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Was ist Vollnarbenleder? - Glattes Leder im Detail
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Was ist Vollnarbenleder? - Glattes Leder im Detail

Glattleder ist ein Narbenleder, bei dem die oberste Schicht intakt geblieben ist, wodurch die natürliche Struktur, die Poren sowie eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Beschädigungen und Feuchtigkeit erhalten bleiben. Es ist die absolute Grundlage des klassischen Sattlerhandwerks und unterscheidet sich deutlich von rauen Ledern wie Wildleder oder Nubuk, bei denen der Narben absichtlich abgeschliffen wurde. Die Arbeit mit diesem Material erfordert Konzentration und Präzision, da die glatte Oberfläche jedes Detail des Projekts zur Geltung bringt, aber gleichzeitig keine handwerklichen Fehler verzeiht – versehentliche Kratzer mit der Sattlerahle oder Kleberflecken sind nur sehr schwer zu entfernen.

Eigenschaften

Den Aufbau von Glattleder zu verstehen, ist der Schlüssel zu erfolgreichen Projekten. Sein wichtigstes Element ist der Narben, also die äußere Schicht. Der Narben ist ein dichter, natürlicher Schutzschild, der die weichen, lockereren Fasern schützt, die tief im Material, direkt an der Fleischseite, verborgen liegen. Die Dichte des Narbens bestimmt, wie sich das Leder beim Schneiden, Nähen und im täglichen Gebrauch verhält. Die glatte Oberfläche erleichtert das Abfließen von Wasser und Schmutz, was die fertigen Produkte äußerst praktisch macht. Die Eigenschaften dieses Materials hängen jedoch maßgeblich von der Gerbmethode ab, die die Art der handwerklichen Verarbeitung grundlegend verändert.

Glattleder, das pflanzlich gegerbt ist (oft als Blankleder bezeichnet), ist ein formbares Material, das sich für Modifikationen eignet. Seine Oberfläche nimmt Wasser auf, was Nassformen und das Prägen von Mustern ermöglicht. Wenn Sie Leder mit einer Mindeststärke von 2 mm verwenden, können Sie mit einem Ledermesser (Swivel Knife) und Punziereisen jedes beliebige Ornament darauf übertragen. Natürliches Blankleder nimmt auch Farben auf Alkohol- oder Wasserbasis (wie die Produkte der Marke Fiebing's) an und dunkelt unter dem Einfluss von Sonnenlicht und täglicher Berührung mit der Zeit nach, wobei es eine edle Patina entwickelt. Die Kantenbearbeitung bei einem solchen Leder ist eine reine Freude – nach der Verwendung eines Kantenhobels (Edge Beveler) und dem Schleifen mit Schleifpapier reicht es, etwas Tokonole aufzutragen und die Kante mit einem Kantenglätter (Wood Slicker) zu polieren, um eine glatte, glasartige Oberfläche zu erhalten.

Ganz anders verhält sich chromgegerbtes Glattleder sowie fabrikmäßig veredeltes und gefärbtes Leder. Diese haben geschlossene Poren. Das bedeutet, dass sie keine zusätzlichen Farben, Wachse oder Öle auf der Narbenoberfläche aufnehmen – Flüssigkeiten laufen einfach daran ab. Sie können auch nicht geprägt werden, da die Fasern die eingedrückte Form nicht behalten. Die Arbeit mit solchem Leder erfordert eine andere Herangehensweise an die Details. Die Kanten von chromgegerbten Ledern sind in der Regel zu weich und zu locker, als dass das Polieren mit Tokonole einen dauerhaften Effekt erzielen würde. Stattdessen werden spezielle Kantenfarbe (z. B. Fiebing's Edge Kote) verwendet, die eine flexible Schicht bildet, die die Kante vor dem Ausfransen schützt.

Anwendungen

Glattleder ist ein äußerst vielseitiges Material, aber der Erfolg eines Projekts hängt von der präzisen Auswahl der Stärke (ausgedrückt in Millimetern) für die jeweilige Aufgabe ab. Derselbe Lederbogen ist nicht gleichzeitig für einen schweren Gürtel und eine dünne Geldbörse geeignet.

  • Klassische Geldbörsen (Bifold / Trifold). Sie erfordern Präzision und dünnes Material, damit die Börse nach dem Falten mehrerer Lagen nicht wie ein Ziegelstein aussieht. Für die Außenschicht eignet sich Leder mit einer Stärke von 1,5 mm hervorragend, während für die inneren Kartentaschen eine Stärke von 1,0 mm – 1,2 mm optimal ist. Für solche Projekte werden oft Prickeisen mit einem Lochabstand von 3 mm oder 4 mm sowie dünne Polyesterfäden verwendet.
  • Gürtel. Hier regiert dickes, steifes, pflanzlich gegerbtes Glattleder. Damit sich der Gürtel unter dem Tragen nicht dehnt, sollte Blankleder mit einer Mindeststärke von 3 mm, optimal 3,5 mm – 4 mm, verwendet werden. Diese Stärke erfordert eine solide Kantenbearbeitung mit einem Kantenhobel (Edge Beveler) in Größe #2 oder #3, damit die scharfen Kanten nicht in die Haut des Trägers einschneiden.
  • Damentaschen und Umhängetaschen. Je nach gewünschter Steifigkeit werden hier Leder mit einer Stärke von 1,8 mm bis 2,5 mm verwendet. Chromgegerbte Leder oder fertige farbige Leder (wie unser Flaggschiff-Leder Maya) ermöglichen die Herstellung einer weichen, fallenden Tasche. Wenn die Tasche eine steife Form halten soll (z. B. ein Koffer), ist pflanzlich gegerbtes Rindsleder erforderlich, das oft zusätzlich nassgeformt wird.
  • Messerscheiden und Holster. Dies ist die Domäne ausschließlich pflanzlich gegerbter Leder. Material mit einer Stärke von 2,5 mm – 3,5 mm wird nach dem Einweichen in Wasser geschmeidig wie Knete. Es kann exakt an die Form des Messergriffs oder der Pistole angepasst werden. Nach dem Trocknen härtet das Leder aus und behält dauerhaft seine gegebene Form, wodurch das Werkzeug geschützt wird.
  • Uhrenarmbänder. Sie erfordern weiches und sehr dünnes Glattleder, normalerweise im Bereich von 1,0 mm – 1,5 mm. Sie werden oft in einer zweilagigen Technik hergestellt, bei der der wunderschöne äußere Narben auf ein zartes Futter geklebt wird, das direkten Hautkontakt am Handgelenk hat. Das Nähen solcher Armbänder ist eine mikroskopische Arbeit, die Prickeisen mit einem Lochabstand von 3 mm und sehr dünnen Faden erfordert.
  • Aktentaschen und Businessmappen. Projekte, die dem Tragen schwerer Lasten (Laptops, Dokumente) ausgesetzt sind. Der Korpus wird aus Glattleder mit einer Stärke von 2,0 mm – 2,5 mm gefertigt, während tragende Elemente wie Griffe und Schultergurte Verstärkungen oder dickeres Leder von etwa 3,0 mm benötigen. Die Kantenbearbeitung bei solchen Produkten muss perfekt sein, da sie über das professionelle Erscheinungsbild des Ganzen entscheidet.

Wie man wählt

Die Wahl des richtigen Glattleders ist der Moment, in dem ein unerfahrener Sattler oft Fehler macht. Der häufigste ist der Kauf eines schönen, fabrikfertigen chromgegerbten Leders in der Absicht, Initialen zu prägen oder seine Farbe zu ändern. Um Frustration zu vermeiden, beginnen Sie immer damit, die Techniken zu definieren, die Sie in Ihrem Projekt verwenden möchten.

Wenn Sie vorhaben zu schnitzen, zu stempeln, nasszuformen oder selbst zu färben (z. B. mit Fiebig's Pro Dye Farben), gibt es nur eine Wahl: natürliches, pflanzlich gegerbtes Glattleder. Für einen unerfahrenen Handwerker ist die Arbeit mit Blankleder mit einer Stärke von 1,5 mm – 2,0 mm ein hervorragendes Übungsfeld. Dieses Material verzeiht kleine Fehler beim Schneiden, lässt sich leicht mit Tokonole Kanten polieren und ermöglicht das Erlernen der traditionellen Sattlernaht. Zum Schneiden dickerer Blankleder (über 2,5 mm) verwenden fortgeschrittene Sattler Werkzeuge wie das Ledermesser (Round Knife), die eine flüssige Führung der Klinge entlang von Bögen ermöglichen.

Wenn Ihnen dagegen ein schnelles Ergebnis, eine gleichbleibende Farbe und Witterungsbeständigkeit von Anfang an wichtig sind, wählen Sie fertig veredelte Glattleder. Hier entfällt das mühsame Färben und Versiegeln des Narbens. Denken Sie jedoch daran, dass Sie bei der Wahl eines solchen Materials eine andere Technik der Kantenbearbeitung beherrschen müssen. Anstatt mit Holz und Traganth zu polieren, werden Sie Schichten von Kantenfarbe auftragen, diese mit feinem Schleifpapier schleifen und erneut auftragen, bis eine perfekt glatte Rundung entsteht.

Achten Sie auch auf die Auswahl der Lederwerkzeuge und Zubehörteile entsprechend der Lederstärke. Wenn Sie eine dünne Geldbörse aus 1,2 mm Leder nähen, verwenden Sie Prickeisen mit einem Lochabstand von 3 mm oder 4 mm und dünnem Sattlergarn aus Polyester (z. B. Slam). Dicker Faden auf dünnem Leder wirkt klobig. Beim Nähen eines Gürtels aus 3,5 mm Leder hingegen sorgen ein Lochabstand von 5 mm oder 6 mm und ein dickerer Faden (z. B. Vinymo MBT) für die richtigen Proportionen und die Haltbarkeit der Naht.

Produkte aus unserem Sortiment

In unserem Online-Shop setzen wir auf bewährte Materialien und Chemikalien, die es Ihnen ermöglichen, das Potenzial von Glattleder voll auszuschöpfen, unabhängig von Ihrem Erfahrungslevel.

  • Pflanzlich gegerbtes Leder (Blankleder) — Wir bieten natürliche Häute und Riemen in verschiedenen Stärken (von 1,0 mm bis über 3,5 mm). Das ist die reine Leinwand für Ihre Kreativität, ideal zum Prägen, Formen und Färben.
  • Maya Leder — Unser Flaggschiff-Glattleder mit einer einzigartigen, matten Oberfläche und einer schönen Farbpalette. Fertig zum Schneiden und Nähen, erfordert keine zusätzliche Narbenfärbung.
  • Chemie zur Kantenbearbeitung — Sie finden bei uns das originale japanische Tokonole, unverzichtbar zum Polieren von Kanten und der Fleischseite bei pflanzlich gegerbten Ledern, sowie Kantenfarbe der Marke Fiebing's (Edge Kote) für chromgegerbte Leder.
  • Lederfarbe — Wir führen eine breite Palette an Alkoholfarben von Fiebing's Pro Dye sowie wasserbasierten Eco-Flo Farben, mit denen Sie natürliches Blankleder dauerhaft und tief einfärben können.
  • Sattlerwerkzeug — Von präzisen Prickeisen (erhältlich in den Lochabständen 3, 4, 5 und 6 mm), über Kantenhobel (Edge Beveler) in den Größen #0 bis #4, bis hin zu Nahtversenkern (Creaser) und Kantenglättern (Wood Slicker).
  • Polyesterfäden — Robuste, gewachste Fäden von Slam und Vinymo MBT, die eine starke und ästhetische Sattlernaht garantieren.

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