Lederfarbe auswählen bedeutet, das richtige Färbemittel an die Gerbungsart, den gewünschten visuellen Effekt und den Verwendungszweck des fertigen Sattlerwarenstücks anzupassen. Die richtige Wahl entscheidet über Farbechtheit, Farbtiefe und den Erhalt der natürlichen Narbenstruktur des Materials.
Die Entscheidung, die Farbe zu ändern, ist einer der kreativsten Schritte in der Arbeit eines Handwerkers. Sie erfordert jedoch Grundkenntnisse darüber, wie Leder auf Chemikalien reagiert.
Worin besteht das Auswählen von Lederfarbe?
In einer Sattlerwerkstatt begegnen uns hauptsächlich zwei Arten von Färbemitteln: eindringende Farben (auf Alkohol- oder Wasserbasis) und deckende Farben (Acryl). Der Unterschied in ihrer Wirkung ist fundamental. Stell dir die Narben des Leders wie einen dichten, trockenen Schwamm vor. Eindringende Farbe zieht tief in die Struktur ein, färbt die Fasern von innen, lässt aber die natürlichen Poren und Narben sichtbar. Deckende Farbe hingegen wirkt wie eine dicke Glasur auf einem Kuchen – sie bildet eine neue, undurchsichtige Schicht auf der Oberfläche, die die ursprüngliche Narbenstruktur vollständig überdeckt.
Und hier taucht ein häufiger Anfängerfehler auf: Eindringende Farben werden auf chromgegerbtes oder fabrikmäßig veredeltes Leder aufgetragen. Solches Material hat bereits verschlossene Poren und nimmt die Farbe nicht auf. Eindringende Farben wie die beliebten Produkte von Fiebing's oder Eco-Flo funktionieren ausschließlich auf rohem, pflanzlich gegerbtem Leder.
Präparate auf Alkoholbasis trocknen sehr schnell und ergeben intensive, kräftige Farben, können das Material aber leicht austrocknen. Farben auf Wasserbasis trocknen etwas länger, sind umweltfreundlicher und erlauben ein einfacheres Mischen von Farbtönen.
Wann sollte Lederfarbe ausgewählt werden?
Die Wahl des konkreten Mittels hängt von dem Element ab, an dem du arbeitest:
- Färben ganzer Häute: Es werden eindringende Farben auf Alkohol- oder Wasserbasis verwendet, die mit einem Schwamm, Wollpinsel oder Aerograph auf rohes, pflanzlich gegerbtes Leder aufgetragen werden.
- Antik-Finish und Patinieren: Zur Betonung von Prägungen werden dicke Gele und Pasten (z. B. Antique Finish) verwendet, die in die Vertiefungen eindringen und von flachen Oberflächen abgewischt werden.
- Kantenbearbeitung: Hier werden dicke Kantenfarben eingesetzt, die eine glatte, gewölbte Schicht auf der Lederkante bilden. Für die Bearbeitung der Kanten und der Fleischseite eignet sich auch hervorragend Tokonole, das jedoch kein Imprägniermittel für die gesamte Narbenoberfläche ist.
- Detailverzierung: Zum Malen kleiner Muster auf den Narben werden Acrylfarben verwendet, die mit einem feinen Pinsel aufgetragen werden.
Wie wählen und worauf achten?
Entscheidend ist die Lederart, die du auf dem Tisch hast. Arbeitest du mit rohem Vollnarbenleder, das pflanzlich gegerbt ist (denk daran: zum Prägen und Färben wähle pflanzlich gegerbtes Leder mit einer Mindeststärke von 2 mm), dann greife zu eindringenden Farben. Achte auf die Basis – alkoholbasiert (z. B. Pro Dye) ergibt eine haltbarere und tiefere Farbe, erfordert aber gute Belüftung in der Werkstatt. Arbeitest du lieber ohne stechende Gerüche, wähle wasserbasierte Farben. Denk auch daran, dass jede gefärbte Oberfläche einen passenden Finish (z. B. Wachs oder Acryl-Resolene) benötigt, um das Pigment zu versiegeln und ein Abfärben auf Kleidung zu verhindern.
Produkte aus unserem Sortiment
Bei CraftPoint findest du professionelle Chemie zum Färben:
- Lederfarben — die gesamte Kategorie der Färbemittel für verschiedene Anwendungen.
- Fiebing's — Kult-Farben auf Alkoholbasis (inklusive der Pro-Dye-Serie) und Antik-Pasten.
- Pflanzlich gegerbte Leder — rohes Untergrundmaterial zum Lernen und professionellen Färben.
- Wachse und Öle — notwendige Präparate zur Lederpflege nach aggressivem Alkoholfärben.
Verwandte Begriffe im Glossar
- Fiebing's
- Eco-Flo
- Pflanzliche Gerbung
- Naturleder
- Kantenpolitur







