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Was ist Veloursleder?
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Was ist Veloursleder?

Veloursleder ist eine Art von Naturleder, meist chromgegerbt, dessen Arbeitsfläche durch einen tiefen Schleifprozess auf der Fleischseite (Narben? nein, hier ist die „Fleischseite“ gemeint, aber der Begriff wird später im Text erklärt – besser: „von der Fleischseite aus“) bearbeitet wurde, wodurch ein charakteristischer, weicher und samtiger Flor entsteht. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird es oft mit Wildleder oder Nubukleder verwechselt, technisch gesehen ist Veloursleder jedoch die von der Fleischseite her geschliffene Haut, während Nubukleder auf der Narbenseite geschliffen wird. Das Verständnis der Natur dieses Materials ist der Schlüssel zur Entwicklung langlebiger und ästhetischer Sattlerprojekte, die Flexibilität und eine spezifische Textur erfordern.

Eigenschaften

Das Hauptmerkmal, das Veloursleder definiert, ist seine Struktur. Das Anfassen eines gut gegerbten Veloursleders fühlt sich an wie mit der Hand über einen dichten, kurzgeschorenen Teppich zu streichen – die Fasern ordnen sich je nach Bewegungsrichtung an und verändern leicht die Farbnuance des Materials. Dieser visuelle Effekt verleiht den Produkten Tiefe und ein luxuriöses Aussehen. Veloursleder wird in der Regel aus Spaltleder, also der unteren Schicht der Haut, die beim Spalten von der Narbenseite getrennt wird, oder aus Volleder hergestellt, bei dem die Fleischseite zur repräsentativen Seite wird.

Die meisten auf dem Markt erhältlichen Veloursleder sind chromgegerbt. Diese Tatsache ist für den Sattler von großer Bedeutung. Die Chromgerbung macht das Material extrem weich, fließend und beständig gegen hohe Temperaturen. Leider bringt dies auch spezifische handwerkliche Einschränkungen mit sich. Auf Veloursleder kann man keine Prägungen oder Stempelungen vornehmen – die Fasern behalten das eingedrückte Muster nicht, und ein Schlag mit dem Punzierhammer zerstört lediglich den Flor. Dieses Leder nimmt auch wasserbasierte Lederfarbe und Wachse nicht gut an. Der Versuch, Fiebing's Pro Dye im Heimgebrauch aufzutragen, endet in der Regel damit, dass die Fasern verkleben und eine harte, unschöne Kruste entstehen. Veloursleder wird bereits in der Zielfarbe gekauft, werksseitig durchgefärbt.

Eine weitere Herausforderung ist die Kantenbearbeitung. Aufgrund der Weichheit und des Fehlens einer geschlossenen Narbenseite lassen sich die Kanten von Veloursleder nicht mit Tokonole und einem Holzpolierer (wood slicker) glätten und polieren. Die Reibung führt lediglich zu einem Ausfransen und einer Schichtung der Kante. Um ein sauberes Finish zu erzielen, werden die Kanten von Veloursleder meist umgeschlagen (Technik des „turned edge“), in Innen- oder verdeckten Nähten versteckt oder eventuell mit einer speziellen, dickflüssigen Kantenfarbe bestrichen, wobei die letzte Lösung viel Übung erfordert, damit die Lederfarbe nicht in die Florstruktur einsickert.

Veloursleder neigt zudem dazu, Feuchtigkeit aufzunehmen und Schmutz anzuziehen. Seine poröse Oberfläche wirkt wie ein Schwamm. Aus diesem Grund müssen Velours-Produkte oft mit speziellen Imprägniersprays (speziell für Wildleder und Velours) behandelt werden, die eine unsichtbare hydrophobe Schicht bilden, ohne die empfindlichen Fasern zu verkleben.

Anwendungen

Aufgrund seiner Weichheit und Flexibilität wird Veloursleder in ganz anderen Projekten verwendet als starres pflanzlich gegerbtes Rindsleder. Es erfordert einen anderen Konstruktionsansatz, belohnt jedoch mit einem einzigartigen Aussehen und hohem Tragekomfort.

  • Luxuriöse Lederfutter. Dies ist eine der häufigsten Anwendungen von dünnem Veloursleder mit einer Stärke von 0,6 mm – 0,8 mm. Das Einkleben einer solchen Schicht in das Innere einer Tasche, Aktentasche oder Brieftasche wertet das Produkt sofort auf. Veloursleder schützt den Inhalt vor Kratzern und verdeckt die rohe Fleischseite des Hauptleders. Es erfordert jedoch ein präzises Auftragen von Lederkleber, damit dieser nicht durchschlägt.
  • Weiche Hobo-Taschen und Beutel. Veloursleder mit einer Stärke von 1,2 mm – 1,5 mm ist ein hervorragendes Material für große, informelle Taschen, die locker auf der Schulter liegen sollen. Sie werden meist auf links genäht und anschließend gewendet. Man muss daran denken, die Befestigungspunkte von Gürtelriemen und Beschlägen zu verstärken, indem man Flicken aus dehnungsarmem Narbenleder oder speziellem Verstärkungsband einklebt.
  • Geldbeutel, Säckchen und Etuis. Aufgrund seiner leichten Fältelung eignet sich Veloursleder mit einer Stärke von etwa 1,0 mm hervorragend für Projekte mit Lederbandzug. Aus diesem Material gefertigte Säckchen für Spielknochen, Schmuck oder kleine Werkzeuge sind extrem langlebig und angenehm in der Handhabung.
  • Fransen und dekorative Elemente. Veloursleder lässt sich sehr leicht schneiden, und seine Kanten franzen nicht so stark aus wie bei textilen Materialien. Lange, in dichte Fransen geschnittene Streifen sind ein klassisches Accessoire für Taschen und Jacken im Boho- oder Western-Stil.
  • Sattlerschürzen und Arbeitskleidung. Dickeres Veloursspaltleder (über 1,5 mm) ist ein hervorragendes Material für Schutzkleidung. Es ist widerstandsfähig gegen Funken und mechanische Beschädigungen und dennoch flexibel genug, um die Bewegungen bei der Arbeit an der Werkbank nicht einzuschränken.
  • Kontrasteinsätze in Lederwaren. Die Kombination einer glatten, glänzenden Narbenseite mit mattem Veloursleder in einem Projekt (z.B. auf einer Taschenklappe) ergibt einen großartigen visuellen Effekt. Dies erfordert jedoch eine sorgfältige Planung der Stärken beider Materialien, damit die mit dem Prickeisen vorgezeichnete Naht gleichmäßig aussieht.

Wie man es auswählt

Die Wahl des richtigen Veloursleders hängt zu hundert Prozent von dem Projekt ab, das du umsetzen möchtest. Die Arbeit mit diesem Material kann tückisch sein, daher solltest du vor dem Kauf und Zuschnitt auf einige Schlüsselparameter achten.

Für den anfängenden Sattler ist der beste Start die Verwendung von Veloursleder als Futter. Suche nach Häuten mit einer Stärke von nicht mehr als 0,8 mm. Dickeres Veloursleder als Futter macht das Projekt unnötig schwer und sperrig. Achte auf die Haarlänge. Kurzer, dichter Flor ist wesentlich eleganter, weniger abriebanfällig und leichter zu reinigen. Langer, loser Flor wird schnell fusselig und sammelt Staub, was im Inneren einer Brieftasche ungepflegt aussieht.

Ein fortgeschrittener Handwerker, der eine ganze weiche Tasche nähen möchte, sollte nach Veloursleder mit einer Stärke von 1,2 mm – 1,5 mm suchen. Entscheidend ist hier die Beurteilung der Dehnbarkeit des Materials. Veloursleder kann sehr stark arbeiten, besonders in einer Richtung. Bevor du die Hauptpaneele der Tasche zuschneidest, dehne das Leder in den Händen, um die Richtung der größten Elastizität zu bestimmen. Tragelemente wie der Taschenboden oder die Einnähstellen von Gurten sollten so zugeschnitten werden, dass die Kraft entlang der am wenigsten dehnbaren Achse des Materials wirkt. Das Ignorieren dieses Schrittes führt zu einer Tasche, die nach einem Monat Tragen ihre Form verliert und sich bis zum Boden ausdehnt.

Ein wichtiger Aspekt bei der Arbeit mit Veloursleder ist das Schneiden und Kleben. Verwende zum Schneiden ausschließlich perfekt geschärfte Werkzeuge wie ein Ledermesser (Round Knife) oder ein Segmentmesser mit frischer Klinge. Eine stumpfe Klinge schneidet die weichen Fasern nicht durch, sondern beginnt sie zu ziehen und zu kräuseln, was die Kante ruiniert. Beim Kleben von Veloursleder (z.B. beim Verbinden mit pflanzlich gegerbtem Leder) trage den Lederkleber mit einem Spachtel in einer sehr dünnen, gleichmäßigen Schicht auf. Zu viel Lederkleber dringt in die poröse Struktur ein, versteift das Material und kann als dunkle, harte Flecken auf der repräsentativen Seite durchschlagen, die sich nicht mehr entfernen lassen.

Zum Nähen von Veloursleder empfehlen wir glatte Polyesterfäden. Der mit Vinymo MBT Faden ausgeführte Sattlernaht (Sattlernaht) wird gleichmäßig liegen und keine weichen Fasern einziehen. Stark gewachste Fäden wie Slam können für empfindliche, zu wendende Konstruktionen zu steif und klebrig sein, eignen sich jedoch hervorragend für Stellen, die maximale Festigkeit erfordern. Den Abstand der Prickeisen wählst du entsprechend der Projektgröße – für Taschen ist ein Abstand von 5 mm oder 6 mm ideal, für kleine Accessoires 3 mm oder 4 mm.

Produkte aus unserem Sortiment

In unserem Shop findest du die notwendige Chemie, Fäden und Lederwerkzeug, die dir eine präzise Arbeit mit weichen Materialien ermöglichen. Obwohl wir Veloursleder je nach Verfügbarkeit bei den Gerbern ins Sortiment aufnehmen, kannst du dich bei uns dauerhaft mit dem für seine Verarbeitung benötigten Equipment eindecken. Denke daran, dass wir für Veloursleder keine Präparate wie Tokonole verwenden, daher konzentriere dich auf die konstruktiven Lederwerkzeuge.

Zum Schneiden von fließenden Materialien sind scharfe Ledermesser und Schneidematten unerlässlich, die das Abstumpfen der Klingen verhindern. In der Abteilung für Chemie findest du professionelle Lederkleber, die bei geschicktem Auftragen ein sauberes Unterkleben der Veloursfutter ermöglichen, ohne das Projekt zu versteifen. Wir bieten auch eine breite Auswahl an Prickeisen in Abständen von 3 mm bis 6 mm, sodass du die Stichdichte an die Stärke und den Charakter der Velourstasche oder des Geldbeutels anpassen kannst. Zum eigentlichen Nähen empfehlen wir Vinymo MBT Faden, die glatt durch die weiche Struktur gleiten, ohne sie zu zerreißen.

Wenn du Beschläge für weiche Taschen suchst, findest du in den entsprechenden Abteilungen messingne und stählerne Halbringe, Karabinerhaken und Nieten, die eine sichere Befestigung der Gürtelriemen am Velours-Korpus ermöglichen.

Verwandte Begriffe

  • Fleischseite
  • Chromgerbung
  • Spaltleder
  • Sattlernaht
  • Prickeisen
  • Narbenleder
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