen ein Nachteil, für die anderen ein Vorteil – stark gewachste Garne können sich anfangs etwas klebrig und steif anfühlen. Diese Steifheit ist jedoch äußerst erwünscht. Sie erleichtert das Einfädeln in die Nadel, ohne dass die Spitze ausfranst, und hilft dabei, einen gleichmäßigen, ästhetischen Stich zu formen, der sich schön auf der Narbenseite des Leders legt.
Derzeit dominiert Polyestergarn den Markt. Es ist vollständig beständig gegen Fäulnis, UV-Strahlung und Schimmel – ein enormer Vorteil bei Produkten, die Witterungseinflüssen ausgesetzt sind.
Wo wird Sattlergarn eingesetzt?
Sattlergarn kommt überall dort zum Einsatz, wo das Material einen hohen Widerstand bietet und das fertige Produkt starken Belastungen standhalten muss:
- Gürtelriemen: Das Annähen von Gürtelschnallen und Gürtelschlaufen, wo die mechanische Belastung am größten ist. Hier kommen in der Regel stärkere Garne (0,8 mm – 1,0 mm) zum Einsatz.
- Messerscheiden und Holster: Das Verbinden von sehr dicken Lederschichten (oft mit einer Gesamtdicke von 8–10 mm), die ein kräftiges Anziehen des Stichs erfordern.
- Taschen und Rucksäcke: Das Einnähen von Griffen, Tragegurten und das Verbinden der tragenden Hauptbahnen.
- Portemonnaies und Etuis: Das Erstellen von feinen, aber dennoch robusten Nähten, meist mit dünneren Varianten (0,6 mm – 0,8 mm).
Wie wählt man Sattlergarn aus und worauf sollte man achten?
Achten Sie bei der Auswahl vor allem auf die Garnstärke und das Material. Die Stärke muss auf den Teilungsabstand Ihrer Prickwerkzeuge abgestimmt sein. Wenn Sie feine Werkzeuge mit einem Teilungsabstand von 3 mm verwenden, wirkt ein starkes Garn von 1,0 mm grob und passt möglicherweise nicht durch die Löcher. Wählen Sie in diesem Fall ein Garn mit 0,6 mm. Bei großen Teilungsabständen (5 mm oder 6 mm) und dickem Leder hingegen geht ein dünnes Garn optisch unter, sodass Sie besser zu 0,8 mm oder 1,0 mm greifen.
Der zweite Punkt ist die Querschnittsform. Geflochtene Garne (rund) sind sehr universell und verzeihen Fehler bei der Nadelhaltung. Gedrehte Garne können sich während der Arbeit aufdrehen, wenn Sie die Technik des Drehens der Nadel in den Fingern nicht beherrschen. Für Anfänger ist ein geflochtenes Polyestergarn mit flachem oder leicht ovalem Querschnitt die mit Abstand sicherste Wahl.
Produkte aus unserem Sortiment
- Slam-Garne – bewährte, geflochtene Polyester-Garne, die in vielen Werkstätten als Standard gelten. Reißfest und legen sich hervorragend in der Naht.
- Sattlergarn – eine breite Auswahl an Garnen mit werkseitig aufgetragener Wachsschicht, sofort einsatzbereit.
- Ledernadeln – stumpfe Sattlerahlen, die für die korrekte Führung von Sattlergarn durch die vorbereiteten Löcher unerlässlich sind.
- Lochwerkzeuge für Leder – notwendige Werkzeuge, um die Löcher zu stanzen, durch die Sie das Garn führen.







