Sattlergarn ist ein hochfestes, in der Regel gewachstes Garn, das für die manuelle oder maschinelle Verbindung von Lederteilen bestimmt ist. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Nähgarnen muss es enormen mechanischen Belastungen, der Reibung beim Durchziehen durch dickes Leder sowie jahrelangen Witterungseinflüssen standhalten. Die Wahl des richtigen Garns ist eine Entscheidung, die sowohl die Ästhetik als auch die Lebensdauer des gesamten Projekts beeinflusst.
Was zeichnet Sattlergarn aus?
Die in der Lederverarbeitung verwendeten Garne unterscheiden sich grundlegend von denen, die man in der heimischen Nähkiste für Kleidung findet. Stellen Sie sich Sattlergarn als das Stahlseil einer Hängebrücke vor – jede einzelne Faser arbeitet daran, dass die gesamte Konstruktion jahrzehntelang enormen Spannungen standhält, ohne zu reißen. Dies erfordert das richtige Material, die richtige Struktur und den richtigen Schutz.
Das wichtigste charakteristische Merkmal ist das Vorhandensein von Wachs. Sattlergarne sind meist bereits im Herstellungsprozess vorgewachst. Das Wachs erfüllt hier eine dreifache Funktion: Es verbindet die einzelnen Fasern miteinander und verhindert so ihr Aufspalten (sog. Ausfransen) beim Nähen, es reduziert die Reibung, wenn das Garn durch die engen, mit der Sattlerahle gestochenen Löcher geführt wird, und es dichtet die Sattlernaht selbst ab, schützt sie vor Feuchtigkeit.
Vom Material her werden die Garne in zwei Hauptfamilien unterteilt: Leinengarne und synthetische Garne (meist aus Polyester). Leinengarne sind der absolute Klassiker, der in der traditionellen Sattlerei und bei luxuriösen Lederwaren verwendet wird. Sie haben ein schönes, natürliches, leicht raues Aussehen und altern mit der Zeit gemeinsam mit dem Leder. Sie erfordern jedoch mehr Aufmerksamkeit – sie können bei längerer Feuchtigkeitseinwirkung faulen, wenn sie nicht regelmäßig gepflegt werden. Polyestergarne (wie das beliebte Slam oder die dickeren Vinymo MBT) sind die gängige Lösung. Sie sind völlig resistent gegen Schimmel, UV-Strahlung und Fäulnis und bieten zudem eine höhere Reißfestigkeit.
Vom Aufbau her unterscheidet man gezwirnte Garne (bei denen mehrere Fasern um die eigene Achse gewickelt sind) und geflochtene Garne (bei denen die Fasern wie bei einem dicken Seil miteinander verflochten sind). Geflochtene Garne sind in der Regel flach, was dazu führt, dass sie sich sehr gut in die Nahtrille einfügen, während gezwirnte Garne ein rundes Profil behalten und sich stärker auf der Narbenoberfläche abzeichnen.
Für die einen ist es eine hervorragende Lösung, für andere ein unnötiges Gadget – die Rede ist vom Grad der Wachsung. Manche Handwerker bevorzugen stark fabrikgewachste Garne, die steif sind und sofort einsatzbereit. Andere kaufen lieber rohe oder leicht gewachste Garne, um sie selbst durch einen Block aus natürlichem Bienenwachs oder ein spezielles Garnfett der polnischen Marke Pruciak zu ziehen und so die volle Kontrolle über ihre Gleitfähigkeit zu haben.
Wo wird Sattlergarn eingesetzt?
Die Wahl der Garnstärke hängt direkt vom Umfang des Projekts und dem gewünschten visuellen Effekt ab.
- Kleine Lederwaren (Geldbörsen, Etuis, Uhrenarmbänder): Erfordert dünne Garne, in der Regel mit einer Stärke von 0,4 mm bis 0,6 mm, was einen dichten, eleganten Handstich ermöglicht.
- Mittlere Projekte (Taschen, Organizer, Gürtelriemen): Hier werden meist die universellen Stärken 0,8 mm oder 1,0 mm verwendet. Sie bieten eine hervorragende Balance zwischen Ästhetik und Robustheit.
- Schwere Sattlerei (Holster, Messerscheiden, Sättel, Zaumzeug): Hier dominieren dicke Garne über 1,0 mm (bis zu 1,2 mm), die extremen Spannungen standhalten und den Kontakt mit scharfen Kanten oder schwerem Gewicht aushalten müssen.
- Ziernähte: Kontrastgarne (z. B. weißes Garn auf schwarzem Leder) werden oft verwendet, um die Perfektion der Sattlernaht hervorzuheben.
Wie wählt man aus und worauf sollte man achten?
Der Schlüssel zu einer ästhetischen Naht ist die Anpassung der Garnstärke an den Teilungsabstand der Prickräder oder Prickeisen. Dies ist eine eiserne Regel in der Lederverarbeitung. Wenn Sie Prickräder mit einem kleinen Teilungsabstand (z. B. 3 mm) verwenden, erzeugt ein dickes Garn von 1,0 mm eine gedrängte, unschöne Linie, die wie ein durchgehender Strich aussieht. Ein sehr dünnes Garn (0,4 mm) hingegen, das mit einem großen Teilungsabstand (z. B. 5 mm oder 6 mm) verwendet wird, wird in den Löchern optisch verschwinden, und die Naht wirkt schwach und weit.
Für den gängigsten Teilungsabstand der Prickräder (4 mm) ist ein Garn der Stärke 0,8 mm eine gute Wahl für den Anfang. Es sorgt für einen klaren, schrägen Stich und bereitet beim Durchziehen der Nadel keine Probleme.
Achten Sie auch darauf, ob das Garn flach oder rund ist. Flache Polyestergarne wie Slam verriegeln sich beim Nähen mit zwei Nadeln (Handnaht) gut in den Löchern und legen sich sehr flach auf, wodurch das Risiko von Scheuerstellen an der Naht bei täglichem Gebrauch minimiert wird.
Produkte aus unserem Sortiment
Bei CraftPoint finden Sie eine große Auswahl an Garnen, die für jede Art von Projekt geeignet sind, von dünnen Geldbörsen bis hin zu robusten Holstern.
- Slam Garne — flache, geflochtene Polyestergarne, leicht gewachst. Sie sind ein beliebtes Material im modernen Handwerk, extrem haltbar und legen sich in einen schönen Stich.
- Ledernähgarne — ein voller Querschnitt an Farben und Stärken, der eine präzise Anpassung an die Lederfarbe oder die Erstellung eines kontrastierenden Details ermöglicht.
- Sattlergarn (gewachst) — klassische Garne, die dank des fabrikseitigen Wachsschutzes beim Arbeiten nicht ausfransen und die Löcher vor Feuchtigkeit schützen.
- Ledernadeln — Nadeln mit stumpfer Spitze, die für die Arbeit mit dickem Sattlergarn unerlässlich sind und verhindern, dass beim Nähen das Garn selbst durchstochen wird.
- Lederwerkzeug (Prickräder) — Werkzeuge, die den Lochabstand bestimmen, an den Sie die Stärke des gewählten Garns anpassen sollten.







