Taschen aus echtem Leder gehören zu den lohnendsten Projekten im Sattlerhandwerk, deren Haltbarkeit und endgültiges Erscheinungsbild von der richtigen Auswahl der Häute, Fäden und Beschläge abhängen. Das manuelle Nähen von Taschen, meist mit dem Sattlernaht und Lochwerkzeugen mit einem Abstand von 3, 4, 5 oder 6 mm, erfordert die Berücksichtigung der Steifigkeit des Materials, seiner Dicke und der geplanten Methode der Kantenbearbeitung.
Was zeichnet Taschen aus echtem Leder aus?
Stell dir den Aufbau einer Tasche wie den Bau eines Hauses vor – das Leder sind die tragenden Wände, die eine ausreichende Dicke haben müssen, um die Form zu halten, aber gleichzeitig Flexibilität an den Biegestellen oder beim Einsetzen des Bodens zu bewahren. Im Handwerk werden dafür am häufigsten Rindsleder verwendet, die eine ausgewogene Balance zwischen Festigkeit und Verarbeitungsfreiheit bieten.
Klingt einfach und ist es auch – vorausgesetzt, du wählst die Art der Gerbung je nach Konstruktion. Pflanzlich gegerbtes Leder (veg tan) ist steif, hält die Form hervorragend und ermöglicht eine schöne Kantenbearbeitung (burnishing). Mit der Zeit entwickeln sie eine edle Patina. Chromgegerbtes Leder hingegen ist viel weicher, wasserabweisend und hat eine stabile Farbe. Die Kanten von chromgegerbtem Leder lassen sich nur schwer polieren, daher werden sie meist mit Kantenfarbe bearbeitet oder nach innen eingeschlagen.
In der Werkstatt unterscheidet man beim Taschennähen zwei Hauptschulen: steife Taschen (auf der rechten Seite genäht, oft mit offenen Kanten, die vor der Bearbeitung mit einem Kantenhobel wie einem Edge Beveler, meist in Größe #1 oder #2, vorbereitet werden) sowie gewendete Taschen (auf der linken Seite genäht und auf die rechte Seite gewendet). Diese zweite Methode schließt die Verwendung von dicken, steifen pflanzlich gegerbten Ledern kategorisch aus, die beim Wenden dauerhafte Knicke bekommen könnten.
Wo kommen Taschen aus echtem Leder zum Einsatz?
Verschiedene Taschenformen erfordern völlig unterschiedliche Materialparameter.
- Tote Bag (große Stadttasche): erfordert starkes Leder mit einer Dicke von 1,5 mm - 2,0 mm. Hier kommen oft Pull-up-Leder zum Einsatz, die beim Tragen schön arbeiten.
- Messenger Bag (Umhängetasche): klassisch aus steiferem pflanzlich gegerbtem Leder mit einer Dicke von 2,0 mm - 2,5 mm genäht, damit die Klappe ihre Form gut behält.
- Clutch (Abendtasche): erfordert dünneres Material, meist um 1,0 mm - 1,5 mm, oft aus gefärbtem chromgegerbtem Leder oder weichem Spaltleder.
- Griffriemen (Trageriemen): dieses Element trägt die größten Lasten. Riemen werden meist aus dickerem Kernleder (2,5 mm - 3,5 mm) geschnitten, um ein Dehnen zu verhindern.
Wie wählt man aus und worauf sollte man achten?
Beginne bei einem Taschenprojekt mit der Analyse ihrer Konstruktion. Wenn du eine steife Aktenmappe nähen möchtest, suche nach Vollnarbenleder (full grain) pflanzlich gegerbt. Wenn du eine weiche Hobo-Tasche bevorzugst, wähle dünneres chromgegerbtes oder halbchromgegerbtes Leder.
Achte auf die Größe der Häute. Taschen erfordern lange Schnitte (insbesondere für Riemen und den Bodenumfang). Eine halbe Rindshaut (sogenannte Rindshälfte) ist in der Regel eine sichere Wahl, die genügend Material bietet, ohne kurze Stücke zusammenfügen zu müssen. Vergiss auch nicht die Beschläge – das Gewicht des Leders erfordert robuste Schnallen und Nieten, die sich bei täglichem Gebrauch nicht verformen.
Produkte aus unserem Sortiment
Bei CraftPoint findest du alles, was du für das Nähen einer professionellen Tasche benötigst:
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- Gürtelschnallen — robuste Rollen- und Rahmenschnallen, unverzichtbar für die Einstellung der Trageriemen.
- Druckknöpfe und Verschlüsse — zuverlässige Verschlüsse für Klappen und Innentaschen.
- Ledergarn — strapazierfähige Polyesterfäden (darunter die beliebten Slam-Fäden), die über Jahre hinweg für haltbare Nähte sorgen.
Verwandte Begriffe im Glossar
- Rindsleder
- Maya Leder
- Pflanzliche Gerbung
- Rollschnalle
- Druckknopf und Schnappverschluss







